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Schuhindustrie - Steht sie vor einem Wandel

TEXTIL | GENIOS BranchenWissen Nr. 09/2009 vom 22.09.2009


Weniger Exporte

Die Schuhindustrie schloss das erste Halbjahr 2009 mit einem Minus von zehn Prozent ab, der damit bei 986 Millionen Euro lag. Der Umsatz im Ausland verringerte sich besonders stark - um 17,7 Prozent auf 262 Millionen Euro. In Deutschland selbst lag der Rückgang bei vergleichsweise niedrigen 6,8 Prozent auf 724 Millionen Euro. Auch die Schuhimporte nach Deutschland nahmen im ersten Halbjahr um 5,6 Prozent auf 258 Millionen Paar ab. Allein 56,7 Prozent der importierten Schuhe kam aus China (plus 0,9 Prozent auf 146 Millionen Paar). Aus Vietnam kamen nur noch 30 Millionen Paar, das entspricht einem Rückgang um 26,4 Prozent. Und auch aus Italien kamen wieder weniger Schuhe nach Deutschland: nur rund elf Millionen Paar - damit ein Rückgang um 32,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum - wurden importiert. Da die deutsche Schuhindustrie zum größten Teil, Schuhe im Ausland produzieren lässt, wirkte sich das Minus nicht auf die Mitarbeiterzahlen aus. Im Gegenteil: Es wurden 150 neue Beschäftigte eingestellt und die Gesamtzahl stieg auf 10 500. (1), (2), (3), (4)

Dass der Handel ein größeres Minus in der Bilanz verzeichnet als die Industrie, ist auch auf die zahlreichen frühen Rabattaktionen in den Schuhgeschäften zurückzuführen. Im Februar brachen die Umsätze um 18 Prozent ein. Und das kühle Wetter im Mai bremste die Kauflaune der Deutschen auf Sommerschuhe. Und so versuchten die Händler das Geschäft mit Rabatten anzukurbeln. Im Juli war eine Erholung zu verzeichnen: da stiegen die Umsätze gar um fünf Prozent.


Preise sollen stabil bleiben

Auch wenn der Umsatzeinbruch Industrie und Handel Sorgen bereitete, sollen die Preise bei Schuhen nicht steigen. Und das trotz gestiegener Herstellerpreise im vergangen Halbjahr (plus 2,4 Prozent). Denn die Branche hofft auf eine Belebung der Wirtschaft und damit auch auf eine Besserung der Kauflaune. Dennoch ordern die Händler vorsichtiger. Denn für das zweite Halbjahr 2009 rechnet man mit weiteren Umsatzrückgängen. (3), (4), (5)


Schon 2008 weniger verkaufte Schuhe

Schon im Jahr 2008 ging der Schuhkonsum der Deutschen zurück. Hatte jeder Bundesbürger 2007 noch 4,66 Paare gekauft, waren es im vergangenen Jahr nur noch 4,48 Paare. Damit sank der Umsatz der deutschen Hersteller 2008 um 3,6 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Im gleichen Jahr wurden auch 3,8 Prozent weniger Schuhe (minus eine Million) produziert: 25,6 Millionen Paar Schuhe. Dafür wurden 498,5 Millionen Paare aus dem Ausland importiert, was einem Plus von 0,2 Prozent zum Vorjahr entspricht. Doch auch die deutschen Hersteller konnten beim Export zulegen: um 10,9 Prozent, damit exportierten sie 156,4 Millionen Paare. (6)



