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Rückversicherer - die Großen der Branche tun sich schwer

VERSICHERUNGEN | GENIOS BranchenWissen Nr. 05 vom 30.05.2017


Umfeld für Rückversicherer bleibt schwierig

Die Rückversicherer befinden sich seit Jahren in einem schwierigen Umfeld. Oft ist von einem "weichen Markt" die Rede, auf dem Überkapazitäten für stetig fallende Preise sorgen. Ein Grund dafür ist das starke Überangebot an Rückversicherungsschutz. Viele Erstversicherer sitzen auf dicken Kapitalpolstern und gehen inzwischen selbst lieber ein größeres Risiko ein, als sich abzusichern. Zudem sind seit Jahren immer mehr Pensions- und Hedgefonds im Markt vertreten und bieten ihrerseits Rückversicherungen an. Auch setzen die Zentralbanken mit ihren Niedrigzinspolitik der Rückversicherungsbranche zu. Unter dem Strich wirtschaftet die Branche aber noch rentabel. (1), (4)


Große Rückversicherer suchen neue Geschäftsfelder

Der globale Rückversicherungsmarkt wird von der Munich Re, Swiss Re und der Hannover Rück dominiert. Darüber hinaus gibt es einige kleinere Rückversicherer wie die Deutsche Rück sowie einige Erstversicherer, die Rückversicherungsgeschäft betreiben, etwa die Allianz oder die R+V. Während kleinere Versicherer in der Rückversicherung weiter wachsen wollen, tun sich die großen Versicherer schwer. Marktführer Munich Re etwa musste 2016 den vierten Gewinnrückgang in Folge hinnehmen. Entsprechend müssen neue Geschäftsfelder her, in die Branchenneulinge nicht so leicht hineinstoßen können. Dies könnten Cyberversicherungen und Schutzpolicen für große Firmen sein. Zudem setzten die großen Rückversicherer verstärkt auf maßgeschneiderte Lösungen statt auf Massengeschäft. (4)



Trends

Die Rückversicherer haben den Preisrutsch bei der Neuverhandlung der Verträge zum Jahreswechsel nicht stoppen können. Nur im kapitalintensiven US-Geschäft stabilisierten sich die Preise in der Erneuerungsrunde zum 1. Januar etwas. Dies geht aus einer Studie der Beratungs- und Maklerfirma Willis Re hervor. Im internationalen Geschäft gab es demnach erneut beträchtliche Preisrückgänge. Der Markt ist dabei noch unübersichtlicher geworden, die Preistrends unterscheiden sich nach Land, Sparte und Kunde teilweise erheblich. 2017 wird für die Rückversicherer erneut ein herausforderndes Jahr, in dem die Ergebnisse noch mehr als bisher "vom Glück" abhängen. (1)

Den Rückversicherern erwächst immer mehr Konkurrenz von Finanzinvestoren und Emittenten von Katastrophenanleihen, die auf der Suche nach Rendite den Markt mit Kapital überfluten. Nach Daten des Rückversicherungsbrokers JLT Re steht derzeit für die Rückversicherung mit 320 Milliarden Dollar so viel Kapital wie nie zur Verfügung. JLT Re hatte den Preisrückgang im Katastrophen- und Sachversicherungsgeschäft in der jüngsten Erneuerungsrunde auf 5,7 Prozent beziffert. (1)

Die großen Rückversicherer könnten künftig von drei Megatrends profitieren: der demografischen Entwicklung, dem Aufstieg der Schwellenländer und dem durch die Digitalisierung getriebenen Wandel in der Versicherungsbranche. Dadurch erwachsen interessante Geschäftsmöglichkeiten, etwa in der Lebensrückversicherung oder bei Financial-Solutions-Angeboten für Erstversicherer. Dies schreibt die Berenberg Bank in einer Studie. Besonders für Hannover Rück und Scor erwarten die Banker im Bereich Lebensrückversicherung hohe Gewinnwachstumsraten. (2)



Fallbeispiele

Bei dem weltgrößten Rückversicherer Munich Re sind die Prämieneinnahmen 2016 um drei Prozent auf 48,9 Milliarden Euro gefallen. Auf die Rückversicherung entfielen davon 27,8 Milliarden Euro, ein Minus von 1,5 Prozent. Der Überschuss sank um 16,2 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Grund für diesen Einbruch waren vor allem die gestiegenen Belastungen aus Großschäden. Das Ergebnis der Kernsparte Rückversicherung fiel daher auf um 25 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Derweil schrumpften die Bruttobeiträge aufgrund von reduzierten großvolumigen Verträgen in China sowie infolge des Verkaufs der Ergo-Aktivitäten in Italien. Bei der Erstversicherungstochter Ergo ist der Umbau in vollem Gange, was auch auf den Gewinn drückt. Das Zinstief und der Preisdruck belasteten ebenfalls. Das Kapitalanlageergebnis stieg dagegen leicht auf 7,6 Milliarden Euro. (3), (4), [Abb. 1]

