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Ohne Daten keine Strategie - Unternehmen vertrauen zunehmend auf Digitaltechnologien, um sich fit für die Zukunft zu machen

STRATEGIE | GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 11 vom 30.11.2020


Noch gehörig Luft nach oben

Ohne Daten keine Strategie. Selbst Entscheidungen, die angeblich aus dem Bauchgefühl heraus getroffen werden, basieren auf der Grundlage von Informationen - wie vage und diffus diese auch sein mögen. Die moderne Welt hat erreicht, was früheren Zeitalter verwehrt war: die Möglichkeit auf der Basis ungeheurer Datenmengen Handlungsempfehlungen abzuleiten. Das macht sich zunehmend auch die Wirtschaft zunutze. Einer Studie der Digitalberatungsfirma Futurice zufolge haben Führungskräfte schon längst eingesehen, dass der zukünftige Erfolg ihrer Unternehmen unter anderem in hohem Maße vom Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) und anderer Digitaltechnologien abhängig ist. Befragt wurden für die Untersuchung 225 Manager unterschiedlicher Industrien in Deutschland, Finnland, Norwegen, Schweden und Großbritannien. Trotz dieses Wissens verwenden allerdings erst rund 40 Prozent der Firmen digitale Tools für die Entwicklung ihrer jeweiligen Unternehmensstrategie. Es ist also noch gehörig Luft nach oben. (1)


KI-Tools gegen einen frühen Tod

Dabei werden die Digi-Tools immer raffinierter, um schneller und zuverlässiger, als jeder Mensch das könnte, aus einer Unmenge von Daten jene Informationen herauszufiltern, die für den künftigen Weg des Unternehmens relevant sein könnten. Das ist auch dringend notwendig, da der Wettbewerb nicht nur zunehmend härter wird, sondern auch neue technologische Entwicklungen in immer kürzeren Abständen aufeinanderfolgen. Die Konsequenz ist, dass die Lebensdauer von Firmen mehr und mehr abnimmt. Börsennotierte Unternehmen sind da keine Ausnahme. Einer Studie zufolge segnen über 50 Prozent dieser Firmen innerhalb des ersten Jahrzehnts das Zeitliche. Lediglich 14 Prozent existieren auch noch nach 30 Jahren, und nur fünf Prozent erreichen das "methusalemische" Alter von 50 Jahren. Die KI-Tools sollen also dabei helfen, ein frühes "Sterben" zu vermeiden. (2)


Mehr Umsatz, höherer Gewinn

Mehr Daten bedeuten mehr Ideen, vorausgesetzt natürlich die Informationen haben die entsprechende Qualität, was wiederum eng mit einem effizienten Datenmanagement zusammenhängt, und die Tools sind dafür geeignet, um ihr Potenzial zu heben. Aber wenn diese Grundbedingungen erfüllt sind, kann man diesen Allgemeinplatz auch mit harten Fakten untermauern. Eine Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hat herausgefunden, dass Unternehmen, die ihre Entscheidungsstrategien auf einer soliden Datenbasis entwickeln, um 70 Prozent mehr Umsatz pro Mitarbeiter generieren und einen um 22 Prozent höheren Gewinn. Grundlage des Reports mit dem Titel "The Data-Powered Enterprise: Why Organizations Must Strengthen Their Data Mastery" war eine weltweite Befragung von Führungskräften, welche bei Unternehmen tätig sind, die über eine Milliarde US-Dollar pro Jahr erzielen. (3), (4), (5), (6)



Trends


Trend geht hin zu Megaunternehmen

Es ist auffällig, dass viele Firmen KI-Anwendungen und andere Digitaltechnologien noch nicht für ihre Unternehmensstrategie fruchtbar machen. Das mag an einer Reihe von Faktoren liegen: Angst vor hohen Kosten, mangelnde Kompetenz, schwerfällige Entscheidungsprozesse. Die Capgemini-Studie legt allerdings nahe, dass sich diese Nachzügler sputen müssen, wollen sie von anderen Unternehmen, die ihre digitalen Hausaufgaben schon gemacht haben, nicht überrollt werden. Die Ergebnisse sind eindeutig. Wer gut mit seinen Daten umzugehen versteht, ist auf dem Markt erfolgreicher. Es wird also zwangsläufig zu einem Selektionsprozess kommen, bei dem die schlechter aufgestellten Firmen ausgesiebt werden.

