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Soziale Netzwerke - Facebook und LinkedIn dominieren

MEDIEN & VERLAGE | GENIOS BranchenWissen Nr. 10 vom 28.10.2011


Bedeutung sozialer Netzwerke nimmt rapide zu

Die Bedeutung der sozialen Netzwerke hat im Laufe der vergangenen Jahre rapide zugenommen. Im Internet sind weltweit mehr als zwei Milliarden Nutzer aktiv. Etwa eine Milliarde Menschen nutzen soziale Medien. Nachrichten lassen sich über Online-Kanäle viel schneller verbreiten als über klassischen Medien. Hinzu kommt der "Web-2.0-Effekt": Jeder Einzelne kann Nachrichten versenden und eine große Öffentlichkeit informieren. (3)


Der globale Marktführer Facebook

Unangefochtener Marktführer bei den sozialen Netzwerken ist Facebook mit etwa 800 Millionen registrierten Nutzern. Damit ist fast jeder zehnte Mensch auf der Welt über Facebook vernetzt. Innerhalb von sieben Jahren ist aus dem Startup ein Konzern mit mehr als 2 000 Mitarbeitern geworden. 2010 verbuchte Facebook einen Nettogewinn von 600 Millionen Dollar bei einem Umsatz von etwa zwei Milliarden Dollar. 2012 will man an die Börse gehen. Investoren haben fast drei Milliarden Dollar in Facebook investiert. Fraglich ist jedoch, ob die Erfolgsgeschichte anhält. Datenschützer üben scharfe Kritik, die Nutzer zeigen erste Ermüdungserscheinungen, und mit Google Plus ist ein ernstzunehmender Konkurrent aufgetaucht. Weitere globale Player sind der Kurznachrichtendienst Twitter sowie das Karrierenetzwerk LinkedIn. (1)


Deutsche Netzwerke verlieren an Bedeutung

In Deutschland haben zunächst nationale Netzwerke wie StudiVZ und Wer-kennt-wen den Markt dominiert. Diese befinden sich inzwischen auf dem absteigenden Ast. Zwar haben die VZ-Netzwerke (StudiVZ, SchülerVZ, MeinVZ) noch 16 Millionen Mitglieder - das Portal nutzen aber immer weniger Menschen. Noch vor drei Jahren hatte der Holtzbrinck Verlag, dem die VZ-Netzwerke gehören, ein Kaufangebot von Facebook abgelehnt. Im Sommer 2011 wollten die Stuttgarter die Netzwerke veräußern, fanden jedoch keine Abnehmer. Inzwischen hat Facebook den hiesigen Netzwerken den Rang abgelaufen. Binnen drei Jahren schoss hierzulande die Zahl der Facebook-Nutzer von einer Million auf 20 Millionen nach oben. (6)


Die Business-Netzwerke Xing und LinkedIn

Bei den Business-Netzwerken ist Xing mit etwa fünf Millionen Mitgliedern der Marktführer im deutschsprachigen Raum. Weltweit haben die Hamburger etwa elf Millionen Nutzer. Das Unternehmen sieht in Deutschland noch Wachstumspotenziale, da in vergleichbaren Ländern die Business-Netzwerke eine höhere Marktdurchdringung haben. Das weltgrößte Online-Geschäftsnetzwerk LinkedIn will Xing nun auf dem deutschen Markt angreifen. Dazu haben die Amerikaner in München eine Niederlassung eröffnet. In allen anderen wesentlichen Auslandsmärkten ist Linkedin bereits Marktführer. Weltweit hat LinkedIn 120 Millionen Mitglieder, etwa zwei Millionen davon in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wegen der dominanten Position von LinkedIn konzentriert sich Xing inzwischen auf die Verteidigung des deutschen Marktes. Beiden Unternehmen droht allerdings Gefahr vom neuen Google-Produkt Google Plus, das sich auch als Geschäftsnetzwerk etablieren könnte. (2), (3), (5)





Fallbeispiele

Ein neuer Akteur auf dem Markt für soziale Netzwerke ist der Suchmaschinenbetreiber Google. Das Produkt Google Plus stößt bislang auf positive Resonanz. Mit diesem könnte Google zu einem echten Herausforderer für Facebook werden. Google Plus hat binnen 80 Tagen 50 Millionen Nutzer gewonnen. Der Suchmaschinenbetreiber kann beim Aufbau eines Netzwerks auf eigene Dienste wie Gmail zurückgreifen, die bereits mehrere hundert Millionen Nutzer haben. Zudem bietet Google Plus jetzt auch Spiele an. Damit tritt man gezielt in Konkurrenz zu Facebook. Dort gehören Spiele zu den beliebtesten Anwendungen. Jeden Monat spielen mehr als 200 Millionen Mitglieder auf der Plattform. Facebook versucht auf diese Weise, die Verweildauer und den Verkehr auf seinem Netzwerk zu erhöhen. (1), (4)

Facebook will frühestens im Herbst an die Börse gehen. Allerdings kommen allmählich Zweifel auf, ob das Unternehmen die hohen Erwartungen erfüllen kann. Der Unternehmenswert dürfte derzeit bei etwa 80 Milliarden Dollar liegen. Die Assets von Facebook sind die gesammelten Interessen und Vorlieben der Mitglieder, die insbesondere für Werbekunden von hohem Interesse sind. Dahinter steckt zwar ein Milliardengeschäft, dennoch werden einige Experten vorsichtig. "Wir sind skeptisch, dass selbst ein so innovatives Unternehmen wie Facebook auf Dauer eine Bewertung durchhält, die das 20-Fache des Umsatzes beträgt", sagte David Dietze von der Vermögensverwaltung Point View Wealth Management. (1)

