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Schifffahrt - deutsche Binnenhäfen wachsen schneller als die Binnenschifffahrt

TRANSPORT & LOGISTIK | GENIOS BranchenWissen Nr. 02 vom 25.02.2015


Güterverkehr legt zu

Der Güterverkehr in Deutschland hat im vergangenen Jahr deutlich zugelegt. Demnach stieg die beförderte Gütermenge im ersten Halbjahr 2014 auf Straße, Schiene und Wasserstraßen im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um 7,5 Prozent auf 1,73 Milliarden Tonnen. Die Verkehrsleistung, das heißt die transportierte Menge im Verhältnis zur Wegstrecke, stieg um 3,3 Prozent auf 226,1 Milliarden Tonnenkilometer.

Die Binnenschifffahrt hat im ersten Halbjahr 2014 1,1 Prozent mehr Güter transportiert als im Vorjahreszeitraum. Die transportierte Fracht stieg damit von 112,8 Millionen Tonnen im Vorjahreszeitraum auf 114 Millionen Tonnen an. Hauptwachstumsbringer war der Versand ins Ausland mit plus 4,3 Prozent. Der Verkehr innerhalb Deutschlands stieg um 3,9 Prozent, die Beförderung von Containern legte um 7,3 Prozent zu.

Die aktuell optimistische Stimmung in der deutschen Wirtschaft lässt darauf schließen, dass die Transportleistung auch 2015 weiter zunehmen wird. Erst kürzlich hatte die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von plus 1,3 auf 1,5 Prozent angehoben. (1), (2)


Binnenschiff auf Erholungskurs - Seeschifffahrt im Krisenmodus

Die deutsche Binnenschifffahrt ist mit ihren 2014 erreichten Zahlen solide unterwegs, reicht aber weiterhin nicht an die Transportergebnisse des letzten Rekordjahres 2007 heran. So sind 2014 etwa 229 Millionen Tonnen an Gütern transportiert worden, 2007 waren es knapp 249 Millionen Tonnen.

Noch größer ist der Abstand zu den früheren Boomzeiten für die Seeschifffahrt. Diese hatte 2008 ihr letztes Rekordjahr, transportiert wurden damals fast 370 Millionen Tonnen. 2013 waren es 294 Millionen Tonnen und damit noch immer deutlich weniger. Während man der Binnenschifffahrt damit attestieren kann, sich langsam aber sicher in die alten Regionen emporzuarbeiten, stagniert die Seeschifffahrt in den letzten Jahren unterhalb einer Beförderungsmenge von 300 Millionen Tonnen. Experten sehen die Branche daher nach wie vor im Krisenmodus.

So haben sich beispielsweise die Frachtraten - also die für den Seetransport bezahlten Preise - vom Absturz vor sieben Jahren immer noch nicht erholt. Zugleich schrumpft die deutsche Seeverkehrsflotte jedes Jahr, und auch die Zahl der Beschäftigten nimmt kontinuierlich ab. Alleine im dritten Quartal 2014 sank die Zahl der Mitarbeiter um 3 600 auf 66 000. (6)





Fallbeispiele


Duisport steigert Gesamtumschlag

Die auskömmliche Situation der Binnenschiffer spiegelt sich in den Umschlagszahlen der deutschen Binnenhäfen wieder. Größter Binnenhafen hierzulande ist der Duisburger Duisport, gefolgt von den Häfen in Köln, Hamburg - das gleichzeitig Deutschlands größter Seehafen ist -, Mannheim und Ludwigshafen.

2014 hat die Duisburger Hafen AG nach vorläufigen Berechnungen 65 Millionen Tonnen an Gütern umgeschlagen, 2013 waren es 62 Millionen Tonnen. Das gute Ergebnis kommt insbesondere durch Anstiege im Kombinierten Verkehr (KV) zustande. So wuchs der Containerumschlag per Schiff, Bahn und Lkw um 13 Prozent auf rund 3,4 Millionen Standardcontainer. Im Jahr davor wurden drei Millionen Standardcontainer bewegt. Der Hafen profitierte 2014 insbesondere von deutlichen Zuwächsen im Umschlag von Autos, chemischen Erzeugnissen und Konsumgütern.

