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Brutaler Wolkenkrieg - IT-Riesen streiten sich um die Vorherrschaft im Cloud-Geschäft

STRATEGIE | GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 08 vom 29.08.2014


Gnadenloser Preiskampf

In der IT-Branche geht es wieder einmal rund. Die Cloud-Technologie ist nämlich gerade dabei, die Geschäftsstrategien großer Konzerne von Grund auf umzukrempeln. Big Player wie Microsoft, Google, Apple, IBM, SAP oder Oracle kämpfen um die Vorherrschaft über das große Geschäft mit Software-Lösungen aus der Wolke und nehmen dabei gewaltige Summen in die Hand. Natürlich spekulieren sie darauf, dass sie diese Investitionen in Zukunft um ein Vielfaches zurückbekommen werden. Glaubt man den Analysten, ist diese Hoffnung durchaus berechtigt. Allein was die Nutzung öffentlich zugänglicher Clouds anbelangt, prognostizieren zum Beispiel die Fachleute des US-Unternehmens IDC bis 2017 eine Steigerung von rund 20 Prozent pro Jahr. Stimmt diese Vorhersage, wäre der globale Cloud-Markt nur in diesem Segment in drei Jahren 80 Milliarden Euro schwer. Angesichts dieser Summe ist es kein Wunder, dass die Konzerne alles daran setzen, sich einen großen Anteil am Cloud-Geschäft zu sichern. Um dieses Ziel zu erreichen, schrecken sie auch vor Dumpingpreisen nicht zurück, um schwächere Konkurrenten vom Markt zu verdrängen. Über kurz oder lang wird dieser gnadenlose Wettbewerb bestimmt die ersten Opfer fordern. (1), (2), (3), (4)


Auch die Größten kann es erwischen

Diese Dino-Lektion gilt auch für die Big Player der IT-Branche. John Chambers, Ciscos CEO, sprach vor wenigen Monaten offen aus, was viele im Stillen nur befürchten oder - je nach Standpunkt - vielleicht auch hoffen. Firmen, die den Umbau auf ein cloudbasiertes Geschäftsmodell nicht rechtzeitig hinbekommen oder technisch rückständige Lösungen anbieten, werden bereits bald gewaltig ins Straucheln kommen. Schon jetzt hinken IBM, Hewlett-Packard, Oracle und SAP im Vergleich mit Apple, Google und Amazon hinterher. Wozu das führen kann, zeigt der Konkurrenzkampf zwischen IBM und Amazon um einen Cloud-Auftrag, den die CIA ausgeschrieben hatte. Dabei ging es um ein Volumen von immerhin 600 Millionen Dollar. Obwohl IBM bereits seit Jahrzehnten eng mit dem amerikanischen Geheimdienst zusammenarbeitet, bekam Amazon mit seiner Lösung den Zuschlag, da die CIA die Variante des Online-Händlers als technisch reifer einstufte als das IBM-Angebot. Der Preis spielte für die Geheimdienstler übrigens keine Rolle: IBM war ein Drittel günstiger als Amazon - und verlor den Auftrag dennoch. (1)


Arme Start-ups

Start-ups sind zwar agiler als alteingesessene IT-Riesen und haben in vielen Fällen auch die besseren Cloud-Produkte, doch ihr Problem ist noch verzwickter. Denn viele von ihnen haben nur einen ungenügenden finanziellen Puffer, der ihnen angesichts der Dumpingpreis-Politik der Großen der Branche schon bald den Garaus machen könnte. Der Markt ist in Aufruhr und eine Konsolidierung nicht in Sicht. Es ist daher bezeichnend, dass zum Beispiel das Unternehmen Dropbox, das immerhin auch schon seit sieben Jahren existiert und zu den bekannteren kleineren Cloud-Anbietern gehört, seinen angekündigten Börsengang auf Eis gelegt hat - für wie lange, darüber hüllt sich die Führungsspitze rund um CEO Drew Houston in Schweigen. Obwohl viele Start-ups also auf das richtige Pferd - im vorliegenden Fall die Cloud - gesetzt haben, droht ihnen der Evolutionsdruck trotzdem die Luft abzuschnüren. (3)



