GENIOS WirtschaftsWissen > STRATEGIE
Logo GENIOS WirtschaftsWissen

Die Deutsche Börse - ein Unternehmen auf Wachstumskurs

STRATEGIE | GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 01/2009 vom 12.01.2009

Beitrag

Die Deutsche Börse AG ist auf Erfolgskurs. Weder die gescheiterte Fusion mit dem Börsenbetreiber NYSE Euronext, noch die Finanzkrise hält den Konzern auf. Das Unternehmen übernimmt weiterhin Firmen, investiert mehrere Millionen Euro und setzt auf ein Umsatzwachstum. Die Deutsche Börse möchte zukunftsfähig bleiben und investiert auch im Ausland. In Peking wurde eine Repräsentanz eröffnet, um die Geschäftsbeziehungen in China zu verstärken und auszubauen.


Übernahme der Deutschen Börse mit NYSE Euronext scheitert

Die Deutsche Börse AG plante eine Fusion mit dem Marktbetreiber Nyse Euronext. Im Vorfeld wurden die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit sondiert. Wie die Deutsche Börse jetzt aber mitteilte, sind die Fusionsgespräche gescheitert. Die Börsenbetreiber stehen aber weiterhin unter Druck Fusionspartner zu suchen. Im Zuge der Finanzkrise sind auch die Aktienkurse der Marktbetreiber stark gesunken. Der Kurs der Deutschen Börse ist im Jahr 2008 um ca. 60 Prozent gesunken, die Aktie der Nyse Euronext sogar um ca. 80 Prozent. Zudem bekommen Nyse, Deutsche Börse und andere Börsenbetreiber, durch neue elektronische Handelsplattformen wie Chi-X und Turquoise Konkurrenz. Trotzdem wird der Abbruch der Fusionsgespräche wohlwollend betrachtet, sogar der Börsenkurs der Deutschen Börse stieg kurzzeitig an. (1)


Deutsche Börse weiterhin auf Übernahmekurs

Von der gescheiterten Fusion mit dem Börsenbetreiber NYSE Euronext lässt sich das deutsche Unternehmen nicht beeindrucken. Wie bekannt wurde, übernimmt die Deutsche Börse AG die Finanznachrichtenagentur Market News International. Damit baut der deutsche Konzern sein Angebot im Bereich Market Data & Analytics weiter aus. Die Finanznachrichtenagentur hat Zugriff auf Organisationen wie den internationalen Währungsfond und der Weltbank. Damit erweitert die Deutsche Börse ihr Angebot an relevanten Echtzeit-Informationen für die Finanzmärkte. Durch die Übernahme wird die Finanznachrichtenagentur eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Börse AG. Bisher war Market News International eine Tochtergesellschaft des chinesischen Nachrichtendienstes Xinhua Finance Ltd. Market News International.
Nach Absprache mit den Kartellbehörden, wird die Fusion bis Ende Januar 2009 abgeschlossen sein. Der Kaufpreis für MNI liegt bei zehn Millionen Euro. (2)


Manfred Gentz neuer Aufsichtsratschef der Deutschen Börse

Manfred Gentz ist zum Aufsichtsratschef der Deutschen Börse AG ernannt worden. Damit ist er der dritte Chef in gut drei Jahren. Gentz, der bis Ende 2004 Finanzvorstand des Autobauers DaimlerChrysler war, übernimmt den Vorsitz des Kontrollgremiums vorerst nur bis zur Hauptversammlung im Mai 2009. Danach werden die Aufsichtsratsmitglieder neu gewählt und bestimmen ihrerseits den Vorsitzenden des Aufsichtsrats. Es gibt aber wohl innerhalb des Aufsichtsrats ein Interesse an einer langfristigen Verpflichtung von Gentz.
Eine weitere Neuerung ist die Verkleinerung des Aufsichtsrat von 21 auf 18 Mitglieder. Die wurde erst dieses Jahr in der Hauptversammlung beschlossen.
Viermetz, der den Aufsichtsrat der Deutschen Börse seit Oktober 2005 anführte, hatte seinen vorzeitigen Rücktritt zum 8. Dezember angekündigt, da er in den letzten Wochen unter Druck geraten war. Viermetz war auch Aufsichtsratschef des Münchner Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate, der während der Finanzmarktkrise fast zusammengebrochen wäre. (3)



