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Wachstumsmarkt mit Perspektiven - der Maschinenbau setzt auf die Medizintechnik

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 12 vom 20.12.2010


Maschinenbau und Medizintechnik wachsen zusammen

Medizintechnik ist weltweit ein Wachstumsmarkt. Für den Maschinenbau wird die Branche immer wichtiger, weil die Maschinenhersteller die nötigen Werkzeuge liefern, mit denen medizintechnisches Gerät produziert werden kann. Für die Herstellung von Prothesen, mikrochirurgischen Implantaten oder Dental-Messgeräten werden immer bessere Werkzeugmaschinen benötigt, sodass Medizintechnik und Ingenieurswissenschaften eine immer engere Verbindung eingehen. Der Geschäftsführer des VDWs (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) sagte kürzlich: "Ohne den massiven Einsatz von High-Tech sind die künftigen Herausforderungen an das Gesundheitssystem nicht zu bewältigen". Das Volumen des Weltmarktes für Medizintechnik wird je nach Abgrenzung auf 100 bis 220 Milliarden US-Dollar geschätzt. Das prognostizierte Wachstum ist auch in der steigenden Lebenserwartung der Menschen begründet, die die Ansprüche an die Medizintechnik in die Höhe schraubt. (1), (2)


Eine heute schon wichtige Branche

Mit einem Gesamtumsatz von rund 19 Milliarden Euro und fast 100 000 Mitarbeitern zählt die Medizintechnik schon heute zu den wichtigen Branchen der deutschen Wirtschaft. 2009 stieg der Inlandsumsatz bei den rund 1 200 Unternehmen um 0,7 Prozent auf 6,61 Milliarden Euro. Im Auslandsgeschäft lief es nicht ganz so gut, hier musste ein Umsatzminus von 2,6 Prozent auf 12,24 Milliarden Euro verzeichnet werden. Ähnlich dem Maschinenbau ist auch die Medizintechnik von einer hohen Exportquote gekennzeichnet. Fast 65 Prozent der Produktion gehen ins Ausland. Die deutschen Unternehmen gelten als besonders innovativ und wenden überdurchschnittlich viel Geld für Forschung und Entwicklung auf. Fast ein Drittel der Produkte ist jünger als drei Jahre. (1), [Abb. 1]


Zukunftsmarkt für die Metallverarbeitung

Kaum ein Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie hat nicht auf irgendeinem Weg mit der Medizintechnik zu tun. Viele Unternehmen des durch die Finanzkrise gebeutelten Maschinenbaus kamen nur deshalb gut durch die Krise, weil sie bereits über ein Standbein in der Medizintechnik verfügten. Auf der Messe AMB 2010 wurde das Trendthema darum mit einer Sonderschau und einem Themenpark in den Fokus gerückt. (1), (2)


High-Tech in der Prothesenherstellung

Um moderne Prothesen herzustellen, ist eine Vielzahl anspruchsvoller Arbeiten nötig. Gefordert sind Verfahren wie Drehen, Fräsen, Schleifen, Tieflochbohren oder Wirbeln. Standardprodukte wie etwa Knochennägel und -schrauben werden in Serien hergestellt, jedoch sind Maßanfertigungen die Regel. Eine Herausforderung an die Maschinenbauer ist es, dass in der Medizintechnik häufig schwierig zu verarbeitende Materialien zum Einsatz kommen. Titan, Kobalt-Chrom oder Keramik erfordern bei der Bearbeitung großes Know-how, damit die notwendige Präzision und Oberflächengüte erreicht werden. Die eingesetzten Werkzeugmaschinen sind darum mit modernen CNC-Steuerungen ausgerüstet. Besonders gefragte Maschinen sind die sogenannten Langdrehautomaten. Auf ihnen lassen sich Knochenschrauben, Marknägel sowie Implantate herstellen. (3)





Fallbeispiele


Werkzeugmaschinen-Hersteller DMG setzt auf Medizintechnik

Der Maschinenbauer DMG ist stolz darauf, mit seinen Lösungen passgenau auf die Anforderungen der Medizintechnik reagieren zu können. Das Unternehmen will seine Medizintechnik-Kompetenz darum in einem Center of Excellence bündeln und gleichzeitig mit Siemens kooperieren. Erst kürzlich hat DMG eine neue Maschinenentwicklung präsentiert, von der sich die Firma auf dem Medizintechnik-Markt großen Erfolg verspricht. Die neue CTX alpha 450 TC gilt als perfektes Instrument für die Komplettbearbeitung kleiner und besonders komplexer Teile in der Medizintechnik. (1), (7)


