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Soziale Netzwerke - Wachstumsgrenzen werden sichtbar

MEDIEN & VERLAGE | GENIOS BranchenWissen Nr. 09 vom 25.09.2018


Facebook ist das weltweit dominierende soziale Netzwerk

Das mit Abstand größte und dominierende soziale Netzwerk ist Facebook. Mitte des Jahres waren dort 2,23 Milliarden Mitglieder registriert. Die Zahl der Personen, die sich täglich auf Facebook einloggen, lag im zweiten Quartal 2018 weltweit bei 1,47 Milliarden. Der wirtschaftliche Wert der Plattform gründet vor allem auf dieser enormen Datensammlung. Facebook weiß über die Gewohnheiten und die persönlichen Eigenheiten der Nutzer Bescheid. Damit können die Werbetreibenden ihre Zielgruppen präzise ansprechen. Entsprechend generiert Facebook den Löwenanteil der Einnahmen mit Werbung, die im Netzwerk platziert wird. (1), [Abb. 1]


Das soziale Netzwerk als natürliches Monopol

Bis auf das Karrierenetzwerk Xing sind alle einst größeren deutschen Netzwerke in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Beispiele sind StudiVZ, Wer-kennt-wen und Lokalisten. Auch international sind viele Netzwerke auf der Strecke geblieben, so etwa MySpace, Frienster, MeetUp, Bumble und Bebo. Der Grund für den Niedergang: Soziale Netzwerke sind umso attraktiver, je mehr Nutzer sich darin tummeln. Dies übt eine Sogwirkung aus. Die Großen werden größer und drücken die Kleinen an den Rand. Entsprechend ist Facebook heute so marktbeherrschend, dass andere Netzwerke kaum noch eine Chance haben. Ökonomen sprechen hier von einem natürlichen Monopol. (1), (9)


Die Grenzen des Wachstums

Doch auch bei Facebook werden allmählich die Grenzen des Wachstums sichtbar. Die Zahl der Personen, die sich täglich auf Facebook einloggen, wächst kaum noch. Auf dem nordamerikanischen Markt und in Europa stagnieren die Nutzerzahlen. Zudem kommt Kritik aus der Szene selbst. "Zehn Gründe, warum Du Deine Social Media Accounts sofort löschen musst", lautet der Titel des neuen Buches von Jaron Lanier, einem Vordenker des Silicon Valley. Darüber hinaus wurde Facebook vom Datenskandal um Cambridge Analytica erschüttert und stand zudem im Mittelpunkt der Debatten um gefälschte Nachrichten und russische Propaganda-Kampagnen. Angesichts der Datensammelwut von Facebook kommen bereits Vergleiche mit Dystopien wie George Orwells "1984" und Aldous Huxleys "Schöne neue Welt" auf. Kurzfristig dürfte dies Facebook aber nicht schaden. Facebook ist inzwischen zu groß, um zu implodieren. (2), (6), (9)





Fallbeispiele

Facebook hat im ersten Halbjahr 2018 seinen Umsatz um 45,7 Prozent auf 25,2 Milliarden Dollar gesteigert. Das Konzernergebnis kletterte um 44,9 Prozent auf gut zehn Milliarden Dollar. Nach Bekanntgabe der Zahlen zum zweiten Quartal stürzte die Facebook-Aktie aber um ein Fünftel ab. Etwa 123 Milliarden Dollar verdampften binnen zwei Stunden. Dafür gab es gleich mehrere Gründe: Zum ersten Mal seit mehreren Jahren verfehlte das Unternehmen die Erwartungen. Die Zahl der Nutzer in Europa ist erstmals gefallen, in Nordamerika stagnierte sie. Die Konzernleitung führte die Zahlen in Europa auf die Einführung strengerer Regeln im Umgang mit persönlichen Informationen durch die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zurück. Darüber hinaus fiel der Ausblick schwach aus. Demnach wird sich das Umsatzwachstum erheblich abschwächen, die Kosten würden aber stark steigen. (2), (3), (8)

Facebook will sich mit seinen verschiedenen Plattformen weitere Einnahmequellen erschließen. Der Messaging-Dienst Facebook Messenger soll nun zu einer Art Finanzportal ausgebaut werden. Offenbar befindet sich Facebook in Gesprächen mit US-Banken. Schon heute können Facebook-Nutzer über den Messenger Dienstleistungen von Facebook-Partnern in Anspruch nehmen und auf diesem Weg zum Beispiel Boarding-Pässe von Fluglinien erhalten oder Rechnungen zu Paypal-Transaktionen einsehen. (4)