Als Volltreffer erwies sich das erst 2013 eröffnete KV-Terminal Logport III, das mittlerweile über 80 Züge pro Woche abwickelt. Das Terminal ist damit ein wesentlicher Beitrag zu dem Bestreben, möglichst viele Güter nicht mehr mit dem LKW, sondern auf der umweltfreundlicheren Schiene zu transportieren. Das gute Jahr 2014 stimmt die Verantwortlichen zuversichtlich, dass der Duisburger Hafen seine Position als größter Containerumschlagplatz in Zentraleuropa 2015 noch weiter ausbauen kann. (3)


Köln profitiert von Rheincargo

Von der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) sind für 2014 noch keine Zahlen vorgelegt worden. Jedoch profitieren die Kölner Häfen derzeit von dem 2012 mit den Neuss-Düsseldorfer Häfen gegründeten Gemeinschaftsunternehmen Rheincargo. 2013 sorgte insbesondere diese Kooperation für einen Anstieg der Transportmenge um satte 13,3 Prozent auf 24 Millionen Tonnen. Der Gewinn der Kölner Häfen stieg ebenfalls deutlich von 1,94 Millionen Euro auf 5,9 Millionen Euro. (5)


Hamburger Hafen verzeichnet schwächeres Schlussquartal

Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) hat im vierten Quartal 2014 infolge der Krisen in der Ukraine und Russland einen Dämpfer erhalten. Zwar steht mit plus drei Prozent noch immer ein Zuwachs in den Büchern, jedoch fiel das Wachstum nur halb so hoch aus wie in den drei Quartalen zuvor. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg im vierten Quartal um sechs Prozent, der Teilbereich Logistik wuchs um acht Prozent. Von einem Rückgang war HHLA damit auch im schwächeren Schlussquartal weit entfernt.

Auch in der Hansestadt war es im vergangenen Jahr der Kombinierte Verkehr, der das Wachstum befeuerte. So wuchs der Hinterlandverkehr um 9,3 Prozent auf umgeschlagene 1,3 Millionen Standardcontainer. Der Anstieg des KV bedeutet einen neuen Rekord bei der Einbindung des Schienengüterverkehrs in den Weitertransport. Mit 1,6 Millionen Stück schlug HHLA deutlich mehr Container um als Rotterdam und Antwerpen. Der gesamte Containerumschlag blieb mit 7,5 Millionen Standardcontainern stabil. (4), (7)



Zahlen & Fakten


Zum Wachstum des Güterverkehrs hat 2014 insbesondere der Straßengüterverkehr beigetragen. Mit dem LKW wurden nach einer Schätzung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur im letzten Jahr 3,5 Milliarden Tonnen bewegt, die gegenüber 2013 einen Zuwachs um 3,7 Prozent bedeuten. Die Seeschifffahrt wuchs um 2,4 Prozent auf 301 Millionen Tonnen, die Binnenschiffer verzeichneten im Gesamtjahr 2014 ein Plus von schätzungsweise 0,8 Prozent auf 229 Millionen Tonnen. Die Luftfracht legte mit 4,4 Millionen Tonnen um 1,9 Prozent zu. Ein Minus verzeichnete im letzten Jahr nur der Schienengüterverkehr. 365 Millionen Tonnen bedeuteten nach vorläufigen Zahlen eine um 2,4 Prozent niedrigere Transportmenge als im Vorjahr. (8)

Weiterführende Literatur:

(1.) Güterverkehr wächst 2014 deutlich / BAG-Bericht: Straße und Bahn steigern Anteil am Modal Split zulasten des Binnenschiffs
aus DVZ, Nr. 14 vom 17.02.2015

(2.) Quo vadis, Deutschland?
aus "Verkehr" Nr. 06/2015 vom 06.02.2015 Seite 4,5,6

(3.) Duisport steigert Gesamtumschlag / 65 Millionen Tonnen erwartet - Erneut zweistelliges Wachstum im Containerbereich
aus Täglicher Hafenbericht, Nr. 240 vom 11.12.2014

(4.) HHLA schwächelt zum Jahresende / Umsatzwachstum hat sich im vierten Quartal gegenüber ersten neun Monaten halbiert
aus DVZ, Nr. 14 vom 17.02.2015

(5.) Hafen und Logistiker werben fürs eigene Image
aus Neuss-Grevenbroicher Zeitung Nr. 251 - Ausgabe Dormagen vom 29.10.2014

(6.) Schifffahrt im siebten Jahr in der Krise / Reeder hoffen auf 2015 - Finanznot und Millionenverluste - Überkapazitäten drücken Fracht- und Charterraten
aus Täglicher Hafenbericht, Nr. 249 vom 29.12.2014

(7.) HHLA glänzt mit Bahn-Rekordmenge / Mit 1,6 Millionen TEU über drei Hamburger Terminals deutlich mehr Container als Rotterdam und Antwerpen
aus Täglicher Hafenbericht, Nr. 32 vom 17.02.2015

(8.)Straße gewinnt - Schiene verliert
aus DVZ Deutsche Logistik-Zeitung Nr. 14 vom 17.02.2015

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 02 vom 25.02.2015
Dokument-ID: s_tra_20150225

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