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Soziale Netzwerke - der Konkurrenzkampf wird schärfer

MEDIEN & VERLAGE | GENIOS BranchenWissen Nr. 08 vom 31.08.2010


Facebook - der Gigant unter den sozialen Netzwerken

Mit rund einer halben Milliarde Nutzer ist Facebook das mit Abstand größte soziale Netzwerk weltweit. Ziel des Gründers Mark Zuckerberg ist es, die Marke von einer Milliarde Nutzern zu knacken. Damit wäre die Hälfte aller weltweiten Internet-Nutzer Mitglied bei Facebook. Mit dieser enormen Reichweite im Rücken will Facebook nun die Online-Werbeerlöse steigern - im laufenden Jahr auf eine Milliarde bis zwei Milliarden Dollar. Die Werbebranche soll deshalb ihre Anzeigen stärker auf die Verbraucher zuschneiden können. 2009 erzielte Facebook einen Umsatz zwischen 700 Millionen und 800 Millionen Dollar bei einem Gewinn in zweistelliger Millionenhöhe. Außer mit Werbung verdient Facebook sein Geld mit dem Verkauf virtueller Güter. (1), (3), (8)


Google macht Facebook Konkurrenz

Der Internet-Konzern Google will Facebook nicht einfach das Feld überlassen und plant seinerseits in das Geschäft mit sozialen Netzwerken einzusteigen. Deswegen wurden jüngst drei Unternehmen aus dem Bereich soziale Netzwerke zugekauft. Letztendlich geht es Google aber um den Markt für Online-Werbung. Zwar ist der Suchmaschinenbetreiber mit 23,5 Milliarden Dollar Jahreseinnahmen unangefochten die Nummer eins, Facebook holt aber rasant auf. Google hatte schon einmal versucht, ein soziales Netzwerk aufzubauen. Der Dienst Buzz sollte mithilfe der rund 200 Millionen Nutzer von Googles E-Mail-Angebot Gmail zum Facebook-Konkurrenten hochgepäppelt werden. Das Angebot scheiterte aber an zu wenig Spielen und Zusatzanwendungen. Nun wählt Google einen anderen Ansatz: Der Konzern baut eine Anlaufstelle für Spiele und Anwendungen und hofft, dass sich ein soziales Netz bildet. (1), (8)


Deutscher Markt stößt an Wachstumsgrenzen

In Deutschland stoßen die sozialen Netzwerke an ihre Grenzen; es kommen kaum noch neue Nutzer hinzu. Die VZ-Gruppe, die die Plattformen StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ betreibt, hat im Juli ihren Spitzenplatz in der Klickstatistik der Prüfstelle IVW an das Telekom-Portal T-Online verloren. Die Branche stellt sich nun auf einen Verdrängungswettbewerb ein. Die VZ-Gruppe wird immer stärker von Facebook bedrängt. Deswegen hat die Holtzbrinck-Tochter kleinere Konkurrenten im Visier. Mögliche Zukäufe sind die RTL-Tochter Wer-kennt-wen und der ProSiebenSat1-Ableger Lokalisten. (2)





Fallbeispiele

In den USA drängt Facebook die Konkurrenten zusehends vom Markt. So hat die Internet-Firma AOL das soziale Netzwerk Bebo an den Hedgefonds Criterion Capital Partners verkauft. Der Kaufpreis soll zehn Millionen Dollar betragen haben. Nur zwei Jahre zuvor hatte AOL den Dienst für 850 Millionen Dollar erworben. Bebo hatte zuletzt knapp 13 Millionen Nutzer. (4)

Auch Myspace leidet unter Facebooks Übermacht. Im vergangenen Jahr entließ die Tochter von News Corp. ein Drittel ihrer Mitarbeiter. Im Mai hatte das Netzwerk in den USA noch etwa 67 Millionen Besucher, vier Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahresmonat. Facebook wuchs unterdessen um 85 Prozent auf 130 Millionen Besucher. Weltweit kam Facebook im April auf 519 Millionen Besucher, Myspace auf 111 Millionen. News Corp. tut sich schwer damit, den Gewinn von Myspace zu steigern. Nach nur vier Monaten im Amt verließ zuletzt auch Co-Chef Jason Hirschhorn MySpace. (5)