Das Karrierenetzwerk Xing hat im ersten Halbjahr 2018 seinen Umsatz um 29 Prozent auf 111 Millionen Euro gesteigert. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) kletterte um 18 Prozent auf 33,4 Millionen Euro. Das Konzernergebnis nahm um 20 Prozent auf 15,4 Millionen Euro zu, wobei ein Sonderertrag von einer Million Euro aus einer Einigung mit den Verkäufern der 2016 erworbenen Start-up-Firma BuddyBroker resultierte. Stärkster Wachstumstreiber war erstmals das Segment B2B-E-Recruiting, also das Unternehmenskundengeschäft. Die Erlöse kletterten hier um 41 Prozent auf 49,8 Millionen Euro, im Privatkundensegment B2C waren es 18 Prozent auf 49 Millionen Euro. Grund für die hohen Zuwächse waren die Übernahmen des Bewerbermanagementsystems Prescreen sowie des Expat-Netzwerks Internations. Die Zahl der Mitglieder stieg im deutschsprachigen Raum um zwei Millionen auf 14,4 Millionen. Das Unternehmen ist damit in Deutschland, Österreich und der Schweiz Marktführer vor der Microsoft-Tochter Linkedin. (5)

Das soziale Netzwerk Snapchat hat im zweiten Quartal 2018 drei Millionen tägliche Nutzer verloren. Derzeit nutzen 188 Millionen Menschen weltweit den Dienst, der Nutzern ermöglicht, Videos zu verschicken und Storys zu teilen. Es ist das erste Mal in der siebenjährigen Geschichte des Unternehmens, dass die Zeichen nicht mehr auf Wachstum stehen. Gleichwohl hat Snap, das Unternehmen hinter der App Snapchat, seinen Umsatz um 44 Prozent auf 262 Millionen Dollar gesteigert. Insbesondere unter Jugendlichen sind bildhafte Apps wie Instagram und Snapchat beliebt. (7)

Der Kurznachrichtendienst Twitter schreibt mittlerweile schwarze Zahlen. Der Nettogewinn lag im zweiten Quartal 2018 bei 100 Millionen Dollar, ein Jahr zuvor gab es noch ein Minus von 116 Millionen Dollar. Es ist das dritte rentable Quartal in Folge und das dritte rentable Quartal überhaupt. Demnach hat Twitter Ende 2017 zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte einen Gewinn gemeldet. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 24 Prozent auf 711 Millionen Dollar. Ein Problem sind jedoch die sinkenden Nutzerzahlen. Diese sind auch darauf zurückzuführen, dass Twitter systematisch verdächtige Nutzer rauswirft. Es geht künftig nicht mehr nur um die schlichte Anzahl der Nutzer, sondern auch um die Qualität. (10)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Soziale Netzwerke nach Zahl der Nutzer 2017
Soziales NetzwerkMonatlich aktive Nutzer*
Facebook2.072
YouTube1.500
WhatsApp1.300
Instagram800
Twitter330
Musical.ly200
Pinterest200
Snapchat178
Google+111
LinkedIn106
Xing14

*in Millionen Quelle: Der Betrieb, 49/2017, S. M28 Entnommen aus: Genios Statistiken vom 20.03.2018 (11)

Weiterführende Literatur:

(1.) Balanceakt für Facebook. Das soziale Netzwerk überzeugt mit starker Umsatz- und Gewinnentwicklung - doch Datenschutzbedenken der Nutzer stellen das Geschäftsmodell in Frage
aus Finanz und Wirtschaft vom 19.09.2018, Seite 15

(2.) Facebook lernt ihre Grenzen kennen. Internetkonzern verfehlt Erwartungen und stellt geringeres Wachstum in Aussicht - Aktie verliert 20 Prozent
aus Börsen-Zeitung vom 27.07.2018, Nr. 142, S. 11

(3.) Facebook rutscht in die Regulierungsfalle
aus DIE WELT, 27.07.2018, Nr. 173, S. 9

(4.) Facebook will Messenger zum Finanzportal machen. Soziales Netzwerk spricht mit US-Banken über Kooperationen - Institute teilen bislang keine Kundendaten
aus Börsen-Zeitung vom 08.08.2018, Nr. 150, S. 13

(5.) Xing setzt auf Firmenkunden. E-Recruiting-Geschäft erstmals größter Wachstumstreiber - Jobnetzwerk hat 1 Million zahlende Mitglieder
aus Börsen-Zeitung vom 07.08.2018, Nr. 149, S. 8

(6.) Asoziales Netzwerk
aus Börsen-Zeitung vom 02.08.2018, Nr. 146, S. 6

(7.) Snapchat verliert
aus Süddeutsche Zeitung, 09.08.2018, Ausgabe Bayern, Deutschland, S. 19

(8.) Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Daten
aus Börsen-Zeitung vom 03.08.2018, Nr. 147, S. 8

(9.) Die kritische Masse
aus Lübecker Nachrichten Ausgabe Lübeck vom 06.05.2018 Seite A13

(10.) Qualität geht vor Quantität
aus Handelsblatt Nr. 144 vom 30.07.2018 Seite 027

(11.)International: Top 11 Meistgenutzte soziale Netzwerke 2017
aus Genios Statistiken vom 20.03.2018

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 09 vom 25.09.2018
Dokument-ID: s_med_20180925

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