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Private Geschäftsbanken - Nachholbedarf auch bei der Nachhaltigkeit

BANKEN | GENIOS BranchenWissen Nr. 02 vom 28.02.2020


Geringe Profitabilität und hohe Umbaukosten

Die Geschäftsbanken in Deutschland und Europa leiden weiterhin unter zu geringer Profitabilität. Bei den verbliebenen privaten Großbanken - Deutsche Bank und Commerzbank - kommt hinzu, dass sie viel Geld in den Umbau ihrer Organisationen stecken müssen. So hat die Deutsche Bank eine Radikalkur angekündigt und will bis 2022 18 000 Stellen streichen. Übrigbleiben würden damit 74 000 Mitarbeiter. Zudem wird das frühere Profit-Center Investmentbanking stark zurückgefahren. Insgesamt hat Deutschlands frühere Vorzeigebank 7,4 Milliarden Euro für den Umbau eingeplant.

Die Commerzbank ist ebenfalls dabei, ihr Geschäft tiefgreifend umzubauen. Hierfür sollen 4 300 Vollzeitstellen wegfallen. Zudem ist geplant, 200 der bisher noch 1 000 Filialen zu schließen. Bei der Commerzbank werden für den radikalen Schnitt 1,6 Milliarden Euro an Kosten veranschlagt.

Die hohen Investitionen in die Verschlankung schlagen sich deutlich auf die Jahresbilanzen nieder. So hat die Deutsche Bank 2019 einen Jahresverlust von 5,7 Milliarden Euro erlitten. 2019 war damit das fünfte Jahr in Folge, für das die Deutsche Bank rote Zahlen präsentieren muss.

Die Commerzbank hat im vergangenen Jahr einen im Vergleich mit dem Vorjahr stabilen Vorsteuergewinn von 1,26 Milliarden Euro erreicht. Der Gewinn nach Steuern und Abgaben sank jedoch von 862 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 644 Millionen Euro. (1), (2)


130 Banken wollen grüner werden

Neben der allgegenwärtigen Digitalisierung ist es derzeit der Klimawandel, der die Banken auf dem gesamten Globus unter Handlungsdruck setzt. Die Banken spüren die Anforderungen der Öffentlichkeit immer stärker und versuchen, dem gerecht zu werden. So haben im September des vergangenen Jahres 130 Banken aus allen Ländern im Umfeld des UN-Klimagipfels eine gemeinsame Verpflichtung zu mehr Nachhaltigkeit und Verantwortung unterschrieben. Aus Deutschland beteiligten sich die Deutsche Bank, die Commerzbank, GLS Bank und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an der Übereinkunft. Prominente Unterzeichner aus anderen Ländern sind u. a. Barclays, BNP Paribas, Citi, ICBC, ING und Santander.

Die Verpflichtung ist freiwillig und dennoch umfassend. Die 130 Banken wollen Nachhaltigkeit nun in allen Geschäftsbereichen verankern und ihre Geschäftsziele mit denen des Pariser Klimaabkommens zur Deckung zu bringen. Angeblich müssen Institute, die sich zu den Nachhaltigkeitsprinzipien bekennen, nun Nachhaltigkeitsziele konkret benennen und ihre Anstrengungen öffentlich machen. Trotzdem ist die Gefahr vermutlich groß, dass es sich bei der Übereinkunft lediglich um Lippenbekenntnisse handelt. Klimaaktivisten kritisieren die Initiative daher bereits als Greenwashing - also als eine Kampagne, die lediglich PR-Zielen dient. (3)


