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Expressionismus als verlegerische
Aufgabe.
Frankfurt a. M. 1977.
1
Studien zur Auseinandersetzung
der marxistisch-leninistischen Literaturwissenschaft
mit dem
Expressionismus. Berlin 1972.
' Vgl. Walter Müller-Seidel, Die Erforschung der deutschen Literatur und ihre Leser. In: Jahrbuch der deutschen Schillergesellschaft 26 (1982), S. 512-526.

Thomas Anz

Titel Expressionismus. Forschungsprobleme 1952-19607 erschien, steckte die literarhistorische Erkundung der zehner Jahre unseres Jahrhunderts noch in den Anfängen. Gerade erst war Walter H. Sokels Epochendarstellung auf deutsch erschienen,8 hatte Kurt Pinthus die Menschheitsdämmerung neu als Rowohlt Taschenbuch herausgegeben, 9 hatten Paul Pörtners Dokumentenbände 10 eine umfangreiche Materialgrundlage bereitgestellt. Und i960 auch konnte man in Marbach jene
berühmte Expressionismus-Ausstellung besichtigen, die mit ihrem begehrten Katalog der Forschung wohl die stärksten Impulse gab. In den sechziger Jahren
versorgten dann vor allem die Arbeiten Paul Raabes, die er mit dem 1972 erschienenen Index Expressionismus" vorerst abschloß, die Expressionismus-Philologie
mit einer soliden und wahrhaft extensiven bibliographischen und dokumentarischen Basis.
Heute wird manch einem Literaturwissenschaftler die Forschungsliteratur zum
Expressionismus, die - man muß daran schon erinnern - eigentlich eine Hilfe sein
sollte, zur Plage. Die Bibliographie, die Brinkmann zur Vorbereitung seines Bandes gedient hat, ging, "ohne auf Lückenlosigkeit pochen zu können, in die Tausende von Titeln" (S. IX). Der Ton, in dem er berichtet, ist denn auch weniger von
Entdeckerfreude oder Engagement für die Sache als von Skepsis und Überdruß
geprägt. Wie ein erschreckter Akt der Notwehr eines von germanistischer Uberproduktion gequälten Berichterstatters nimmt sich der Widerspruch gegen die
Bemerkung Wolfgang Rothes aus, die Expressionismus-Forschung befinde sich
"noch immer in ihren Anfängen".' 2 Da, so Brinkmann, "kann man allerdings das
Fürchten lernen angesichts der Vorstellung, welche Dimensionen eine Expressionismus-Forschung angenommen haben .sollte, die nicht mehr in den Kinderschuhen steckt, sondern sich auf der Höhe ihrer Leistungskraft befindet. Nur in grauen
Mausoleen von Computern könnte sie noch beigesetzt und zu besonderem Bedarfe
partikelweise reviviziert werden" (S. X). Wenn Brinkmann von der (furchterregenden) "Fruchtbarkeit" der Expressionismus-Forschung spricht (S. X), meint er das
freilich vor allem quantitativ. Von der Qualität und dem Fortschritt der Forschung
zeigt er sich nur in wenigen Fällen ganz überzeugt. Der in einem Zwischenresümee
formulierte Eindruck, daß "sich alles in der Literatur zum Expressionismus wiederholt, oft kaum variiert, vielfach immer mit denselben Dokumenten bezeugt"
(S. 131), ist begründet. Aber spricht das nicht doch für die von Brinkmann zurückgewiesene Behauptung Rothes?
Brinkmanns Bericht ist ohne Konkurrenz. Es gibt nichts Vergleichbares, und
kein zweiter wird sich die Mühe machen, noch einmal zwei Jahrzehnte Expressionismus-Forschung durchzusehen und auf ihre Brauchbarkeit hin zu prüfen. Angesichts der monopolartigen Stellung, die ein solches Buch in der Beurteilung der
7

Stuttgart 1961.
Walter H . Sokel, Der Literarische Expressionismus. München i960.
' Menschheitsdämmerung.
Ein Dokument des Expressionismus. Mit Biographien und Bibliographien neu hg. von Kurt Pinthus. Hamburg 1959.
Paul Pörtner, Literaturrevolution
1910-192f.
Dokumente Manifeste Programme. 2 Bde. Neuwied, Berlin i960 und 1961.
" Paul Raabe, Index Expressionismus. Bibliographie der Beiträge in den Zeitschriften und Jahrbüchern des literarischen Expressionismus 1910-192J.
18 Bde. Nendeln/Liechtenstein 1972.
" Wolfgang Rothe, Der Expressionismus. Theologische, soziologische und anthropologische
Aspekte einer Literatur. Frankfurt a . M . 1977, S. 9.

R. Brinkmann,

Expressionismus

73

Forschung zwangsläufig einnimmt, ist es umso notwendiger, Brinkmanns Herausforderung " z u Ergänzungen, Gegenmeinungen, Urteilsdifferenzen, Korrekturen"
(S. X) anzunehmen, doch nicht ohne vorher den Verdiensten des Buches ausdrücklich gerecht zu werden.
Wesentliche, mitunter überraschende Vorzüge kündigt schon der Untertitel an:
Internationale Forschung zu einem internationalen Phänomen. Was in Italien,
Frankreich, England, Rumänien, Japan oder den USA auch an guten und bemerkenswerten Arbeiten zum Expressionismus erschienen ist, wird hierzulande kaum
beachtet, zumal dann, wenn es nicht in deutscher Sprache geschrieben wurde. Wer
kennt und zitiert in der deutschen Expressionismus-Forschung etwa das, so Brinkmann, " i n jeder Hinsicht fundierte Buch" (S. 260) von Lia Secci über die griechische Mythologie im Theater des deutschen Expressionismus' 3 oder das - auch von
Brinkmann (S. 104f.) nicht ausreichend gewürdigte - Buch D' une apocalypse a
l'autre,'4 in dem der französische Expressionismus-Forscher Lionel Richard u.a.
den von der Forschung bislang vernachlässigten Zusammenhängen von Expressionismus, Anarchismus, Sozialismus und Psychoanalyse nachgegangen ist. Früh hat
sich besonders die italienische Literaturwissenschaft für den Expressionismus interessiert. Brinkmann berichtet relativ ausführlich über die Arbeiten von Ladislao
Mittner (vor allem S. 77-80) und verweist immer wieder auf die Schriften von
Paolo Chiarini.
Noch weniger bekannt als deren Arbeiten dürften in Deutschland die meisten
Beiträge sein, über die Brinkmann in dem umfangreichen Abschnitt "Expressionismus in außerdeutschen Ländern" informiert - ein vor allem auch für Komparatisten wichtiges, wiewohl methodisch und begrifflich recht problematisches Kapitel.
Brinkmann konstatiert mit Recht ein nachhaltiges Desinteresse der germanistischen Literaturwissenschaft an dem Thema. Doch die "Forschung in verschiedenen europäischen Ländern und den USA zu einem jeweils eigenen, nationalen'
Expressionismus hat sich in der Berichtszeit auffallend belebt" (S. 140). Vor allem
der von Ulrich Weisstein herausgegebene Band Expressionism as an International
Literary Phenomenonhat
sich des Themas angenommen. Es geht in solchen
Arbeiten, die über den "Expressionismus" in Skandinavien oder Holland, Polen,
Rumänien oder Rußland, Süd- oder Nordamerika handeln, vor allem um internationale Einflüsse und Ähnlichkeiten. Doch sind Zweifel angebracht, ob es sinnvoll
ist, den Expressionismus-Begriff auf Literaturen außerhalb des deutschsprachigen
Raums zu übertragen. Brinkmann äußert sie selbst gelegentlich, hält indes letztlich,
dem Untertitel seines Berichts verpflichtet, am Expressionismus als einem "internationalen Phänomen" fest. An einer Stelle legt er nahe, das Phänomen "Avantgarde" oder "Moderne" zu nennen. Das sei " w o h l der richtigere Leitbegriff als
Expressionismus" (S. 154). Dem ist nachdrücklich zuzustimmen. "Expressionismus" hieße dann, mit einer leicht abgewandelten Wendung Alfred Döblins gesprochen,' 6 etwa zwischen 1910 und 1920 das deutschsprachige Rad an einem internationalen Wagen, den man "Moderne" nennen kann.

