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Private Krankenversicherer - die Branche sieht sich wieder im Aufwind

VERSICHERUNGEN | GENIOS BranchenWissen Nr. 04 vom 28.04.2017


Trendwende bei den Vollversicherten

Die Beitragseinnahmen in der privaten Krankenversicherung (PKV) sind 2016 um 1,1 Prozent auf 37,2 Milliarden Euro gestiegen. Die Zahl der Vollversicherten verringerte sich um 17 300 auf 8,77 Millionen. Damit setzte sich auch 2016 der jahrelange Rückgang bei den Vollversicherten fort. Erstmals seit 2012 gab es in der zweiten Jahreshälfte aber einen positiven Saldo bei den Neuzugängen. Die Branche sieht sich deswegen wieder im Aufwind. In der Zusatzversicherung ist die Zahl der Verträge um 1,3 Prozent auf 25,1 Millionen gestiegen. Hier hält der Trend zu privater Vorsorge an, um den Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung aufzustocken. Die Gesamtzahl der Voll- und Zusatzversicherungen legte auf 33,87 Millionen zu. (1), [Abb. 1]


Bürgerversicherung könnte Wahlkampfthema werden

Heftige Preissprünge und kaum Möglichkeiten zu wechseln: Die PKV gilt bei vielen Verbrauchern als eine Einbahnstraße. Deswegen sind Reformen nötig. Das Thema Bürgerversicherung könnte deswegen im kommenden Bundestagswahlkampf eine zentrale Rolle spielen. Dabei handelt es sich um eine einheitliche Krankenversicherung, in die auch Beamte und Selbständige einzahlen müssen. Teile der SPD und die Grünen favorisieren eine solche Lösung. Der Berliner Senat hat nun einen Antrag in den Bundesrat eingebracht, der den Weg in die Kranken-Bürgerversicherung vorbereiten soll. Die PKV-Branche hingegen setzt sich seit Jahren für eine gesetzliche Regelung ein, die eine stetigere Beitragsentwicklung brächte. (5), (8), (9)



Trends

Privat Krankenversicherte müssen 2017 deutlich mehr zahlen. Das zeigt eine Auswertung des Branchendienstes Map-Report. Danach steigen die Beiträge für Angestellte im Schnitt um 6,6, für Rentner um 5,7 und für Beamte um 5,6 Prozent. In manchen Fällen müssen Privatpatienten noch mit deutlich höheren Steigerungen rechnen. So schießen einzelne Tarife der Axa und ein Tarif der Huk-Coburg um rund 40 Prozent in die Höhe. Die zum Ergo-Konzern gehörende DKV wollte Berichte aus Online-Portalen, nach denen einzelne Tarife um bis zu 30 Prozent steigen, nicht bestätigen. Bei der Signal-Iduna gibt es Erhöhungen von bis zu 21 Prozent. Grund für die starken Steigerungen sind die Kalkulationsvorschriften. Je nach Tarif dürfen Gesellschaften erhöhen, wenn die Kosten für Heilbehandlungen und Ärzte die Schwelle von fünf oder zehn Prozent überschritten haben. Hinzu kommt vielfach noch eine Absenkung des Sparzinses für die Altersrückstellungen. Eine Absenkung um 0,1 Prozent bedeutet für die Kunden eine Beitragssteigerung von einem ganzen Prozent. (2)

Für jeden Euro, den die Private Krankenversicherung (PKV) hierzulande in Gesundheitsausgaben steckt, werden weitere 1,07 Euro an Wertschöpfung ausgelöst. Zu diesem Schluss kommt eine Studie im Auftrag der PKV. In anderen Wirtschaftsbereichen falle dieser Multiplikator niedriger aus. Der Kauf von Nahrungsmitteln und Getränken im Wert von einem Euro etwa gehe mit 67 Cent gesamtwirtschaftlicher Wertschöpfung einher, beim Autokauf seien es 63 Cent. Grund für den hohen Faktor im Fall von Gesundheitsausgaben der PKV ist die Tatsache, dass es anders als in der Industrie keine Vorleistungsgüter gibt, die im Ausland hergestellt wurden. Insgesamt beziffert die Studie die Bruttowertschöpfung, die durch Versicherungsleistungen der PKV direkt und indirekt ausgelöst wird, auf knapp 29 Milliarden Euro. Zudem finanziere die PKV direkt und indirekt fast 590 000 Erwerbstätige. (8)