Bei dem weltweit drittgrößten Rückversicherer Hannover Rück sind 2016 die Bruttoprämieneinnahmen um 4,2 Prozent auf gut 16,4 Milliarden Euro gesunken. Der Konzerngewinn nahm um 1,7 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro zu. Dies war das fünfte Jahr in Folge mit einem Rekordergebnis. Grund für den Gewinnanstieg war die erneut unter dem Budgetwert von 825 Millionen Euro liegenden Großschadenbelastung. Größter Einzelschaden für die Hannover Rück waren die Waldbrände im kanadischen Bundesstaat Alberta mit knapp 128 Millionen Euro. Für 2017 plant die Hannover Rück mit dem dritten Milliardengewinn in Folge, trotz der hohen Schäden, die der Wirbelsturm Debbie im ersten Quartal in Australien und Neuseeland angerichtet hat. (5), (6), [Abb. 1]

Swiss Re, der zweitgrößte Rückversicherer der Welt, hat 2016 seine Prämieneinnahmen um zehn Prozent auf 33 Milliarden Dollar gesteigert. Der Gewinn nach Steuern sank um 23 Prozent auf 3,56 Milliarden Dollar. Zwar trugen alle Geschäftssegmente zu dem Prämienanstieg bei, einen Zuwachs des Gewinnbeitrags wies aber nur der jüngste, noch in der Entwicklungsphase befindliche Bereich Life Capital auf. In der Lebens- und Kranken-Rückversicherung wie auch in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung sanken dagegen die Gewinne. Und die aufstrebende Sparte "Corporate Solutions", in der das Erstversicherungsgeschäft mit Unternehmen abgebildet wird, musste sogar einen herben Rückschlag hinnehmen. In zwei der vier Quartale schrieb Corporate Solutions Verluste, im Gesamtjahr ist der Gewinn um 73 Prozent auf 135 Millionen Dollar eingebrochen. Swiss Re sieht in dem direkten Geschäft mit großen Unternehmenskunden "langfristig ein attraktives Wachstumsfeld". (7)

Rückversicherungsgeschäft betreiben neben den drei Marktführern auch einige Erstversicherer und kleinere Gesellschaften. Bei der R+V-Versicherung etwa sind die Bruttobeitragseinnahmen in der Rückversicherungssparte 2016 um 15 Prozent auf 1,77 Milliarden Euro gestiegen. Dagegen legten die gesamten Bruttobeiträge des genossenschaftlichen Versicherers nur um 1,5 Prozent auf 14,77 Milliarden Euro zu. Neben der betrieblichen Altersvorsorge und der Pflegeversicherung sieht die R+V in der aktiven Rückversicherung eines ihrer Wachstumsfelder. Die Genossen verstehen sich als "ein bedeutender Rückversicherer für kleinere und mittlere Versicherer weltweit." (8)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Jahresvergleich der großen deutschen Rückversicherer
in Millionen EuroMunich ReHannover Rück
Bruttobeiträge48.90016.354
Kapitalanlageergebnis7.6001.550
Operatives Ergebnis4.0001.689
Konzernergebnis2.6001.171
Schaden-Kosten-Quote (%)k.A.93,7
Eigenkapitalrendite (%)8,113,7

Quelle: Unternehmen Entnommen aus: Börsen-Zeitung vom 08.02.2017, Nr. 27, S. 3 (3); Börsen-Zeitung vom 10.03.2017, Nr. 49, S. 4 (5)

Weiterführende Literatur:

(1.) Rückversicherer - Der Preisdruck lässt kaum nach
aus Handelsblatt online vom 03.01.2017

(2.) Lebenszeichen von Rückversicherern - Berenberg Bank rät zu Hannover Rück und Munich Re - Scor aus Bewertungsgründen nur Hold
aus Börsen-Zeitung vom 01.04.2017, Nr. 65, S. 18

(3.) Munich Re zeigt sich spendabel - Trotz eines Gewinneinbruchs schüttet der größte Rückversicherer der Welt mehr an seine Aktionäre aus
aus Börsen-Zeitung vom 08.02.2017, Nr. 27, S. 3

(4.) MUNICH RE - Der weltgrößte Rückversicherer plant auch für 2017 mit weniger Gewinn. Es wäre der vierte Rückgang in Folge.
aus Handelsblatt Live vom 15.03.2017 um 09:00:00

(5.) Hannover Rück stockt die Dividende weiter auf - Talanx-Tochter bleibt aber hinter Erwartungen zurück - Gewinnziel bestätigt - Aktie fällt
aus Börsen-Zeitung vom 10.03.2017, Nr. 49, S. 4

(6.) Hannover Rück sieht Milliardengewinn voraus
aus Handelsblatt online vom 10.05.2017

(7.) Swiss Re: Prämieneinnahmen legen zu - Gewinn geht insgesamt zurück
aus Versicherungswirtschaft, 01.04.2017, 72. Jg., Nr. 04, S. 40

(8.) R+V forciert starkes Wachstum - Bis zum 100-jährigen Firmenjubiläum 2022 sollen die Beitragseinnahmen auf 20 Mrd. Euro zulegen
aus Börsen-Zeitung vom 26.04.2017, Nr. 80, S. 2

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 05 vom 30.05.2017
Dokument-ID: s_ver_20170530

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