Google geht im Bereich soziale Netzwerke auf Shoppingtour. Gekauft wurden zuletzt Jambool, das virtuelle Währungen für Spiele auf sozialen Netzwerken entwickelt, Slide, ein Entwickler von Facebook-Anwendungen, sowie Zynga, der größte Hersteller von Spielen für soziale Netze. (1)



Zahlen & Fakten


Soziale Netzwerke sind ein sensibles Werbeumfeld. Nutzer wollen auf solchen Plattformen kommunizieren, da darf Werbung auf keinen Fall stören. Zudem ist es schwer, Nutzer in ein anderes Netzwerk zu locken. "Der Aufwand eines Anbieterwechsels ist einfach sehr hoch, besonders wenn man ein Netz mit Hunderten Freunden aufgebaut und ein Archiv aus seinem Leben und seinen Fotos erstellt hat", sagte Justin Smith vom Marktforscher Inside Network. (1)

Facebook ist derzeit mehr als 30 Milliarden Dollar wert. 2007 waren es erst 15 Milliarden Dollar. Damit ist das soziale Netzwerk mehr Wert als der Internet-Marktplatz Ebay oder der Suchmaschinenbetreiber Yahoo. Größtes Internetunternehmen ist Google mit 110 Milliarden Dollar Börsenwert. (8)

Die Angaben zu den Nutzerzahlen in den deutschen Netzwerken variieren. Der Ad-Planner der Google-Werbetochter Doubleclick weist für Juni 2010 für die VZ-Netze 13 Millionen Nutzer aus, für Facebook lagen die Angaben für Deutschland bei 16 Millionen. Laut Marktforschungsinstitut Comscore hatte Facebook hierzulande im Mai fast 20 Millionen Nutzer, bei StudiVZ, MeinVZ und SchülerVZ waren es 16,8 Millionen. Facebook hat die VZ-Gruppe hierzulande im April dieses Jahres erstmals überholt. (2), (3)

Gemäß einer Studie der Berater von QCC im Auftrag des Zeitschriftenverlegerverbands VDZ werden bis Ende 2012 etwa zehn Prozent der Werbeerlöse aus dem Printgeschäft zu Facebook abwandern. Der Anteil von Nutzern, die von Facebook zu Verlagsangeboten gelenkt werden, soll sich bis dahin verdreifachen. Derzeit sind es fünf Prozent. Facebook profitiert stark von den Inhalten, die Medien auf ihren Fanseiten im Netzwerk platzieren. Darum wollen die Verleger Gespräche über die Beteiligung an Werbeerlösen führen. (7)



Weiterführende Literatur:

(1.) Google holt gegen Facebook aus - Drei Großkäufe in wenigen Wochen - Sorge um Werbeboom in sozialen Netzwerken
aus Financial Times Deutschland vom 17.08.2010, Seite 7

(2.) Soziale Netzwerke - StudiVZ will die kleineren Konkurrenten verdrängen
aus HANDELSBLATT online 10.08.2010 11:06:37

(3.) Facebook legt Köder für Werber aus - Gründer des sozialen Netzwerks will Zahl der Nutzer mittelfristig verdoppeln
aus Financial Times Deutschland vom 24.06.2010, Seite 8

(4.) AOL verramscht Bebo an Hedge-Fonds - US-Investor zahlt 10 Mio. Dollar für erfolgloses soziales Netzwerk - Weitere Strategie unklar - Hoher Steuervorteil
aus Financial Times Deutschland vom 18.06.2010, Seite 7

(5.) Myspace-Co-Chef wirft nach vier Monaten hin
aus ftd.de.

(6.)Monetarisierung sozialer Netzwerke
aus werben & verkaufen Nr. 26 von 1.7.2010, Seite 62

(7.)vdz/soziale netzwerke: Einfluss von Facebook steigt
aus kressreport Nr. 12 von 16.6.2010, Seite 29

(8.) Facebook wird immer wertvoller - Bewertungen am Sekundärmarkt bis 33,7 Milliarden Dollar
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2010, Nr. 197, S. 14

J.Kessler

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 08 vom 31.08.2010
Dokument-ID: s_med_20100831

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