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US-Medienmarkt - Großfusionen wirbeln die Branche durcheinander

MEDIEN & VERLAGE | GENIOS BranchenWissen Nr. 01 vom 29.01.2019


Der US-Medienmarkt sortiert sich neu

Der US-Medienmarkt ist der weltweit dominierende, die sieben größten Medienkonzerne stammen allesamt aus den USA. Mit einem Umsatz von über 90 Milliarden Dollar ist Alphabet, der Mutterkonzern des Suchmaschinenbetreibers Google, die Nummer eins. Dahinter haben 2018 gleich drei Mega-Fusionen den US-Medienmarkt durcheinandergewirbelt. So hat der Kabelkonzern Comcast den britischen Pay-TV-Konzern Sky gekauft, der Unterhaltungskonzern Walt Disney Teile des Medienkonzerns 21st Century Fox und der Telekommunikationskonzern AT&T das Medienhaus Time Warner. Die Fusionen haben die Verteidigung der alten Geschäftsmodelle gegen die neue Online-Konkurrenz zum Ziel. (1), (9), [Abb. 1]


Der Aufstieg der Online-Konkurrenz um Netflix

Charakteristisch für den US-Medienmarkt ist zudem der Aufstieg von Online-Firmen wie Netflix, Facebook, Amazon und Apple, die inzwischen zu den 20 weltgrößten Medienunternehmen gehören. Von den vier Konzernen war nur Netflix von Anfang an ein Medienkonzern. Vor rund 20 Jahren als Videoverleih per Post gegründet, ist der Konzern nun dabei, das Fernsehen zu revolutionieren. 13 Milliarden US-Dollar hat der Streamingdienst 2018 für Filmproduktionen ausgegeben, mehr als jedes Hollywood-Studio. Das Erfolgsrezept der Film-Maschinerie ist ein Algorithmus, der die Sehgewohnheiten der Nutzer entschlüsselt und ihnen Serien empfiehlt. (3)



Trends

Dem Streaming gehört die Zukunft, deswegen stürzen sich die großen Medienhäuser nun auf diesen Geschäftszweig. So will Walt Disney demnächst einen Streamingdienst mit eigenen Filmproduktionen sowie mit Inhalten aus den Filmstudios von Fox starten. Auch AT&T hat ein eigenes Streamingangebot entwickelt, gestützt auf die Serienhits des Bezahlsenders HBO und Filme aus den Warner Bros. Filmstudios. Derweil versucht Amazon seine mehr als 100 Millionen Prime-Kunden mit eigenen Streamingangeboten zu binden. Auch der Technologiekonzern Apple will einen entsprechenden Dienst auf den Markt bringen. Und selbst der Einzelhändler Walmart soll für sein Angebot Vudu größere Ambitionen hegen. (2)

Die Medienkonzerne haben 2018 stark von den US-Kongresswahlen profitiert. Häuser wie Sinclair, CBS, Gray Television und 21st Century Fox melden kräftige Umsatzsteigerungen infolge von rekordhohen Ausgaben für politische Werbespots. Auch Kabelanbieter wie Comcast und Charter haben ihren Umsatz in diesem Segment gesteigert. Den größten Umsatzsprung mit politischen Werbebotschaften dürften aber die Internetkonzerne Google und Facebook gemacht haben. (7)

Das "Cord Cutting", wörtlich das "Durchschneiden des Kabels", ist in den USA ein Phänomen, das die Kabelnetzkonzerne seit Jahren unter Druck setzt. Gemeint ist damit, dass vor allem jüngere Kunden den Kabelsendern den Rücken kehren und sich neuen Video-on-Demand-Diensten zuwenden. Die Entwicklung verläuft in den USA vergleichsweise schnell, gerade weil im Kabelgeschäft die Verträge einfacher gekündigt werden können. In Deutschland ist dies anders. Hier spielen die Wohnungsbaugesellschaften eine große Rolle, die selbst Verträge mit den Anbietern abschließen, die von den Mietern nicht gekündigt werden können. (9)



Fallbeispiele

Der US-Kabelkonzern Comcast hat 2018 den Bezahlsender Sky gekauft und hat damit seinen Platz als zweitgrößter Medienkonzern der USA gefestigt. Angefangen hat das Unternehmen als Kabelnetzbetreiber und Internetprovider. Inzwischen ist Comcast ein modernes Kommunikations- und Medienhaus. TV und Unterhaltung machen heute den größten Teil des Umsatzes aus. Comcast besitzt zwei TV-Senderketten, 26 Fernsehstationen, 20 Kabelkanäle, mehrere Produktionsstudios, darunter sind Namen wie Universal Studios und DreamWorks Animation. (1)

Netflix hat in den ersten neun Monaten 2018 seinen Umsatz um 38 Prozent auf 11,6 Milliarden Dollar gesteigert. Der Periodengewinn verdreifachte sich nahezu auf knapp 1,1 Milliarden Dollar. Insgesamt zählte Netflix nach den ersten neun Monaten über 137 Millionen zahlende Kunden. Im Gesamtjahr dürften knapp 29 Millionen neue Abonnenten hinzugekommen sein. Damit hat der Konzern nach 2016 und 2017 erneut einen Wachstumsrekord aufgestellt. Noch stiehlt Netflix mit Investitionen von jährlich acht Milliarden Dollar für neue Inhalte den etablierten Konkurrenten die Show. Doch diese formieren sich und sind nun dabei, ebenfalls ins Streaming-Geschäft einzusteigen. (2)