Deutsche Großbanken tun sich schwer mit der Nachhaltigkeit

Gleichwohl kommt auch die Finanzbranche spätestens seit Greta Thunberg nicht mehr daran vorbei, ihrer Verantwortung für Klima, Umwelt und das soziale Miteinander stärker gerecht zu werden. Sustainable (= nachhaltiges) und responsible (verantwortungsbewusstes) Banking sind zwar schon bekannte Begriffe und drücken sich beispielsweise dadurch aus, dass nachhaltige Anlageformen entwickelt werden. Besonderen Einfluss auf eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung haben Banken jedoch durch ihre Funktion als Kreditgeber für Firmen. Experten fordern schon lange, Kredite an umweltschädigende Unternehmen oder an andere nicht-nachhaltige Firmen zu verteuern oder gar nicht zu vergeben - was den Renditeinteressen der Banken allerdings oft zuwiderläuft und darum in der Finanzierungspraxis nur unzureichend berücksichtigt wird.

Der Druck zum Nachhaltigkeits-Banking kommt aber nicht nur von der Straße. Im vergangenen Jahr hat sich auch die Bundesregierung das Thema vorgenommen und einen Sustainable-Finance-Beirat ins Leben gerufen. Das 38-köpfige Expertenteam aus Finanzwissenschaftlern, Professoren und Vertretern der Zivilgesellschaft soll Strategien für nachhaltiges Bankgeschäft erarbeiten.

In der Tat tun die Banken für den Erhalt von Klima und Umwelt nur wenig. Laut einer aktuellen Studie sind die Nachhaltigkeitsanstrengungen der Banken zudem sehr ungleichmäßig ausgebildet. Die besten Bewertungen in dieser Disziplin gingen nicht an die vier Banken, die die oben genannte gemeinsame Verpflichtungserklärung unterschrieben haben. Angeführt wird das Sustainability-Ranking der deutschen Geldhäuser von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der Aareal Bank und der Deutschen Pfandbriefbank. Die Landesbank Baden-Württemberg landet auf Platz sieben und gehört damit auch noch zu den führenden Instituten. Die Commerzbank rangiert auf Platz 17, während GLS Bank und Deutsche Bank in der Aufstellung der 25 nachhaltigsten Banken gar nicht auftauchen.

Auch in der Öffentlichkeit haben es die großen deutschen Geschäftsbanken bisher noch schwer, als verantwortungsbewusste und auf Nachhaltigkeit abzielende Unternehmen wahrgenommen zu werden. Das beste Image haben hier die beiden anderen Säulen des deutschen Kreditwesens, die Sparkassen und die Volksbanken. Auf den nächsten Plätzen folgen die NRW-Bank und die KfW.

Sowohl hinsichtlich ihrer praktischen Bemühungen um Nachhaltigkeit als auch in der öffentlichen Wahrnehmung tun sich die deutschen Geschäftsbanken also immer noch schwer damit, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Das schlechte Umwelt-Image ist dabei auch eine Folge des allgemeinen Vertrauensverlustes, den die Geschäftsbanken seit Jahren erleiden. Allerdings ist es kein Wunder, dass die Menschen der Deutschen Bank, die seit Jahren in internationalen Prozessen auf der Anklagebank sitzt, auch dann nicht glauben, wenn sie plötzlich versucht, ein grünes Image aufzubauen.

Wichtiger als das Ansehen ist jedoch die konkrete Geschäftspolitik. Die Selbstverpflichtung des UN-Gipfels verlangt die Benennung konkreter Maßnahmen und regelmäßige Berichte über die eigenen Fortschritte auf dem Weg hin zu Sustainable Finance. Damit haben es die Banken selbst in der Hand, insbesondere bei der Kreditvergabe auf Nachhaltigkeit zu achten und irgendwann ihrer Verantwortung so gerecht zu werden, dass ihnen auch die Öffentlichkeit glaubt. (6), (7)





