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Werkzeugmaschinenbau - 2015 bringt unerwartetes Rekordergebnis

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 02 vom 24.02.2016


Der deutsche Maschinenbau wächst nicht mehr

Der deutsche Maschinenbau hat sich bereits im Verlauf des vergangenen Jahres damit abgefunden, dass Steigerungsraten derzeit nicht zu erreichen sind. Statt der am Anfang 2015 postulierten Volumensteigerung um zwei Prozent blieb es nach aktueller Einschätzung bei einer schwarzen Null. Daran konnte auch ein überaus starker Endspurt im Dezember nichts ändern. Im letzten Monat des vergangenen Jahres stiegen die Bestellungen um stattliche elf Prozent, die sich aus einem Bestellrückgang um fünf Prozent aus dem Inland und einem Plus von 17 Prozent bei den Auslandsorders zusammensetzten. Auch der starke Dezember konnte nichts daran ändern, dass die Bestellungen im Gesamtjahr 2015 nur ein mageres Plus von einem Prozent erreichten.

Die Stagnation im stark exportabhängigen Maschinenbau ist die Folge der immer schwächer werdenden Nachfrage aus den einst so prosperierenden Schwellenländern. Nach China wurden zwischen Januar und November 2015 sechs Prozent weniger Maschinen geliefert als im Vorjahreszeitraum; der Export nach Russland brach sogar um 27 Prozent ein. Dass die Branche dennoch eine schwarze Null verzeichnet, liegt am erstarkten Exportmarkt USA, der zwölf Prozent mehr deutsche Maschinen abnahm als im gleichen Zeitraum 2014. In die USA wurden Maschinen im Wert von 15,3 Milliarden Euro geliefert, nach China gingen Erzeugnisse für 14,7 Milliarden Euro. Damit haben die USA erstmals seit einigen Jahren China als wichtigsten Abnehmer deutscher Maschinen verdrängt.

Mit seiner Stagnation auf hohem Niveau liegt der deutsche Maschinenbau im weltweiten Trend. Auch global nahmen die Maschinenumsätze 2015 nur um ein Prozent zu. 2016 werden die Maschinenbau-Schwergewichte Deutschland, China und USA jeweils höchstens um ein Prozent zulegen können, schätzen die Experten. (1)


Werkzeugmaschinenbau trotzt dem Trend

Anders als die Gesamtbranche hat der Werkzeugmaschinenbau auch 2015 ein beachtliches Wachstum erzielt. Die Produktion stieg um vier Prozent und damit einen Prozentpunkt stärker als zum Jahresbeginn prognostiziert. Das Volumen im Werkzeugmaschinenbau stieg damit auf 15,1 Milliarden Euro, die einen neuen Rekordwert bedeuten. Deutlich schwächer entwickelte sich der Bestelleingang, der nur um ein Prozent anstieg. Gleichwohl berichtet der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW), dass viele Werkzeugmaschinenhersteller 2015 als das beste Jahr ihrer Geschichte bewerten.

Wie der Gesamtmaschinenbau leiden auch die Werkzeugmaschinenhersteller unter der schwächer werdenden Konjunktur Chinas und der Rezession in Russland. Nach China lieferte die deutsche Teilbranche acht Prozent weniger Erzeugnisse als 2014, der Export nach Russland brach um 19 Prozent ein. Dass dennoch eine Volumensteigerung erreicht werden konnte, lag an der guten Nachfrage aus dem deutschen Inland und aus Europa. Der Gesamtzuwachs sorgte gleichzeitig dafür, dass die Beschäftigung im Werkzeugmaschinenbau gesteigert werden konnte. Im Jahresdurchschnitt stieg die Zahl der Beschäftigten um 1,5 Prozent auf 68 500. Interessant ist, dass der Werkzeugmaschinenbau sein erkleckliches Wachstum ohne Steigerungsraten beim Export in die derzeit erstarkenden USA erreicht hat. Für 2016 erwartet die Branche ein schwächeres Produktionswachstum von nur noch einem Prozent. (2), (3)





Fallbeispiele


Werkzeugmaschinenbau hofft auf den Iran, Mexiko und Südostasien

Die Rückkehr Irans in die internationale Wirtschaft weckt Hoffnungen - auch im Werkzeugmaschinenbau. Der VDW erwartet, dass die Nachfrage nach deutschen Werkzeugmaschinen schnell ansteigen wird. Noch Anfang der 1990er Jahre hatte der deutsche Maschinenbau im Handel mit dem Iran 190 Millionen Euro umgesetzt. 2015 waren es gerade einmal 20 Millionen Euro. Die derzeit grassierende Goldgräberstimmung hinsichtlich der Absatzmöglichkeiten im Iran teilen allerdings nicht alle Werkzeugmaschinenhersteller. Sie verweisen auf den schlechten Zustand der dortigen Wirtschaft, die noch Jahre brauche, um wieder Anschluss zu finden.

