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Suez, Nordsee, Panama - die großen Kanäle sollen noch größer werden

TRANSPORT & LOGISTIK | GENIOS BranchenWissen Nr. 08 vom 29.08.2014


Anpassung an den globalen Handel

Für die globalen Handelsströme sind die großen, von Menschenhand errichteten Kanäle wichtige Abkürzungen auf den Weltmeeren. Panamakanal, Suezkanal und auch der Nord-Ostseekanal im Norden Deutschlands erweisen sich für den Seeverkehr jedoch immer mehr als Nadelöhre. Da die Transportschiffe in den letzten Jahren deutlich an Länge wie Breite zugelegt haben, passen sie immer schlechter durch die schmalen Spalten. Auch die Zahl der durchfahrenden Schiffe hat sich - insbesondere bis zur Weltwirtschaftskrise 2009 - stark erhöht. Dies führt dazu, dass die Schiffe immer länger vor den Einfahrten warten müssen, bis sie durchgelotst werden können. Damit behindern die großen Kanäle zusehends das Wachstum und die Geschwindigkeit der Seetransporte. Die Betreiber der Kanäle - Ägypten, Panama und Deutschland - sind darum gerade dabei, die Kanäle auszubauen.

Der Panamakanal wird für vier Milliarden Euro modernisiert. Bisher passen hier nur Schiffe der so genannten Panmax-Klasse durch. Diese haben eine Breite von 33,5 Metern, die Länge beträgt 305 Meter. Da Containerschiffe in den letzten Jahren zur Kostenreduktion immer größer ausfielen, sind Panmax-Schiffe nach heutigen Maßstäben nur noch mittelgroß. Nach dem Umbau, der im nächsten Jahr fertiggestellt werden soll, können Schiffe mit einer Breite bis 49 Metern die Wasserstraße quer durch Mittelamerika durchfahren.

Der Suezkanal in Ägypten soll für vier Milliarden Euro erweitert werden. Geplant ist der Bau einer zweiten, 72 Kilometer langen Spur, die es ermöglicht, die Wasserstraße in beiden Richtungen zu befahren. Auch der Bosporus soll breiter werden. Die türkische Regierung will die Meerenge ebenfalls durch einen zweiten Kanal entlasten.

In Deutschland und auch im weltweiten Vergleich ist der Nord-Ostseekanal die am stärksten befahrene künstliche Wasserstraße. Der Kanal geriet in den letzten Jahren immer wieder in die Schlagzeilen, weil die über 100 Jahre alten Schleusen klemmten und zeitweise ganz den Geist aufgaben. Jahrelang sah die Bundesregierung dem Verfall des Kanals tatenlos zu, jetzt aber soll er modernisiert werden. Erst kürzlich hat der Bundestag 765 Millionen Euro für den Ausbau des Nord-Ostseekanals in Aussicht gestellt, die in eine fünfte Schleuse und in die Verbreiterung der Fahrrinne von 44 auf 70 Meter investiert werden sollen. Der Startschuss für das Mammutprojekt soll im nächsten Jahr fallen. (1)





Fallbeispiele


Panama - Logistikdrehscheibe mit hohen Wachstumszahlen

Panama hat den gleichnamigen Kanal erst zur Jahrtausendwende von den USA übernommen. Die USA hatten den Kanal 1914 fertiggestellt und bis 1999 die Oberhoheit behalten. Seitdem setzt Panama alles daran, zu einer internationalen Drehscheibe des weltweiten Handels zu werden. Hierfür wurden per Gesetz die Voraussetzungen geschaffen, die zur Folge hatten, dass Panama zu einem Magneten für große Logistikanbieter geworden ist. Auch die zahlreich abgeschlossenen Freihandelsabkommen, unter anderem mit den USA und mit der Europäischen Union, stärken den Logistikstandort Panama. Darüber hinaus ist das Land Beitrittskandidat für die Pazifische Allianz.

Im laufenden Jahr wird Panama nach Ansicht von Experten stärker wachsen als alle anderen Länder Lateinamerikas. Für 2014 ist ein Zuwachs von 6,7 Prozent prognostiziert. Schon in den letzten Jahren stieg das Bruttoinlandprodukt Panamas jährlich um durchschnittlich 8,5 Prozent. Der Anteil der Erträge durch den Panamakanal am Gesamt-BIP liegt bei sechs bis acht Prozent. Der hohe Beitrag zum Gesamtergebnis kommt auch durch die immensen Gebühren zustande, die Panama von den jährlich rund 14 000 Frachtern verlangt.

Ausgebaut werden soll nicht nur der Kanal selbst, sondern ebenso die Hafenanlagen. So soll in die Häfen Cristobal und Balboa bis 2015 eine Milliarde US-Dollar investiert werden. Damit reagieren die Betreiber auf die enormen Zuwächse im Containerumschlag. Alleine am Pazifikhafen Balboa stieg die Zahl der umgeschlagenen Container von 465 000 im Jahr 2004 auf gut drei Millionen Stück im Jahr 2013. Am kleineren Atlantikhafen Cristobal legten die Umschläge im selben Zeitraum von 46 000 auf über 700 000 zu.