Trends


Wunsch nach mehr Sicherheit

Cloud und Sicherheit wollen sich nicht so recht vertragen. Der NSA-Skandal hat Unternehmen aufgerüttelt und dem Geschäft mit der Wolke einen vorübergehenden Dämpfer verpasst. Lange wird die Katerstimmung allerdings nicht dauern, davon sind sachkundige Beobachter überzeugt. Die großen IT-Konzerne sind also tatsächlich gut damit beraten, ihre Geschäftsstrategien neu auszurichten, indem sie vermehrt auf das Cloud-Geschäft setzen. Allerdings werden sie dabei nicht umhin kommen, ihre Datenwolkendienste transparenter und sicherer zu gestalten, als das bisher der Fall ist. Sonst werden sie im Kampf mit der Konkurrenz ganz sicher den Kürzeren ziehen. (5), (6)



Fallbeispiele


Cisco klotzt

Cisco kündigte an, während der nächsten beiden Jahre eine Milliarde Dollar in die Hand zu nehmen, um seine Rechenzentren zu erweitern. Die Vergrößerung soll der Intensivierung seines Cloud-Geschäfts zugutekommen. (1)


Drastisches Preisdumping

Mit welch harten Bandagen die IT-Konzerne um Anteile am Cloud-Geschäft kämpfen, zeigen folgende Beispiele: Im März dieses Jahres hat Google seinen Nettopreis in Europa für die Nutzung von 100 Gigabyte Speichervolumen von monatlich 4,99 auf 1,99 Dollar verringert. Die Mehrwertsteuer inklusive berappen User für diese Kapazität jetzt umgerechnet nur noch 1,77 Euro. Vor wenigen Wochen hat auch Microsoft seinen Preis für die Nutzung von ebenfalls 100 Gigabyte Speicherplatz drastisch gekürzt. User zahlen jetzt nur 1,99 Euro statt wie früher das Doppelte. Amazon will angesichts dieser Dumpingangebote nicht nachstehen und ködert Kunden mit ähnlich einschneidenden Kürzungen: Mittlerweile zahlen Unternehmen für die Cloud-Dienste des Online-Händlers nur noch knapp die Hälfte des ehemaligen Preises. (3), (4)


Kampf der Giganten

Apple will den Kampf mit Google und Microsoft um die Vorherrschaft im Cloud-Geschäft aufnehmen. Auf ihrer jüngsten Entwicklerkonferenz haben die Kalifornier angekündigt, dass sie sich in Zukunft verstärkt um diesen Geschäftszweig kümmern wollen. Mit iCloud Drive haben sie damit bereits den ersten Schritt getan. (7)


Microsofts Dollarsegen

Microsoftchef Satya Nadella hat die Auseinandersetzung um das Cloud-Geschäft zur Strategie ausgerufen. Das macht sich schon jetzt bezahlbar. Cloud-Dienste wie Office 365 oder Azure spülen dem in Redwood ansässigen Unternehmen Dollarmilliarden in die Kassen. Im letzten Quartal ist der Umsatz im Cloud-Business um über das Doppelte gestiegen. Die Cloud ist damit Microsofts am schnellsten wachsender Geschäftszweig. (3), (9)


Radikale Rationalisierung

T-Systems, Telekoms IT-Tochter, hat massive Stellenstreichungen angekündigt, was die Gewerkschafter von Verdi naturgemäß auf die Palme bringt. Bis Ende nächsten Jahres sollen 4 900 Jobs dem Rotstift zum Opfer fallen. Selbst bei einer Gesamtbelegschaft von 27 500 Mitarbeitern ist das eine beachtlich hohe Zahl. Grund für den radikalen Rationalisierungsschritt ist die bevorstehende Neuausrichtung der T-Systems-Strategie. Das Unternehmen baut dabei vor allem auch auf das Trendthema Cloud-Computing. Für die Umsetzung der aktuellen Geschäftsphilosophie werden weniger Mitarbeiter benötigt als bisher. (8)


