GENIOS BranchenWissen > MASCHINEN- UND ANLAGENBAU
Logo GENIOS BranchenWissen

Revidierte Aussichten - der Maschinenbau kassiert seine Produktionsziele für 2015

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 28.07.2015


Gegenwind für die Maschinenhersteller

Schon in den Jahren 2013 und 2014 hat der deutsche Maschinenbau die zum jeweiligen Jahresanfang gegebenen positiven Prognosen nicht bestätigen können. Im laufenden Geschäftsjahr 2015 sieht es nun wieder so aus, dass die Hoffnungen des Jahresbeginns nach unten revidiert werden müssen. Um zwei Prozent sollte die deutsche Maschinenproduktion in diesem Jahr wachsen; begründet wurde die optimistische Erwartung durch den schwachen Eurokurs - der die Exporte nach China und in die USA verbilligt - und den niedrigen Ölpreis. In diesen Tagen kappte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) die Jahresprognose und erwartet nun für 2015 bestenfalls eine Stagnation.

Die Korrektur wurde nötig, weil der deutsche Maschinenbau in den Monaten Januar bis Mai dieses Jahres um satte 2,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums abschnitt - was zu viel ist, um noch aufgeholt werden zu können. Eine der Hauptursachen für den Einbruch sind die gegenüber Russland verhängten Sanktionen. Noch stärker wirkt sich jedoch die Konjunkturabkühlung in China auf die deutsche Maschinenproduktion aus. Von der einstigen Dynamik, die den deutschen Herstellern Exportsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich bescherte, ist nichts mehr zu sehen.

Mit Sorge schauen die Maschinenbauer auch auf Griechenland. Zwar tritt das Land als Importeur deutscher High-Tech-Maschinen kaum in Erscheinung. Gleichwohl könnte sich die Dauerkrise noch stärker als bisher auf den gesamten Euroraum niederschlagen. 2014 gingen lediglich 0,2 Prozent aller deutschen Maschinenausfuhren nach Griechenland, was einem Wert von 360 Millionen Euro entspricht.

Wie China schwächeln auch Belgien, Frankreich, Österreich und das Schwellenland Brasilien derzeit beim Import deutscher Maschinen. Halbwegs zufriedenstellende Bestellzahlen kommen indessen aus Polen, Großbritannien und der Türkei. Insgesamt wird klar, dass sich der Maschinenbau - auch wenn er eine wichtige Branche des Wirtschaftswunderlands Deutschland darstellt - von der allgemein lustlosen Entwicklung der Weltwirtschaft nicht abkoppeln kann. Ganz schlimm sind die neusten Nachrichten jedoch nicht: Mit 199 Milliarden Euro hatte der deutsche Maschinenbau 2014 einen nie gekannten Rekordwert erzielt - der sich 2015 auch bei reduzierten Erwartungen höchst wahrscheinlich noch einmal erreichen lassen wird. (1), (2)



Trends


Forschung und Entwicklung werden ausgelagert

Forschung und Entwicklung (F & E) betreiben deutsche Maschinenhersteller immer noch bevorzugt im Heimatland. Gleichwohl sehen die Unternehmen, dass die Entwicklung von Maschinen direkt am späteren Hauptmarkt Vorteile bietet. In den Fokus rückt daher immer stärker die Volksrepublik China, die für viele deutsche Anbieter den wichtigsten Markt bedeutet. 13 Prozent der deutschen Maschinenhersteller planen, eine Aufstockung ihrer Forschungsaktivitäten wenn dann in China vorzunehmen. Auf dem deutschen Heimatmarkt indessen wollen nur neun Prozent der Firmen ihre F&E-Kapazitäten erhöhen.

Gleichwohl werden die meisten für China gedachten Maschinen immer noch in Deutschland entwickelt. Dies hat zur Folge, dass die Maschinen nicht immer 100-prozentig auf die Bedürfnisse der Absatzregion hin ausgerichtet werden. Die Nähe zum Exportmarkt würde das ändern. Völlig aus dem Nichts kommt diese Erkenntnis jedoch nicht. Schon heute betreibt mehr als ein Drittel der 6 000 deutschen Maschinenbauunternehmen F&E an einem Auslandsstandort. Weitere 23 Prozent planen den Aufbau entsprechender Forschungseinrichtungen im Ausland. (7)