Die Zukunft des Panamakanals ist jedoch nicht nur rosig. Starke Konkurrenz droht der Wasserstraße durch den Plan Nicaraguas, einen eigenen Kanal durch das Land zu ziehen. Dieser hätte gegenüber dem Panamakanal den Vorteil, dass hier auch die größte Schiffsklasse, die so genannten Mega-Carrier durch passen würden. Trotz heftiger Proteste von Umweltschützern will Nicaragua schon im Dezember dieses Jahres mit der Umsetzung des 30 Milliarden Euro teuren Großprojekts beginnen. (2), (3)


Zweiter Suezkanal soll Devisen bringen

Mit der Erweiterung des 163 Kilometer langen Hauptkanals um einen 72 Kilometer langen Parallelkanal will Ägypten langfristig seine Deviseneinnahmen steigern. Diese betragen derzeit fünf Milliarden Euro jährlich und sollen nach dem Ausbau auf 13 Milliarden US-Dollar anwachsen. Anders als in Panama ist der Suezkanal auch für die heutigen Schiffstypen noch nicht zu klein geworden. Mit 77,5 Metern Breite, 20 Metern Tiefe und unbegrenzter Länge passen hier auch die größten Containerschiffe durch, wie etwa die bis zu 400 Meter langen und 60 Meter breiten Ultra Large Container Ships der dänischen Reederei Maersk. Gleichwohl stößt auch der Suezkanal infolge der stark gewachsenen Handelsströme an seine Kapazitätsgrenzen. So hat sich das Frachtaufkommen seit der Jahrtausendwende auf 915 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt. 15 Prozent der weltweiten Seefracht müssen durch den Suezkanal, drei Mal mehr als durch den Panamakanal. Somit ist es in Ägypten nicht die Größe der Schiffe, sondern ihre Zahl, die den Ausbau erforderlich macht. Nach der Fertigstellung können jeden Tag 97 Schiffe abgefertigt werden, bisher sind es nur 45. (4), (5)


Nord-Ostseekanal wird verbreitert

Schon im April dieses Jahres hat der Haushaltausschuss des Bundestags 485 Millionen Euro für den Bau einer fünften Schleuse am Nord-Ostseekanal bewilligt, weitere 265 Millionen Euro stehen für den Ausbau bereit. Mit diesem Befreiungsschlag kommt der Bund dem Drängen Schleswig-Holsteins nach, das schon lange die Sanierung des mittlerweile maroden Kanals anmahnt. Neben der Sanierung insbesondere der Schleusen soll der Schifffahrtsweg von 44 Metern auf 70 Meter verbreitert werden, so dass die Fahrrinne auch von größeren Schiffen genutzt werden kann. Darüber hinaus soll die so genannte Oststrecke begradigt werden, die zu viele enge Kurven aufweist. In diesem Abschnitt hat der Kanal auch heute noch die selben Abmessungen wie nach dem ersten Ausbau im Jahr 1914.

Bisher gilt der Nord-Ostseekanal, trotz seiner hohen Bedeutung für die deutsche Transport- und Logistikwirtschaft, als Symbol für den Verfall einst vorbildlicher Infrastruktur. Die meistbefahrene Wasserstraße der Welt wurde in den letzten Jahren immer wieder notdürftig repariert, verlor dabei aber zusehends an Zuverlässigkeit. Wohl infolge der geschätzten Kostenhöhe für eine Generalsanierung drückte sich der für den Zustand der Bundeswasserstraße zuständige Bund um Finanzierungszusagen lange Zeit herum. Auch die bisher veranschlagten 765 Millionen Euro decken den Finanzierungsbedarf nach Ansicht von Experten nur zur Hälfte ab. (6), (7)



Zahlen & Fakten


Im vorigen Jahr wurden an den deutschen Seehäfen um 0,4 Prozent weniger Waren umgeschlagen als 2012. Der Umschlag betrug zusammengerechnet 297,6 Millionen Tonnen, 2012 waren es 298,8 Millionen Tonnen. Deutlich zugenommen, nämlich um 2,8 Prozent, hat nur der Versand ins Ausland. Die von ausländischen Häfen angelieferte Tonnage hingegen nahm um 2,4 Prozent ab. Der innerdeutsche Seeverkehr ging um 3,9 Prozent zurück. (8)

Weiterführende Literatur:

(1.) Wo sich der Welthandel staut
aus Wirtschaftswoche online vom 15.08.2014

(2.) Wirtschaftsblüte rund um den Panamakanal
aus Neue Zürcher Zeitung 18.08.2014, Nr. 189, S. 18

(3.) Bereit für neuen Panamakanal
aus DVZ, Nr. 85 vom 22.10.2013

(4.) Drei neue Kanäle für Megaschiffe auf Weltmeeren
aus DVZ, Nr. 63 vom 08.08.2014

(5.) Kairo erweitert das Nadelöhr der Weltwirtschaft
aus WirtschaftsBlatt, 14.08.2014, Nr. 4664, S. 8

(6.) Nord-Ostsee-Kanal wird verbreitert
aus Hamburger Abendblatt, 07.06.2014, Nr. 131, S. 16

(7.) EU sieht Elbe als Ten-Korridor
aus DVZ, Nr. 95 vom 26.11.2013

(8.)Seeverkehr 2013 um 0,4 % gesunken
aus news aktuell Originaltextservice vom 11.04.2014

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 08 vom 29.08.2014
Dokument-ID: s_tra_20140829

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