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Verlage - Umsätze bei Zeitungen und Zeitschriften stabil

MEDIEN & VERLAGE | GENIOS BranchenWissen Nr. 10 vom 28.10.2020


Auflagen runter, Umsatz stabil

Bei den deutschen Zeitungsverlagen sinkt die Auflage seit Jahren. Im zweiten Quartal 2019 gab es gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal ein Minus von vier Prozent auf 16,9 Millionen Exemplare pro Erscheinungstag. Davon entfielen auf die Tageszeitungen 13,5 Millionen, auf die Sonntagzeitungen 1,7 Millionen und auf die Wochenzeitungen 1,6 Millionen Exemplare. Beim Branchenumsatz wurde im vergangenen Jahr der Abwärtstrend gestoppt. Die Erlöse stagnierten bei 7,16 Milliarden Euro. Dabei wuchsen die Einnahmen im Vertrieb dank höherer Preise um über drei Prozent auf 4,96 Milliarden Euro, im Anzeigengeschäft gab es einen Rückgang von sieben Prozent auf 2,19 Milliarden Euro. Ihre Zukunft sehen die Verlage im Digitalen. Inhalte werden nun nicht mehr gratis ins Netz gestellt, sondern verkauft. (1), [Abb. 1]


Lockdown setzt Zeitschriften zu

Die Zeitschriftenverlage haben 2019 insgesamt 20,2 Milliarden Euro Umsatz gemacht, das waren rund zwei Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Diese Zahlen lassen sich allerdings nicht mit den Jahren davor vergleichen, weil der Branchenverband VDZ das Berechnungsverfahren geändert hat. 2017 wurde der Umsatz noch mit 14,8 Milliarden angegeben. Im laufenden Jahr hat der Lockdown der Branche zugesetzt. Verkaufsstellen in Bahnhöfen und Flughäfen blieben geschlossen, Kioske in touristischen Gegenden wurden wie Rasthöfe an Autobahnen kaum noch frequentiert. Hinzu kamen ausfallende Werbeeinnahmen über Anzeigenschaltungen oder Messeauftritte. (2)



Trends

Die Tagespresse hat in den zurückliegenden zehn Jahren 35 Prozent ihres Absatzes verloren. Die Anzeigenerlöse halbierten sich in dem Zeitraum nahezu, was an der digitalen Konkurrenz von Google, Facebook, Amazon & Co. lag. 2019 erzielten die Tageszeitungen einen Netto-Werbemarktumsatz von knapp 2,2 Milliarden Euro. Zehn Jahre zuvor waren es über 4,6 Milliarden Euro. Früher waren es die Anzeigenerlöse, die das Geschäft der Zeitungsverlage trugen. 2010 haben sich die Gewichte dann verschoben. Damals verdienten die deutschen Zeitungen erstmals mehr Geld im Vertrieb als durch den Verkauf von Anzeigen. (1)

Für digitale Inhalte Geld zu bezahlen, war für viele Menschen lange Zeit undenkbar. Diese Einstellung ändert sich offenbar, wie aus der "E-Paper-Studie 2020" der ZMG Zeitungsmarktforschung hervorgeht. Danach ist heute jede achte verkaufte Zeitung hierzulande ein E-Paper, wobei deren Auflage allein im zweiten Quartal des laufenden Jahres um 20 Prozent auf nunmehr über zwei Millionen Exemplare gestiegen ist. (5)

Der Zeitungsbranche fehlen bundesweit Zusteller. Das liegt daran, dass sie oft nur mit dem Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde bezahlt werden. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist zudem vorgesehen, dass die Verlage fünf Jahre lang für ihre Austräger statt 15 Prozent Beitrag zur Rentenversicherung nur fünf Prozent zahlen müssen. Allerdings ließ sich dieser Plan nicht umsetzen, weshalb der Bundestag Ende 2019 beschloss, die Zeitungszustellung mit 40 Millionen Euro zu subventionieren. Doch auch dieser Beschluss wurde kassiert. Stattdessen gab der Bundestag Anfang Juni 220 Millionen Euro für Verlage frei. Allerdings soll mit dem Geld nun nicht mehr nur die Zeitungszustellung, sondern vor allem die Digitalisierung der Medienhäuser finanziert werden. (3), (4)

Google wird erstmals in seiner Geschichte mit Zeitungsverlagen Lizenzverträge abschließen und Geld für die Präsentation von journalistischen Inhalten ausgeben. Die Inhalte sollen auf Google News und Google Discover erscheinen. Das Programm startet in Deutschland, Australien und Brasilien. Hierzulande sind in der frühen Phase unter anderen die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und "Der Spiegel" als Partner dabei. Bislang hatte sich Google geweigert, Inhalte bei Zeitungsverlagen und anderen Medien einzukaufen. (10)



Fallbeispiele

Bei dem Medienkonzern Axel Springer ("Bild", "WELT") sind die Erlöse 2019 leicht auf 3,1 Milliarden Euro gesunken. Der Nettogewinn schrumpfte um 36 Prozent auf 135 Millionen Euro. Grund waren Rückstellungen für Einschnitte im analogen Geschäft sowie die Konjunkturabkühlung. Mit dem US-Finanzinvestor KKR im Rücken nimmt Axel Springer viel Geld in die Hand, um die digitale Expansion voranzutreiben. Darüber hinaus hat Axel Springer nach 35 Jahren die Börse wieder verlassen. (6)