j)

Lia Secci, Il mito greco nel teatro tedesco espressionista. Roma 1969.
'4 Sur V Allemagne et ses productions intellectuelles de Qmllaumes li aux années vingt. Paris
1976.
'' 21 Essays and a Bibliography. Paris, Budapest 1973.
" A l f r e d Döblin, Von der Freiheit eines Dichtermenschen (1918). In: A . D . , Aufsätze zur

74

Thomas A n z

Da jedoch Brinkmann mit dem Expressionismus-Begriff oft wider bessere Einsicht umgeht, folgt er referierend sogar der Forschung über einige "expressionistische" Gedichte von Horaz (S. 166). Das entspricht nicht zuletzt auch dem Ehrgeiz
des Berichts, der Expressionismus-Forschung so umfassend wie möglich nachzugehen. Und darin vor allem liegen auch die Vorzüge des Bandes. Wir werden nicht
nur über die Forschung zum Expressionismus in der Literatur informiert, sondern
auch über die Arbeiten zur bildenden Kunst (einschließlich Architektur), zur Musik und zum Film. Vieles von dem, was der Band mit gutem Gewissen als relativ
eigenständige Gegenstandsbereiche hätte ausgrenzen und anderen Berichten überlassen können, hat Brinkmann mit einbezogen: den Futurismus, den Dadaismus, ja
sogar den Surrealismus (wohl auch zum Beleg des "internationalen Phänomens")
und, im Rahmen der "Nachgeschichte des Expressionismus", die " N e u e Sachlichkeit". Die Forschung zu einzelnen Autoren wurde vor allem berücksichtigt, soweit
deren Beziehung zum Expressionismus in Frage steht (z. B. bei Kafka) oder wenn
sie für bestimmte Ausprägungen der Bewegung besonders charakteristisch sind
(z. B. August Stramm).
Dem Bericht Lückenhaftigkeit vorzuwerfen' 7 hieße, das Buch gerade da zu kritisieren, wo es seine unbestreitbaren Vorzüge hat. Das Fehlende wiegt gegenüber der
Menge dessen, was alles berücksichtigt wurde, gering. Einwände sind eher angebracht gegenüber der Art, wie Brinkmann über die einzelnen Beiträge der Forschung berichtet. Uber weite Strecken liest sich der Band wie eine ausführlich
kommentierte Bibliographie. Offensichtlich überfordert von der Masse des zu
Berichtenden, dringt er selten zur informativen und argumentativen Substanz der
Arbeiten vor.
Immer wieder liest man, wie aus einem Verlagsprospekt, daß das betreffende Buch auch ein
Register hat und eine bestimmte Zahl von Abbildungen oder daß es in so und so viele Abschnitte
gegliedert und so und so gebunden oder gedruckt ist. Doch über den Inhalt erfährt man oft kaum
mehr, als der Lektüre des Inhaltsverzeichnisses und einem flüchtigen Durchblättern zu entnehmen
ist. Brinkmann sagt etwa, daß ein Buch "fesselnd" sei (z. B. S. 105), aber nicht, was an ihm fesselt,
daß es "ein bedeutsamer Beitrag zum Problem ,abstrakter' Dichtung" (S. 63) sei, aber nichts
darüber, welche Thesen darin über abstrakte Dichtung entwickelt werden. Zu Hans-Jörg Knoblochs Arbeit über Das Ende des Expressionismus. Von der Tragödie zur Komödie1' lesen wir: " D i e
Gründe, die Knobloch bei den einzelnen Schriftstellern, die er betrachtet, für ihre Abkehr vom
Expressionismus und für ihre Initiative im Bereich der Komödie vorbringt, leuchten im übrigen
ein" (S. 259). Was nützt ein solcher Satz, wenn man nichts darüber erfährt, welche Gründe
Knobloch anführt.

Brinkmann äußert gelegentlich seine Aversion gegen "szientifische Terminologie" (S. 33). Zu der methodisch ambitionierten Arbeit von Anton Kaes über die
Expressionismus-Rezeption in Amerika' 9 heißt es: "Bombastische Terminologien
ließen sich leicht in eine schlichte Sprache übersetzen" (S. 162). Das ist richtig,
doch viele sprachliche Schlichtheiten des so Kritisierenden sind mindestens ebenso
fragwürdig.
Literatur. Ölten, Freiburg 1963, S. 23-32; hier S. 23: "spricht man von Expressionismus, so bezeichnet man den Wagen nach einem R a d " .
17
So Jörg Drews, Abenteuer Expressionismus. Ein leider lückenhafter Forschungsbericht. In:
Süddeutsche Zeitung, 22. 1 1 . 1980.
'* Bern, Frankfurt a. M. 1975.
'' Anton Kaes, Expressionismus in Amerika. Rezeption und Innovation. Tübingen 197$.

R. Brinkmann,

Expressionismus

75

Informierende und wertende Wendungen wie die folgenden werden bei Brinkmann zu Leerformeln, weil sie nicht mit Belegen begründet werden: "Viel kommt dabei nicht heraus" (S. 60); " D a s
ist in gewissem Sinne alles nicht falsch und schließlich auch nicht geradezu unbekannt" (S. 75);
" Ü b e r die Einteilung des Materials läßt sich - wie sollte es anders sein - streiten" (S. 48); " U b e r
einzelne Auslegungen und Zuordnungen kann man - wie immer - geteilter Meinung sein" (S. 247)
etc.
M a ß s t ä b e d a f ü r , w i e m a n informativ berichten kann, v e r m a g B r i n k m a n n selbst
z u l i e f e r n . G e l e g e n t l i c h g e l i n g t es i h m , E i n s i c h t e n , T h e s e n , A r g u m e n t e u n d E r g e b nisse der F o r s c h u n g ü b e r den E x p r e s s i o n i s m u s so substantiell z u vermitteln, daß
der L e s e r nicht n u r erfährt, w a s sich w o f i n d e n läßt, s o n d e r n direkt seine K e n n t n i s
u n d sein B e w u ß t s e i n ü b e r d e n E x p r e s s i o n i s m u s e r w e i t e r n k a n n . A u f d e n e r s t e n
d e r a r t g e w i n n b r i n g e n d e n B e r i c h t b i n i c h bei m e i n e r L e k t ü r e auf S. 7 9 f f . ( ü b e r
L . M i t t n e r ; s. o . ) g e s t o ß e n . Z u d e n g e l u n g e n e n A b s c h n i t t e n k ö n n e n w e i t e r h i n u. a.
die gerechnet w e r d e n , die über die A r b e i t v o n H o r s t F r i t z z u R i c h a r d

