GENIOS WirtschaftsWissen > STRATEGIE
Logo GENIOS WirtschaftsWissen

Hightech-Offensive - Die Bundesregierung will Deutschland zum Innovationsweltmeister machen

STRATEGIE | GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 09 vom 22.09.2014


Mehr Geld für Innovationen

In Deutschland leben nur 1,2 Prozent der Weltbevölkerung. Dennoch ist das Land die viertgrößte Wirtschaftsnation der Erde. Damit das so bleibt oder sogar noch besser wird, hat die Bundesregierung vor wenigen Wochen eine Hightech-Strategie verabschiedet, die die hiesige Innovationskultur fördern soll. Sie stellt außerdem Milliardenbeträge für die Forschung bereit, mit der unter anderem die 82 Max-Planck-Institute ihre wissenschaftliche Grundlagenarbeit unter noch besseren finanziellen Bedingungen betreiben können. Kernziel der Strategie ist der zügige Transfer von innovativen Ideen in die Welt der Industrie. Dass die ehrgeizigen Hightech-Pläne keineswegs nur den ohnehin schon großen Unternehmen zugutekommen sollen, hat die Bundesregierung übrigens sehr deutlich gemacht: Im Mittelpunkt der Innovationsprogramme stehen kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sowie Start-up-Firmen. (1), (2), (3)


Sechs Aufgaben für die Zukunft

Inhaltlich konzentriert sich die Hightech-Strategie auf sechs Zukunftsaufgaben. Ganz vorne steht die Förderung von innovativen Lösungen für die

- digitale Wirtschaft und Gesellschaft

Dann folgen die Themen

- nachhaltiges Wirtschaften und Energie
- innovative Arbeitswelt
- gesundes Leben
- intelligente Mobilität
- zivile Sicherheit

Jede dieser Forschungsaufgaben ist wiederum in eine ganze Reihe Unterpunkte gegliedert. Einige Beispiele: Einer der Kerninhalte unter der Rubrik nachhaltiges Wirtschaften ist die Frage, auf welche Weise sich in Zukunft ressourcenschonende Städte am besten gestalten lassen. Unter der Überschrift gesundes Leben fällt die Aufgabe der besseren Bekämpfung von Volkskrankheiten. Forscher, die sich mit dem Thema zivile Sicherheit beschäftigen, sollen sich unter anderem für eine bessere Cyber- und IT-Sicherheit einsetzen.

Verantwortlich für die Umsetzung der Strategie wird in Zukunft ein neues Beratergremium sein, das die bisherigen 24 Vertreter aus Wissenschaft, Industrie und Gewerkschaft ersetzt - auch dies ist ein deutliches Zeichen für einen Neuanfang. An der Spitze stehen Persönlichkeiten mit illustren Namen: Reimund Neugebauer, der Präsident der Fraunhofergesellschaft, sowie Andreas Barner, der Vorsitzende des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. (1), (2)


Der Bürger als Wissenschaftler

An den Hightech-Plänen der schwarz-roten Regierung ist nicht nur das Ziel bemerkenswert, sondern auch der Weg dorthin. Denn die Initiatoren wollen neben den etablierten Forschungseinrichtungen auch die breite Masse der Bevölkerung einbinden. Unter dem Stichwort Citizen Science verzeichnet das Strategiepapier, was es damit bezweckt. Die Deutschen sollen forschen oder zumindest zur Generierung neuer Erkenntnisse beitragen - also beispielsweise als Wetterbeobachter tätig werden oder medizinische Daten für wissenschaftliche Studien online verfügbar machen. Damit folgt die Strategie einem modernen Prinzip - sie nutzt die Schwarmintelligenz und zapft das Wissen der Masse an. Dieses so genannte Crowd Sourcing wird schon erfolgreich in einigen Unternehmen eingesetzt. (1), (2)


Mithilfe gewünscht

Die Regierungskoalition weiß natürlich, dass sich eine Innovationskultur nicht ohne Weiteres oktroyieren lässt. Am Beispiel der so genannten Industrie 4.0 - einer der wichtigsten Punkte der Strategie - macht der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Volker Kauder, klar, dass zum Beispiel KMU noch einen großen Aufklärungsbedarf haben, wie sie mithilfe digitaler Technologien ihre Innovationsfähigkeit erhöhen können. Seiner Ansicht nach sollen sich vor allem die Industrie- und Handelskammern dieser Aufgabe annehmen. (5), (7)


Luft nach oben

Auch wenn die Wirtschaft die Hightech-Strategie der Bundesregierung sehr positiv aufgenommen hat, so gibt es auch Stimmen, die Nachbesserung fordern. Eine davon kommt zum Beispiel vom Verband der chemischen Industrie (VCI), der bemängelt, dass er in dem Positionspapier kein Wort zur steuerlichen Forschungsförderung gefunden habe. Würden F&E-Investitionen vom Fiskus positiv berücksichtigt, käme dies der deutschen Wirtschaft zusätzlich zugute, lautet das Argument. Ein weiterer Kritikpunkt, dessen Richtigkeit selbst Angehörige der Regierungskoalition nicht verleugnen, ist die in Deutschland nur schlecht ausgeprägte Wagniskapitalkultur. So räumte beispielsweise Volker Kauder in einem FAZ-Artikel vor kurzem ein, dass in der Tat dringend bessere Regelungen nötig seien, um Start-up-Firmen mit Venture Capital zu versorgen, damit diese ihre Ideen auch adäquat umsetzen könnten. In demselben Text bekräftigte er allerdings auch, dass die Bundesregierung entsprechende Maßnahmen bereits auf dem Radar habe. (4), (5), (6)



