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Rückversicherer - die Lage im Spätsommer 2009

VERSICHERUNGEN | GENIOS BranchenWissen Nr. 09/2009 vom 30.09.2009


Rückversicherer kommen glimpflich durch die Krise

Die Rückversicherungsbranche ist nach eigener Einschätzung relativ gut durch die Finanzkrise gekommen. Weltweit musste kein Rückversicherer Staatshilfe in Anspruch nehmen. Während der Finanzkrise hatten die Rückversicherer den Erstversicherern, die unter Kapitalmangel litten, Mittel zur Verfügung gestellt. Dadurch ist der Markt zwar enger geworden, gleichwohl hat er weiter funktioniert. Probleme gab es nur in der Lebensrückversicherung sowie bei Policen vom Typ Variable Annuities und Garantieverzinsungen. Insgesamt ist es den Rückversicherern besser ergangen als ihren Kunden, den Erstversicherern, die sie gegen Großschäden und Katastrophen absichern. Die Branche glaubt, dass das Schlimmste vorüber ist. (1), (2), (6)


Preissteigerungen nicht durchsetzbar

Bei den kommenden Vertragserneuerungsrunden müssen die großen Rückversicherer wohl ohne hohe Preissteigerungen auskommen. Der Schutz vor Großrisiken aus Sturm- und Erdbebenkatastrophen hat sich in diesem Jahr entgegen der Erwartungen nicht spürbar verteuert. Preiserhöhungen sieht die Branche nur im Spezialgeschäft mit Flugzeug-, Kredit- oder Managerhaftpflichtversicherungen. 90 Prozent der Prämieneinnahmen dürften dagegen stagnieren. Schon in den Jahren davor gab es keine Preissteigerungen. Anfang dieses Jahres hatten die Rückversicherer dann gehofft, den Erstversicherern höhere Preise abringen zu können. Weil die Menschen in der Krise weniger Geld für Versicherungen ausgeben, stehen die Erstversicherungspreise unter Druck. Deswegen zahlen die Erstversicherer nur in jenen Versicherungssparten mehr, in denen sich auch die Belastungen gehäuft haben. Letzteres ist hauptsächlich bei den Kredit- oder Managerhaftpflichtversicherungen der Fall. (1), (2)



Trends Bei den Rückversicherern wird es in den kommenden Jahren verstärkt zu Fusionen und Übernahmen kommen - allerdings hauptsächlich bei kleineren und mittleren Unternehmen. Dieser Meinung waren die Teilnehmer des diesjährigen Branchentreffens in Monte Carlo. Vorboten sind zwei im Juli 2009 bekannt gewordene Übernahmen. So ist Partner Re von den Bermudas durch den Kauf der Schweizer Paris Re für zwei Milliarden Dollar zu einem der größten Rückversicherer der Welt aufgestiegen. Ferner wird die IPC Re für 1,6 Milliarden Dollar an die Validus Re gehen. Beide Versicherer sind auf den Bermudas ansässig. Branchenvertreter wie der Chef der Swiss Re, Stefan Lippe, sehen den Beginn der Konsolidierungsphase allerdings erst in etwa dreieinhalb Jahren. Vorher steht seiner Ansicht nach das Thema Eigenkapitalentlastung auf der Tagesordnung. Auch Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek kann sich nicht vorstellen, traditionelle Rückversicherungen zu kaufen. Er sieht sich bereits weltweit breit aufgestellt. (3) Trends

Bei den Rückversicherern wird es in den kommenden Jahren verstärkt zu Fusionen und Übernahmen kommen - allerdings hauptsächlich bei kleineren und mittleren Unternehmen. Dieser Meinung waren die Teilnehmer des diesjährigen Branchentreffens in Monte Carlo. Vorboten sind zwei im Juli 2009 bekannt gewordene Übernahmen. So ist Partner Re von den Bermudas durch den Kauf der Schweizer Paris Re für zwei Milliarden Dollar zu einem der größten Rückversicherer der Welt aufgestiegen. Ferner wird die IPC Re für 1,6 Milliarden Dollar an die Validus Re gehen. Beide Versicherer sind auf den Bermudas ansässig. Branchenvertreter wie der Chef der Swiss Re, Stefan Lippe, sehen den Beginn der Konsolidierungsphase allerdings erst in etwa dreieinhalb Jahren. Vorher steht seiner Ansicht nach das Thema Eigenkapitalentlastung auf der Tagesordnung. Auch Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek kann sich nicht vorstellen, traditionelle Rückversicherungen zu kaufen. Er sieht sich bereits weltweit breit aufgestellt. (3)

Fallbeispiele

Die Münchener Rück, die nun Munich Re heißt, hat im zweiten Quartal 2009 mehr verdient als erwartet. Ein Grund war die Erholung an den Kapitalmärkten. Die Abschreibungen auf Aktienbestände fielen niedriger aus als im Vorjahr. Konzernchef Nikolaus von Bomhard sprach von einer Rückkehr zur "Normalität". Der weltgrößte Rückversicherer strebt für dieses Jahr ein Nettoergebnis von 2,5 Milliarden Euro an, ein Plus von 64 Prozent. 2008 war der Gewinn wegen der Finanzkrise um mehr als die Hälfte auf 1,5 Milliarden Euro zurückgegangen. Die Prognose für die Bruttobeitragseinnahmen erhöhte die Munich Re auf 40 Milliarden bis 42 Milliarden Euro nach zuletzt 39 Milliarden bis 41 Milliarden Euro. 2008 bezifferten sich die Bruttobeitragseinnahmen auf 37,8 Milliarden Euro. (4), [Abb. 1]

