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Soziale Netzwerke - bei den Platzhirschen ist das Wachstum noch intakt

MEDIEN & VERLAGE | GENIOS BranchenWissen Nr. 09 vom 28.09.2016


Wachstum bei Facebook ungebrochen

Das mit Abstand größte und dominierende soziale Netzwerk ist Facebook. Obwohl bereits 1,71 Milliarden Menschen auf der Plattform registriert sind, ist das Wachstum nach wie vor intakt. Die Zahl der täglich aktiven Anwender kletterte binnen Jahresfrist von 968 Millionen auf nunmehr 1,13 Milliarden. Derzeit kommt das Wachstum vom mobilen Internet. Durch die Integration von mehr Videoinhalten will Facebook auch künftig für Zuwächse sorgen. CEO Mark Zuckerberg rechnet damit, dass das Betrachten von Videos binnen fünf Jahren zur Hauptbeschäftigung der Anwender wird. Zu Facebook gehören inzwischen auch die Foto-Plattform Instagram und der Messenger-Dienst Whatsapp. (1)


US-Karrierenetzwerk LinkedIn von Microsoft geschluckt

Das weltweit größte Karrierenetzwerk LinkedIn wurde im Sommer von dem US-Softwarekonzern Microsoft für 26,2 Milliarden Dollar übernommen. Damit wird LinkedIn Ende des Jahres als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen Geschichte sein. Umsatz- und Nutzerwachstum sind intakt, allerdings schreibt das Netzwerk nach wie vor rote Zahlen. 2015 betrug das Minus 166 Millionen Dollar. Mit LinkedIn erhofft sich Microsoft eine stärkere Vernetzung in der internationalen Arbeitswelt. (5), (7)


Xing sieht sich weiter auf Wachstumskurs

Soziale Netzwerke sind umso attraktiver, je mehr Nutzer sich darin tummeln. Dies übt eine Sogwirkung aus. Die Großen werden größer, die Kleinen bleiben auf der Strecke. So erging es auch den deutschen Netzwerken, die sich gegen US-Konkurrenten wie Facebook nicht durchsetzen konnten. Einzig dem Karrierenetzwerk Xing ist es gelungen, sich zu behaupten. Xing wurde 2003 gegründet und 2009 für 48 Millionen Euro an Burda Digital verkauft. Das Unternehmen hat derzeit rund zehn Millionen Mitglieder, sieht aber durchaus ein Potenzial von 20 Millionen bis 25 Millionen Nutzern. Der Wettbewerb um Fachkräfte könnte nämlich noch an Schärfe gewinnen, wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht. Ferner hofft Xing darauf, dass sich der Rivale LinkedIn mit der Übernahme durch Microsoft "in eine andere Richtung bewegt". (3)





Fallbeispiele

Facebook hat im ersten Halbjahr 2016 seinen Umsatz um 55 Prozent auf 11,8 Milliarden Dollar gesteigert. Das Nettoergebnis kletterte um fast 90 Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Dollar. Ein Grund für das hohe Wachstum ist der intensive Ausbau des mobilen Angebots. Über 90 Prozent der Facebook-Anwender nutzen das soziale Netzwerk mittlerweile auf Smartphone oder Tablet-Rechnern. Die Werbung auf mobilen Endgeräten wuchs allein im zweiten Quartal 2016 um 80 Prozent. Mobile Werbeerlöse machen bereits 84 Prozent des gesamten Werbeumsatzes aus. (1)

Das Geschäft von Facebook unterliegt aber auch gewissen Risiken. Beobachter weisen immer wieder darauf hin, dass das Wachstum zum Erliegen kommen könnte, weil sich insbesondere die jüngeren Nutzer von dem Netzwerk abwenden würden. Mit den Zukäufen der Fotoplattform Instagram und dem Messenger-Dienst Whatsapp ist der Konzern inzwischen aber breiter aufgestellt. Ein weiteres Risiko ist die hohe Abhängigkeit von den Werbeeinnahmen. Hier hat der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble zuletzt Zweifel an der Wirksamkeit der Methode von Facebook geweckt, Werbung auf ein sehr spezifisch definiertes Publikum abzustimmen. Zudem ist Facebook in das Visier der Wettbewerbshüter geraten. Der Konzern missbrauche seine möglicherweise marktbeherrschende Position, um den Nutzern regelwidrige Bedingungen aufzuzwingen, lautet der Vorwurf. (6), (9), (10)