Trends


Umfassende Innovationskultur

Die Hightech-Strategie der Bundesregierung sieht dezidiert vor, auch die Bürger in den wissenschaftlichen Fortschritt einzubinden und sie auf dem Weg zu einer hoch modernen, leistungsfähigen Gesellschaft, die auch in Zukunft mit den Besten der Besten mithalten kann, mitzunehmen. Dafür spricht nicht nur, dass Deutsche unter dem Schlagwort Citizen Science Beiträge zu Forschungsarbeiten leisten sollen, einige von ihnen werden auch in so genannten Reallaboren die Chance erhalten, die Wirkung von Innovationen aus erster Hand zu erfahren, bevor sie serienreif werden. Daneben wird es Internetforen geben, auf denen sie sich über Vor- und Nachteile von neuen Entwicklungen informieren und austauschen können. Die Strategie sieht also eine tiefe gesellschaftliche Durchdringung und in der Folge Internalisierung mit und von einer Kultur vor, die Innovationen fordert und fördert. (2), (4), (6)


Neue Bildung braucht der Mensch

Die zukünftige digitale Wirtschaft und Gesellschaft wird die Arbeitswelt substanziell verändern. Einfache Arbeiten werden an Bedeutung verlieren, höher qualifizierte Tätigkeiten dafür zunehmen. Die Bundesländer müssen daher schon jetzt die Weichen stellen und ihre Bildungspolitik entsprechend adaptieren. (5)



Fallbeispiele


Vorreiter Deutschland

Schon die bisherigen Hightech-Strategien haben sich ausgezahlt. Deutschland ist der Vorreiter in punkto Export von Hightech-Produkten. Die Hälfte der zehn in Europa ansässigen Unternehmen, die am intensivsten forschen, hat ebenfalls ihren Sitz in der Bundesrepublik. Der Hauptgrund dafür ist sicherlich, dass seit 2006 die Investitionen, die Staat und Wirtschaft mit vereinten Kräften in die Forschung pumpen, so umfangreich fließen wie noch nie zuvor. Der Lohn der Anstrengungen sind eine ganze Reihe von Innovationen. Deutsche Forscher konstruierten energiesparende LED-Lampen, sie kreierten mitwachsende Herzklappen, die jungen Herzpatienten viel Leid ersparen, und sie entwickelten Technologien zur Gewinnung für sauberes Wasser, die auch international einen ausgezeichneten Ruf genießen. (8)



[NL]Zahlen & Fakten



Bilanz 2012 - Rekordwerte bestätigt

Die deutschen Maschinenhersteller ziehen für 2012 eine positive Bilanz. Mit einem geschätzten Zuwachs von real zwei Prozent und einem Produktionswert von 196 Milliarden Euro hat die Branche das Rekordniveau von 2008 - wie es sich bereits im November angekündigt hatte - wieder erreicht. Der Umsatz liegt mit rund 209 Milliarden Euro nun definitiv eine Milliarde Euro über dem bisherigen Rekordwert von 2008.

Nicht mehr verbessert hat sich im Dezember die das Gesamtjahr kennzeichnende Abschwächung der Nachfrage aus China. Der für die deutschen Hersteller wichtigste Exportmarkt orderte in diesem Jahr 8,6 Prozent weniger Maschinen als 2011. Nachdem die Ausfuhren nach China in den letzten Jahren regelmäßig zweistellig zulegten, ist dies für die deutschen Unternehmen eine neue Erfahrung. Dass das Gesamtergebnis dennoch sehr gut ausfiel, liegt an den gestiegenen Ausfuhren in andere Länder. So orderten die USA gut 20 Prozent mehr deutsche Maschinen als im Vorjahr. Noch ein bisschen höher fiel der Anstieg der Lieferungen nach Südostasien aus. Für 2013 belässt es der Dachverband VDMA bei dem bereits prognostizierten Produktionsplus von zwei Prozent - womit wieder ein Rekordwert erreicht werden würde. (6)

[NL]
Abbildung 1: Hohe Abbrecherquoten an den Universitäten[NL]
[NL]
Quelle: VDMA[NL]Entnommen aus: Handelsblatt, 22.11.2012, Nr. 227, S. 14 (8)[NL]
Abbildung 2: An den Fachhochschulen sieht es nicht viel besser aus[NL]
[NL]
Quelle: VDMA[NL]Entnommen aus: Handelsblatt, 22.11.2012, Nr. 227, S. 14 (8)[NL]

Weiterführende Literatur:

(1.)Die neue Hightech-Strategie. Innovationen für Deutschland
aus Bundesministerium für Bildung und Forschung Nr. 09/2014

(2.) Die neue Higtech-Strategie soll auch die Bürger stärker einbeziehen
aus VDI NR. 36 VOM 05.09.2014 SEITE 5

(3.) "Wir müssen 10 bis zwanzig Jahre weiterdenken"
aus VDI NR. 36 VOM 05.09.2014 SEITE 5

(4.) Hightech-Strategie stärkt Innovationsstandort Deutschland
aus chemie.de News vom 04.09.2014

(5.) Die Digitalisierung als Chance begreifen
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2014, Nr. 211, S. 20

(6.) Chemie-Forschungsausgaben auf Rekordniveau
aus - CHEManager vom 11.09.2014, Heft 17/2014, Seite 7

(7.) Die Sünden der Väter
aus Ke - konstruktion + engineering, Heft 09/2014, S. 4

(8.) Hightech-Strategie der Bundesregierung. Deutschland soll Innovations-Weltmeister werden
aus www.process.de vom 04.09.2014

Harald Reil

Metainformationen

Quelle: GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 09 vom 22.09.2014
Dokument-ID: c_strategie_20140922

Alle Rechte vorbehalten. © GBI-Genios