Primacon präsentiert flexibles Robotersystem

Der Peißenberger Präzisionsmaschinenbauer Primacon hat der Öffentlichkeit sein 5-Achsen-Bearbeitungszentrum PFM 4024-5D mit flexiblem Robotersystem vorgestellt. Die Hoch-Präzisionsfräsmaschine ist speziell für die Dentaltechnik ausgelegt und soll die automatisierte Fertigung von Zahnimplantaten ermöglichen. Durch ihren modularen Aufbau ist die Maschine aber auch für andere Bereiche der Medizintechnik geeignet. (1)


Hidden Champion in Schwaben

Die Haas Schleifmaschinen GmbH im schwäbischen Trossingen ist weltweiter Marktführer bei der Herstellung von Schleifmaschinen zur Produktion von künstlichen Kniegelenken. Jedes zweite weltweit genutzte Gelenk ist auf einer Maschine von Haas geschliffen worden. Rund anderthalb Millionen dieser Implantate werden jährlich mit Hilfe der Haas-Maschinen aus einem Kobalt-Chrom-Rohling hergestellt. Das Unternehmen verzeichnet in fast jedem Jahr ein Umsatzwachstum um 15 bis 25 Prozent. Vor der Krise produzierte Haas jährlich 60 bis 70 der bis zu zwölf Tonnen schweren und eine Million Euro teuren Maschinen. 2011 sollen es sogar 75 Einheiten werden. (4), (5), (6)


Es geht um hundertstel Millimeter

Die Stuckenbrock Medizintechnik GmbH in Tuttlingen setzt auf Genauigkeit. Betriebsleiter Jürgen Klemm erläutert die Zielmarken des mittelständischen Unternehmens: "Bei unseren Spezialschrauben sind wir, was den Gewindedurchmesser betrifft, mittlerweile bei einer Genauigkeit im Hundertstel-Millimeter-Bereich angelangt. Bei Gewinden, die nur eine sehr dünne Flanke aufweisen, ist das eine enorme Anforderung. Dagegen ist ein normaler Schienbeinnagel ein relativ grobes Teil." (8)


Dämpfer für Siemens

Eine hohe Firmenwertabschreibung im Labordiagnostikgeschäft hat Siemens Medizintechnik im dritten Quartal 2010 die Bilanz verhagelt. Es musste eine Abschreibung in Höhe von 1,2 Milliarden Euro vorgenommen werden. Diese Sonderabschreibung ist der Grund dafür, dass die Medizintechnik als einziger Kernbereich die Margenvorgabe für 2010 verfehlte. Experten sehen sich nun in der Ansicht bestätigt, dass der Aufbau des Geschäftsfeldes Labordiagnostik von Siemens sehr teuer erkauft werden muss. Der Grund dafür liege auch in Managementfehlern. Zwar seien Missstände etwa in den USA deutlich erkannt worden, doch habe man nicht gehandelt. Für die immensen Abschreibungen sei daher die Unternehmensführung verantwortlich, nicht aber der Medizintechnikmarkt. (9)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Siemens Health Care an der Spitze

Quelle: Spectaris, Unternehmensangabe

Entnommen aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2010, S. 17 (10)

Weiterführende Literatur:

(1.) Medizintechnik - Gesunde Entwicklung
aus fertigung, Heft 10-11/2010, S. 18-20

(2.) Zerspanung im Dienst des Patienten
aus VDI NR. 39 VOM 01.10.2010 SEITE 13

(3.) Fünfachsige Bearbeitung von Implantaten ist auf dem Vormarsch / CNC-Steuerungen im Dienste der Gesundheit
aus mav maschinen anlagen verfahren, Heft 6, 2010, S. 41

(4.) Genauer Rundlauf, beste Oberflächengüte, hohe Standzeit / Spanntechnik verleiht Dental-Fräsern den nötigen Biss
aus mav maschinen anlagen verfahren, Heft 11, 2010, S. 40

(5.) "Wir schleifen jedes zweite Kniegelenk"
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2010, Nr. 266, S. 23

(6.) Fertigung medizinischer Bauteile auf Drehmaschinen in Schweizer Präzision / Tradition und Moderne
aus WB Werkstatt und Betrieb, Heft 11/2010, S. 50-53

(7.) Medizintechnik - Alles aus einer Hand
aus fertigung, Heft 10-11/2010, S. 28-29

(8.) Medizintechnik - Kontrolle ohne Umwege
aus fertigung, Heft 10-11/2010, S. 22-23

(9.) Siemens zieht Bilanz / Abschreibung in der Medizintechnik beschert Quartalsverlust / Sonderbelastungen dämpfen bei Siemens Rekordjahresergebnis - 5 der 14 operativen Divisionen verfehlen Margenziele
aus Börsen-Zeitung, 12.11.2010, Nummer 219, Seite 11

(10.)D: Kennzahlen der medizintechnischen Unternehmen 2004-2009
aus FAKT Markt- und Branchenstatistiken, Fakten

R.Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 12 vom 20.12.2010
Dokument-ID: s_mas_20101220

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