Beim Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (G+J) ("Stern", "Brigitte", "Geo") ist der Umsatz im ersten Halbjahr 2020 um 23 Prozent auf 524 Millionen Euro gesunken, das Ebitda schrumpfte um 55 Prozent auf 28 Millionen Euro. Der Rückgang ist teils bedingt durch den Verkauf der Motor Presse Stuttgart, teils durch Corona. Zu Beginn der Pandemie hatte sich G+J entschieden, alle Magazine digital zu verschenken. Für die Muttergesellschaft Bertelsmann spielt G+J inzwischen vor allem eine Rolle als Teil der Content Allianz. Dabei fällt auch immer häufiger das Stichwort Zentralredaktionen. Jedes Magazin könnte sich so der "Inhalte" einer gemeinsamen, markenübergreifenden Wirtschafts-, Fashion-, Food- oder anderen Redaktion bedienen. (9)

Hubert Burda Media Gruppe ("Focus", "Bunte", "Superillu", "Freundin") hat 2019 den Umsatz um 4,8 Prozent auf rund 2,8 Milliarden Euro gesteigert. 177 Millionen Euro wurden investiert. Gewachsen ist Burda vor allem im Digitalgeschäft und in der Druckerei. Während der Coronakrise hatte man den Umsatz stabil gehalten. Ursprünglich hatte Burda ein Wachstum von 4,5 Prozent für dieses Jahr geplant. Der Zeitschriftenverlag ist neben dem klassischen Geschäft in vielen anderen Sparten aktiv. Ausbauen will der Verlag das Engagement bei dem sozialen Netzwerk Nebenan.de, das rentabel werden soll. (7), (8)

Der Buchverlag Bastei Lübbe hat im Geschäftsjahr 2019/20 (31.3.) einen Verlust von 9,1 Millionen Euro eingefahren. Grund dafür waren Wertminderungen auf den Spieleentwickler Daedalic Entertainment. Zu Beginn des neuen Geschäftsjahres wurde die Beteiligung im Rahmen eines Management-Buy-outs von 51 auf zehn Prozent abgeschmolzen. Mit dem Rückzug vollzieht der Verlag die Rückbesinnung auf die Kerngeschäfte Buch und Romanhefte. In diesen Bereichen wurde die Trendumkehr geschafft. Der operative Gewinn wuchs hier um 78 Prozent auf 4,1 Millionen Euro. (11)

Der Wissenschaftsverlag Springer Nature, der sich im Besitz der Buy-out-Gesellschaft BC Partners und der familiengeführten Holtzbrinck Publishing Group befindet, hat seinen Börsengang erneut verschoben. Der Verlag hatte diesen vor den US-Präsidentschaftswahlen am 3. November schaffen wollen. Rund eine Milliarde Euro frisches Kapital sollte der Börsengang erlösen, vornehmlich um Schulden abzubauen. Das Geschäft mit Lehr- und Schulbüchern (Professional und Education) hat in der Coronakrise gelitten, während sich das Kerngeschäft mit der Publikation von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen (Research) gut hielt. Springer Nature rechnet 2020 mit einem Umsatzrückgang um vier Prozent; 2019 lag der Umsatz bei 1,72 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (Ebitda) bei 619 Millionen Euro. (12)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Deutscher Zeitungsmarkt nach Auflage und Umsatz
JahrAuflage in Millionen*Umsatz in Milliarden Euro
200825,99,1
200925,38,46
201024,88,52
201123,88,51
201222,88,23
201322,27,88
201421,57,76
201520,77,65
201619,17,56
201718,37,42
201817,67,17
201916,97,16

* jeweils 2. Quartal, inklusive Sonntags- und Wochenzeitungen Quelle: BDZV Entnommen aus: www.bdzv.de, (13), eigene Recherchen

Weiterführende Literatur:

(1.) Relevanz schaffen
aus Absatzwirtschaft Nr. 04 vom 27.03.2020 Seite 064

(2.) Zu Jahresbeginn war die Verlagsbranche noch recht zufrieden
aus Rundschau für den Lebensmittelhandel Nr. 06 vom 03.06.2020 Seite 20

(3.) Das Elend der Zustellung
aus Berliner Zeitung vom 16.10.2020 Seite 14

(4.) Welche Hilfe vom Staat?
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2020, Nr. 228, S. 13

(5.) Digitale Zeitungen werden zum Erfolgsmodell
aus W&V Online-Magazin vom 03.09.2020

(6.) Axel Springer erwartet Durststrecke
aus Börsen-Zeitung vom 12.03.2020, Nr. 50, S. 9

(7.) Medienkonzern: Burda hält Umsatz im ersten Halbjahr stabil
aus horizont.net vom 03.08.2020

(8.) Burda will mit Nebenan.de expandieren
aus Handelsblatt online vom 01.09.2020

(9.) Die Spirale dreht weiter
aus Horizont 38 vom 17.09.2020 Seite 015

(10.) Google kauft erstmals Inhalte von Zeitungen
aus Börsen-Zeitung vom 26.06.2020, Nr. 120, S. 13

(11.) Neustart für Bastei Lübbe
aus Kölner Stadt-Anzeiger vom 15.07.2020

(12.) Springer Nature verschiebt offenbar Börsengang in Frankfurt
aus Handelsblatt online vom 05.10.2020

(13.) Zur wirtschaftlichen Lage der deutschen Zeitungen 2020
aus Handelsblatt online vom 05.10.2020

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 10 vom 28.10.2020
Dokument-ID: s_med_20201028

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