Trends Wandel im Schuhhandel Doch der Schuhhandel steht, glaubt man Experten, vor einem ähnlichen Wandel wie ihn der Modehandel bereits erlebt hat. Die Vertikalisierung dürfte sich auch im Schuhhandel durchsetzen. Die Konkurrenz wird dabei immer größer. So werden ab Mitte Oktober bei H&M beispielsweise Schuhe des Designers Jimmy Choo verkauft. Schon heute geht jeder vierte Schuh nicht im Schuhgeschäft über den Tresen - sondern bei Aldi, Ebay, C&A (dem größten Schuhhändler), Tchibo oder eben Modeläden wie Mango und H&M. Konkurrenz droht auch von Filialisten wie Deichmann. Das Unternehmen hat bereits 1 000 Läden und will auf 2 000 aufstocken. Aber auch das Internet lockt die Kunden - selbst beim Schuhkauf. Und so sterben die Schuhgeschäfte. Laut Umsatzsteuerstatistik geben jedes Jahr etwa rund zehn Prozent der Schuhfacheinzelhändler auf. Aus Mangel an Händlern wird in Zukunft wohl so manche Schuhmarke auf eigene Läden setzen müssen - ähnlich wie im Modebereich. (4), (7) Einig sind sich alle, was den modischen Trend bei den Schuhen anlangt. Casual ist in. Man(n) und auch Frau setzen eher auf den sportlichen Touch. Zu schick will keiner laufen; der Schuh darf ruhig zu Business-Kleidung wie auch zu Jeans passen. Und auch die Bootsschuhe werden hoch gehandelt. Darüber hinaus rückt das Thema der Gesundheit mehr in den Mittelpunkt. So entwickelt beispielsweise auch Gabor einen bequemen und gesunden Schuh: Rollingsoft wird das Modell heißen. (8), (9), (10) Trends


Wandel im Schuhhandel

Doch der Schuhhandel steht, glaubt man Experten, vor einem ähnlichen Wandel wie ihn der Modehandel bereits erlebt hat. Die Vertikalisierung dürfte sich auch im Schuhhandel durchsetzen. Die Konkurrenz wird dabei immer größer. So werden ab Mitte Oktober bei H&M beispielsweise Schuhe des Designers Jimmy Choo verkauft. Schon heute geht jeder vierte Schuh nicht im Schuhgeschäft über den Tresen - sondern bei Aldi, Ebay, C&A (dem größten Schuhhändler), Tchibo oder eben Modeläden wie Mango und H&M. Konkurrenz droht auch von Filialisten wie Deichmann. Das Unternehmen hat bereits 1 000 Läden und will auf 2 000 aufstocken. Aber auch das Internet lockt die Kunden - selbst beim Schuhkauf. Und so sterben die Schuhgeschäfte. Laut Umsatzsteuerstatistik geben jedes Jahr etwa rund zehn Prozent der Schuhfacheinzelhändler auf. Aus Mangel an Händlern wird in Zukunft wohl so manche Schuhmarke auf eigene Läden setzen müssen - ähnlich wie im Modebereich. (4), (7)

Einig sind sich alle, was den modischen Trend bei den Schuhen anlangt. Casual ist in. Man(n) und auch Frau setzen eher auf den sportlichen Touch. Zu schick will keiner laufen; der Schuh darf ruhig zu Business-Kleidung wie auch zu Jeans passen. Und auch die Bootsschuhe werden hoch gehandelt. Darüber hinaus rückt das Thema der Gesundheit mehr in den Mittelpunkt. So entwickelt beispielsweise auch Gabor einen bequemen und gesunden Schuh: Rollingsoft wird das Modell heißen. (8), (9), (10)



Fallbeispiele

Das Detmolder Schuhunternehmen Wortmann verbuchte entgegen dem Trend im Geschäftsjahr 2008/2009 ein Umsatzplus von 7,8 Prozent auf 798,9 Millionen Euro. Und auch für das Geschäftsjahr 2009/2010 erwartet das Unternehmen einen Zuwachs im oberen einstelligen Prozentbereich. Dabei setzt man in Detmold besonders auf die Marke Tamaris, die derzeit in 110 Tamaris-Läden und in 137 Shop-Shop-Flächen verkauft wird und die führende Schuhmarke in Europa werden soll. Dafür investiert man bei Wortmann, beispielsweise erstmals in TV-Werbung. So sollen bis November 1 500 Spots im Abendprogramm zu sehen sein, was sich das Unternehmen einen siebenstelligen Betrag kosten lässt. Zudem soll jede Woche eine neue von Partnerfirmen betriebene Verkaufsfläche eröffnet werden. (11)

Und auch Geox steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2009 um vier Prozent auf 482,9 Millionen Euro. Dabei verkauft das Unternehmen immer noch am meisten in der italienischen Heimat - mit einem Umsatzanteil von 36,2 Prozent. Am meisten exportiert Geox nach Deutschland. (12)

