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US-Medienmarkt - US-Konzerne dominieren den internationalen Medienmarkt

MEDIEN & VERLAGE | GENIOS BranchenWissen Nr. 01 vom 17.01.2020


AT&T ist der weltgrößte Medienkonzern

Der US-Medienmarkt ist der weltweit dominierende, von den 20 weltgrößten Medienkonzernen stammen allein 14 aus den USA. Doch die Branche befindet sich im Umbruch. So gab es in den vergangenen Jahren drei Großübernahmen, in denen sich je ein Telekommunikations- und ein Medienkonzern zusammengeschlossen haben. Entsprechend ist nun AT&T der Marktführer in den USA. Die Telefongesellschaft hat den Medienkonzern Time Warner übernommen, unter dessen Dach sich Unternehmen wie Warner Bros, HBO und CNN befinden. AT&T kam 2018 auf einen Jahresumsatz von umgerechnet 145 Milliarden Euro und hat damit die Google-Mutterfirma Alphabet auf Platz zwei der weltgrößten Medienunternehmen verdrängt. (1), [Abb. 1]


Der Aufstieg der "BigTechs" und Tech-Entwickler

Charakteristisch für den US-Medienmarkt ist zudem der Aufstieg der großen Online-Konzerne. Bereits 2018 waren Alphabet, Facebook und Apple unter den zehn weltgrößten Medienunternehmen. Amazon kam auf Platz 13 und Netflix auf Platz 19. Der Aufstieg der "BigTechs" bedeutet zugleich, dass auf den Medienmärkten immer mehr Tech-Entwickler wie Amazon-Chef Jeff Bezos den Ton angeben. Dagegen werden Medienmogule wie NewsCorp-Eigentümer Rupert Murdoch zusehends in den Hintergrund gedrängt. Entsprechend ist das klassische Mediengeschäft heute oft nur noch Anhängsel eines weitaus größeren Konglomerats. (1), [Abb. 1]



Trends

Das Streaming gilt als das Fernsehen der Zukunft. Deswegen ist der Markt heiß umkämpft. Netflix ist mit dem Streaming-Geschäft groß geworden, doch die Konkurrenz schläft nicht. Traditionelle Medienkonzerne wie Warner und Disney sind nun in den Markt eingestiegen. Auch Apple ist mit seinem Online-Service Apple TV Plus inzwischen beim Streaming aktiv. Der Begriff "Streaming Wars" macht bereits die Runde. (2), (3), (6)

Der Zeitungsmarkt befindet sich in den USA schon lange auf Talfahrt. Beispiele sind der Bankrott, die Aufsplittung, der Verkauf und Wiederverkauf der "Tribune Company"; oder die Einstellung der Printausgabe bei so traditionsreichen Blättern wie der "Denver Post". Gleichwohl machen nach wie vor rund 1 300 Blätter 25 Milliarden Dollar Umsatz. Solche Zahlen rufen weiter Investoren auf den Plan, die mit diesen Restbeständen Geld verdienen wollen. So kam es im vergangenen Jahr zum bislang größten Zusammenschluss in der Geschichte des Zeitungswesens. Für 1,4 Milliarden US-Dollar hat die New Media Investment Group die Mehrheit am Verlagshaus Gannett gekauft. (8)

In den USA ist die allgemeine Beschäftigungsquote 2018 über alle Branchen hinweg um ein Prozent gestiegen. Eine Ausnahme ist die Filmwirtschaft. Grund hierfür sind zahlreiche Fusionen und Akquisitionen bei großen Hollywood-Studios und Medienkonzernen, die mit teils drastischen Stellenkürzungen einhergingen. (4)



Fallbeispiele

Netflix hat in den ersten neun Monaten 2019 seinen Umsatz um 26,5 Prozent auf 14,7 Milliarden Dollar gesteigert. Das Konzernergebnis nahm um 19 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar zu. Netflix zählte in den USA insgesamt 60,6 Millionen Abonnenten, in allen anderen Märkten zusammen 97,7 Millionen. Zwar befindet sich Netflix klar auf Wachstumskurs, mittelfristig könnte dem Unternehmen aber der Einstieg der Konkurrenz in den Streaming-Markt zu schaffen machen. Denn bislang war der Fernsehmarkt noch zweigeteilt: Es gab die traditionelle Unterhaltungsbranche, die sich um den schrumpfenden TV-Markt stritt, und dann gab es Netflix, das den wachsenden Online-Markt eroberte. Nun schlagen aber die Etablierten wie Disney und HBO zurück. (2), (7)

Wie weit die Tech-Konzerne schon auf den Medienmarkt vorgedrungen sind, zeigt das Beispiel des Online-Händlers Amazon. So sind die Fußballspiele in der UEFA Champions League ab der Saison 2021/22 live nur noch bei den Streaminganbietern Amazon Prime Video und DAZN zu sehen. Der Bezahlsender Sky schaut nun in die Röhre. (5)