Fallbeispiele

Die Debeka, größter privater Krankenversicherer in Deutschland, hat 2016 ihre Einnahmen in der Krankenversicherung um 1,3 Prozent auf 5,47 Milliarden Euro gesteigert. In der Sparte haben die Koblenzer einen Marktanteil von 14,7 Prozent. Die gesamten Einnahmen bezifferten sich auf 12,97 Milliarden Euro, ein Plus von 0,3 Prozent. Die Debeka-Gruppe sprach von "stabilen Einnahmen" trotz eines schwierigen Umfelds. In der Lebensversicherung sanken die Beitragseinnahmen um 3,8 Prozent auf 3,41 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme erhöhte sich um 4,4 Prozent auf rund 90 Milliarden Euro. Es wurden 663 000 neue Verträge gezählt, 3,3 Prozent mehr als im Jahr davor. Im Sommer 2016 hat die Debeka als Reaktion auf die geänderten Rahmenbedingungen - etwa die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) - neue Angebote in den Sparten Lebens-, Unfall- und Kfz-Versicherung auf den Markt gebracht. (6), (7)

Für die "Alte Oldenburger Beteiligungsgesellschaft mit den Standbeinen Alte Oldenburger Krankenversicherung AG und der "Provinzial Krankenversicherung Hannover AG/VHG ist das Jahr 2016 durchweg positiv verlaufen. So konnte die Gruppe, deren Kerngeschäft die privaten Krankenvollversicherungen sind, ihre Kapitalanlagen um 11,7 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro steigern. Der Nettozins fiel dabei auf 3,3 von zuvor 3,7 Prozent. Die Bruttobeiträge kletterten um 3,8 Prozent auf rund 290 Millionen Euro. Davon fielen 222 Millionen Euro der Alte Oldenburger zu, 67 Millionen der Provinzial Krankenversicherung AG/VGH. Die Bruttoaufwendungen stiegen um 3,4 Prozent auf 153 Millionen Euro. Der Kundenbestand erhöhte sich um 0,7 Prozent auf fast 327 000 Versicherte. (4)

Die Debeka hat im Jahr 2015 nach verdienten Bruttobeiträgen die größten Zuwächse (absolut) erzielt, die Mecklenburgische konnte dagegen prozentual am Stärksten zulegen. Den größten Rückgang gab es bei der DKV (absolut) und bei der Mannheimer (prozentual). Dies geht aus dem Branchendienst Map-Report hervor. In der Rangliste nach verdienten Bruttobeiträgen blieb die Top Sechs im Vergleich zum Vorjahr unverändert. An der Spitze liegt die Debeka vor der DKV, der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG, der Axa, der Signal Krankenversicherung und der Central. Die Barmenia schob sich wegen eines deutlich stärkeren Wachstums an der Bayerischen Beamtenkrankenkasse AG vorbei auf den siebten Rang. (3)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Zahl der Vollversicherten in der PKV
JahrVollversicherte in Millionen
20048,26
20058,37
20098,81
20118,98
20138,89
20148,83
20158,79
20168,77

Quelle: Verband der PKV Entnommen aus: DIE WELT, 21.04.2017, Nr. 93, S. 13 (5)

Weiterführende Literatur:

(1.) PKV-Branche setzt weiter auf Trendwende
aus Ärzte Zeitung Nr. 18 vom 27.01.2017, Seite 13

(2.) Private Krankenversicherung teurer
aus Rheinische Post Nr. 55 - Düsseldorf-Mitte/West, 06.03.2017, S. 6

(3.) Die größten privaten Krankenversicherer
aus VersicherungsJournal.de, Ausgabe vom 08.11.2016:

(4.) Alte Oldenburger setzt auf private Zusatzversicherungen - Jahresbilanz Krankenversicherer aus Vechta 2016 auf Wachstumskurs - Kundenbestand gestiegen
aus Nordwest-Zeitung Ausgabe Oldenburger Nachrichten vom 31.03.2017 Seite 23

(5.) Letzte Hilfe für die Private Krankenversicherung - Heftige Preissprünge und kaum Möglichkeiten zu wechseln: Die PKV gilt bei vielen Verbrauchern als fatale Einbahnstraße. Welche Reformen nötig sind
aus DIE WELT, 21.04.2017, Nr. 93, S. 13

(6.) Koblenzer Debeka ist im Umbruch - Bilanz Neue Tarife für die Altersvorsorge sind am Kapitalmarkt orientiert - Vorstandschef warnt vor Bürgerversicherung
aus Rhein-Zeitung vom 03.03.2017, Seite 7

(7.) Koblenzer Debeka-Gruppe hält Einnahmen stabil - 0,3 Prozent Plus trotz schwierigen Umfelds
aus Börsen-Zeitung vom 03.03.2017, Nr. 44, S. 4

(8.) PKV: Wertverluste durch Bürgerversicherung
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2017, Nr. 63, S. 20

(9.) Berlin will Einstieg in die Kranken-Bürgerversicherung
aus VersicherungsJournal.de, Ausgabe vom 18.04.2017:

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 04 vom 28.04.2017
Dokument-ID: s_ver_20170428

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