Fallbeispiele

Deutsche Börse AG senkt Kosten

Die Deutsche Börse AG hat ihre Kostenprognose für das Jahr 2008 von 1 315 Millionen Euro auf 1 280 Millionen Euro gesenkt. Damit könnte es für das Jahr 2008 erneut zu einem Rekordergebnis für die Deutsche Börse reichen. Für das Jahr 2009 sollen die Kosten wenigsten stabil gehalten werden. Immerhin sind für dieses Jahr Investitionen in Wachstum und Technologie in Höhe von 45 Millionen Euro geplant. Davon möchte das Unternehmen trotz Finanzkrise nicht abweichen. Insgesamt plant das Unternehmen für das Jahr 2009 Kosten in Höhe von 1 350 Millionen Euro ein. (7)
Repräsentanz der Deutschen Börse in Peking eröffnet

Die Deutsche Börse AG hat jetzt auch eine Repräsentanz in Peking eröffnet. Ziel ist es die Geschäftsbeziehungen in China zu verstärken und weiterhin auszubauen. Als eine der führenden Börsen weltweit, kann die Deutsche Börse, ihre Kenntnisse als Dienstleistungsanbieter im Wertpapierhandel einer wachsenden Anzahl chinesischer Unternehmen anbieten. Die schriftliche Genehmigung zur Eröffnung einer Repräsentanz in Peking hatte der deutsche Konzern im September erhalten. (8)

Weiterführende Literatur:

(1.) O.V., Machtanspruch der Nyse Euronext lässt Fusion mit Deutscher Börse scheitern, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2008, Nr. 288, S. 15
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2008, Nr. 288, S. 15

(2.) O.V., Deutsche Börse übernimmt Finanznachrichtenagentur Market News International, aktiencheck.de, 22.12.2008
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2008, Nr. 288, S. 15

(3.) O.V., Nach der Sitzung des Aufsichtsrates, Manfred Gentz neuer Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, HANDELSBLATT online, 08.12.2008,
aus HANDELSBLATT online 08.12.2008 19:46:54

(4.) Mai, Stefan, Deutsche Börse laut Studie attraktivster Listingplatz, AG - Die Aktiengesellschaft, 01.12.2008, 23/2008, S. R516-R518
aus HANDELSBLATT online 08.12.2008 19:46:54

(5.) Blum, Adrian, Strengere Deutsche Börse, Finanz und Wirtschaft, 26.11.2008, S. 33
aus Finanz und Wirtschaft vom 26.11.2008, Seite 33

(6.) O.V., Deutsche Börse, Investitionen in Wachstum, Die Sparkassenzeitung, 12.12.2008, Nr. 50, S. 4
aus Die SparkassenZeitung, 12.12.2008, Nr. 50, S. 4

(7.) Herkenhoff, Frank, Deutsche Börse AG senkt Kostenprognose für 2008 und gibt Schätzung für die Gesamtkosten 2009 bekannt, Ad hoc, 09.12.2008
aus Die SparkassenZeitung, 12.12.2008, Nr. 50, S. 4

(8.) O.V., Deutsche Börse eröffnet Repräsentanz in Peking, aktiencheck.de, 12.12.2008
aus Die SparkassenZeitung, 12.12.2008, Nr. 50, S. 4

M.Dengl

Metainformationen

Quelle: GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 01/2009 vom 12.01.2009
Dokument-ID: c_strategie_20090112

Alle Rechte vorbehalten. © GBI-Genios