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Textiler Mietservice - Branche verfügt über große Wachstumschancen

TEXTIL | GENIOS BranchenWissen Nr. 01 vom 09.01.2015


Textilservicebranche hat EU-weit noch viel Potenzial

Leasing hat sich für deutsche Unternehmen als Alternative zum Kauf fest etabliert. Dies gilt auch für den textilen Mietservice. Der Markt für Textildienstleistungen ist in den vergangenen Jahren trotz des schlechten Wirtschaftsklimas in nahezu jedem Segment und Produktbereich gewachsen. Nach Berechnungen des Wirtschaftsverbands Textil Service (Wirtex) erhöhte sich der Umsatz von 2010 auf 2011 um 4,2 Prozent auf 2,934 Milliarden Euro. 2012 betrug das Wachstum sogar fünf Prozent, der Umsatz erhöhte sich auf 3,090 Milliarden Euro. 2013 reduzierte sich das Plus auf 2,1 Prozent, der Umsatz belief sich auf 3,155 Milliarden Euro.

In der EU setzte die Textildienstleistungsbranche 2012 mit 135 000 Beschäftigten rund elf Milliarden Euro um. Das geht aus Berechnungen der European Textilservices Association (ETSA) hervor. Da heute noch viele Unternehmen ihre Arbeitskleidung kaufen und selbst waschen, wird noch ein großes Wachstumspotenzial für den Textilservice gesehen. Einer Deloitte-Untersuchung zufolge könnten europäische Textildienstleister einen Gesamtumsatz von 46 Milliarden Euro realisieren. (1), (2), [Abb. 1]


Berufs- und Schutzkleidung ist Kernsegment der Textilservicebranche

Die Textilservicebranche umfasst den Full-Service für Produkte wie Schmutzfangmatten, Mietwäsche für Hotels oder Krankenhäuser, Waschraumhygiene, Putztücher oder Wischmopps. Das Kernsegment bildet jedoch der Bereich Mietberufskleidung. Mit ihm setzten die textilen Dienstleister 2011 rund 1,25 Milliarden Euro um, ein Plus von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Versorgt werden dabei alle Branchen, Sparten und Betriebsgrößen von Industrie, Handwerk, Dienstleistung und Gastgewerbe bis hin zum Gesundheitsbereich. 4,81 Millionen Arbeitnehmer, das sind mehr als zehn Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland, trugen 2012 Kleidung von Textilserviceanbietern.

Die Bedeutung des textilen Mietservices am deutschen Gesamtmarkt für Berufs- und Schutzkleidung zeigt sich an dessen Entwicklung in den vergangenen Jahren im Vergleich zu den anderen Kanälen. So hatte Mietberufs- und Schutzkleidung nach Angaben des Beratungsunternehmens BBE in 2011 einen Anteil von rund 33,5 Prozent am Gesamtmarkt, der Direktvertrieb kam auf 31 Prozent, der Großhandel auf 20,5 Prozent und der Onlineversandhandel auf 7,5 Prozent. 2012 baute der Mietservice seinen Marktanteil auf 34 Prozent aus, während der Marktanteil des Direktvertriebs auf 30 Prozent sank. Der Großhandel stagnierte bei rund 20,5 Prozent, während sich der Onlineversandhandel auf acht Prozent steigerte. (2), (3)


Vor- und Nachteile von textilem Leasing

Wo liegen die Vor- und Nachteile von textilem Leasing gegenüber dem Kauf, wie steht es um die Kosten? Dies soll an den Beispielen Hotel und Berufskleidung dargestellt werden.

Die Hotelbranche

Der Vorteil von Kaufwäsche in der Hotelbranche wird vor allem darin gesehen, dass der Hotelier sein gewünschtes Design frei aussuchen kann und dabei eine relativ große Auswahl hat. Ein Nachteil ist die relativ hohe Anfangsinvestition. Bei Mietwäsche hingegen kann häufig nur auf eine begrenzte Auswahl an Designs und Farben im Sortiment zurückgegriffen werden, dafür entfällt die Anfangsinvestition in die Wäsche. Deren Kosten werden auf die Miete umgelegt. Weitere Vorteile der Mietwäsche sind, dass defekte Teile automatisch ausgetauscht werden sowie die Lagerhaltung und der damit verbundene personelle Aufwand entfallen.