Auf dem absteigenden Ast befindet sich das soziale Netzwerk MySpace. Ende Juni verkaufte der Medienkonzern News Corp. MySpace an die amerikanische Online-Werbefirma Specific Media. Der Kaufpreis betrug 35 Millionen Dollar. 2005 hatte News Corp. noch 581 Millionen Dollar für MySpace hingeblättert. Specific Media will aus MySpace die Nummer eins unter den Online-Gemeinden für Musik machen. (8)



Zahlen & Fakten


Facebook hat im ersten Halbjahr 2011 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar erwirtschaftet, 90 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Der Gewinn lag bei 800 Millionen Euro. Bei der Vermarktung von Werbebannern hat sich der Konzern mit einem Anteil von gut 21 Prozent auf dem US-Markt vor den langjährigen Platzhirsch Yahoo geschoben. Dennoch ist Facebook mit 80 Milliarden Dollar sehr hoch bewertet. Um dieser hohen Bewertung gerecht zu werden, müsste bis zum Jahresende mindestens eine Verdopplung des Umsatzes gelingen - auf mehr als vier Milliarden Dollar. (1)

Das Business-Netzwerk Xing hat im ersten Halbjahr 2011 den Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 95 Prozent auf 5,1 Millionen Euro gesteigert. Der operative Gewinn (Ebita) stieg um 60 Prozent auf 11,3 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 25 Prozent auf 31,6 Millionen Euro zu. Die Umsätze aus den neuen Erlösquellen E-Recruiting, Advertising und Events kletterten um 96 Prozent auf 9,1 Millionen Euro. In den neuen Geschäftsfeldern sieht das Unternehmen noch erhebliche Wachstumspotenziale. Deswegen hat man Ende 2010 Amiando, eine Plattform für Eventregistrierung und Ticketing, zugekauft. (2), (3)

Das amerikanische Geschäftsnetzwerk LinkedIn hat in seinem ersten Quartalsbericht nach dem Börsendebüt einen Umsatzanstieg um 120 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 121 Millionen Dollar verkündet. Das sind fast 15 Prozent mehr als von Analysten erwartet wurde. Der Gewinn kletterte leicht auf 4,5 Millionen Dollar. "Im zweiten Quartal haben wir Rekordwerte bei Mitgliedern, Besuchern und Seitenaufrufen, während sich das Gewinnwachstum beschleunigt hat", sagte der Vorstandsvorsitzende Jeff Weiner. Die Zahl der bei LinkedIn registrierten Mitglieder liegt bei 115,8 Millionen. (5)

Marktforscher haben eine nachlassende Begeisterung bei den Nutzern sozialer Netze ausgemacht. Knapp ein Viertel der Befragten aus elf Ländern gaben bei einer Erhebung des US-Marktforschers Gartner an, ihre Lieblingsplattform weniger zu nutzen als während ihrer ersten Wochen im Netzwerk. "Die neue Konsumentengeneration ist unstet und hat nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne", sagte Gartner-Analyst Brian Blau. (1)

Spiele in sozialen Netzwerken werden zunehmend beliebter. Nach einer Studie des Hightech-Verbandes Bitkom wählt inzwischen jeder vierte Computerspieler diese Gelegenheitsspiele. Der Anteil habe sich innerhalb eines Jahres verdreifacht. Davon profitiert der Spieleentwickler Zynga, an dem auch Google beteiligt ist. Seinen Aufstieg hat Zynga aber fast ausschließlich Facebook zu verdanken. (4)



Weiterführende Literatur:

(1.) Einer flog über das Wespennest - Facebook. Mehr Nutzer, mehr Umsatz, mehr Macht. Jahrelang jagte Mark Zuckerberg mit seinem sozialen Netzwerk von Rekord zu Rekord. Inzwischen sind die Erwartungen an das Unternehmen derart überzogen, dass sie praktisch unerfüllbar sind
aus Capital vom 20.10.2011, Seite 106-109

(2.) Die Wirtschaft Stottert: Das Business-Netzwerk Xing brummt
aus kress.de vom 10.08.2011

(3.) Xing vernetzt sich im TecDax - Präsenz in sozialen Netzwerken ist heute Unternehmens-Standard
aus Börsen-Zeitung, 07.09.2011, Nummer 172, Seite 10

(4.) "Angry Birds" erobern Google+ - Facebook-Konkurrenz - Der Internetkonzern Google drängt mit aller Macht in den Markt für soziale Netzwerke. Mit der Einbindung von Spielen soll das eigene Produkt Google+ noch attraktiver werden. Die Reaktionen sind gemischt.
aus FINANCIAL TIMES Deutschland

(5.) Linkedin eröffnet Niederlassung in Deutschland - Online-Geschäftsnetzwerk will den lokalen Marktführer Xing überholen
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2011, Nr. 200, S. 15

(6.) Still stirbt StudiVZ - Spitzenmanager fliehen. Gegen Facebook sind sie hilflos
aus Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.10.2011, Nr. 41, S. 41

(7.)Linkedin legt starke Zahlen vor - Online-Geschäftsnetzwerk erhöht Umsatz um 120 Prozent
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 181 vom 06.08.2011, Seite 16

(8.) Hier spielt die Musik: MySpace rückt Kernkompetenz in den Mittelpunkt -Specific Media positioniert das im Sommer erworbene MySpace als Musik-Netzwerk. Die Präsentation, mit der Specific Media versucht, die neue Marschrichtung Vermarktern nahe zu bringen, liegt "All Things Digital" vor.
aus kress.de vom 04.10.2011

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 10 vom 28.10.2011
Dokument-ID: s_med_20111028

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