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Schuhindustrie - weniger Umsatz im In- und Ausland

TEXTIL | GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 01.07.2013


Schuhindustrie erleidet Rückschlag nach zwei erfolgreichen Jahren

2012 lief es für die deutsche Schuhindustrie nicht gut. Nachdem 2011 und 2010 die Lieferanten jeweils ein zweistelliges Umsatzplus erzielt hatten, stand im vergangenen Jahr ein Minus in den Büchern. Der Umsatz reduzierte sich laut dem Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDSL) um 3,4 Prozent auf 2,38 Milliarden Euro. Im Inland sanken die Erlöse dabei um 3,2 Prozent auf 1,75 Milliarden Euro, im Ausland um vier Prozent auf 630 Millionen Euro. Die Verbraucherpreise für Schuhe waren im vorigen Jahr um 2,4 Prozent gestiegen, die Herstellungspreise um 2,7 Prozent.

Insgesamt gibt es in Deutschland rund 80 Fertigungsbetriebe in der Schuhindustrie. Die Zahl der Beschäftigten stieg 2012 in den Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitern um 4,3 Prozent auf 11 791. Dabei haben die Unternehmen vor allem in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Entwicklung Personal aufgestockt.

Der Ausblick für 2013 war Anfang des Jahres trotz aller wirtschaftlichen Unsicherheitsfaktoren optimistisch. Der HDSL erwartete eine Stabilisierung der Umsätze oder sogar ein leichtes Umsatzplus. Die Zahlen für das erste Quartal boten jedoch keinen Anlass zur Freude. In den ersten drei Monaten belief sich das Umsatzminus auf 3,5 Prozent. (1), (2), [Abb. 1]
Schuhfachhandel erzielt 2012 ein Pari

2012 war laut dem Bundesverband des deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) witterungsbedingt ein schwieriges Jahr. Insgesamt lag der Umsatz des Schuhfachhandels nach den Berechnungen des BDSE mit rund acht Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Der BDSE geht bei Schuhen von einem Marktvolumen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro im gesamten deutschen Einzelhandel aus.

Rund 41 Prozent der vom Verband befragten Unternehmen des Schuhhandels meldeten für das vergangene Jahr Umsatzrückgänge. 36 Prozent steigerten ihre Erlöse. Bei 43 Prozent war die Zahl der Kunden rückläufig. Nahezu ebenso viele mussten höhere Preisabschriften verbuchen, was zu Lasten der Marge ging. Etwas schlechter als der Branchendurchschnitt haben die kleinen Fachgeschäfte abgeschnitten. Mittelgroße Fachgeschäfte erzielten dagegen ein kleines Umsatzplus, das im Schnitt bei 0,5 Prozent lag. Die Großformen des Schuhhandels taten sich 2012 vergleichsweise schwer. Etliche Filialisten haben konsolidiert und unrentable Flächen geschlossen. Auch Hersteller mit eigenen Flächen verzeichneten teilweise Umsatzrückgänge im zweistelligen Bereich.

Der Start in das Jahr 2013 verlief für den Schuhfachhandel recht optimistisch, wenn auch auf Kosten der Marge. Die Winterläger wurden geräumt. Doch der Februar fiel schwach aus. Der März brachte einen starken Umsatzeinbruch. Aufgelaufen bis Ende März war ein Minus von sechs bis acht Prozent. Als Ursachen wurden der Schnee und die Kälte sowie eine hohe Vorlage von plus 17,3 Prozent genannt.

Dementsprechend fallen die Prognosen der Händler für das Gesamtjahr aus. Für 2013 rechnet je ein Fünftel mit steigenden beziehungsweise sinkenden Umsätzen. Der Rest erwartet stagnierende Geschäfte. Der BDSE zeigt sich dennoch recht optimistisch. Der Verband geht von einem nominalen Umsatzwachstum von zwei Prozent aus. (2), (4), [Abb. 2]
Onlinehandel mit Schuhen boomt

