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Pop, pop, pop - Pop-up-Shops schießen weltweit wie Pilze aus dem Boden

STRATEGIE | GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 11 vom 18.11.2014


Die Zeit ist reif für Pop-up-Shops

Anders als in anderen Ländern schießen in Deutschland Pop-up-Shops zwar nicht gerade wie Pilze aus dem Boden, dennoch scheint auch hierzulande die Zeit für die Läden auf Zeit allmählich reif. Der Grund ist einfach: Vor allem Online-Händler können mithilfe der Stores, die sie nur kurz an attraktiven Standorten anmieten, große Aufmerksamkeit erzeugen. Diese - so die Hoffnung - kommt wiederum dem Internet-Geschäft zugute. Da sich dank der Kurzzeitmieten auch die Kosten in Grenzen halten, können Händler kaum etwas falsch machen. Sind Pop-up-Shops also die ideale Strategie, den Markt zu testen, aus erster Hand zu erfahren, was Kunden wirklich wollen, sich bekannter zu machen und das Image zu steigern? Grundsätzlich ja. Doch der Teufel steckt wie so oft im Detail. (1)


No-Gos: schlecht geschultes Personal, miserable Ladengestaltung

Denn Händler, die sich auf das Experiment nicht richtig vorbereiten, können böse auf die Nase fallen. Sie werden sich zwar finanziell nicht wirklich übernehmen, da sich die Höhe der Mieten je nach Location mit Beträgen zwischen 1 200 und 2 500 Euro pro Monat in Grenzen hält, viel schwerer wiegt allerdings der potenzielle Imageverlust, der aus einer stümperhaften Projektplanung resultieren kann. Dazu gehört vor allem schlecht geschultes und/oder unmotiviertes Personal sowie eine miserable Ladengestaltung. Großkonzernen mit professionellen Marketingabteilungen wird das sicherlich kaum passieren, unerfahrenen Jungunternehmern schon eher. (1)


Nicht vergessen: Strategie festlegen

Wenig erfolgreich sind Pop-up-Shops natürlich auch, wenn der Standort schlecht gewählt oder wenn die Strategie, die mit dem Store verfolgt wird, nicht klar ist. Die Planer sollten daher von vornherein festlegen, ob sie auf Imagegewinn oder auf Neukundenfang aus sind, ob sie Umsatz machen, innovative Produkte testen, neue Standorte ausprobieren oder ob sie Kundenfeedback einholen wollen. Mögliche Strategien sind aber auch der Test von Vertriebswegen wie der Versand von Produkten vom Online-Shop in den stationären Store oder die Lieferung vom Shop an die Adresse des Käufers. (1)


Für Jungunternehmer und Großkonzerne geeignet

Werden diese Faktoren berücksichtigt, liegt der besondere Charme von Pop-up-Shops darin, dass sie Jungunternehmern ohne Geld, aber auch bekannten Firmen oder Konzernen die Möglichkeit bieten, ohne großes finanzielles Risiko, neue Ideen zu testen. Strategisch gesehen, ist das ein ungeheurer Vorteil, der sicherlich dazu beitragen wird, Pop-up-Shops auch längerfristig zu etablieren. Sie liegen aber auch deswegen im Trend der Zeit, da sie die aktuelle Multi-Channel-Philosophie, die zurzeit en vogue ist, bestens bedienen. So bieten sie besonders reinen E-Commerce-Unternehmen die Chance, ohne großen logistischen Aufwand direkt mit Kunden in Kontakt zu treten und neue Vertriebswege auszuprobieren. (9), (11)


Hoffnung auf neues Leben

Schließlich geben sie auch Städten die Möglichkeit, Straßenzüge oder Gebäude, die ansonsten vielleicht noch mehr an Renommee verlieren würden, mit neuem Leben zu erfüllen. Ob diese Rechnung aufgeht, wird sich allerdings zeigen, da zumindest finanzkräftige Unternehmen mit gutem Namen versuchen werden, ihre Pop-up-Shops in Stadtbezirken zu eröffnen, die "in" sind. Ein typisches Beispiel ist Porsche, das seinen Laden auf Zeit in einem Szeneviertel in New York aufgemacht hat. (2), (3), (6)