Die sich daraus ergebende Anschlussfrage lässt sich ganz einfach folgendermaßen formulieren: Was passiert danach? Wenn alle übriggebliebenen Unternehmen datengestützte Strategien entwickeln, welche Faktoren machen dann den Unterschied zwischen Erfolg und Nichterfolg aus? Eine allgemeine Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Die Einzelfälle werden es zeigen. Sicher ist nur, dass der Wettbewerb immer härter werden wird. Ob zum Schluss nur noch einige große Moloche wie zum Beispiel Amazon, Facebook, Microsoft oder Apple überleben werden, ist nicht vorherzusagen. In die Zukunft lässt sich nicht blicken. Es scheint aber nach jetzigen Erkenntnissen genau darauf hinauszulaufen. (8), (9)



Fallbeispiele


USA vor Deutschland und Großbritannien

Die oben erwähnte Capgemini-Studie hat unter anderem auch herausgearbeitet, in welchen Ländern und in welchen Branchen datengestützte Entscheidungen am häufigsten getroffen werden. An der Spitze stehen, wenig überraschend, die USA mit 77 Prozent. Den zweiten Rang teilen sich Deutschland und Großbritannien mit jeweils 69 Prozent. Bei den Branchen haben die Banken die Nase vorn. Sie führen die Liste mit 65 Prozent vor den Versicherungen an, die aber immerhin noch auf 55 Prozent kommen. (4)


Bündnis gegen Superpower

Digitale Großkonzerne wissen besser als andere Unternehmen, Daten zu nutzen und auf dieser Basis ihre jeweiligen Unternehmensstrategien auszurichten. Die Folge ist eine ungeheure Machtkonzentration, die schon heute bedrohliche Ausmaße angenommen hat. Dagegen gibt es unter anderem in Deutschland Proteste. Dort haben verschiedene Organisationen vor zwei Jahren eine Vereinigung gegründet, welche sich vehement gegen die wachsende Bedrohung dieser Superpower-Unternehmen ausspricht. Die Initiative, die sich den Namen "Konzernmacht beschränken" gegeben hat, ruft in ihrem Positionspapier dazu auf, den gefährlichen Trend zu stoppen und kleinere Firmen, Arbeitnehmer sowie Verbraucher zu schützen. (9)


Dank KI näher dran am Kunden

Die Fiducia & GAD IT, ein IT-Dienstleister für Volks- und Raiffeisen-, Privat- und Spezialbanken sowie einige Wirtschaftsunternehmen, setzt Smart Analytics und KI vornehmlich für einen Zweck ein: Sie hilft ihren Kunden, deren Kunden besser kennenzulernen. Gelingt dies, ist die weitere Strategie ganz einfach: Wie lassen sich aufgrund der tieferen Erkenntnisse die Bedürfnisse jedes einzelnen Kunden in noch mehr Ertrag für die jeweilige Bank oder Firma umwandeln? Im Grunde war dies schon immer und ist natürlich noch stets die Stoßrichtung eines jeden Unternehmens. Doch mithilfe der neuen Digitaltechnologien wird diese Strategie zunehmend effizienter. (7)



Weiterführende Literatur:

(1.) Business-Agilität entscheidend für künftigen Unternehmenserfolg
aus marconomy.de vom 03.12.2019

(2.) Unternehmen werden im Schnitt nur 9 Jahre alt
aus marconomy.de vom 03.12.2019

(3.) "Wenn Menschen mehr wissen, haben sie auch mehr Ideen"
aus Telekommunikations- & IT-Report Nr. 05, 27.10.2020, S. 26 - 27

(4.) Capgemini-Studie: Datengetriebene Unternehmen erzielen 70 Prozent mehr Umsatz je Mitarbeiter
aus news aktuell vom 19.11.2020

(5.) Zwischen Fiktion und Wirklichkeit
aus Handelszeitung Nr. 38 vom 19.09.2019 Seite z42

(6.) Herausforderung Datenflut
aus Computerwelt Nr. 16, 14.10.2020, S. 24 - 25

(7.) Smart Data & KI bahnen den Weg für kundennahes Banking
aus Der Bank Blog vom 27.10.2020

(8.) Internationale Studie "Digitalisierung 2020": Viele Unternehmen sind bei KI, Smart Data und Co. nach wie vor nur Zuschauer / Digitale Vorreiter setzen die Mega-Trends bereits in konkrete Projekte um
aus news aktuell vom 24.11.2020

(9.) Bedrohte Marktwirtschaft
aus Frankfurter Rundschau, v. 10.01.2018, S. 12, Ausgabe: Deutschlandausgabe

Harald Reil

Metainformationen

Quelle: GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 11 vom 30.11.2020
Dokument-ID: c_strategie_20201130

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