Der Onlinehandel hat 2012 bei der Umsatzentwicklung deutlich besser abgeschnitten als der stationäre Einzelhandel. Das Wachstum im E-Commerce dürfte im niedrigen zweistelligen Bereich gelegen haben. Das Forschungsinstitut TNS Infratest ermittelte für Schuhe einen Onlineumsatz von 1,3 Milliarden Euro. Nach der jüngsten BDSE-Befragung verkaufen fast 18 Prozent der stationären Schuhfachhändler auch über das Internet. Laut dem Bundesverband des deutschen Versandhandels (bvh) hat innerhalb der Mode die Warengruppe Schuhe mit 67,6 Prozent den höchsten Onlineanteil. Doch das Onlinegeschäft mit Schuhen gilt als schwierig, da die Retourenquoten überdurchschnittlich hoch sind. Quoten von 50 Prozent aufwärts sind hier gang und gäbe.

Insgesamt steigerte laut bvh der interaktive Modehandel, bestehend aus E-Commerce, Katalog und Teleshopping, den Umsatz von 2011 auf 2012 um 10,5 Prozent auf 14,17 Milliarden Euro. Die Warengruppe Bekleidung hat mir 10,78 Milliarden Euro den größten Anteil daran, gefolgt von Schuhen mit 1,88 Milliarden Euro.

Insgesamt steigerte der interaktive Handel seinen Umsatz 2012 um 15,6 Prozent auf 39,3 Milliarden Euro. Damit erhöhte sich deren Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz um einen Prozentpunkt auf 9,2 Prozent. Branchenübergreifend wuchs das Onlinegeschäft in Deutschland um 27,2 Prozent auf 27,6 Milliarden Euro. Somit werden bereits mehr als 70 Prozent des interaktiven Handels im Internet erwirtschaftet. (2), (5), (6), [Abb. 3]
Stationärer Schuhfachhandel sucht Mittel gegen Internetkonkurrenz

Die Konkurrenz im Schuhhandel ist größer geworden, seit reine Internetbekleidungshändler an den Start gingen. Einen Anfang machte Zalando 2008, es folgten weitere Anbieter wie Mirapodo oder Sarenza. Laut einer TW-Studie nennt 65 Prozent der stationären Händler E-Commerce als stärkste Konkurrenz, noch vor den Vertikalen mit 35 Prozent oder den Läden der Schuhhersteller mit 32 Prozent.

Wie reagiert der Schuhfachhandel? 37 Prozent wollen mitziehen und versuchen sich bereits selbst mit einem eigenen Shop im Internet, womit diese Händler ungefähr 13 Prozent ihrer Schuhumsätze erwirtschaften. 39 Prozent haben bis dato keinen eigenen Online-Store - und haben auch nicht vor, einen zu installieren. Knapp ein Viertel spielt indes sehr wohl mit diesem Gedanken. Ein Thema ist auch die Nutzung des Internets als Informationsplattform, um online das komplette Sortiment mit Verfügbarkeiten ersichtlich zu machen und Schuhe in den Filialen reservieren zu können. Ein potenzielles Mittel sind zudem Eigenmarken, die als preisliche Unterfütterung der Sortimente die Wettbewerbsfähigkeit des stationären Schuhhandels stärken können. (5)
Deutlich weniger gefälschte Markenschuhe beschlagnahmt

Der deutsche Zoll meldet neue Rekordzahlen bei der Beschlagnahme gefälschter Markenartikel. 2012 gingen Waren im Wert von 127 Millionen Euro ins Netz, im Jahr davor waren es 82,6 Millionen Euro. Die Zahl der Grenzbeschlagnahmen stieg um ein Prozent auf 23 883, die Zahl der beschlagnahmten Artikel um 26 Prozent auf rund 3,2 Millionen. Vom Wert der sichergestellten Plagiate entfielen 57 Prozent auf Accessoires wie Brillen, Taschen, Uhren, Schmuck sowie auf Bekleidung und Schuhe.