Dehmel

r e f e r i e r e n (S. 1 1 5 f . ) 2 0 o d e r ü b e r R . H i n t o n T h o m a s ' S t u d i e " D a s I c h u n d d i e W e l t :
E x p r e s s i o n i s m u s u n d G e s e l l s c h a f t " (S. i 2 6 f . ) 2 1 u n d W a l t e r H . S o k e l s A u f s a t z " D i e
P r o s a d e s E x p r e s s i o n i s m u s " (S. 2 6 8 f f . ) . 2 2
Daß der Informationsgehalt von Brinkmanns Besprechung nicht nur eine Frage des zur Verfügung stehenden Platzes ist und sich nicht nur an der Wichtigkeit der betreffenden Arbeiten
bemißt, zeigen u. a. die Seiten über die Expressionismus-Einführung von Silvio Vietta und HansGeorg Kemper 2 ' (S. 1 0 1 - 1 0 4 ) . Einige vor allem begriffliche Schwächen des Bandes und den ungerechtfertigten Anspruch, eine umfassende Epochendarstellung zu bieten, hat Brinkmann zu Recht
kritisiert. Aber was dieses Buch vor allem mit seinen sozial- und wahrnehmungspsychologischen
Interpretationszugängen so originell und anregend macht, wird nicht deutlich. Eines der zentralen,
immer wieder gebrachten und gewiß legitimen Beurteilungskriterien von Brinkmann ist, ob ein
Forschungsbeitrag " N e u e s " zu bieten hat. So kritisiert er an Vietta, daß sich hinter seinem " w u c h tigen und bedeutenden Begriff [Ichdissoziation] vergleichsweise bekannte Phänomene verbergen"
(S. 102f.). Auch die von Vietta behandelten Texte, so ließe sich ergänzen, stehen ganz im Rahmen
des bekannten Expressionismus-Kanons. Aber "Innovation" in der literarhistorischen Forschung
kann auch heißen, an bekannte Texte und Phänomene neuartige Fragestellungen heranzutragen,
dem Gegenstand originelle Aspekte abzugewinnen und ihn in überraschende Problemzusammenhänge zu stellen. Hierin vor allem entfaltet die Monographie von Vietta und Kemper ihre Qualitäten.
Für einen Forschungsbericht hätte sie auch unter wissenschaftsgeschichtlichen Fragestellungen
wichtig werden können. Doch als einen Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte unseres Faches, der er
auch sein könnte, versteht sich Brinkmanns Bericht nicht. Wie es kein Zufall ist, daß etwa Eva
Kolinskys Studie Engagierter Expressionismus mit dem Untertitel Politik und Literatur zwischen
Weltkrieg und Weimarer Republik24 1970 erschien, insofern sie für dominierende Interessen jüngerer Literaturwissenschaftler damals typisch war, so symptomatisch ist es für die späten siebziger
Jahre, daß sich neben anderen Vietta und Kemper vor allem für die zivilisationskritischen und
fortschrittsskeptischen Aspekte des Expressionismus interessieren und für die damit verknüpften
psychischen Krisenerfahrungen.
W a s h a t s i c h , B r i n k m a n n z u f o l g e , seit i 9 6 0 in d e r E x p r e s s i o n i s m u s - F o r s c h u n g
g e t a n ? " T r o t z d e r i m p o s a n t e n F ü l l e a n n e u e m M a t e r i a l [ v o r a l l e m in k o m p a r a t i s t i Horst Fritz, Literarischer Jugendstil und Expressionismus. Zur Kunsttheorie, Dichtung und
Wirkung Richard Dehmels. Stuttgart 1969.
21
In: Expressionismus als Literatur. Gesammelte Studien. Hg. von Wolfgang Rothe. Bern,
München 1969, S. 19-36.
21
Ebd., S. 1 5 3 - 1 7 0 .
2)
S. Anm. 3.
24
Eine Analyse expressionistischer Zeitschriften (¡914-1920).
Stuttgart 1970.

Th. Anz: R. Brinkmann,

Expressionismus

sehen und filmhistorischen Bereichen] und neuen Aspekten in der Forschung [ . . . ]
hat sich doch nicht eigentlich ein grundstürzend neues ,Expressionismus-Bild'
ergeben. Aber es ist im Detail erheblich genauer erkennbar geworden, und vom
Detail her sind nun auch die Grundkonturen klarer und weniger divinatorisch zu
beschreiben" (S. 28of.). Der Terminus "Expressionismus" sei nicht nur relativ
unangefochten geblieben, sondern habe sich noch stärker etablieren können. In
kommunistisch-sozialistischen Ländern habe der Expressionismus deutliche Aufwertungen erfahren. Und was bleibt heute noch zu tun? Die Formen des Expressionismus in außerdeutschen Ländern genauer zu beschreiben als bisher, wie
Brinkmann vorschlägt, bedürfte zumindest einer gründlichen terminologischen
und methodischen Klärung (s.o.). Und diese könnte ergeben, daß solche Unternehmungen die Kompetenz und den Rahmen einer "Expressionismus-Forschung"
weit übersteigen. " D i e Verbindung der Künste untereinander, einschließlich der
neuen Kunst des Kinos" (S. 282), also den Expessionismus als "Gesamtphänomen"
gründlicher als bisher zu untersuchen, so Brinkmanns zweites Postulat an die
Forschung, kann nicht falsch sein, doch vermutlich wird die Literarhistoriker in
den nächsten Jahren anderes mehr beschäftigen. Und das wird kaum davon abhängen, wo sich bislang die größten Wissenslücken aufgetan haben; denn Forschungsinitiativen sind seltener durch Lücken motiviert als durch Interessen und Bedürfnisse der Gegenwart, durch wissenschaftsgeschichtliche Entwicklungen - oder
auch durch Zufälle.
Gegenwärtige Probleme und Denkrichtungen lassen es denkbar erscheinen, daß man sich intensiver mit der Technik-, Wissenschafts- und Vernunftkritik des Expressionismus auseinandersetzt
oder mit den Beziehungen zur Psychoanalyse und Psychiatrie. Die heutige Jugend- und Alternativkultur könnte dazu anregen, das noch kaum geklarte Verhältnis des Expressionismus zu den
damals unterschiedlichen Fraktionen der Jugendbewegung sowie zu den verschiedenen Varianten
des Anarchismus und Sozialismus aufzuarbeiten. Wenig geklärt ist auch das Thema "Expressionismus im Exil" (nicht nach 1933, sondern während des Ersten Weltkriegs) und, damit eng verbunden, der Anteil der deutschen Literaten an einer internationalen Friedensbewegung, die sich nach
1914 in der Schweiz konstituierte. Im Rahmen derzeitiger Bemühungen um eine Sozialgeschichte
der Literatur wird man sich vemutlich genauer als bisher mit Themen wie Gruppenbildungen,
Künstlerorganisationen, literarische Vermittlungsinstitutionen und dergleichen befassen. Sozialgeschichtliche Interessen könnten auch dazu führen, endlich einmal die Bedeutung des Judentums
für den Expressionismus genauer zu untersuchen.