Für 1,4 Milliarden US-Dollar hat sich die New Media Investment Group die Mehrheit am Verlagshaus Gannett gesichert. Die New Media Investment ist die Holding der Tageszeitungskette Gatehouse Media, die auf 400 Titel mit einer Auflage von knapp 4,3 Millionen kommt. Gannett Co. wiederum ist der Herausgeber von "USA Today", eine der auflagenstärksten US-Zeitungen. Die neue Gruppe kommt auf mehr als 250 Tageszeitungen und Hunderte weitere Wochenblätter sowie Gemeinde-Nachrichtenanzeiger. Die Leserschaft wird auf 22 Millionen geschätzt. Somit kontrolliert die neue Gannett-Gruppe rund ein Sechstel des US-Zeitungsmarktes. Die New Media Group will durch die Zusammenlegung die digitale Reichweite vergrößern, um den Online-Werbeumsatz zu steigern. Gleichzeitig wird bei den Publikationen rigoros gespart. (8)

Die US-Medienkonzerne CBS und Viacom wollen erneut fusionieren, das kombinierte Unternehmen soll Viacom CBS heißen. Beide Unternehmen waren bereits zusammen, wurden aber 2005 aufgespalten. CBS hat sich seither dank einer Reihe erfolgreicher Fernsehshows recht gut entwickelt. Viacom indes bekam große Schwierigkeiten, unter anderem, weil seine auf ein jüngeres Publikum abzielenden Fernsehsender wie MTV mit der Konkurrenz von Internetdiensten wie der Videoplattform Youtube zu kämpfen hatten. CBS wird derzeit an der Börse mit mehr als 18 Milliarden Dollar deutlich höher bewertet als Viacom mit zwölf Milliarden Dollar. (9)

Der US-Medienkonzern Discovery hat im vergangenen Jahr in Deutschland mit dem Fernsehsender ProSiebenSat.1 das Gemeinschaftsunternehmen Joyn gegründet. Die kostenlose Streaming-Plattform zählt aktuell mehr als sieben Millionen Nutzer. Das ist zwar ein starkes Wachstum, entscheidend wird aber sein, wie sich die Bezahlversion "Joyn Plus" schlägt - und ob früher oder später der Konkurrent RTL seine Mediathek in das Gemeinschaftsunternehmen einbringt. Joyn soll den führenden Streaming-Anbietern Netflix und Amazon in Europa Konkurrenz machen. (10)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Die weltgrößten Medienkonzerne nach Umsatz 2018
Unternehmenin Milliarden Euro
AT&T (US)144,6
Alphabet (US)115,9
Comcast (US)80
Walt Disney (US)50,3
Facebook (US)47,3
Tencent (CN)40,1
Charter Comm (US)36,9
News Corp (US)33,4
Apple (US)*31,5
Sony (JP)31,5
Viacom, CBS (US)23,3
Altice Europe (F), Altice USA (US)22,2
Amazon (US)**20,6
Liberty, Qurate Retail (US)18,7
Cox Enterprises (US)17,8
Bertelsmann (D)17,7
Microsoft Corporation (US)***14,7
Vivendi (FR)13,9
Netflix (US)13,4
Baidu (CN)12,6

*Die Umsatzzahl von Apple bezieht sich ausschließlich auf die Sparte "Tunes, Software & Services" **geschätzter Umsatz vom Amazon Prime ***nur Entertainment & Devices-Sparte berücksichtigt Quelle: Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) Entnommen aus: Horizont 39 vom 26.09.2019, Seite 024 (1)

Weiterführende Literatur:

(1.) Die Welt enteilt
aus Horizont 39 vom 26.09.2019 Seite 024

(2.) Netflix wird vom Jäger zum Gejagten
aus Neue Zürcher Zeitung vom 05.11.2019 Seite 29

(3.) "Netflix ist Türöffner für große Medienkonzerne"
aus "Die Presse" vom 15.10.2019 Seite: 22

(4.) Hollywood: Fusionen kosten massenhaft Jobs
aus Pressetext vom 07.11.2019, 06.10 Uhr

(5.) Fußball in neuen Dimensionen
aus Passauer Neue Presse vom 13.12.2019, Seite 13

(6.) Disney hat, was Apple fehlt
aus Börsen-Zeitung vom 09.11.2019, Nr. 216, S. 8

(7.) Netflix gewinnt weniger neue Kunden als erwartet
aus Börsen-Zeitung vom 18.10.2019, Nr. 200, S. 13

(8.) Gate House Media schluckt Gannet: Was der Mega-Deal für den US-Zeitungsmarkt bedeutet
aus horizont.net vom 07.08.2019

(9.) Viacom und CBS machen Scheidung rückgängig
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2019, Nr. 188, S. 19

(10.) Sieben Millionen Nutzer schauen Fernsehen auf Joyn
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2020, Nr. 11, S. 18

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 01 vom 17.01.2020
Dokument-ID: s_med_20200117

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