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US-Medienmarkt - die großen Konzerne schließen sich zusammen

MEDIEN & VERLAGE | GENIOS BranchenWissen Nr. 01 vom 31.01.2018


US-Medienunternehmen dominieren den Weltmarkt

Der US-Medienmarkt ist der weltweit dominierende, die sieben größten Medienkonzerne stammen allesamt aus den USA. Mit einem Umsatz von rund 90 Milliarden Dollar ist Alphabet, der Mutterkonzern des Suchmaschinenbetreibers Google, derzeit die Nummer eins. Dann folgt der Kabelnetzbetreiber Comcast, unter dessen Dach sich inzwischen auch zwei TV-Networks und mehrere Fernsehstationen befinden, darunter das Hollywoodstudio NBC Universal. Ferner gehören der Unterhaltungskonzern Walt Disney, die Telekomanbieter AT&T und Charter Comm sowie die Medienkonzerne 21st Century Fox und Time Warner zur Weltspitze. Das Geschehen auf dem US-Medienmarkt ist richtungsweisend für die Medien weltweit. [Abb. 1]


Die großen Medienkonzerne schließen sich zusammen

Der US-Mediensektor wird von einer Konsolidierungswelle erfasst. Auslöser ist die Krise der klassischen Medien. Der Druck kommt dabei von zwei Seiten. Einerseits mischen Online-Anbieter wie Netflix, Amazon und Google den Markt auf, andererseits drängen Unternehmen aus dem Telekomsektor wie AT&T, Verizon und T-Mobile auf den Markt. Dadurch wächst der Druck zu Zusammenschlüssen. So will der Unterhaltungskonzern Walt Disney zahlreiche Fernsehsender und das Hollywood-Studio des Konkurrenten 21st Century Fox übernehmen. Ferner kauft der Telekomkonzern AT& T das Medienhaus Time Warner und der Kabelsender Discovery Communications den Prorammanbieter Scripps Network. (1), (3), (9)



Trends

Unter dem Stichwort "Cord Cutting" kappen immer mehr Amerikaner ihren TV-Anschluss zugunsten von Streaming-Anbietern oder verzichten von Anfang an auf klassisches Fernsehen. Entsprechend hat der Streaming-Anbieter Netflix die Zahl der Kunden in den USA in den vergangenen vier Jahren um 20 Millionen auf 50 Millionen ausgeweitet. Dagegen verliert Disney mit seinem Kinderprogramm Disney Channel und dem Sportsender ESPN stetig Abonnenten. (1)

Online-Anbieter drängen zusehends auf den klassischen Film- und Fernsehmarkt. Das US-Onlinekaufhaus Amazon offeriert Prime-Kunden seit längerem einen Streaming-Service und produziert Hollywood-Filme, das Google-Mutterhaus Alphabet hat mit YouTube TV einen ähnlichen Dienst ins Leben gerufen, Facebook und Twitter übertragen inzwischen Sportveranstaltungen. (1)

Auch die Telekom-Konzerne haben den Medienmarkt für sich entdeckt. Verizon forciert die Expansion der Sparte Fios, die Internet, Telefon und TV aus einer Hand anbietet. Zudem hat das Unternehmen das Internetgeschäft von Yahoo übernommen. Darüber hinaus bietet T-Mobile Neukunden ein Gratis-Netflix-Abonnement mit Datenstreaming an. Und AT& T arbeitet nach der Übernahme des Satellitenbetreibers DirecTV nun an der Akquisition des Medienhauses Time Warner. (1)

Politisch konservative Investoren bringen vor allem über lokale Fernsehsender immer mehr Medienmacht hinter sich. Die Gebrüder Charles und David Koch haben bei der Übernahme des Traditionshauses Time Inc. durch die Verlagsgruppe Meredith aus Iowa 544 Millionen Euro bereitgestellt. Meredith wird dann das Medienunternehmen in den USA mit der größten Reichweite sein. Mit Fox News hat bereits ein konservativer Sender den Spitzenplatz im landesweiten Nachrichtenfernsehen inne. Darüber hinaus wird das erzkonservative Konglomerat Sinclair mit dem Nachrichtensender CNN in Verbindung gebracht. Sinclair gehören bis zu 200 TV-Sender, damit ist man die größte Fernsehmacht der USA. (6)



Fallbeispiele

Der Telekomkonzern AT&T arbeitet nach der Übernahme des Satellitenbetreibers DirecTV an der Übernahme des Medienhauses Time Warner, zu dem das Filmstudio Warner Bros. sowie die Sender CNN und HBO gehören. Das US-Justizministerium hat inzwischen Klage eingereicht, um die Übernahme zu blockieren. Die 85 Milliarden Dollar teure Akquisition würde den Wettbewerb in der Medien- und Telekombranche behindern und in höheren Preisen für US-Verbraucher resultieren. Dem Justizministerium soll es vor allem um die Abspaltung von CNN gehen, was Spekulationen über politische Interventionen nährt. (1), (4)

Der US-Unterhaltungskonzern Walt Disney kauft einen Großteil des Medienkonzerns 21st Century Fox, der dem australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch gehört. Disney bezahlt für Filmstudios, Kabelsender, Anteile am britischen Bezahlsender Sky sowie am Streamingdienst Hulu insgesamt 52,4 Milliarden Dollar in eigenen Aktien. Inklusive Schulden von rund 14 Milliarden Dollar landet der Deal auf Platz sechs der größten Mediendeals. Disney will 2019 ins Streaming-Geschäft einsteigen und Konkurrenten wie Netflix das Wasser abgraben. Der US-Investmentbank Piper Jaffray zufolge wäre die Übernahme positiv für Disney. Der Konzern könnte seine Abhängigkeit vom Bezahlfernsehen verringern und die Einnahmeströme diversifizieren. (2), (3)