Bei Bekleidung stieg der Wert leicht von 11,4 Millionen auf 12,9 Millionen Euro. Bei Schuhen ging er dagegen stark zurück von 6,2 Millionen Euro im Jahr 2011 auf 1,1 Millionen Euro. Erneut kamen die meisten Plagiate aus China (44,6 Prozent), vor Hongkong (22,1 Prozent) und Singapur (6,9 Prozent). In fast drei Viertel der Fälle werden die Fälschungen an Flughäfen aufgegriffen, knapp jede fünfte Beschlagnahme betrifft die Post. Dabei handelt es sich um online bestellte Produkte, die sich als Imitat entpuppen. (7)



Fallbeispiele


Deichmann will Abhängigkeit von einzelnen Märkten reduzieren

Der Schuhfilialist Deichmann will in diesem Jahr 194 Läden im Ausland neu eröffnen. Erste Stores sind bereits an den Start gegangen, darunter die ersten fünf Filialen in Bosnien-Herzegowina. Auch der russische Markt liegt im Visier des Unternehmens. Rund 141 Millionen Euro will Deichmann 2013 im Ausland investieren. Ein Teil davon wird für ein neues, 11 000 Quadratmeter großes Distributionszentrum im niederländischen Waalwijk aufgewendet werden.

Durch die internationale Expansion will Deichmann die Abhängigkeit von einem einzelnen Markt weiter reduzieren. 2012 lag Deichmanns Exportanteil bei 58 Prozent. (8)
Office London will deutschen Schuhfachhändlern Konkurrenz machen

Der britische Schuhfilialist Office London kommt nach Deutschland und wird zunächst zwei Läden betreiben. Den Auftakt machte das Unternehmen im Centro in Oberhausen mit einem 167 Quadratmeter großen Store. De zweite 153 Quadratmetergroße Laden wurde in der Fußgängerzone von Düsseldorf eröffnet. Aber nicht nur stationär, sondern auch online will Office den deutschen Markt testen. Ab Sommer will der Spezialist für junge Schuhmode die Kunden mit einem deutschsprachigen Onlineshop zum Einkauf animieren.

Zum Sortiment von Office London gehören rund 100 Labels aus dem jungen Segment, darunter Adidas, Ash, Asics, Converse, Clarks Originals, Fly London, Jeffrey Campbell, Lacoste, New Balance, Ted Baker, Vans sowie Ugg Australia. Zudem verfügt das Unternehmen über die Eigenmarke Office, die sich mit Schuhen für Damen und Herren in einer Preislage zwischen 20 Euro für Ballerinen und 150 Euro für Boots bewegt. Die eigene Kollektion umfasst etwa 110 Männer- und 260 Damenschuhe. (9)

Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Rückschlag für die Schuhhersteller

Entnommen aus: Pressekonferenz des Bundesverbandes der Deutschen Schuh- und Lederwarenindustrie, (3), und Textilwirtschaft Online, 26. Februar.2013, (2)
Abbildung 2: Durchwachsenes Jahr für den Schuhhandel

Entnommen aus: Pressekonferenz des Bundesverbandes der Deutschen Schuh- und Lederwarenindustrie, 13. März 2013, (3)
Abbildung 3: Weiter im Aufwind

Entnommen aus: TextilWirtschaft, 07/2013, S- 5, (6)

Weiterführende Literatur:

(1.) Schuhbranche setzt auf Markenstärke
aus www.textilwirtschaft.de vom 07.06.2013

(2.) Schuhbranche ist verhalten optimistisch
aus www.textilwirtschaft.de vom 26.02.2013

(3.) Pressekonferenz des Bundesverbandes der Deutschen Schuh- und Lederwarenindustrie
aus www.textilwirtschaft.de vom 26.02.2013

(4.) Stillstand im Schuhhandel
aus TextilWirtschaft 15 vom 11.04.2013 Seite 022

(5.) Er läuft nur, wenn er sitzt
aus TextilWirtschaft 22 vom 30.05.2013 Seite 044 bis 047

(6.) Mode dominiert den interaktiven Handel
aus TextilWirtschaft 07 vom 14.02.2013 Seite 005

(7.) Zoll findet Plagiate in Rekordhöhe
aus www.textilwirtschaft.de vom 25.03.2013

(8.) Deichmann plant 194 neue Stores im Ausland
aus TextilWirtschaft 20 vom 16.05.2013 Seite 050

(9.) Schuhfilialist Office kommt nach Deutschland
aus TextilWirtschaft 15 vom 11.04.2013 Seite 035

Markus Hofstetter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 01.07.2013
Dokument-ID: s_tex_20130701

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