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Weniger glamourös, doch genauso erfolgreich - die Hidden Champions des Maschinenbaus

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 06 vom 27.06.2011


Metallurgiebranchen auf Konsolidierungskurs

Viele kleinere Teilbranchen des Maschinenbaus tauchen kaum in der Presse auf, sind aber genauso erfolgreich wie die Großen. Zu diesen Hidden Champions gehören die sogenannten Metallurgiebranchen - Gießereimaschinen, Hütten- und Walzwerkeinrichtungen sowie die Thermoprozesstechnik. Wie der gesamte Maschinenbau befinden sich auch diese drei Teilbranchen nach den Einbrüchen 2009 auf einem rasanten Konsolidierungskurs. Bei den Auftragseingängen sticht die Thermoprozesstechnik am weitesten hervor. Zwischen Januar und April dieses Jahres stiegen der Orders nach Angaben des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) um satte 98 Prozent. In den beiden anderen Teilbranchen waren es 18 Prozent (Gießereimaschinen) und 30 Prozent. Zusammen produzierten die Hersteller im vergangenen Jahr Waren im Wert von 5,5 Milliarden Euro, was gegenüber 2009 einem Produktionsplus von 14 Prozent entspricht. (1)


Kunststoff- und Gummimaschinenhersteller - erfolgreich in China

Eine kaum im Fokus stehende Teilbranche des Maschinenbaus bilden auch die Kunststoff- und Gummimaschinenhersteller. Sie haben das Vorkrisenniveau weit schneller erreicht als erwartet. Wichtigstes Exportland ist China, in das die deutschen Unternehmen 2010 um knapp 65 Prozent mehr Maschinen lieferten als im Krisenjahr 2009. Für das laufende Jahr rechnet die Teilbranche mit einem Umsatzzuwachs von etwa 18 Prozent, nach 28,9 Prozent im vergangenen Jahr. Ihre Position als Exportweltmeister - die im deutschen Maschinenbau eine sehr große Zahl von Unternehmen innehat - werden auch die Kunststoff- und Gummimaschinenhersteller 2011 verteidigen. (2)


Gebäudetechnik: Erfolge im Export

Eine Branche in der Branche ist die ebenfalls zum Maschinenbau zählende Gebäudetechnik. Hierzu gehören die Bereiche Armaturen, Aufzüge, Gebäudeautomation, Klima- und Lüftungstechnik, Kältetechnik, erneuerbare Energiequellen, Pumpen + Systeme, Sicherheitssysteme und Instandhaltung. Das Produktionsvolumen der breit aufgestellten Branche beträgt rund 15 Millionen Euro im Jahr. Allein die Exporte der Klima-, Lüftungs- und Luftreinhaltungstechnik stiegen 2010 um 27 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. 2009 waren die deutschen Hersteller hinter China der weltweit zweitgrößte Exporteur von Klima- und Lüftungstechnik. In der Kältetechnik liegt Deutschland bei den Exporten auf Rang drei hinter China und den USA. Der Fachverband Allgemeine Lufttechnik rechnet für 2011 mit einem Produktionszuwachs von etwa acht Prozent. (3), (5), (6)


Auch Traktoren gehören dazu

Zum Maschinenbau zählt auch die Produktion von Traktoren und Landmaschinen. Die deutsche Landtechnikindustrie freut sich derzeit über Vollauslastung und erwartet ein Umsatzwachstum von 20 Prozent. Vor allem der Erntetechnik-Sparte wird ein hohes Aufholpotenzial zugeschrieben. Die Traktorhersteller steigerten ihre Produktion von Januar bis März 2011 auf 14 050 Einheiten, was gegenüber dem Vorjahr ein Plus um ein Viertel bedeutet. Insgesamt steht die Produktionskapazität der Branche am Anschlag, nämlich bei 91,5 Prozent. Damit übertrifft die Landtechnikindustrie auch den Wert des gesamten Maschinenbaus, der aktuell eine Auslastung von 88,8 Prozent erreicht. (7), (8)


Zukunftsbranche Abwassertechnik

Zu den wenig glamourösen Teilbranchen des Maschinenbaus gehört die Abwassertechnik. Mit ihr verbindet man gemeinhin die Arbeit von Klempnern und Sanitärhandwerkern. Tatsächlich aber geht es um das Thema Wasserversorgung im großen Stil. Der effiziente und sparsame Umgang mit der Ressource Wasser gehört zu den wichtigsten Menschheitsaufgaben des 21. Jahrhunderts - wie heute schon die vielerorts prekäre Lage etwa in Spanien zeigt. Dort trocknen ganze Landstriche aus, weil Wasser trotz der Knappheit enorm billig ist und auf Grundwasser zurückgegriffen wird. 2010 haben die Anbieter von Wasser- und Abwassertechnik ihre Exporte im Vergleich zum Vorjahr um 10,2 Prozent auf 663,50 Millionen Euro steigern können. Die wichtigsten Exportmärkte der Branche sind Russland und China. (9)