Wie sieht es mit den Gesamtkosten aus? Auf den ersten Blick sind diese für Kaufwäsche niedriger, unabhängig davon, ob die eigene Wäsche im Hotel gepflegt oder zum Waschen an einen Dienstleister ausgegeben wird. Denn ein Gesamtkostenvergleich der Zyklen Kaufwäsche mit eigener Wäscherei, Kaufwäsche mit Außer-Haus-Wäscherei sowie Leasingwäsche ergibt, dass Kaufwäsche mit eigener Wäscherei rund 1,05 Euro pro Garnitur kostet, Kaufwäsche mit Wäscherei außer Haus etwa 1,15 Euro. Am höchsten sind die Leasingkosten mit 1,70 Euro pro Garnitur. Diese Kosten decken jedoch je nach Vertrag unter anderem auch Verlust oder Diebstahl vom Wäscheteilen ab.

Welche Kriterien spielen bei der Entscheidung für die Art der Organisation der Wäsche eine Rolle? Diejenigen Hotels, die ihre Wäsche selber pflegen, geben als Grund vor allem die hohe Flexibilität in Bezug auf den Wäschezyklus an, die Kosten sind dabei zweitrangig. Erst an dritter Stelle kommt der schonende Umgang mit der Wäsche. Für diejenigen, die sich für die Wäschepflege durch einen Dienstleister entschieden haben, stehen die Kosten an erster Stelle, erst dann kommen Punkte wie Flexibilität und niedriger Lagerbestand. Ab einer bestimmten Größenordnung des Hotels rechnet sich Leasingwäsche und eine in der Regel damit verbundene vertragliche Bindung an einen Wäschedienstleister. Auch bei der Art der Textilien ergeben sich Unterschiede: Kleine Textilien, beispielsweise Handtücher, werden tendenziell eher im eigenen Haus gewaschen, Bettwäsche eher zur Pflege aus dem Haus gegeben. (4), (5)

Arbeitsbekleidung

Ein Nachteil bei gekaufter Arbeitskleidung ist der Umgang der Beschäftigten mit dieser. Denn die Kleidung wird in der Regel zusammen mit privater Wäsche gewaschen. Das zeigt eine Studie der ETSA und der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die das Nutzerverhalten von Beschäftigten im Umgang mit Berufskleidung untersucht. 75 Prozent der befragten Bundesbürger gaben an, dass sie ihre Berufskleidung zuhause waschen, etwa ein Drittel davon trennt die Berufs- und Privatkleidung während des Waschprozesses nicht. Dabei unterschätzen sie das Risiko der Kontamination der Kleidung mit Mikroben durch unsachgemäße Waschprozesse. Wird private und berufliche Kleidung zusammen gewaschen, können Keime und Schadstoffe übertragen und in das Arbeitsumfeld eingeschleust werden. Rückstände von Chemikalien auf der Berufskleidung gelangen umgekehrt in die Haushalte. Zudem werden privat oft eine falsche Reinigungstemperaturen, Weichspüler oder Fleckentferner benutzt.

Ein Vorteil der Mietkleidung ist, dass die industriellen Reinigungsverfahren deren schützende Eigenschaften wenig beeinträchtigen. Auch werden die richtigen Technologien zur Nachbehandlung der Kleidungsstücke verwendet. Zudem bessern die Dienstleister beschädigte Kleidung professionell aus, bei gekaufter Berufskleidung machen die Ausbesserungsarbeiten 40 Prozent der Befragten selbst. Die Dienstleister protokollieren auch die Pflegegeschichte der Kleidung, sodass diese ausgetauscht werden kann, wenn die Schutzeigenschaften verloren gegangen sind. (6), (7)