SAPs Strategiewechsel

SAP erfindet sich gerade neu. Der Konzern muss wie andere Unternehmen auch auf den Cloud-Zug aufspringen, will er in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben. Der Umbau erfordert eine komplette strategische Neuausrichtung, die zunächst einmal die Belegschaft gewaltig durcheinanderwürfeln wird. SAP wird mehr Spezialisten in den Rechenzentren brauchen statt Consultants, die bislang noch direkt bei den Firmen Programme und Server implementieren. Auch das Vergütungsmodell wird sich ändern: Bisher scheffelte der Konzern seine Milliarden dank bestdotierter Lizenzverträge. Die Gebühren für die Cloud-Dienste werden in Zukunft zwar niedriger sein, dafür laufen die Verträge im Idealfall über einen längeren Zeitraum. (10)



[NL]Zahlen & Fakten



Bilanz 2012 - Rekordwerte bestätigt

Die deutschen Maschinenhersteller ziehen für 2012 eine positive Bilanz. Mit einem geschätzten Zuwachs von real zwei Prozent und einem Produktionswert von 196 Milliarden Euro hat die Branche das Rekordniveau von 2008 - wie es sich bereits im November angekündigt hatte - wieder erreicht. Der Umsatz liegt mit rund 209 Milliarden Euro nun definitiv eine Milliarde Euro über dem bisherigen Rekordwert von 2008.

Nicht mehr verbessert hat sich im Dezember die das Gesamtjahr kennzeichnende Abschwächung der Nachfrage aus China. Der für die deutschen Hersteller wichtigste Exportmarkt orderte in diesem Jahr 8,6 Prozent weniger Maschinen als 2011. Nachdem die Ausfuhren nach China in den letzten Jahren regelmäßig zweistellig zulegten, ist dies für die deutschen Unternehmen eine neue Erfahrung. Dass das Gesamtergebnis dennoch sehr gut ausfiel, liegt an den gestiegenen Ausfuhren in andere Länder. So orderten die USA gut 20 Prozent mehr deutsche Maschinen als im Vorjahr. Noch ein bisschen höher fiel der Anstieg der Lieferungen nach Südostasien aus. Für 2013 belässt es der Dachverband VDMA bei dem bereits prognostizierten Produktionsplus von zwei Prozent - womit wieder ein Rekordwert erreicht werden würde. (6)

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Abbildung 1: Hohe Abbrecherquoten an den Universitäten[NL]
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Quelle: VDMA[NL]Entnommen aus: Handelsblatt, 22.11.2012, Nr. 227, S. 14 (8)[NL]
Abbildung 2: An den Fachhochschulen sieht es nicht viel besser aus[NL]
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Quelle: VDMA[NL]Entnommen aus: Handelsblatt, 22.11.2012, Nr. 227, S. 14 (8)[NL]

Weiterführende Literatur:

(1.) Alles neu macht die Cloud - da bleibt kein Stein auf dem anderen
aus Computerwoche, 30.06.2014, Nr. 27

(2.) Tiefe Taschen reichen nicht
aus Handelsblatt Nr. 118 vom 24.06.2014 Seite 025

(3.) In der Wolke ist der Preiskampf grenzenlos
aus Stuttgarter Zeitung - Stadtausgabe, 30.07.2014, S. 12

(4.) Preiskrieg bei den grossen Cloud-Anbietern
aus Die Nordwestschweiz vom 29.03.2014

(5.) Die dunkle Seite der Daten
aus Handelsblatt online vom 10.03.2014

(6.) Poröse Wolken - NSA-Skandal hat das Vertrauen von Unternehmen in die Cloud-Technologie erschüttert
aus GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 06 vom 25.06.2014

(7.) Apple punktet mit frischer Software
aus VDI NR. 23 VOM 06.06.2014 SEITE 11

(8.) Unruhige Zeiten für T-Systems
aus Handelsblatt Nr. 056 vom 20.03.2014 Seite 017

(9.) Nokia kostet Microsoft operativ 700 Mill. Dollar. Ergebnis sinkt unerwartet - Cloud-Geschäft boomt
aus Börsen-Zeitung, 24.07.2014, Nummer 139, Seite 13

(10.) SAP steht vor dem Umbruch
aus Handelsblatt online vom 16.05.2014

Harald Reil

Metainformationen

Quelle: GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 08 vom 29.08.2014
Dokument-ID: c_strategie_20140829

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