Hat man Brinkmanns Bericht gelesen, so mag man an Überraschungen im Fortgang der Expressionismus-Forschung kaum noch glauben. Dennoch muß man, das
zeigen auch jüngste Veröffentlichungen, ständig mit ihnen rechnen. Da erschienen
z. B. unlängst zwei Bände über den Expressionismus in der Schweiz ! 2 ' Oder es
wurden unvermutet faszinierende Persönlichkeiten wiederentdeckt, die mit dem
Expressionismus einiges zu tun haben: schon in den siebziger Jahren der unorthodoxe Freud-Schüler Otto Gross, der den avantgardistischen Literatenkreisen die
Psychoanalyse in einer kulturrevolutionären Version vermittelte;26 oder eben erst
der u.a. in der Aktion publizierende Physiologe und Pazifist Georg Friedrich
Nicolai, 27 damals im Bündnis mit Albert Einstein einer der wenigen deutschen
2i

Martin Stern (Hg.), Expressionismus in der Schweiz. Bd. 1 und 2 Bern, Stuttgart 1981.
Siehe vor allem Emanuel Hurwitz, Otto Gross, "Paradies"-Sucher
zwischen Freud und Jung.
Zürich, Frankfurt 1979.
17
Wolf Zuelzer, Der Fall Nicolai. Frankfurt a. M. 1981.
26

E. Kleinschmidt: A. Döblin,

Wadzek (hg. von A.

Riley)

77

Professoren, die 1914 nicht von der nationalen Begeisterung mitgerissen wurden.
Derartige Entdeckungen verdanken sich freilich selten der ausgedehnten Lektüre
dessen, was schon an Forschungsarbeit geleistet wurde. Doch Brinkmann entwikkelt seine Forschungspostulate und die Kritik einzelner Beiträge fast immer nur aus
der vergleichenden Kenntnis dessen, was andere über den Expressionismus geschrieben haben, nicht aus einer genaueren oder umfassenderen Lektüre der damaligen Texte selbst.
Seinem dritten und letzten Postulat indes darf man vorbehaltlos zustimmen. In
der Tat wäre es an der Zeit, sich an einer historischen Gesamtdarstellung zu versuchen. Denkt man dabei, wie Brinkmann, " a n so etwas wie Sengles BiedermeierMonographie" (S. 282), dann müßte diese Epochendarstellung jedoch weit über
das hinausgehen, was bislang die Expressionismus-Forschung beschäftigt hat.
Denn der Expressionismus ist allenfalls eine wichtige literarische Teilkultur innerhalb des gesamten literarischen Kräftefeldes der damaligen Zeit. Und die Forschung zu Themen wie z . B . dem ,Exotismus' hat gezeigt, "wieviel von den anscheinend spezifisch expressionistischen Phänomenen in einem weiteren Sinn epochentypisch ist" (S. 134). Brinkmann selbst deutet die Notwendigkeit einer derart
umfassenden Perspektive mehrfach an (S. 87, 91 u.ö.), doch sollte man noch stärker
betonen: Eine literarhistorische Darstellung jener Jahre kann nicht davon absehen,
daß in derselben Zeit z. B. auch Thomas Manns Der Tod in Venedig oder Gerhart
Hauptmanns Die Ratten erschienen, sie muß neben dem Kurt Wolff Verlag ebenso
den Eugen Diederichs Verlag mit einbeziehen, neben dem Aktions-Kreis auch den
George-Kreis und zusammen mit Gottfried Benn oder Carl Einstein auch Hermann Hesse, Rainer Maria Rilke oder Karl Kraus. Der literarhistorischen Erforschung des "expressionistischen Jahrzehnts" in diesem umfassenden Sinn bleibt
noch viel zu tun, und sie verspricht einige Revisionen und neuartige Perspektiven
in der Einschätzung expressionistischer Autoren und Werke. Auch wenn eine
derart konzipierte Epochengeschichtsschreibung über den Horizont bisheriger Expressionismus-Forschung hinausgehen muß, wird ihr Brinkmanns Bericht jedenfalls hilfreich, wenn nicht unentbehrlich sein.
Institut für Deutsche Philologie

Thomas

Am

Universität München
Schellingstraße 3
D-8ooc München 4c

Roman. (Ausgewählte Werke in EinA l f r e d D ö b l i n , Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine.
zelbdn., begr. von Walter Muschg, in Verbindung mit den Söhnen des Dichters hg. von Anthony W. Riley) Walter Verlag, Ölten und I'reiburg i . B r . 1982. 393 S., D M 44,-.

Mit dem Neudruck von Döblins im Juli 1918 erstmals erschienenem und seitdem
nicht mehr zugänglichem WWze£-Roman ist der Werkausgabe in Einzelbänden
ein weiterer gewichtiger Band als 22. hinzugefügt worden, der eine notwendige
Entdeckung und Auseinandersetzung mit diesem verkannten, kaum erst von der
Forschung gedeuteten Meisterwerk der modernen Epik ermöglicht. Der ursprünglich mit einem Pendant Der Ölmotor fortzusetzende, " k o m i s c h e " Roman, den
Döblin in den ersten Monaten des Ersten Weltkrieges vor seiner Einberufung als
Militärarzt geschrieben hat, hatte durch die unglücklichen Publikationsumstände Logo ARB
Expressionismus als verlegerische
Aufgabe.
Frankfurt a. M. 1977.
1
Studien zur Auseinandersetzung
der marxistisch-leninistischen Literaturwissenschaft
mit dem
Expressionismus. Berlin 1972.
' Vgl. Walter Müller-Seidel, Die Erforschung der deutschen Literatur und ihre Leser. In: Jahrbuch der deutschen Schillergesellschaft 26 (1982), S. 512-526.

