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Networking - Die totale Vernetzung soll auch die Arbeitswelt revolutionieren

STRATEGIE | GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 03 vom 17.03.2014


Microsoft will mit Yammer die Arbeitswelt umkrempeln

Die Welt ist ein riesiges Netzwerk. Auf die Privatsphäre trifft dieser Satz sicherlich schon zu. Facebook, Twitter und Co. haben unser Kommunikationsverhalten so nachhaltig verändert, wie es vor wenigen Jahren noch unvorstellbar war. Jeder ist mit jedem verbunden oder kann sich mit jedem verbinden - zumindest gilt dies für alle, die freien Zugang zum Internet haben. Diese neue Kultur der Vernetzung hat auf breiter Basis in der Arbeitswelt allerdings noch nicht Fuß gefasst. Das mag vor allem daran liegen, dass Unternehmen im Vergleich zu Privatpersonen schwerfällige Kolosse sind, die einige Zeit brauchen, bis sie sich bewegen. Dass die Umorganisation von Unternehmen nach der Art von Netzwerken aber unumgänglich ist, davon sind die Vorreiter auf diesem Gebiet überzeugt. Einer davon ist Microsoft, das vor kurzem auf seiner SharePoint Conference angekündigt hat, seinen Teil dazu beitragen zu wollen, die Arbeitswelt grundlegend zu verändern. Mit Yammer hat der Softwareriese 2012 ein Unternehmen erworben, das mit seiner gleichnamigen Software die besten Voraussetzungen dafür bietet. (1), (2), (5)


DAX-Unternehmen als Speerspitze der Bewegung

In Deutschland bilden vor allem DAX-Unternehmen die Speerspitze einer Bewegung, die vor allem Folgendes im Sinn hat: Leerlauf zu vermeiden, Wissensquellen anzuzapfen, gemeinsam an Projekten zu tüfteln, die E-Mail-Flut einzudämmen oder noch kürzer formuliert: die Arbeit effizienter zu gestalten. Schätzungen zufolge hat bereits ein Drittel der größten deutschen Konzerne hauseigene Netzwerke aufgebaut, die im Prinzip nach dem Vorbild der bekannten Social Networks funktionieren. Von der Allianz Versicherung ist bekannt, dass schon rund 10 000 Mitarbeiter an den verschiedensten Standorten des Unternehmens rund um den Globus das firmeninterne Netzwerk nutzen. Ohne den Betriebsrat wäre das allerdings nicht möglich gewesen. Eine Betriebsvereinbarung regelt dezidiert, dass die Mitarbeiter sich unkontrolliert im Netzwerk austauschen können, was zu seiner Beliebtheit sicherlich beigetragen hat. (3), (6)


Mittelstand betrachtet Entwicklung eher skeptisch

Während die Vernetzung in Großunternehmen große Fortschritte macht, betrachten mittelständische Firmen diese Entwicklung eher skeptisch. Die Verantwortlichen scheinen nicht daran zu glauben, dass sie die Arbeit wirklich erleichtern oder sogar dabei helfen können, neue Ideen zu generieren. Vielmehr fürchten sie eine Verschwendung kostbarer Arbeitszeit, den Verlust von Herrschaftswissen und eine Unterminierung der Autorität. Die Einführung interner sozialer Netzwerke erfordert daher vor der radikalen strategischen Neuorganisation vertrauter Abläufe zunächst einmal ein ebenso radikales Umdenken. Bisher, so scheint es, sind viele Mittelständler dazu noch nicht bereit. Das Softwarehouse Jive, neben Microsoft und Atlassian ein weiterer Key Player auf dem Social-Enterprise-Markt, versucht daher mit wirtschaftlichen Argumenten zu punkten. Das Unternehmen propagiert eine Steigerung der Arbeitseffizienz um 15 Prozent; die frei werdende Zeit, so die Weiterführung des Gedankens, lasse sich dazu nutzen, den Umsatz zu erhöhen. (4)


Fehlende Effizienzanalyse

Noch ist das allerdings reine Spekulation, denn obwohl sich Enterprise-Social-Dienste geradezu dafür anbieten, Daten zu messen und auszuwerten, haben es zumindest die wichtigsten Unternehmen auf dem Markt versäumt, entsprechende Lösungen in ihre respektiven Softwares zu implementieren. Experten gehen davon aus, dass sich dieser Missstand kurzfristig nicht ändern wird und verweisen darauf, dass Unternehmen unter diesen Umständen eigene Analysewege zur Effizienzmessung ihrer Dienste entwickeln müssen. (9)



Trends


Networkization schreitet unaufhaltsam voran

Adam Pisoni, einer der Gründerväter des Enterprise-Social-Dienstes Yammer, der mittlerweile von Microsoft aufgekauft wurde, geht davon aus, dass bereits im Jahr 2020 jedes Unternehmen interne Netzwerke implementiert haben wird. Wenn dieser Prognose auch ein wenig zu optimistisch klingt, lässt sich die zunehmende Networkization von Unternehmen aber sicherlich nicht mehr aufhalten. (1)


Lukrativer Markt für Enterprise-Social-Lösungen

Dieser Meinung sind auch Experten der Consultant-Firma IDC. Ihren Berechnungen zufolge verbuchten Anbieter von Enterprise-Social-Lösungen im vergangenen Jahr einen Umsatz von 33,13 Millionen Euro. Diese Summe soll bis 2017 sprunghaft ansteigen, und zwar um 44,2 Prozent pro Jahr. (6)


