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Vergütung in der Krise - Unternehmen zwischen Boni-Exzessen und Gehaltskürzungen

STRATEGIE | GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 12/2009 vom 07.12.2009


Boni und ihre Geschichte

Boni sind nichts Neues, genau genommen gibt es sie bereits seit über 150 Jahren. Schon zu Kaiserreichzeiten wurde über unverhältnismäßig hohe Sonderzahlungen für Manager diskutiert. Bereits in den 1890er-Jahren erhielten nachweislich die Chemiker von BASF und Bayer oder die Ingenieure von Siemens in wenigen Fällen eine Gratifikation. Bayer war einer der ersten Konzerne, die die variable Vergütung vertraglich festhielt.
Deutsche Großbanken kannten den Bonus bereits sei 1854. Damals bestand die Vergütung des Führungspersonals im Durchschnitt zu 70 Prozent aus variablen, am Bilanzgewinn der Bank orientierten "Tantiemen".

Im Jahr 2009 hingegen, beziehen die Führungskräfte der ersten und zweiten Ebene bei Privatbanken durchschnittlich knapp 26 Prozent ihres Gehalts erfolgsabhängig. In den öffentlich-rechtlichen Banken dagegen erhalten rund 65 Prozent der Führungskräfte variable Zahlungen in einer durchschnittlichen Höhe von etwa 14 Prozent ihres Einkommens.

Damit ist die Höhe der variablen Anteile noch auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau. (1), (2)


Leistungsbezogene Boni - voll im Trend

Nicht nur große Unternehmen bauen auf die sogenannte erfolgsorientierte Vergütung - dem Bonus. Auch mittelständische Unternehmen gestalten ihre Mitarbeitervergütung variabel und damit leistungsbezogen. Leistungsstarke Mitarbeiter finanziell zu belohnen, ist oft von Vorteil: Die Extrazahlungen motivieren und steigern das Interesse auch der Arbeitnehmer am Geschäftserfolg. Dennoch fällt der Bonus bei mittelständischen Unternehmen kleiner aus als bei Großunternehmen. Bei Konzernen kann der variable Teil des Gehalts bis zu 60 Prozent ausmachen, beim Mittelständler maximal 30 Prozent.

Dafür setzt man im Mittelstand auf einen langfristigen Erfolg, kurzfristige Erfolge werden nicht vergütet. Eine Vergütungsstudie der Beratung Kienbaum zeigt, dass Geschäftsführer von Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als fünf Millionen Euro jährlich im Durchschnitt 191 000 Euro brutto erhalten. Bei bis zu 250 Mitarbeitern sind dies bereits 245 000 Euro brutto. Eine erhebliche Steigerung der Managerlöhne beobachtet man nur bei den Dax-Konzernen. (3)


HSH Nordbank stellt neues Vergütungsmodell vor

Die Grundgehälter betragen maximal 500 000 Euro pro Jahr, laut den Beschlüssen der Parlamente in Hamburg und Schleswig-Holstein. Weiterhin gehören 85,5 Prozent der HSH den Ländern. Die Bank hat ein Rettungspaket von drei Milliarden Euro in bar und zehn Milliarden als Garantie erhalten. Über das festgelegte Grundgehalt von 500 000 Euro hinaus, gibt es einen Dienstwagen mit Chauffeur und bis zu 100 000 Euro Altersvorsorge. Außerdem enthält die Vereinbarung auch eine erfolgsbezogenen Gratifikation, durch die die Vorstände insgesamt auf ein Jahreseinkommen von mehr als einer Million Euro kommen können. An die zusätzliche Zahlung sind allerdings Bedingungen gekoppelt. So hängt die Höhe vom Jahresergebnis und vom Aufbau eines Risikomangements ab. Je nach Erreichen dieser Ziele werden zwischen null und 150 Prozent der Zulage in Form von "Anrechnungspunkten" gutgeschrieben. Ausgezahlt wird das Geld erst, wenn die Bank dividendenfähig ist und auch dann nur gestreckt über drei Jahre. Sollte sich im Nachhinein herausstellen, dass ein Vorstand seinen Pflichten nicht nachgekommen ist, kann die zusätzliche Zahlung um bis zu 75 Prozent gekürzt werden. (4)