Thomas Anz

Titel Expressionismus. Forschungsprobleme 1952-19607 erschien, steckte die literarhistorische Erkundung der zehner Jahre unseres Jahrhunderts noch in den Anfängen. Gerade erst war Walter H. Sokels Epochendarstellung auf deutsch erschienen,8 hatte Kurt Pinthus die Menschheitsdämmerung neu als Rowohlt Taschenbuch herausgegeben, 9 hatten Paul Pörtners Dokumentenbände 10 eine umfangreiche Materialgrundlage bereitgestellt. Und i960 auch konnte man in Marbach jene
berühmte Expressionismus-Ausstellung besichtigen, die mit ihrem begehrten Katalog der Forschung wohl die stärksten Impulse gab. In den sechziger Jahren
versorgten dann vor allem die Arbeiten Paul Raabes, die er mit dem 1972 erschienenen Index Expressionismus" vorerst abschloß, die Expressionismus-Philologie
mit einer soliden und wahrhaft extensiven bibliographischen und dokumentarischen Basis.
Heute wird manch einem Literaturwissenschaftler die Forschungsliteratur zum
Expressionismus, die - man muß daran schon erinnern - eigentlich eine Hilfe sein
sollte, zur Plage. Die Bibliographie, die Brinkmann zur Vorbereitung seines Bandes gedient hat, ging, "ohne auf Lückenlosigkeit pochen zu können, in die Tausende von Titeln" (S. IX). Der Ton, in dem er berichtet, ist denn auch weniger von
Entdeckerfreude oder Engagement für die Sache als von Skepsis und Überdruß
geprägt. Wie ein erschreckter Akt der Notwehr eines von germanistischer Uberproduktion gequälten Berichterstatters nimmt sich der Widerspruch gegen die
Bemerkung Wolfgang Rothes aus, die Expressionismus-Forschung befinde sich
"noch immer in ihren Anfängen".' 2 Da, so Brinkmann, "kann man allerdings das
Fürchten lernen angesichts der Vorstellung, welche Dimensionen eine Expressionismus-Forschung angenommen haben .sollte, die nicht mehr in den Kinderschuhen steckt, sondern sich auf der Höhe ihrer Leistungskraft befindet. Nur in grauen
Mausoleen von Computern könnte sie noch beigesetzt und zu besonderem Bedarfe
partikelweise reviviziert werden" (S. X). Wenn Brinkmann von der (furchterregenden) "Fruchtbarkeit" der Expressionismus-Forschung spricht (S. X), meint er das
freilich vor allem quantitativ. Von der Qualität und dem Fortschritt der Forschung
zeigt er sich nur in wenigen Fällen ganz überzeugt. Der in einem Zwischenresümee
formulierte Eindruck, daß "sich alles in der Literatur zum Expressionismus wiederholt, oft kaum variiert, vielfach immer mit denselben Dokumenten bezeugt"
(S. 131), ist begründet. Aber spricht das nicht doch für die von Brinkmann zurückgewiesene Behauptung Rothes?
Brinkmanns Bericht ist ohne Konkurrenz. Es gibt nichts Vergleichbares, und
kein zweiter wird sich die Mühe machen, noch einmal zwei Jahrzehnte Expressionismus-Forschung durchzusehen und auf ihre Brauchbarkeit hin zu prüfen. Angesichts der monopolartigen Stellung, die ein solches Buch in der Beurteilung der
7

Stuttgart 1961.
Walter H . Sokel, Der Literarische Expressionismus. München i960.
' Menschheitsdämmerung.
Ein Dokument des Expressionismus. Mit Biographien und Bibliographien neu hg. von Kurt Pinthus. Hamburg 1959.
Paul Pörtner, Literaturrevolution
1910-192f.
Dokumente Manifeste Programme. 2 Bde. Neuwied, Berlin i960 und 1961.
" Paul Raabe, Index Expressionismus. Bibliographie der Beiträge in den Zeitschriften und Jahrbüchern des literarischen Expressionismus 1910-192J.
18 Bde. Nendeln/Liechtenstein 1972.
" Wolfgang Rothe, Der Expressionismus. Theologische, soziologische und anthropologische
Aspekte einer Literatur. Frankfurt a . M . 1977, S. 9.

R. Brinkmann,

Expressionismus

73

Forschung zwangsläufig einnimmt, ist es umso notwendiger, Brinkmanns Herausforderung " z u Ergänzungen, Gegenmeinungen, Urteilsdifferenzen, Korrekturen"
(S. X) anzunehmen, doch nicht ohne vorher den Verdiensten des Buches ausdrücklich gerecht zu werden.
Wesentliche, mitunter überraschende Vorzüge kündigt schon der Untertitel an:
Internationale Forschung zu einem internationalen Phänomen. Was in Italien,
Frankreich, England, Rumänien, Japan oder den USA auch an guten und bemerkenswerten Arbeiten zum Expressionismus erschienen ist, wird hierzulande kaum
beachtet, zumal dann, wenn es nicht in deutscher Sprache geschrieben wurde. Wer
kennt und zitiert in der deutschen Expressionismus-Forschung etwa das, so Brinkmann, " i n jeder Hinsicht fundierte Buch" (S. 260) von Lia Secci über die griechische Mythologie im Theater des deutschen Expressionismus' 3 oder das - auch von
Brinkmann (S. 104f.) nicht ausreichend gewürdigte - Buch D' une apocalypse a
l'autre,'4 in dem der französische Expressionismus-Forscher Lionel Richard u.a.
den von der Forschung bislang vernachlässigten Zusammenhängen von Expressionismus, Anarchismus, Sozialismus und Psychoanalyse nachgegangen ist. Früh hat
sich besonders die italienische Literaturwissenschaft für den Expressionismus interessiert. Brinkmann berichtet relativ ausführlich über die Arbeiten von Ladislao
Mittner (vor allem S. 77-80) und verweist immer wieder auf die Schriften von
Paolo Chiarini.
Noch weniger bekannt als deren Arbeiten dürften in Deutschland die meisten
Beiträge sein, über die Brinkmann in dem umfangreichen Abschnitt "Expressionismus in außerdeutschen Ländern" informiert - ein vor allem auch für Komparatisten wichtiges, wiewohl methodisch und begrifflich recht problematisches Kapitel.
Brinkmann konstatiert mit Recht ein nachhaltiges Desinteresse der germanistischen Literaturwissenschaft an dem Thema. Doch die "Forschung in verschiedenen europäischen Ländern und den USA zu einem jeweils eigenen, nationalen'
Expressionismus hat sich in der Berichtszeit auffallend belebt" (S. 140). Vor allem
der von Ulrich Weisstein herausgegebene Band Expressionism as an International
Literary Phenomenonhat
sich des Themas angenommen. Es geht in solchen
Arbeiten, die über den "Expressionismus" in Skandinavien oder Holland, Polen,
Rumänien oder Rußland, Süd- oder Nordamerika handeln, vor allem um internationale Einflüsse und Ähnlichkeiten. Doch sind Zweifel angebracht, ob es sinnvoll
ist, den Expressionismus-Begriff auf Literaturen außerhalb des deutschsprachigen
Raums zu übertragen. Brinkmann äußert sie selbst gelegentlich, hält indes letztlich,
dem Untertitel seines Berichts verpflichtet, am Expressionismus als einem "internationalen Phänomen" fest. An einer Stelle legt er nahe, das Phänomen "Avantgarde" oder "Moderne" zu nennen. Das sei " w o h l der richtigere Leitbegriff als
Expressionismus" (S. 154). Dem ist nachdrücklich zuzustimmen. "Expressionismus" hieße dann, mit einer leicht abgewandelten Wendung Alfred Döblins gesprochen,' 6 etwa zwischen 1910 und 1920 das deutschsprachige Rad an einem internationalen Wagen, den man "Moderne" nennen kann.

j)