Disney hat an der Börse zuletzt deutlich an Wert verloren, obwohl der US-Aktienmarkt sich in einer Hausse befindet. Zwar entwickeln sich die Vergnügungsparks wie auch die Filmsparte passabel, das TV-Geschäft, das mit dem Sportsender ESPN den weitaus größten Teil zu den Einnahmen beisteuert, leidet jedoch unter sinkenden Zuschauerzahlen. (1)

Die Meredith Corporation hat das US-Medienhaus Time Incorporated übernommen, das neben seinem Flaggschiff "Time" Titel wie "Fortune", "People" und "Sports Illustrated" druckt. Bei der Meredith Corporation erscheinen Zeitschriften wie "Better Homes and Gardens", "Family Circle" und "Family Fun". Mit einem Nachrichtenmagazin, wie "Time hat man dort keine Erfahrung. Time Incorporated steckt in Schwierigkeiten, weil die Anzeigenerlöse stetig sinken, die Leser ins Internet abwandern und man das digitale Zeitalter zunächst verpasste. Mit Time Incorporated wird Meredith künftig rund 200 Millionen Bürger erreichen, die größte Reichweite eines Medienunternehmens in den USA überhaupt. (5)

Die Mediengruppe Sinclair besitzt mit 173 Fernsehstationen in den USA mehr Sender als jedes andere Unternehmen und hat einen Marktwert von 3,4 Milliarden Dollar. Nun plant Sinclair die Übernahme von weiteren 42 Fernsehstationen des Konkurrenten Tribune Media für 3,9 Milliarden Dollar. Sollte der Plan aufgehen, würde Sinclair zwei Drittel aller US-Haushalte erreichen und in vielen Märkten ein Quasimonopol bilden. Sinclair gilt für viele Beobachter als eine lokale Version des Senders Fox News. (7)

Discovery Communications hat den Programmanbieter Scripps Network für 14,6 Milliarden Dollar übernommen. Mit dem Deal kommen eher faktenorientierte Kanäle mit einem Unterhaltungssender zusammen. Discovery will sich mit Scripps gegen die wachsende Internet-Konkurrenz wappnen. Der Zukauf soll die Reichweite ausbauen, Kosten senken und die Position in den Verhandlungen über Programmpakete mit Bezahlfernsehanbietern stärken. Bei Discovery ist die Zahl der Abonnenten in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Discovery setzte 2016 rund 6,5 Milliarden Dollar um, Scripps 2,4 Milliarden. Zusammen wollen sie etwa ein Fünftel des werbeunterstützten TV-Programms der USA erreichen. (9)

Der britische Kinobetreiber Cineworld kauft den US-Rivalen Regal Entertainment für 3,6 Milliarden Dollar. Mit dem Kauf will Cineworld dem US-Branchenprimus AMC stärker Paroli bieten und sich gegen die wachsende Konkurrenz von Online-Streaminganbietern wie Netflix, Apple und Amazon wappnen. Der Deal soll im ersten Quartal 2018 abgeschlossen werden. (8)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Die größten US-Medienkonzerne nach Umsatz 2016
Unternehmenin Milliarden Dollar
Alphabet90,3
Comcast80,4
Walt Disney55,6
AT&T (DirecTV)36,5
News Corp / 21st Century Fox35,6
Time Warner29,3
Charter Comm29
Facebook Inc27,6
Viacom25,7
Apple*24,3

*Die Umsatzzahl von Apple bezieht sich ausschließlich auf die Sparte iTunes, Software & Services Quellen: Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM); eigene Recherchen

Weiterführende Literatur:

(1.) US-Medienriesen hinken der Zukunft hinterher USA Online-Videodienste überrumpeln die Branche. Nun wächst der Konsolidierungsdruck
aus Finanz und Wirtschaft vom 11.11.2017, Seite 11

(2.) Walt Disney. Der US-Medienkonzern steht womöglich vor einem weiteren Milliardendeal. Auch der neue "Star Wars"-Film bringt Spannung
aus Euro am Sonntag, 09.12.2017, Nr. 49, S. 34 - 35

(3.) Murdoch verkauft an Mickey Mouse
aus Börsen-Zeitung vom 15.12.2017, Nr. 241, S. 9

(4.) Trumps Regierung klagt gegen Kauf von Time Warner
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2017, Nr. 271, S. 22

(5.) US-Medienkonzern Meredith schluckt Verlagshaus Time
aus Rheinische Post Nr. 277 - Düsseldorf-Mitte/West, 30.11.2017, S. 6

(6.) Konservativer Heißhunger auf US-Medien
aus Wiener Zeitung 232 vom 2017-11-30, Seite 31

(7.) Trumps Stimme für die Provinz
aus Zeit online vom 22.11.2017, Nr. 42

(8.) Cineworld. Britischer Kinobetreiber will in den USA zukaufen
aus Handelsblatt online vom 29.11.2017

(9.) Discovery entdeckt Scripps für 15 Mrd. Dollar
aus Börsen-Zeitung vom 01.08.2017, Nr. 145, S. 9

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 01 vom 31.01.2018
Dokument-ID: s_med_20180131

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