Trends Aktionäre üben Einfluss auf Bonushöhe ausDie Aktionäre der Banken Goldman Sachs und der Royal Bank of Scotland fordern eine Abstimmung auf der nächsten Hauptversammlung über die künftigen Bonusauszahlungen. Grund für diese Forderung ist die Weiterzahlung von Rekordgehältern trotz der noch vorherrschenden Finanzkrise. Verlangt wird außerdem, die Vergütungsstruktur auf der nächsten Hauptversammlung zur Abstimmung zu stellen. Der Vorstand hingegen erklärt die hohen Bonuszahlungen damit, die besten Mitarbeiter für die Bank halten zu wollen, Leistung muss belohnt werden. Auch der Konkurrent Barclays will die Gehälter für Investmentbanker anheben. (5) Freie Mitarbeiter klagen über sinkende EinkommenEine Umfrage des Manager Magazins zeigt, dass ein Drittel der Freien Mitarbeiter unter der Finanzkrise besonders leiden und deutlich weniger verdienen. Es trifft hauptsächlich diejenigen, die freiberuflich für Medienunternehmen arbeiten, sowie Journalisten und PR-Experten. Das durchschnittliche Einkommen liegt bei 50 000 Euro. Jeder Fünfte glaubt zudem, dass sich seine Lage auch in den kommenden Jahren nicht verbessern wird. Während mehr als die Hälfte der 91 000 Teilnehmer der Online-Umfrage in den vergangenen Jahren ihr Einkommen um mehr als 20 Prozent steigern konnten, gehen nur noch 44 Prozent von einem ähnlichen Plus in der Zukunft aus. (6)Gehälter in der IT-Branche steigenLaut einer Gehaltsstudie des Beratungsunternehmens PersonalMarkt und Baumgartner & Partner und der Computerwoche steigen die Gehälter im Jahr 2009 in der IT-Branche wieder. Das Vergütungsniveau von Führungskräften ist demnach im Vergleich zum vergangenen Jahr durchschnittlich um 4,5 Prozent gestiegen. Im Gegensatz dazu, mussten Fachkräfte sich mit zwei Prozent zufrieden geben. Zu den Spitzenverdienern hingegen zählen die Projektleiter. Deren Jahres-Bruttogehalt liegt durchschnittlich bei rund 67 000 Euro. Am wenigsten verdienen Webentwickler und Webdesigner. Ihr Gehalt liegt bei ca. 38 000 Euro bzw. 34 000 Euro jährlich. (7) Trends


Aktionäre üben Einfluss auf Bonushöhe aus

Die Aktionäre der Banken Goldman Sachs und der Royal Bank of Scotland fordern eine Abstimmung auf der nächsten Hauptversammlung über die künftigen Bonusauszahlungen. Grund für diese Forderung ist die Weiterzahlung von Rekordgehältern trotz der noch vorherrschenden Finanzkrise. Verlangt wird außerdem, die Vergütungsstruktur auf der nächsten Hauptversammlung zur Abstimmung zu stellen. Der Vorstand hingegen erklärt die hohen Bonuszahlungen damit, die besten Mitarbeiter für die Bank halten zu wollen, Leistung muss belohnt werden. Auch der Konkurrent Barclays will die Gehälter für Investmentbanker anheben. (5)


Freie Mitarbeiter klagen über sinkende Einkommen

Eine Umfrage des Manager Magazins zeigt, dass ein Drittel der Freien Mitarbeiter unter der Finanzkrise besonders leiden und deutlich weniger verdienen. Es trifft hauptsächlich diejenigen, die freiberuflich für Medienunternehmen arbeiten, sowie Journalisten und PR-Experten. Das durchschnittliche Einkommen liegt bei 50 000 Euro. Jeder Fünfte glaubt zudem, dass sich seine Lage auch in den kommenden Jahren nicht verbessern wird. Während mehr als die Hälfte der 91 000 Teilnehmer der Online-Umfrage in den vergangenen Jahren ihr Einkommen um mehr als 20 Prozent steigern konnten, gehen nur noch 44 Prozent von einem ähnlichen Plus in der Zukunft aus. (6)