Der US-Telekomkonzern Verizon hat im vierten Quartal 2018 fast den gesamten Goodwill auf seine digitalen Medienassets abgeschrieben, die seit den Übernahmen von AOL und Yahoo in der Bilanz stehen. Die Firmenwerte wird Verizon um 4,6 Milliarden Dollar auf 200 Millionen Dollar herabsetzen. Verizon hat in den vergangenen Jahren insgesamt mehr als neun Milliarden Dollar für die Übernahmen von AOL und Yahoo ausgegeben. Die Tochter Oath sollte sich mit den erworbenen Firmen zu einem Konkurrenten von Internetkonzernen wie Facebook und der Alphabet-Tochter Google im Geschäft mit Online-Werbung aufschwingen. Doch diese Hoffnungen haben sich zerschlagen. (4)

Ferner wird der Fernsehsender Nexstar zum größten Anbieter von US-Lokalsendern aufsteigen. Grund ist der 4,1 Milliarden Dollar schwere Zukauf des TV-Konglomerats Tribune Media. Weil Nexstar auch Schulden in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar übernimmt, wird der Deal 6,4 Milliarden Dollar wert sein. Die großen politischen Debatten werden bei landesweiten Kabelsendern geführt, bei Fox News oder CNN. Nachrichten aber verfolgen viele Amerikaner auf lokalen Sendern. Das war eines der Argumente beim Wettbieten um Tribune Media, zu dem 42 lokale Sender in TV-Märkten wie Los Angeles, New York und Chicago gehören. Die Übernahme soll bis zum dritten Quartal 2019 vollzogen sein. (5)

Der Fernsehsender Sinclair Broadcast hat in den ersten neun Monaten 2018 seinen Umsatz um 12,3 Prozent auf 2,16 Milliarden Dollar gesteigert, das Konzernergebnis ging allerdings um 7,4 Prozent auf 138 Millionen Dollar zurück. Sinclair profitierte von den rekordhohen Ausgaben für politische Werbespots. Das Unternehmen erreicht mit rund 200 Fernsehstationen im ganzen Land knapp zwei Fünftel der Haushalte. Sinclair ist ein den Republikanern nahestehender Sender und gilt für viele Beobachter als eine lokale Version von Fox News. (6), (7)

Der beliebte, aber chronisch defizitäre amerikanische Musikdienst Pandora hat mit dem Bezahlradioanbieter Sirius XM einen neuen Eigentümer gefunden. Die beiden Unternehmen haben sich auf einen Preis von 3,5 Milliarden Dollar in Aktien geeinigt. Pandora ist außerhalb der USA und damit auch in Deutschland nicht verfügbar, gehört aber in seiner Heimat zu den bekanntesten Musikdiensten und ist ein ernsthafter Wettbewerber von Spotify und Apple Music. (10)

Der auf Medien spezialisierte Privat-Equity-Investor Digital First Media (DFM) hat dem Großverleger Gannett einen Übernahmevorschlag über 1,36 Milliarden Dollar unterbreitet. Gannett ist Eigentümer von Dutzenden Lokalzeitungen wie der "Arizona Republic", der "Detroit Press" und "SA Today". Letztere ist zusammen mit der "New York Times" und dem "Wall Street Journal" die auflagenstärkste Tageszeitung der USA. Hinter DFM steht das New Yorker Hedgefonds-Unternehmen Alden Global Capital. Das Duo Alden/DFM steht im Ruf, ein Raubinvestor zu sein. (8)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Die größten US-Medienkonzerne nach Umsatz 2017
Unternehmenin Milliarden Dollar*
Alphabet92,6
Comcast81,8
Walt Disney56,8
AT&T (DirecTV)37,2
News Corp / 21st Century Fox36,4
Time Warner29,9
Charter Comm29,6
Facebook Inc28,2
Viacom26,2
Apple**24,9

* In der ursprünglichen Statistik waren die Umsätze in Euro angegeben. Diese wurden für 2017 mit dem jahresdurchschnittlichen Wechselkurs von 1,13 Dollar zum Euro umgerechnet. **Die Umsatzzahl von Apple bezieht sich ausschließlich auf die Sparte iTunes, Software & Services Quelle: Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) Eigene Recherchen

Weiterführende Literatur:

(1.) Fusionen für die Zukunft
aus "Horizont" Nr. 49/2018 vom 07.12.2018 Seite 14

(2.) Netflix stiehlt Konkurrenz die Show
aus Börsen-Zeitung vom 18.10.2018, Nr. 200, S. 9

(3.) Netflix lässt Hollywood alt aussehen
aus Zentralschweiz am Sonntag Ausgabe Zug vom 30.12.2018 Seite 8

(4.) Verizon schreibt Yahoo und AOL ab
aus Börsen-Zeitung vom 12.12.2018, Nr. 239, S. 8

(5.) Milliardendeal
aus Süddeutsche Zeitung, 07.12.2018, Ausgabe München, Bayern, Deutschland, S. 31

(6.) Chef von Sinclair profitiert bisher nur bedingt von Treue zu Trump
aus Börsen-Zeitung vom 08.11.2018, Nr. 215, S. 16

(7.) US-Medien zählen zu Wahlsiegern
aus Börsen-Zeitung vom 08.11.2018, Nr. 215, S. 13

(8.) Das Karussell dreht sich im US-Medienmarkt
aus Neue Zürcher Zeitung vom 19.01.2019 Seite 9

(9.) Kabel plus Content
aus Horizont 39 vom 27.09.2018 Seite 004

(10.) Musikdienst Pandora wird verkauft
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2018, Nr. 223, S. 18

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 01 vom 29.01.2019
Dokument-ID: s_med_20190129

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