Lia Secci, Il mito greco nel teatro tedesco espressionista. Roma 1969.
'4 Sur V Allemagne et ses productions intellectuelles de Qmllaumes li aux années vingt. Paris
1976.
'' 21 Essays and a Bibliography. Paris, Budapest 1973.
" A l f r e d Döblin, Von der Freiheit eines Dichtermenschen (1918). In: A . D . , Aufsätze zur

74

Thomas A n z

Da jedoch Brinkmann mit dem Expressionismus-Begriff oft wider bessere Einsicht umgeht, folgt er referierend sogar der Forschung über einige "expressionistische" Gedichte von Horaz (S. 166). Das entspricht nicht zuletzt auch dem Ehrgeiz
des Berichts, der Expressionismus-Forschung so umfassend wie möglich nachzugehen. Und darin vor allem liegen auch die Vorzüge des Bandes. Wir werden nicht
nur über die Forschung zum Expressionismus in der Literatur informiert, sondern
auch über die Arbeiten zur bildenden Kunst (einschließlich Architektur), zur Musik und zum Film. Vieles von dem, was der Band mit gutem Gewissen als relativ
eigenständige Gegenstandsbereiche hätte ausgrenzen und anderen Berichten überlassen können, hat Brinkmann mit einbezogen: den Futurismus, den Dadaismus, ja
sogar den Surrealismus (wohl auch zum Beleg des "internationalen Phänomens")
und, im Rahmen der "Nachgeschichte des Expressionismus", die " N e u e Sachlichkeit". Die Forschung zu einzelnen Autoren wurde vor allem berücksichtigt, soweit
deren Beziehung zum Expressionismus in Frage steht (z. B. bei Kafka) oder wenn
sie für bestimmte Ausprägungen der Bewegung besonders charakteristisch sind
(z. B. August Stramm).
Dem Bericht Lückenhaftigkeit vorzuwerfen' 7 hieße, das Buch gerade da zu kritisieren, wo es seine unbestreitbaren Vorzüge hat. Das Fehlende wiegt gegenüber der
Menge dessen, was alles berücksichtigt wurde, gering. Einwände sind eher angebracht gegenüber der Art, wie Brinkmann über die einzelnen Beiträge der Forschung berichtet. Uber weite Strecken liest sich der Band wie eine ausführlich
kommentierte Bibliographie. Offensichtlich überfordert von der Masse des zu
Berichtenden, dringt er selten zur informativen und argumentativen Substanz der
Arbeiten vor.
Immer wieder liest man, wie aus einem Verlagsprospekt, daß das betreffende Buch auch ein
Register hat und eine bestimmte Zahl von Abbildungen oder daß es in so und so viele Abschnitte
gegliedert und so und so gebunden oder gedruckt ist. Doch über den Inhalt erfährt man oft kaum
mehr, als der Lektüre des Inhaltsverzeichnisses und einem flüchtigen Durchblättern zu entnehmen
ist. Brinkmann sagt etwa, daß ein Buch "fesselnd" sei (z. B. S. 105), aber nicht, was an ihm fesselt,
daß es "ein bedeutsamer Beitrag zum Problem ,abstrakter' Dichtung" (S. 63) sei, aber nichts
darüber, welche Thesen darin über abstrakte Dichtung entwickelt werden. Zu Hans-Jörg Knoblochs Arbeit über Das Ende des Expressionismus. Von der Tragödie zur Komödie1' lesen wir: " D i e
Gründe, die Knobloch bei den einzelnen Schriftstellern, die er betrachtet, für ihre Abkehr vom
Expressionismus und für ihre Initiative im Bereich der Komödie vorbringt, leuchten im übrigen
ein" (S. 259). Was nützt ein solcher Satz, wenn man nichts darüber erfährt, welche Gründe
Knobloch anführt.

Brinkmann äußert gelegentlich seine Aversion gegen "szientifische Terminologie" (S. 33). Zu der methodisch ambitionierten Arbeit von Anton Kaes über die
Expressionismus-Rezeption in Amerika' 9 heißt es: "Bombastische Terminologien
ließen sich leicht in eine schlichte Sprache übersetzen" (S. 162). Das ist richtig,
doch viele sprachliche Schlichtheiten des so Kritisierenden sind mindestens ebenso
fragwürdig.
Literatur. Ölten, Freiburg 1963, S. 23-32; hier S. 23: "spricht man von Expressionismus, so bezeichnet man den Wagen nach einem R a d " .
17
So Jörg Drews, Abenteuer Expressionismus. Ein leider lückenhafter Forschungsbericht. In:
Süddeutsche Zeitung, 22. 1 1 . 1980.
'* Bern, Frankfurt a. M. 1975.
'' Anton Kaes, Expressionismus in Amerika. Rezeption und Innovation. Tübingen 197$.

R. Brinkmann,

Expressionismus

75

Informierende und wertende Wendungen wie die folgenden werden bei Brinkmann zu Leerformeln, weil sie nicht mit Belegen begründet werden: "Viel kommt dabei nicht heraus" (S. 60); " D a s
ist in gewissem Sinne alles nicht falsch und schließlich auch nicht geradezu unbekannt" (S. 75);
" Ü b e r die Einteilung des Materials läßt sich - wie sollte es anders sein - streiten" (S. 48); " U b e r
einzelne Auslegungen und Zuordnungen kann man - wie immer - geteilter Meinung sein" (S. 247)
etc.
M a ß s t ä b e d a f ü r , w i e m a n informativ berichten kann, v e r m a g B r i n k m a n n selbst
z u l i e f e r n . G e l e g e n t l i c h g e l i n g t es i h m , E i n s i c h t e n , T h e s e n , A r g u m e n t e u n d E r g e b nisse der F o r s c h u n g ü b e r den E x p r e s s i o n i s m u s so substantiell z u vermitteln, daß
der L e s e r nicht n u r erfährt, w a s sich w o f i n d e n läßt, s o n d e r n direkt seine K e n n t n i s
u n d sein B e w u ß t s e i n ü b e r d e n E x p r e s s i o n i s m u s e r w e i t e r n k a n n . A u f d e n e r s t e n
d e r a r t g e w i n n b r i n g e n d e n B e r i c h t b i n i c h bei m e i n e r L e k t ü r e auf S. 7 9 f f . ( ü b e r
L . M i t t n e r ; s. o . ) g e s t o ß e n . Z u d e n g e l u n g e n e n A b s c h n i t t e n k ö n n e n w e i t e r h i n u. a.
die gerechnet w e r d e n , die über die A r b e i t v o n H o r s t F r i t z z u R i c h a r d