Fallbeispiele


Mewa: Mietservice für kleine Unternehmen

Mewa hat sein Serviceangebot neu ausgerichtet und stattet nun auch kleine Unternehmen ab einem Mitarbeiter mit Berufsbekleidung aus. Die Kosten richten sich nach dem Betreuungsumfang und der gewünschten Kollektion. Zur Auswahl stehen einfarbige und zweifarbige Linien. Die Betreuung beinhaltet das Abholen und Waschen der getragenen Kleidung, die anschließend schrankfertig wieder angeliefert wird. Damit der Vorrat an sauberer Kleidung immer groß genug ist, erhält jeder Mitarbeiter mehrere Ausstattungen und bekommt nach dem Waschen seine eigene Kleidung zurück.

Sein Angebot an Arbeitsschutzartikeln führt Mewa künftig unter dem Namen " World Wide Work". Im Programm sind 250 internationale Markenhersteller. (8)
DBL: individualisiertes Leasing von Berufs- und Schutzbekleidung

DBL verfügt über ein breites Sortiment an Mietberufskleidung sowie Schutz- und Warnkleidung. Zur Auswahl stehen normgerechte Mietkollektionen für viele Einsatzzwecke, von der Schweißerschutzkleidung bis zur geprüften Hygienekleidung. DBL bietet dabei auch die komplette Organisation an. Die Dienstleistung basiert auf einer ausgeklügelten Logistik innerhalb des DBL-Verbundes mit seinen zwölf kooperativ zusammengeschlossenen Gesellschaften.

Wie kommt die Zusammenarbeit mit einem Kunden zustande? In Gesprächen mit dem DBL-Berater wird zunächst die spezifische Kleidung festgelegt. Dann folgen klar definierte Pflege- und Servicekonditionen für die betrieblich zugeschnittene Lösung. Es wird auch vereinbart, zu welchem Zeitpunkt der Servicemitarbeiter die getragene Berufskleidung, die in einem zur Verfügung gestellten System gesammelt wird, abholt und gegen frisch gepflegte Teile austauscht. Im DBL-Vertragswerk wird die verschmutzte Berufskleidung zunächst kontrolliert, durch ein Barcodesystem erfasst und nach Waschverfahren sortiert. Nach dem Trockenvorgang und dem Glätten der Kleidung werden die einzelnen Teile im Rahmen der Qualitätskontrolle auf Mängel überprüft und, sofern erforderlich, repariert. Stark beschädigte Teile werden gegen neue ausgetauscht. (9)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Mietwäsche-Leasing auf Wachstumskurs

Entnommen von: Homepage Wirtex, (10)

Weiterführende Literatur:

(1.) Textildienstleistungen mit hohem Wachstumspotenzial
aus melliand Textilberichte Nr. 3 vom 08.10.2014 Seite 145

(2.) Berufsbekleidung - Textiles Leasing wächst dynamisch
aus www.maschinenmarkt.de vom 22.03.2013

(3.) Ein Service, der anzieht ...
aus Deutscher Drucker Nr. 13 vom 26.06.2014 Seite 17

(4.) Sauberkeit gibt's nicht umsonst
aus Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung 42 vom 19.10.2013 Seite 024

(5.) Waschen oder waschen lassen
aus Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung 42 vom 18.10.2014 Seite 018

(6.) Riskante Wäsche
aus afz journal April 2014 vom 16.04.2014 Seite 006

(7.) Riskante Privatwäsche
aus kma - Das Gesundheitswirtschaftsmagazin, Jahrgang 19

(8.) Mewa fasst Arbeitsschutzartikel unter neuer Marke zusammen
aus BM Bau- und Möbelschreiner, Heft 9, 2014, S. 72

(9.) Leasing von Berufskleidung
aus BA Beschaffung aktuell, Heft 4, 2014, S. 46

(10.) Kennzahlen der Textil Service-Unternehmen in Deutschland - Branchendaten
aus BA Beschaffung aktuell, Heft 4, 2014, S. 46

Markus Hofstetter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 01 vom 09.01.2015
Dokument-ID: s_tex_20150109

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