Trends


Nachfrage nach Pop-up-Shops nimmt zu

In Deutschland wächst die Nachfrage nach Pop-up-Shops kontinuierlich an. Allerdings gibt es noch nicht genug Ladenflächen, die sich für kurze Zeit anmieten lassen. Auch Anbieter, die sich auf die Vermittlung dieser Locations spezialisiert haben, sind noch rar gesät. Popup Berlin oder die Agentur Pop up my Brand sind seltene Ausnahmen. Die USA und Großbritannien sind in dieser Hinsicht schon weiter. Dort existieren bereits Immobilienforen wie Storefront, Republic Places oder We are Popup, die Pop-up-Shops in relativ großem Stil anbieten. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass Deutschland bald nachziehen wird, da auch hierzulande bereits eine ganze Reihe von Unternehmen mit dem Konzept schon sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Ihr positives Feedback wird nicht ungehört verhallen und auch andere Firmen animieren, dem Format eine Chance zu geben. Dies wiederum wird bestehende Agenturen dazu veranlassen, die Vermittlung, Planung und Gestaltung von Pop-up-Shops in ihr Portfolio aufzunehmen, oder es wird ganz neue Agenturen auf den Plan rufen, die auf diesen Dienstleistungen ihr Geschäftsmodell aufbauen. (1)



Fallbeispiele


Mit Resonanz zufrieden

Dass Pop-up-Shops tatsächlich das Zeug dazu haben, sich durchzusetzen, zeigt die Tatsache, dass auch schon bekannte Unternehmen damit experimentiert haben und mit der Resonanz durchaus zufrieden waren. Zu den Firmen mit positiven Erfahrungen gehören zum Beispiel ebay, Zalando, Weleda, Ritter Sport, Tommy Hilfiger, H&M und Ikea. (1), (9)


Cheap Mondays smarte Pop-up-Shop-Idee

Cheap Monday, ein Tochterunternehmen des Textilhändlers H&M, hat am 10. Oktober dieses Jahres eine clevere Pop-up-Shop-Idee in die Tat umgesetzt. Exakt um 10 Uhr öffneten in zehn Städten Europas die Shops für zehn Minuten. Während dieser kurzen Zeitspanne konnten Kaufwillige eine von 10 000 Paar Jeans ergattern. Bezahlen mussten sie dafür nicht mit harter Währung, sondern mit Likes auf Facebook, Hashtags oder Einträgen bei Instagram. Ein weiterer Gag: Cheap-Monday-Fans konnten online selbst entscheiden, in welchen Städten die Pop-up-Shops ihre Pforten aufmachten. (5)


Porsche mit Pop-up-Shop auf "Welttournee"

Porsche hat am 15. September dieses Jahres einen Pop-up-Shop in einem New Yorker In-Viertel eröffnet. Unter dem Motto The Sound of Porsche bietet der Stuttgarter Autobauer allen Interessenten einen Einblick in die Geschichte des Unternehmens mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem Porsche 911 als Musterbeispiel für Eleganz und Qualität. Der Shop hat noch bis zum 5. Dezember geöffnet und beginnt dann eine kleine "Welttournee" mit weiteren Stationen in London und Shanghai. (6)


Österreichs junge Pop-up-Shop-Szene

Auch in Österreich gibt es eine Pop-up-Shop-Szene, die sich langsam bemerkbar macht. Drei St. Pöltener, allesamt in den Zwanzigern, haben mit www.thesalesroom.at im Juni dieses Jahres einen Online-Plattform gegründet, auf der sie Läden, Teilbereiche oder sogar nur einzelne Regale vermitteln. In Anspruch genommen wird das Angebot vor allem von Jungunternehmern, die online bereits aktiv sind, sich noch kein eigenes Geschäft leisten können, ihre Produkte aber auch einmal haptisch präsentieren wollen. Die Mietzeiten für die Shops laufen von einem Tag bis zu sechs Monaten. (4)