Auch die Hannover Rück, weltweit viertgrößter Rückversicherer, hat in diesem Jahr positiv überrascht. Der Gewinn ist im ersten Halbjahr um 66 Prozent auf 419 Millionen Euro gestiegen. Grund ist das verbesserte Kapitalanlageergebnis. Operativ führte die durch die Finanzkrise verursachte Kapitalverknappung bei den Erstversicherern zu höherer Nachfrage nach Rückversicherung. 2008 musste die Hannover Rück infolge hoher Abschreibungen auf Aktien den ersten Konzernverlust in der Unternehmensgeschichte hinnehmen. 2009 dürfte es wieder ein Plus von mindestens 600 Millionen Euro geben. Die Hannover Rück bestätigte das Ziel einer Eigenkapitalrendite nach Steuern von mindestens 18 Prozent, eines Gewinns je Aktie von mindestens fünf Euro und für die Dividende eine Ausschüttungsquote von 35 bis 40 Prozent. (5), [Abb. 2]

Ein alternatives Geschäftsmodell verfolgt die Allianz Re, achtgrößter Rückversicherer der Welt. Die Rückversicherungseinheit der Allianz strebt nicht nach mehr Marktanteil, sondern setzt auf das Eigengeschäft mit der Mutter. 80 Prozent der Prämien stammen von dort. 20 Prozent des Umsatzes, der im vergangenen Jahr 3,8 Milliarden Euro betrug, erzielt die Allianz Re mit spezialisierten Erstversicherern - davon zu zwei Dritteln in Asien. "Rückversicherer treten am Markt an, um Gewinne zu machen. Die kann man auch in der Gruppe selbst generieren. Damit halten wir Ertrag im Konzern", sagte Allianz-Re-Chef Clemens von Weichs. (7)



Zahlen & Fakten Abbildung 1: Kennzahlen der Munich Re im ersten Halbjahr 2009 nach IFRS Quelle: Unternehmen Entnommen aus: Börsen-Zeitung, 05.08.2009, Nummer 147 (4) Abbildung 2: Kennzahlen der Hannover Rück im ersten Halbjahr 2009 nach IFRS Quelle: Unternehmen Entnommen aus: Börsen-Zeitung, 07.08.2009, Nummer 149 (5) Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Kennzahlen der Munich Re im ersten Halbjahr 2009 nach IFRS
in Millionen Euro20092008
Bruttobeiträge20.69318.853
Kapitalanlageergebnis3.5523.261
Operatives Ergebnis2.1192.281
davon Rückversicherung2.0042.628
Ergebnis nach Steuern1.1231.405
Eigenkapital *21.26821.256
Kapitalanlagen (Mrd.)*177,4175
Marktwert (4.9.2009)20.579
* per 31.12.2008

Quelle: Unternehmen

Entnommen aus: Börsen-Zeitung, 05.08.2009, Nummer 147 (4)
Abbildung 2: Kennzahlen der Hannover Rück im ersten Halbjahr 2009 nach IFRS
in Millionen Euro20092008
Bruttoprämie5.2514.145
Kapitalanlageergebnis569,2445,1
Operatives Ergebnis600,1400,2
Konzernergebnis419252,2
Eigenkapitalrendite annualis. (%)27,916,4
Kapitalanlagen21.04720.137
Kapitalanlagerendite (%)4,13,6
Marktkapitalisierung (Ende der Periode)3.1793.781

Quelle: Unternehmen

Entnommen aus: Börsen-Zeitung, 07.08.2009, Nummer 149 (5)

Weiterführende Literatur:

(1.) Rückversicherer müssen bescheiden bleiben - In den ersten Neuverhandlungen zerschlagen sich die Hoffnungen auf höhere Preise
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2009, Nr. 208, S. 12

(2.) Preise der Rückversicherer geraten unter Druck - Ratingagenturen prophezeien Stagnation - Branche gelobt in Monte Carlo Disziplin - Swiss Re fährt vereinzelt Kapazitäten zurück
aus Börsen-Zeitung, 08.09.2009, Nummer 171, Seite 3

(3.) Bei Rückversicherern rollt Fusionswelle - Vor allem kleine und und mittelgroße Gesellschaften dürften betroffen sein
aus Börsen-Zeitung, 10.09.2009, Nummer 173, Seite 4

(4.) Münchener Rück übertrifft Markterwartung - Erholung an den Kapitalmärkten verhilft zu Gewinnplus - Nettoergebnis 2009 von 2,5 Mrd. Euro im Visier
aus Börsen-Zeitung, 05.08.2009, Nummer 147, Seite 4

(5.) Hannover Rück wieder im Aufwind - Gewinn steigt im ersten Halbjahr um 66 Prozent - Einstieg in Aktien erst bei "stabilerem Umfeld"
aus Börsen-Zeitung, 07.08.2009, Nummer 149, Seite 5

(6.) Gen Re widerspricht Münchener Rück - US-Gesellschaft glaubt nicht an steigende Rückversicherungspreise · Konzernchef Montross im Interview
aus Financial Times Deutschland vom 31.08.2009, Seite 16

(7.) Allianz Re setzt auf Eigengeschäft - Geringe Erwartungen am Rückversicherungsmarkt
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2009, Nr. 179, S. 15

(8.)Experten rechnen nur mit Fusionen im kleinen Stil - Konsolidierungswelle bleibt aus · Validus kauft IPC
aus Financial Times Deutschland vom 07.09.2009, Seite 18

(9.)Großfusion der Rückversicherer - Bermuda-Gesellschaft Partner Re kauft Paris Re · Private-Equity-Firmen machen Kasse
aus Financial Times Deutschland vom 07.07.2009, Seite 16

J.Kessler<b></b><b><i>J.Kessler</i></b>

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 09/2009 vom 30.09.2009
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