Der nächste Schritt heißt Nutzenanalyse

Der nächste Schritt auf dem Enterprise-Social-Markt wird sein, das Nutzerverhalten auszuwerten und daraus Erkenntnisse zur Optimierung der Zusammenarbeit abzuleiten. Die Anbieter werden im Laufe der Zeit sicherlich die nötigen Analysetools entwickeln und den Unternehmen bereitstellen. Bis es so weit ist, bleibt diesen allerdings nur die Hilfe zur Selbsthilfe. (9)



Fallbeispiele


BASF - ein Pionier der Vernetzungsphilosophie in Deutschland

BASF gehört in Deutschland zu den Pionieren der Vernetzungsphilosophie des Arbeitsplatzes. Continental, die Allianz und die Deutsche Telekom folgten dem Vorbild des Chemiekonzerns bald darauf nach. Laut einer Bitkom-Studie ist die Zahl der deutschen Unternehmen, die hauseigene Firmennetzwerke eingerichtet haben, mit 13 Prozent allerdings noch recht niedrig. Firmen, deren Jahresumsatz 50 Millionen Euro übersteigt, nutzen sie am häufigsten. (4)


44 versus 20 Prozent

Einer Untersuchung der Bundeswehruniversität München zufolge glauben Führungsverantwortliche von größeren Unternehmen weit häufiger als ihre Pendants von mittelständischen Firmen, dass sich mit Enterprise-Social-Plattformen Kosten senken lassen. Die entsprechenden Prozentzahlen lauten 44 und 20 Prozent. (4)


Das Ende der E-Mail

Der französische IT-Dienstleister Atos hat die Netzwerkphilosophie so verinnerlicht, dass er seit Ende 2013 zumindest intern ohne E-Mails auskommt. (7)


Just Connect - Enterprise-Social-Dienst aus Hamburg

Microsofts Yammer mag vielleicht der bekannteste Enterprise-Social-Network-Dienst sein, er ist aber natürlich nicht der einzige. Die Just Software AG, ein Unternehmen aus Hamburg, hat die Zeichen der Zeit ebenfalls erkannt und ein Produkt entwickelt, das die Zusammenarbeit von Mitarbeitern erleichtern soll. Der Name ist Programm: Just Connect heißt die Software, die den Anspruch hat, für Unternehmen jeder Größe geeignet zu sein und die sich entweder über die Cloud nutzen, aber auch auf firmeneigenen Servern installieren lässt. Dreh- und Angelpunkt von Just Connect ist die Startseite mit ihren Newsfeeds, die sich individuell konfigurieren lassen und die den Nutzer laufend über die wichtigsten Neuigkeiten informieren. (8)



[NL]Zahlen & Fakten



Bilanz 2012 - Rekordwerte bestätigt

Die deutschen Maschinenhersteller ziehen für 2012 eine positive Bilanz. Mit einem geschätzten Zuwachs von real zwei Prozent und einem Produktionswert von 196 Milliarden Euro hat die Branche das Rekordniveau von 2008 - wie es sich bereits im November angekündigt hatte - wieder erreicht. Der Umsatz liegt mit rund 209 Milliarden Euro nun definitiv eine Milliarde Euro über dem bisherigen Rekordwert von 2008.

Nicht mehr verbessert hat sich im Dezember die das Gesamtjahr kennzeichnende Abschwächung der Nachfrage aus China. Der für die deutschen Hersteller wichtigste Exportmarkt orderte in diesem Jahr 8,6 Prozent weniger Maschinen als 2011. Nachdem die Ausfuhren nach China in den letzten Jahren regelmäßig zweistellig zulegten, ist dies für die deutschen Unternehmen eine neue Erfahrung. Dass das Gesamtergebnis dennoch sehr gut ausfiel, liegt an den gestiegenen Ausfuhren in andere Länder. So orderten die USA gut 20 Prozent mehr deutsche Maschinen als im Vorjahr. Noch ein bisschen höher fiel der Anstieg der Lieferungen nach Südostasien aus. Für 2013 belässt es der Dachverband VDMA bei dem bereits prognostizierten Produktionsplus von zwei Prozent - womit wieder ein Rekordwert erreicht werden würde. (6)

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Abbildung 1: Hohe Abbrecherquoten an den Universitäten[NL]
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Quelle: VDMA[NL]Entnommen aus: Handelsblatt, 22.11.2012, Nr. 227, S. 14 (8)[NL]
Abbildung 2: An den Fachhochschulen sieht es nicht viel besser aus[NL]
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Quelle: VDMA[NL]Entnommen aus: Handelsblatt, 22.11.2012, Nr. 227, S. 14 (8)[NL]

Weiterführende Literatur:

(1.) "Unternehmen werden künftig wie Netzwerke funktionieren"
aus Computerwoche, 10.03.2014, Nr. 11

(2.) Microsoft will Unternehmen in Netzwerke verwandeln
aus Computerwoche, 10.03.2014, Nr. 11

(3.) Firmen setzen immer stärker auf eigene Internet-Netzwerke
aus Stuttgarter Nachrichten, 15.01.2014, S. 10

(4.) Facebook für die Firma
aus WirtschaftsWoche NR. 041 vom 07.10.2013 Seite 084

(5.) SharePoint Conference 2014
aus tecChannel.de Online, Meldung vom 04.03.2014

(6.) Gemeinsam den Takt halten
aus LEAD digital Nr. 25 vom 11.12.2013, S. 53

(7.) Sozialer Workflow
aus LEAD digital Nr. 25 vom 11.12.2013, S. 53

(8.) Just - Social Intranet für bessere Collaboration
aus Computerwoche, 03.03.2014, Nr. 10

(9.) Social-Collaboration-Analyse
aus CIO - IT-Strategie für Manager, Meldung vom 27.12.2013

Harald Reil

Metainformationen

Quelle: GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 03 vom 17.03.2014
Dokument-ID: c_strategie_20140317

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