Ebenfalls ein Umsatzplus verzeichnetet die italienische Luxus-Gruppe Tods im ersten Halbjahr. Um 3,4 Prozent siegt der Umsatz auf 359 Millionen Euro. Dabei profitierte das Unternehmen vom Plus bei der Marke Hogan (+ fast 13 Prozent auf 132 Millionen Euro) zu. Die anderen Marken Tods (0,1 Prozent), Fay (0,7 Prozent) und Roger Vivier (19 Prozent) verzeichneten alle ein Minus. Unter den Produktkategorien war der Schuhbereich der Gewinner des Halbjahres. (13)

Gabor dagegen verzeichnete ein Minus von sechs Prozent. Dabei sank der Umsatz auf 142 Millionen Euro. Doch im zweiten Halbjahr sollen 50 neue Flächen hinzukommen, der Großteil davon in China. Zudem wird das Unternehmen zum Sommer 2010 die neue Produktlinie Snipe und den neu entwickelten Schuh Rollingsoft auf den Markt bringen. 2008 konnte Gabor einschließlich Lizenzen einen Umsatz von 305 Millionen Euro erzielen. (14)


Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten


Durchschnittspreise für Schuhe
Die Durchschnittspreise für Damenschuhe liegen bei 60 Euro. Herren zahlen im Schnitt 71 Euro und für Kinderschuhe muss man durchschnittlich 29 Euro bezahlen.

Weniger Betriebe, mehr Beschäftigte

Die Zahl der Betriebe in der Schuhindustrie sank von 47 auf 44, allerdings nahm die Zahl der Beschäftigten um 1,4 Prozent zu.

Weniger Umsatz im ersten Halbjahr 2009
Durch die globale Finanzkrise ist der Umsatz der Schuhindustrie im ersten Halbjahr um zehn Prozent auf 986 Millionen Euro gesunken. Der Anteil der Auslandsumsätze verringerte sich auf 26,6 Prozent. (5)

Weiterführende Literatur:

(1.) Umsatz mit Schuhen bricht ein - Preise sollen stabil bleiben
aus Hamburger Abendblatt, 12.09.2009, Nr. 213, S. 35

(2.) Schuhpreise bleiben stabil
aus Stuttgarter Zeitung, 21.08.2009, S. 12

(3.) Schuhbranche blickt vor Düsseldorfer Messe unsicher in die Zukunft
aus LVZ/Leipziger-Volkszeitung, 21.08.2009, S. 6

(4.) Hartes Pflaster
aus TextilWirtschaft 36 vom 03.09.2009 Seite 046

(5.) Sinkende Umsätze in der Schuhbranche
aus TextilWirtschaft 35 vom 27.08.2009 Seite 037

(6.) Gut zu Fuß
aus Süddeutsche Zeitung, 24.07.2009, Ausgabe Deutschland, Bayern, München, S. 19

(7.) Der Schuh drückt
aus TextilWirtschaft 36 vom 03.09.2009 Seite 022

(8.) "Dramatische Veränderungen"
aus TextilWirtschaft 36 vom 03.09.2009 Seite 076

(9.) Zwischen Sommer 2009 und Sommer 2010 - nationale und internationale Einkäufer über die Themen der Saison
aus TextilWirtschaft 36 vom 03.09.2009 Seite 054

(10.) "Bootsschuhe werden richtig einschlagen"
aus TextilWirtschaft 36 vom 03.09.2009 Seite 075

(11.) Wortmann forciert Wachstum
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.2009, Nr. 209, S. 18

(12.) Geox verkauft mehr Schuhe
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.07.2009, Nr. 173, S. 15

(13.) News Tod's
aus TextilWirtschaft 32 vom 06.08.2009 Seite 009

(14.) Gabor: Sechs Prozent Minus im ersten Halbjahr
aus TextilWirtschaft 31 vom 30.07.2009 Seite 015

S.Kneer<b></b><b><i>S.Kneer</i></b>

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 09/2009 vom 22.09.2009
Dokument-ID: s_tex_20090922

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