Gehälter in der IT-Branche steigen

Laut einer Gehaltsstudie des Beratungsunternehmens PersonalMarkt und Baumgartner & Partner und der Computerwoche steigen die Gehälter im Jahr 2009 in der IT-Branche wieder. Das Vergütungsniveau von Führungskräften ist demnach im Vergleich zum vergangenen Jahr durchschnittlich um 4,5 Prozent gestiegen. Im Gegensatz dazu, mussten Fachkräfte sich mit zwei Prozent zufrieden geben. Zu den Spitzenverdienern hingegen zählen die Projektleiter. Deren Jahres-Bruttogehalt liegt durchschnittlich bei rund 67 000 Euro. Am wenigsten verdienen Webentwickler und Webdesigner. Ihr Gehalt liegt bei ca. 38 000 Euro bzw. 34 000 Euro jährlich. (7)



Fallbeispiele


Führungskräfteeinkommen sinken

Die Finanzkrise trifft auch die Chemieindustrie. Im laufenden Geschäftsjahr 2009 haben einige Chemieunternehmen keinen Bonus ausgezahlt. Auch die Gehälter der Führungskräfte in der chemischen Industrie in Deutschland sind dieses Jahr gesunken. Zum Vergleich: Im letzten Jahr stieg das Gesamteinkommen der Führungskräfte an. Dies zeigt die jährliche Einkommensumfrage des Verbandes VAA - Führungskräfte Chemie. Rund 6 500 Führungskräfte in der chemischen Industrie in Deutschland wurden befragt. Die Umfrage zeigt aber auch, dass die Unternehmensgröße einen entscheidenden Einfluss auf das Gehalt hat. Je größer das Unternehmen, desto höher der Anteil der Boni am Gesamteinkommen. (8)


Commerzbank beschließt neues Bonussystem

Die Commerzbank musste ihre Vergütungsmodelle neu überarbeiten. Dies war eine Bedingung des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin), ohne die es keine Staatshilfen gegeben hätte. Das neue Modell sieht allerdings keine Streichung der Boni vor. Es gibt keine Abzüge für Mitarbeiter im Management und im kapitalmarktnahen Geschäft, selbst bei einer schlechten Ertragsentwicklung der Bank. Allerdings können zukünftig bis zu zwei Drittel der Bonuszahlungen erst mit zeitlicher Verzögerung ausgezahlt, gekürzt oder auch gestrichen werden, wenn das Geschäftsjahr sich nicht so entwickelt wie erwartet. (9)



Weiterführende Literatur:

(1.) Üppige Boni schon zu Kaisers Zeiten
aus Handelsblatt Nr. 231 vom 30.11.2009 Seite 22

(2.) Wer verdient wie viel?
aus Die Bank, Heft 12/2009, S. 78-82

(3.) Bonuszahlungen mit Augenmaß liegen voll im Trend
aus Handelsblatt Nr. 233 vom 02.12.2009 Seite 64

(4.) Nordbank: Neues Vergütungsmodell vorgestelltHSH-Vorstände können auf Millionen hoffen
aus Hamburger Abendblatt, 03.12.2009, Nr. 282, S. 14

(5.)Goldman Sachs verteidigt Boni
aus Handelsblatt Nr. 235 vom 04.12.2009, Seite 39

(6.) Krise trifft Freelancer stark
aus HORIZONT 48 vom 26.11.2009 Seite 039

(7.) Beruf: Gehaltsstudie 2009
aus iX - Magazin für Informationstechnik, 12/2009, S. 47

(8.)Chemische Industrie: Einkommen der Führungskräfte sinkt
aus Chemie.DE Wirtschaft & Forschung vom 02.12.2009

(9.) Vergütungsfragen - Gutes Timing bei der Commerzbank
aus Bank und Markt 12 vom 01.12.2009 Seite 006

M.Dengl<b></b><b><i>M.Dengl</i></b>

Metainformationen

Quelle: GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 12/2009 vom 07.12.2009
Dokument-ID: c_strategie_20091207

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