Trends


Perspektiven für die Brennstoffzelle

Erst vor dem Durchbruch steht immer noch die Brennstoffzelle. Die komplizierte Technik bietet zwar eine Fülle von Anwendungen, ist aber teuer und hat sich darum noch nicht ganz durchgesetzt. Dies zeigt sich an den vergleichsweise niedrigen Erträgen der Branche. So lagen die Umsätze der Hersteller im vergangenen Jahr nur im zweistelligen Millionenbereich. Dennoch sieht es so aus, dass der praktisch emissionsfreie Energieerzeuger im Zuge der Energiewende ebenfalls Auftrieb erhält. Laut VDMA erwartet die Branche für 2011 hohe zweistellige Wachstumsraten. Genutzt werden die Zellen sowohl in Fahrzeugen als auch stationär in Krankenhäusern oder Schwimmbädern. In diesem Jahr sollen die Umsätze mit Brennstoffzellen für die stationäre Hausenergieversorgung erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke überschreiten. Insbesondere für den Bereich Hausenergie sagen Experten der Brennstoffzelle sehr gute Perspektiven voraus. Allein für Deutschland wurde ein Marktpotenzial von jährlich 250 000 Anlagen identifiziert. Bis 2020 sollen 70 000 Brennstoffzellenheizgeräte neu installiert werden. Trotz der noch ausbaufähigen Produktion ist die Brennstoffzellenbranche schon heute durch eine starke Exportorientierung geprägt. 56 Prozent der Maschinen gehen ins Ausland und erreichen mit achtzig Prozent einen sehr hohen Wertschöpfungsanteil. (4)



Fallbeispiele


SKW Stahl-Metallurgie erreicht Rekordergebnis

Der im SDAX notierte Spezialchemie-Konzern SKW Metallurgie hat das Geschäftsjahr 2010 mit einem Rekord-EBITDA von 28,8 Millionen Euro abgeschlossen. Erreicht wurde das Ergebnis insbesondere durch die stark gestiegene Stahlproduktion. Für 2011 und 2012 rechnet das Unternehmen mit einer Fortsetzung des Wachstumskurses. (1)


Luitpoldhütte setzt auf Automation

Die Traditionsgießerei Luitpoldhütte in Amberg bietet ein Beispiel für besonders effiziente Automatisierung in der Gießereibranche. Das Unternehmen fertigt seine Sandkerne selbst und betreibt eine vollautomatische Kernformanlage. Die ausgeklügelte Konstruktion eines Greifers hebt bis zu vier je 40 Kilogramm schwere Sandkerne. (10)



Zahlen & Fakten



Boom am Arbeitsmarkt

Die positive Beschäftigungsentwicklung in der deutschen Industrie schlägt sich auch auf den Maschinenbau nieder. So wurden im April gegenüber dem Vormonat 2,4 Prozent mehr besetzte Stellen gemeldet. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der in der Industrie Beschäftigten im April um 133 000, was den kräftigsten Zuwachs seit drei Jahren bedeutet.



Weiterführende Literatur:

(1.) SKW Stahl-Metallurgie mit Rekordergebnis für 2010
aus Passauer Neue Presse vom 26.03.2011

(2.) Kunststoff- und Gummimaschinen / Deutsche Hersteller wollen Umsatzrekord spätestens im nächsten Jahr brechen
aus MM Nr. 25 vom 20.06.2011

(3.) Neubau eines Bürogebäudes in Hamburg / Transparenz bis in die Aufzugstechnik
aus bba Bau - Beratung - Architektur, Heft 12, 2010, S. 78

(4.) Daimler baut ab 2014 Brennstoffzellenautos - Vorstandschef Dieter Zetsche will die Großserienfertigung bereits 2014 starten. Das ist ein Jahr früher als bisher vorgesehen. Bislang produziert der Konzern erst eine Kleinserie von 200 Fahrzeugen.
aus AUTOHAUS Online vom 03.06.2011

(5.) Kompakte Embedded Computer und Ethernet-Module / Intelligenz und Leistung in der Gebäudetechnik
aus Markt & Technik, Heft 38/2010, S. 22

(6.) Verbesserte Energiebilanz durch Gebäudeautomation / KNX spart Energiekosten
aus Markt & Technik, Heft 21/2011, S. 44

(7.) Weltweiter Mechanisierungsdruck beflügelt die Landtechnikindustrie
aus Agra-Europe (AgE), 52. Jahrgang Nr. 22 vom 30.05.2011

(8.) Deutsche Landtechnikindustrie "voll ausgelastet"
aus Agra-Europe (AgE), 52. Jahrgang Nr. 20 vom 16.05.2011

(9.) Wasser- und Abwassertechnik / Steigerung deutscher Exporte in 2010
aus Entsorga Magazin 05-06 vom 10.05.2011 Seite 046

(10.) Gießereiautomation: Greifen und montieren in einem Arbeitsgang / Nur einmal anfassen
aus KEM Konstruktion Elektronik Maschinenbau, Heft 12, 2010, S. 39

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 06 vom 27.06.2011
Dokument-ID: s_mas_20110627

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