Dehmel

r e f e r i e r e n (S. 1 1 5 f . ) 2 0 o d e r ü b e r R . H i n t o n T h o m a s ' S t u d i e " D a s I c h u n d d i e W e l t :
E x p r e s s i o n i s m u s u n d G e s e l l s c h a f t " (S. i 2 6 f . ) 2 1 u n d W a l t e r H . S o k e l s A u f s a t z " D i e
P r o s a d e s E x p r e s s i o n i s m u s " (S. 2 6 8 f f . ) . 2 2
Daß der Informationsgehalt von Brinkmanns Besprechung nicht nur eine Frage des zur Verfügung stehenden Platzes ist und sich nicht nur an der Wichtigkeit der betreffenden Arbeiten
bemißt, zeigen u. a. die Seiten über die Expressionismus-Einführung von Silvio Vietta und HansGeorg Kemper 2 ' (S. 1 0 1 - 1 0 4 ) . Einige vor allem begriffliche Schwächen des Bandes und den ungerechtfertigten Anspruch, eine umfassende Epochendarstellung zu bieten, hat Brinkmann zu Recht
kritisiert. Aber was dieses Buch vor allem mit seinen sozial- und wahrnehmungspsychologischen
Interpretationszugängen so originell und anregend macht, wird nicht deutlich. Eines der zentralen,
immer wieder gebrachten und gewiß legitimen Beurteilungskriterien von Brinkmann ist, ob ein
Forschungsbeitrag " N e u e s " zu bieten hat. So kritisiert er an Vietta, daß sich hinter seinem " w u c h tigen und bedeutenden Begriff [Ichdissoziation] vergleichsweise bekannte Phänomene verbergen"
(S. 102f.). Auch die von Vietta behandelten Texte, so ließe sich ergänzen, stehen ganz im Rahmen
des bekannten Expressionismus-Kanons. Aber "Innovation" in der literarhistorischen Forschung
kann auch heißen, an bekannte Texte und Phänomene neuartige Fragestellungen heranzutragen,
dem Gegenstand originelle Aspekte abzugewinnen und ihn in überraschende Problemzusammenhänge zu stellen. Hierin vor allem entfaltet die Monographie von Vietta und Kemper ihre Qualitäten.
Für einen Forschungsbericht hätte sie auch unter wissenschaftsgeschichtlichen Fragestellungen
wichtig werden können. Doch als einen Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte unseres Faches, der er
auch sein könnte, versteht sich Brinkmanns Bericht nicht. Wie es kein Zufall ist, daß etwa Eva
Kolinskys Studie Engagierter Expressionismus mit dem Untertitel Politik und Literatur zwischen
Weltkrieg und Weimarer Republik24 1970 erschien, insofern sie für dominierende Interessen jüngerer Literaturwissenschaftler damals typisch war, so symptomatisch ist es für die späten siebziger
Jahre, daß sich neben anderen Vietta und Kemper vor allem für die zivilisationskritischen und
fortschrittsskeptischen Aspekte des Expressionismus interessieren und für die damit verknüpften
psychischen Krisenerfahrungen.
W a s h a t s i c h , B r i n k m a n n z u f o l g e , seit i 9 6 0 in d e r E x p r e s s i o n i s m u s - F o r s c h u n g
g e t a n ? " T r o t z d e r i m p o s a n t e n F ü l l e a n n e u e m M a t e r i a l [ v o r a l l e m in k o m p a r a t i s t i Horst Fritz, Literarischer Jugendstil und Expressionismus. Zur Kunsttheorie, Dichtung und
Wirkung Richard Dehmels. Stuttgart 1969.
21
In: Expressionismus als Literatur. Gesammelte Studien. Hg. von Wolfgang Rothe. Bern,
München 1969, S. 19-36.
21
Ebd., S. 1 5 3 - 1 7 0 .
2)
S. Anm. 3.
24
Eine Analyse expressionistischer Zeitschriften (¡914-1920).
Stuttgart 1970.

Th. Anz: R. Brinkmann,

Expressionismus

sehen und filmhistorischen Bereichen] und neuen Aspekten in der Forschung [ . . . ]
hat sich doch nicht eigentlich ein grundstürzend neues ,Expressionismus-Bild'
ergeben. Aber es ist im Detail erheblich genauer erkennbar geworden, und vom
Detail her sind nun auch die Grundkonturen klarer und weniger divinatorisch zu
beschreiben" (S. 28of.). Der Terminus "Expressionismus" sei nicht nur relativ
unangefochten geblieben, sondern habe sich noch stärker etablieren können. In
kommunistisch-sozialistischen Ländern habe der Expressionismus deutliche Aufwertungen erfahren. Und was bleibt heute noch zu tun? Die Formen des Expressionismus in außerdeutschen Ländern genauer zu beschreiben als bisher, wie
Brinkmann vorschlägt, bedürfte zumindest einer gründlichen terminologischen
und methodischen Klärung (s.o.). Und diese könnte ergeben, daß solche Unternehmungen die Kompetenz und den Rahmen einer "Expressionismus-Forschung"
weit übersteigen. " D i e Verbindung der Künste untereinander, einschließlich der
neuen Kunst des Kinos" (S. 282), also den Expessionismus als "Gesamtphänomen"
gründlicher als bisher zu untersuchen, so Brinkmanns zweites Postulat an die
Forschung, kann nicht falsch sein, doch vermutlich wird die Literarhistoriker in
den nächsten Jahren anderes mehr beschäftigen. Und das wird kaum davon abhängen, wo sich bislang die größten Wissenslücken aufgetan haben; denn Forschungsinitiativen sind seltener durch Lücken motiviert als durch Interessen und Bedürfnisse der Gegenwart, durch wissenschaftsgeschichtliche Entwicklungen - oder
auch durch Zufälle.
Gegenwärtige Probleme und Denkrichtungen lassen es denkbar erscheinen, daß man sich intensiver mit der Technik-, Wissenschafts- und Vernunftkritik des Expressionismus auseinandersetzt
oder mit den Beziehungen zur Psychoanalyse und Psychiatrie. Die heutige Jugend- und Alternativkultur könnte dazu anregen, das noch kaum geklarte Verhältnis des Expressionismus zu den
damals unterschiedlichen Fraktionen der Jugendbewegung sowie zu den verschiedenen Varianten
des Anarchismus und Sozialismus aufzuarbeiten. Wenig geklärt ist auch das Thema "Expressionismus im Exil" (nicht nach 1933, sondern während des Ersten Weltkriegs) und, damit eng verbunden, der Anteil der deutschen Literaten an einer internationalen Friedensbewegung, die sich nach
1914 in der Schweiz konstituierte. Im Rahmen derzeitiger Bemühungen um eine Sozialgeschichte
der Literatur wird man sich vemutlich genauer als bisher mit Themen wie Gruppenbildungen,
Künstlerorganisationen, literarische Vermittlungsinstitutionen und dergleichen befassen. Sozialgeschichtliche Interessen könnten auch dazu führen, endlich einmal die Bedeutung des Judentums
für den Expressionismus genauer zu untersuchen.