Ein gleichfalls spannender Zukunftsmarkt könnte Mexiko werden. Der Werkzeugmaschinenbedarf des Landes ist alleine zwischen 2010 und 2014 um satte 85 Prozent gestiegen. Mit einem Marktanteil von 14 Prozent rangiert der deutsche Werkzeugmaschinenbau bereits heute auf dem dritten Platz der wichtigsten Maschinenlieferanten.

Zunehmend interessant wird zudem Südostasien für den deutschen Werkzeugmaschinenbau. Die auch als Asean bezeichnete Region repräsentiert aktuell ein Marktvolumen für Werkzeugmaschinen von 3,9 Milliarden Euro. Zur Asean-Gruppe gehören Länder wie Indonesien, Singapur, Thailand und Vietnam. (3), (4)


Schweizer Firmen blicken neidisch nach Deutschland

Während deutsche Hersteller 2015 erstaunliche Wachstumsraten erzielten, herrscht im Schweizer Werkzeugmaschinenbau Tristesse. Die Anbieter hatten 2014 noch ein Produktionsplus von neun Prozent eingefahren, 2015 haben sie Marktanteile insbesondere an deutsche Wettbewerber verloren. Wichtige Schweizer Werkzeugmaschinenhersteller wie Starrag und Tornos berichten von Umsatz- und Auftragsrückgängen zwischen acht und 18 Prozent. (5)


Neues Konzept für die Metav

In diesem Jahr wird wieder die zweijährig stattfindende Leitmesse für Fertigungstechnik und Automatisierung Metav ihre Pforten öffnen. Ausrichter ist der Dachverband der Werkzeugmaschinenhersteller, VDW. Die Messe erhält 2016 ein neues Konzept. (6)



Zahlen & Fakten


Mit einem Produktionsvolumen von 15,1 Milliarden Euro hat der deutsche Werkzeugmaschinenbau die bisher geltende Rekordmarke aus dem Jahr 2013 deutlich übertroffen. Damals betrug das Volumen 14,6 Milliarden Euro. 2014 war die Produktion um ein Prozent zurückgegangen.

Das Ordervolumen kletterte von 14,8 Milliarden Euro 2014 auf 14,9 Milliarden Euro. Das Auftragsvolumen aus dem Inland betrug dabei 4,86 Milliarden Euro, die Auslandsbestellungen lagen bei 10,04 Milliarden Euro.

Die Kapazitätsauslastung lag 2015 durchschnittlich bei gut 88 Prozent. In den Vorjahren hatte diese noch höher gelegen, den Spitzenwert markiert das Jahr 2012 mit 95,2 Prozent.

Die nur leichten Anstiege bei den Bestellungen schlagen sich erkennbar auf den Auftragsbestand nieder. Derzeit verfügen die deutschen Werkzeugmaschinenhersteller über eine Auftragsreichweite von etwa 6,8 Monaten. 2014 und 2013 waren es noch über sieben Monate gewesen, 2011 lag der Auftragsbestand sogar bei neun Monaten.

Anders als für den Gesamtmaschinenbau ist China für die Werkzeugmaschinenhersteller nach wie vor der mit weitem Abstand wichtigste Absatzmarkt. In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres hatte China bei deutschen Werkzeugmaschinen einen Marktanteil von 22,3 Prozent, gefolgt von den USA mit 10,2 Prozent. Drittgrößtes Abnehmerland ist Italien mit 4,5 Prozent. (7)

Die Lieferungen in Länder Europas haben die Rückgänge im Handel mit China und Russland - zusammen mit den US-Exporten - kompensieren können. Besonders stark stieg die Nachfrage aus Spanien (plus zwölf Prozent), Italien (plus elf Prozent) und Großbritannien (plus sechs Prozent. Zuwächse gab es auch bei den Ausfuhren nach Osteuropa. So importierte Polen gleich 14 Prozent mehr deutsche Werkzeugmaschinen als 2014, nach Tschechien stieg der Export um zehn Prozent, nach Ungarn um acht Prozent. (1)



Weiterführende Literatur:

(1.) Starker Endspurt im Maschinenbau
aus Börsen-Zeitung vom 02.02.2016, Nr. 21, S. 11

(2.) Unsicherheit nach dem Rekordjahr
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2016, Nr. 38, S. 20

(3.) Werkzeugmaschinenbau geht es vorsichtig an
aus Börsen-Zeitung vom 12.02.2016, Nr. 29, S. 10

(4.) Werkzeugmaschinen - Iran wird zum Hoffnungsträger
aus Handelsblatt online vom 11.02.2016

(5.) Deutsche Maschinenbauer feiern
aus Neue Zürcher Zeitung 13.02.2016, Nr. 36, S. 32

(6.) Industrie 4.0: Teil der Metav
aus MM Nr. 007 vom 15.02.2016 Seite 034

(7.)" Ein schöner Erstaufschlag"
aus SCOPE - Das moderne Industriemagazin Nr. 2/2016, Seite 10

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 02 vom 24.02.2016
Dokument-ID: s_mas_20160224

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