Fallbeispiele


BaFin macht Druck

Nicht nur die Bundesregierung will das Thema Green Finance vorantreiben, auch die Aufsichtsbehörden schalten sich derzeit ein. So hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kürzlich ein Merkblatt veröffentlicht, das die Banken dazu auffordert, ihren Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken stärker auf die Agenda zu setzen. Experten glauben, dass die BaFin damit ihre Kontrollkompetenzen erweitert und zukünftig auch prüfen wird, ob die Kreditbranche ihrer Verantwortung für Ökologie, Klima und soziales Miteinander nachkommt. Die Initiative setzt die Banken noch mehr unter Druck, nachhaltiger zu agieren als bisher. Immobilienspezialisten sehen daher voraus, dass grüne Finanzierung nun stark zunehmen werden. (4), (9), (10)


Blackrock stellt grüne Bedingungen

Auch die weltweit größte Vermögensverwaltung Blackrock ist derzeit um ein grüneres Image bemüht. Blackrock-Chef Larry Fink hat kürzlich in einem Brief an die Vorstände deutscher Konzerne dazu aufgerufen, die Geschäftsmodelle stärker in Richtung Nachhaltigkeit zu modifizieren. Verbunden ist die Aufforderung sogar mit einer Drohung: Fink kündigte an, dass Klimakiller-Unternehmen langfristig von Investorenseite kein Geld mehr bekommen. Erste Maßnahmen seien bereits in der Planung. So will Blackrock beispielsweise die Aktien von Kohleproduzenten abstoßen. Kritiker sehen im neuen Kurs von Blackrock allerdings weniger ein neues Bewusstsein für den Erhalt der Erde als vielmehr eine Folge der Angst davor, dass sich die Klimadebatte irgendwann auch auf das eigene Geschäft negativ auswirken könnte. (5)



Zahlen & Fakten


26 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland wollen in diesem Jahr für ihre Klimaschutzmaßnahmen eine externe Finanzierung in Anspruch nehmen. Das Thema Nachhaltigkeit steht bei den zu finanzierenden Maßnahmen noch vor den geplanten Ausgaben für Forschung, Entwicklung und Übernahmen.

67 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihre Hausbank nicht mehr nur Daten zur betriebswirtschaftlichen Lage sehen, sondern über Aktivitäten für Klimaschutz und Nachhaltigkeit informiert werden will. Der bestehende Vorwurf, dass Banken bei der Firmenfinanzierung zu wenig auf Nachhaltigkeitsaspekte achten, erfährt zumindest nach dieser Studie eine kleine Korrektur. (8)



Weiterführende Literatur:

(1.) Deutsche Bank ist der kranke Mann Europas
aus Finanz und Wirtschaft vom 01.02.2020, Seite 10

(2.) Commerzbank schickt rund 1000 Banker in Frührente
aus manager-magazin.de vom 13.02.2020

(3.) UN-Klimagipfel / 130 Banken verpflichten sich zu nachhaltiger Ausrichtung
aus Handelsblatt online vom 22.09.2019

(4.) Grüne Kredite auf dem Vormarsch / Politik und Aufsicht sprechen sich gegen Kapitalerleichterung aus
aus Immobilien Zeitung Magazin Immobilienfinanzierung 2020 vom 30.01.2020 Seite 030

(5.) Geld für morgen
aus Der Tagesspiegel vom 16.01.2020, Seite 15

(6.) Warum Schmuddelkinder mehr als ein Stück Seife brauchen
aus Der Bank Blog vom 06.11.2019

(7.) Nachhaltigkeitsranking der 25 größten deutschen Banken
aus Der Bank Blog vom 18.12.2019

(8.)Klimaschutz und Nachhaltigkeit halten Einzug in die Unternehmensfinanzierung
aus AssCompact vom 04.02.2020, Seite 69

(9.) "Wir stehen in den Startlöchern"
aus Börsen-Zeitung vom 04.02.2020, Nr. 23, S. 2

(10.) Die EZB und ihr riskanter Ausflug ins Grüne
aus WirtschaftsWoche online 22.01.2020 um 17:06:18 Uhr

Andreas Menzen

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 02 vom 28.02.2020
Dokument-ID: s_ban_20200228

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