Das Karrierenetzwerk LinkedIn hat im ersten Halbjahr 2016 den Umsatz um ein Drittel auf 1,7 Milliarden Dollar gesteigert. Der Umsatzsprung lag deutlich über den Erwartungen. Gleiches gilt für die Zahl der Nutzer. Allein im zweiten Quartal kletterte diese um knapp ein Fünftel auf 450 Millionen. Der Verlust weitete sich indes um 50 Prozent auf 165 Millionen Dollar aus. Die Zuwächse kamen von steigenden Abozahlen und vor allem aus der Sparte Talent Solutions, dem Geschäft mit Personalabteilungen und Headhuntern. Mit der Übernahme durch Microsoft dürfte weiteres Wachstum gesichert sein. Die Transaktion soll bis Jahresende abgeschlossen werden. (4), (5)

Das Karrierenetzwerk Xing hat im ersten Halbjahr 2016 den Umsatz um 21 Prozent auf 70,5 Millionen Euro gesteigert, der Gewinn nahm um 34 Prozent auf knapp zwölf Millionen Euro zu. Die Mitgliedschaft bei Xing ist kostenlos, für erweiterte Funktionen kassiert das Unternehmen eine Gebühr. Derzeit sind 10,5 Millionen Menschen bei dem Netzwerk angemeldet, von denen gut 900 000 zahlen. Xing hat zuletzt vor allem das Firmenkundengeschäft ausgebaut. Bis 2020 strebt das Unternehmen einen Umsatz inklusive kleinerer Zukäufe von 270 Millionen bis 300 Millionen Euro an. Das operative Ergebnis soll auf rund 100 Millionen Euro steigen. Bei den Nutzerzahlen sieht Xing noch Potenzial von weiteren zehn Millionen bis 15 Millionen qualifizierten Arbeitnehmern. (2), (3)

Der Kurznachrichtendienst Twitter befindet sich in der Krise. Die wachsende Konkurrenz von Diensten wie Snapchat und Instagram bescherte Twitter im zweiten Quartal 2016 das geringste Umsatzplus seit dem Börsengang im Jahr 2013. Auch verliert der Konzern immer mehr den Anschluss an die Internet-Platzhirsche Google und Facebook, Werbekunden kommen kaum hinzu, Top-Manager verlassen das Unternehmen. Firmen-Mitgründer Dorsey war vor gut einem Jahr an die Spitze zurückgekehrt, um das Ruder herumzureißen. Er setzt vor allem auf Video-Angebote. Twitter hatte im zweiten Quartal 313 Millionen Mitglieder, die den Dienst mindestens einmal im Monat nutzen. Das waren nur drei Millionen mehr als noch vor drei Monaten und neun Millionen mehr als vor einem Jahr. (8)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Soziale Netzwerke 2015 in Deutschland
NetzwerkReichweite in %
Facebook40,6
Blogger11,1
Google+7,3
Stayfriends4,8
Twitter4,8
Xing4,5
Tumblr3
LinkedIn2,7
Pinterest2,4

Quelle: Nielsen, BLM Entnommen aus: Handelsblatt Nr. 044 vom 03.03.2016 Seite 006 (10)

Weiterführende Literatur:

(1.) Facebook verdoppelt Gewinn
aus Börsen-Zeitung vom 29.07.2016, Nr. 144, S. 13

(2.) Xing will Umsatz und operativen Gewinn bis 2020 verdoppeln
aus APA-JOURNAL IT Business vom 15.09.2016

(3.) Xing denkt über weitere Zukäufe nach
aus Handelsblatt Nr. 150 vom 05.08.2016 Seite 021

(4.) Linkedin kann es auch ohne Microsoft
aus Börsen-Zeitung vom 06.08.2016, Nr. 150, S. 8

(5.) Karriere-Netzwerk vor der Übernahme. Was LinkedIn für Microsoft mitbringt
aus Handelsblatt online vom 05.08.2016

(6.) Facebook gefällt nicht mehr
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2016, Nr. 186, S. 26

(7.) Microsoft setzt auf soziales Netzwerken
aus Neue Zürcher Zeitung 14.06.2016, Nr. 136, S. 1

(8.) Twitter in der Krise. Jack Dorsey bekommt mehr Zeit für Kehrtwende
aus Handelsblatt online vom 08.09.2016

(9.) Aufbruch in neue Sphären
aus Euro am Sonntag, 30.07.2016, Nr. 31, S. 34 - 35

(10.) Monopolisten im Visier
aus Handelsblatt Nr. 044 vom 03.03.2016 Seite 006

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 09 vom 28.09.2016
Dokument-ID: s_med_20160928

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