Hat man Brinkmanns Bericht gelesen, so mag man an Überraschungen im Fortgang der Expressionismus-Forschung kaum noch glauben. Dennoch muß man, das
zeigen auch jüngste Veröffentlichungen, ständig mit ihnen rechnen. Da erschienen
z. B. unlängst zwei Bände über den Expressionismus in der Schweiz ! 2 ' Oder es
wurden unvermutet faszinierende Persönlichkeiten wiederentdeckt, die mit dem
Expressionismus einiges zu tun haben: schon in den siebziger Jahren der unorthodoxe Freud-Schüler Otto Gross, der den avantgardistischen Literatenkreisen die
Psychoanalyse in einer kulturrevolutionären Version vermittelte;26 oder eben erst
der u.a. in der Aktion publizierende Physiologe und Pazifist Georg Friedrich
Nicolai, 27 damals im Bündnis mit Albert Einstein einer der wenigen deutschen
2i

Martin Stern (Hg.), Expressionismus in der Schweiz. Bd. 1 und 2 Bern, Stuttgart 1981.
Siehe vor allem Emanuel Hurwitz, Otto Gross, "Paradies"-Sucher
zwischen Freud und Jung.
Zürich, Frankfurt 1979.
17
Wolf Zuelzer, Der Fall Nicolai. Frankfurt a. M. 1981.
26

E. Kleinschmidt: A. Döblin,

Wadzek (hg. von A.

Riley)

77

Professoren, die 1914 nicht von der nationalen Begeisterung mitgerissen wurden.
Derartige Entdeckungen verdanken sich freilich selten der ausgedehnten Lektüre
dessen, was schon an Forschungsarbeit geleistet wurde. Doch Brinkmann entwikkelt seine Forschungspostulate und die Kritik einzelner Beiträge fast immer nur aus
der vergleichenden Kenntnis dessen, was andere über den Expressionismus geschrieben haben, nicht aus einer genaueren oder umfassenderen Lektüre der damaligen Texte selbst.
Seinem dritten und letzten Postulat indes darf man vorbehaltlos zustimmen. In
der Tat wäre es an der Zeit, sich an einer historischen Gesamtdarstellung zu versuchen. Denkt man dabei, wie Brinkmann, " a n so etwas wie Sengles BiedermeierMonographie" (S. 282), dann müßte diese Epochendarstellung jedoch weit über
das hinausgehen, was bislang die Expressionismus-Forschung beschäftigt hat.
Denn der Expressionismus ist allenfalls eine wichtige literarische Teilkultur innerhalb des gesamten literarischen Kräftefeldes der damaligen Zeit. Und die Forschung zu Themen wie z . B . dem ,Exotismus' hat gezeigt, "wieviel von den anscheinend spezifisch expressionistischen Phänomenen in einem weiteren Sinn epochentypisch ist" (S. 134). Brinkmann selbst deutet die Notwendigkeit einer derart
umfassenden Perspektive mehrfach an (S. 87, 91 u.ö.), doch sollte man noch stärker
betonen: Eine literarhistorische Darstellung jener Jahre kann nicht davon absehen,
daß in derselben Zeit z. B. auch Thomas Manns Der Tod in Venedig oder Gerhart
Hauptmanns Die Ratten erschienen, sie muß neben dem Kurt Wolff Verlag ebenso
den Eugen Diederichs Verlag mit einbeziehen, neben dem Aktions-Kreis auch den
George-Kreis und zusammen mit Gottfried Benn oder Carl Einstein auch Hermann Hesse, Rainer Maria Rilke oder Karl Kraus. Der literarhistorischen Erforschung des "expressionistischen Jahrzehnts" in diesem umfassenden Sinn bleibt
noch viel zu tun, und sie verspricht einige Revisionen und neuartige Perspektiven
in der Einschätzung expressionistischer Autoren und Werke. Auch wenn eine
derart konzipierte Epochengeschichtsschreibung über den Horizont bisheriger Expressionismus-Forschung hinausgehen muß, wird ihr Brinkmanns Bericht jedenfalls hilfreich, wenn nicht unentbehrlich sein.
Institut für Deutsche Philologie

Thomas

Am

Universität München
Schellingstraße 3
D-8ooc München 4c

Roman. (Ausgewählte Werke in EinA l f r e d D ö b l i n , Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine.
zelbdn., begr. von Walter Muschg, in Verbindung mit den Söhnen des Dichters hg. von Anthony W. Riley) Walter Verlag, Ölten und I'reiburg i . B r . 1982. 393 S., D M 44,-.

Mit dem Neudruck von Döblins im Juli 1918 erstmals erschienenem und seitdem
nicht mehr zugänglichem WWze£-Roman ist der Werkausgabe in Einzelbänden
ein weiterer gewichtiger Band als 22. hinzugefügt worden, der eine notwendige
Entdeckung und Auseinandersetzung mit diesem verkannten, kaum erst von der
Forschung gedeuteten Meisterwerk der modernen Epik ermöglicht. Der ursprünglich mit einem Pendant Der Ölmotor fortzusetzende, " k o m i s c h e " Roman, den
Döblin in den ersten Monaten des Ersten Weltkrieges vor seiner Einberufung als
Militärarzt geschrieben hat, hatte durch die unglücklichen Publikationsumstände Arbitrium 01.12.1984
01.12.1984
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1983

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Über die Quelle
Arbitrium hat sich seit seiner Begründung 1983 durch Wolfgang Frühwald und Wolfgang Harms zum Ziel gesetzt, in der ständig steigenden Flut wissenschaftlicher Publikationen Orientierung zu bieten und Wegmarken zu setzen. 
 
Allerdings hat sich die Germanistik in den zurückliegenden Jahren erheblich differenziert, so dass das wissenschaftliche Rezensionswesen und diese "Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Literaturwissenschaft" als zentraler Ort disziplinärer Selbstverständigung noch an Bedeutung gewinnen werden. 
 
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Über die Quelle
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Allerdings hat sich die Germanistik in den zurückliegenden Jahren erheblich differenziert, so dass das wissenschaftliche Rezensionswesen und diese "Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Literaturwissenschaft" als zentraler Ort disziplinärer Selbstverständigung noch an Bedeutung gewinnen werden. 
 
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D-10785 Berlin / Germany 
Tel: +49 30 260 05-0 
Fax: +49 30 260 05-251
Zuletzt aktualisiert:  am 08.04.2026
Erscheinungsweise:  3 x jährlich
Verfügbar:  seit 01.01.1985
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Fachpresse
Walter de Gruyter GmbH
Arbitrium
Über die Quelle
Arbitrium hat sich seit seiner Begründung 1983 durch Wolfgang Frühwald und Wolfgang Harms zum Ziel gesetzt, in der ständig steigenden Flut wissenschaftlicher Publikationen Orientierung zu bieten und Wegmarken zu setzen. 
 
Allerdings hat sich die Germanistik in den zurückliegenden Jahren erheblich differenziert, so dass das wissenschaftliche Rezensionswesen und diese "Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Literaturwissenschaft" als zentraler Ort disziplinärer Selbstverständigung noch an Bedeutung gewinnen werden. 
 
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Arbitrium hat sich seit seiner Begründung 1983 durch Wolfgang Frühwald und Wolfgang Harms zum Ziel gesetzt, in der ständig steigenden Flut wissenschaftlicher Publikationen Orientierung zu bieten und Wegmarken zu setzen. 
 
Allerdings hat sich die Germanistik in den zurückliegenden Jahren erheblich differenziert, so dass das wissenschaftliche Rezensionswesen und diese "Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Literaturwissenschaft" als zentraler Ort disziplinärer Selbstverständigung noch an Bedeutung gewinnen werden. 
 
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