Pop it up in ganz Europa

Eine andere österreichische Agentur, die sich der Pop-up-Shop-Idee verschrieben hat, nennt sich schlicht und einfach Pop it Up. Sie arbeitet mit dem schwedischen Unternehmen Happy Socks zusammen, die Pop-up-Shops rund um den Globus eröffnet und nun auch in der Alpenrepublik Präsenz zeigen will. Der Pop-it-Up-Chef hat aber Pläne, die viel weiter reichen, als den Sockenhersteller aus Schweden zu betreuen. Er will ein Netzwerk von Pop-Up-Shop-Agenturen in Europa weben, die eng miteinander zusammenarbeiten. (7)


Olympiasieger eröffnet Pop-up-Shop

Lasse Kjus, der norwegische Olympiasieger und mehrmalige Weltmeister, hat vor wenigen Wochen zusammen mit seinem Geschäftspartner Didi Serena einen Pop-up-Store in Innsbruck eröffnet. Dort vertreibt der ehemalige alpine Skifahrer seine mit Preisen ausgezeichnete Sportkleidung. Das medienwirksame Ereignis besuchten auch einige noch aktive Skigrößen wie Bode Miller und Lara Gut. (8)


PopUp Immo hat große Pläne

In Frankreich vermittelt das Start-up-Unternehmen PopUp Immo Pop-up-Stores. Insgesamt bietet es 300 Objekte an, unter anderem auch Hausboote, die Interessenten zwischen einem Tag und zwei Monaten anmieten können. PopUp Immo berechnet für seinen Service 15 Prozent der Mietkosten. Bisher ist das junge Unternehmen in Paris tätig, es hat aber ehrgeizige Pläne. Nach der geplanten Ausweitung des Geschäfts auf Städte wie Lyon, Toulouse, Lille, Grenoble und Montpellier will PopUp Immo auch London, Brüssel und Genf erobern. (10)


Pop-up-Shops sollen es richten

Der Wirtschaftsbund in Wien will die Reinprechtsdorfer Straße in der österreichischen Hauptstadt mit Pop-up-Shops reanimieren. Dort stehen mittlerweile viele Ladenflächen leer. In München soll die Alte Akademie mithilfe von Pop-up-Shops aufgepeppt werden. (2), (3)



Weiterführende Literatur:

(1.) Der Aufklapp-Laden
aus Internet World Business, Nr. 22/2014 von 26.10.2014, Seite 12

(2.) Pop-up-Store statt Wettlokal: Eine Straße macht sich chic
aus Kurier (Österreich) vom 25.10.2014, Seite 16

(3.) Neues Leben in der Alten Akademie
aus SZ Regionalausgabe - München City, 04.11.2014, S. R5

(4.) Junge St. Pöltner vermitteln Pop-up-Shops an Kreative
aus Kurier (Österreich) vom 25.10.2014, Seite 18

(5.) Kurz und heftig
aus werben & verkaufen Nr. 41 vom 06.10.2014, S. 12

(6.) The Sound of Porsche: Stories of the Brand Porsche öffnet Pop-up-Store in New York
aus KB Nr. 041 vom 10.10.2014

(7.) Wie Jungunternehmer leer stehende Geschäfte wiederbeleben
aus "Bestseller" Nr. 09-10/2014 vom 22.10.2014 Seite 62,64,65

(8.) Exklusive Eröffnung des Pop-up-Stores von KJUS in der Innsbrucker Museumstraße lockte auch die Skirenn-Asse Lara Gut und Bode Miller in die Landeshauptstad
aus "Tiroler Tageszeitung" Nr. 292 vom 23.10.2014 Seite: 6

(9.) Mit Läden auf Zeit gut im Geschäft
aus Absatzwirtschaft Nr. 11 vom 31.10.2014 Seite 032

(10.) Läden, Lofts und Hausboote
aus TextilWirtschaft 45 vom 06.11.2014 Seite 044

(11.) Onlineshops entern Einzelhandel
aus VDI NR. 43 VOM 24.10.2014 SEITE 16

Harald Reil

Metainformationen

Quelle: GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 11 vom 18.11.2014
Dokument-ID: c_strategie_20141118

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