Fallbeispiele


Gute Stimmung im ostdeutschen Maschinenbau

Der Maschinenbau in den fünf neuen Bundesländern kann zwar ebenfalls nicht mit Steigerungsraten aufwarten, steht aber dennoch alles andere als schlecht da. Die Unternehmen verzeichneten im zweiten Quartal 2015 eine durchschnittliche Auslastung von sehr beachtlichen 87 Prozent. Der Auftragsbestand reicht für 4,1 Produktionsmonate, was zwar kein Riesenpolster darstellt, sich aber dennoch sehen lassen kann. Die ordentlichen Wirtschaftszahlen sorgen derzeit dafür, dass auch die Stimmung im ostdeutschen Maschinenbau vergleichsweise gut ist. Vier von fünf Betrieben schätzen ihre derzeitige Situation als gut oder sogar sehr gut ein. 75 Prozent der Firmen gehen davon aus, dass sich an der aktuell für sie ordentlichen Ertragslage so schnell nichts ändern wird. (3)


Erfolge im Südwesten

Ein wenig abgekoppelt von der Gesamtentwicklung haben sich auch die Maschinenhersteller in Baden-Württemberg. Die Unternehmen rechnen für 2015 weiterhin mit einem Umsatzwachstum von sehr guten drei Prozent. Die im Vergleich mit der Gesamtbranche ausnehmend positiven Erwartungen gründen sich darauf, dass der Südwesten über viele Unternehmen aus den traditionell besonders starken Maschinenbausparten Werkzeugmaschinenbau und Automatisierung verfügt. Beide Teilbranchen berichten - wiederum im Unterschied zum Gesamtmaschinebau - über gute Auftragszahlen aus den USA.

Besonders große Hoffnungen weckt bei den baden-württembergischen Maschinenherstellern die kürzlich erreichte Einigung zwischen den USA und dem Iran. Teheran hatte sich nach Jahrzehnte langem Streit bereit erklärt, auf eigene Atomwaffen zu verzichten. Im Gegenzug wird der Westen die Sanktionen gegen Iran aufheben. Die Unternehmen gehen davon aus, dass sich die iranische Wirtschaft nun schnell modernisieren will und dafür auch deutsche Maschinen einkaufen wird. Schon im vergangenen Jahr - also bei noch bestehenden Sanktionen - importierte der Iran Maschinen im Wert von fünf Milliarden Euro. Auf deutsche Hersteller entfielen dabei 630 Millionen Euro, baden-württembergische Maschinenbauer exportierten Waren für knapp 93 Millionen Euro in den Iran. (4), (5)



Zahlen & Fakten


Im Mai dieses Jahres verfehlte der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau sein Vorjahresniveau um real zwei Prozent. Die Inlandsbestellungen lagen sogar um vier Prozent hinter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Aus Nicht-Euro-Ländern kam ein Auftragsplus von einem Prozent, das jedoch vom Bestellminus der Euro-Partnerländer, das bei satten sechs Prozent lag, mehr als aufgefressen wurde. (6), (8)

Weiterführende Literatur:

(1.) Gegenwind für Maschinenbauer / Die deutsche Vorzeigebranche kappt ihre Produktionsprognose und erwartet für 2015 Stagnation.
aus Handelsblatt Nr. 133 vom 15.07.2015 Seite 016

(2.) Maschinenbau verbucht weniger Aufträge / Auslandsgeschäft stagniert. Bestellungen deutscher Kunden gehen sogar zurück
aus Hamburger Abendblatt, 02.07.2015, Nr. 151, S. 19

(3.) Ostdeutscher Maschinenbau tritt auf der Stelle
aus www.maschinenmarkt.de vom 15.07.2015

(4.) Industrie erwartet Iran-Boom
aus Stuttgarter Zeitung - Stadtausgabe, 16.07.2015, S. 10

(5.) Maschinenbauer auf Wachstumskurs / Branche rechnet für dieses Jahr mit einem Umsatzanstieg von drei Prozent - und warnt vor Krisen
aus Stuttgarter Nachrichten, 16.07.2015, S. 9, Ausgabe: Stuttgart

(6.)Maschinenbau muss sich strecken / Bestellungen gehen im Mai um 2 Prozent zurück
aus Börsen-Zeitung Nr. 123 vom 02.07.2015, Seite 11

(7.) Maschinenbauer verlagern F+E-Aktivitäten nach Fernost
aus www.maschinenmarkt.de vom 20.07.2015

(8.)Auftragseingänge Mai 2015 / Maschinenbau oder das große Warten auf den Durchbruch
aus www.maschinenmarkt.de vom 01.07.2015

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 28.07.2015
Dokument-ID: s_mas_20150728

Alle Rechte vorbehalten. © GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH