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Premiumhersteller - die Wachstumsjahre sind vorerst vorbei

AUTOMOBIL | GENIOS BranchenWissen Nr. 08 vom 31.08.2018


Deutsche Premiumhersteller dominieren den Weltmarkt

BMW, Audi und Daimler sind die führenden Anbieter von Premiumfahrzeugen. Ihr Weltmarktanteil betrug zuletzt rund 80 Prozent. Wachstumstreiber der hiesigen Premiumhersteller war in den vergangenen Jahren der chinesische Markt, für die Konzerne selbst ist er inzwischen der wichtigste Einzelmarkt. Um die führende Rolle im Premiumsegment hatten sich in den vergangenen Jahren Daimler und BMW ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Derzeit hat hier Daimler hier die Nase vorn. (9)


Branchenumfeld trübt sich ein

Allerdings ist das Umfeld für die Branche derzeit ungünstig. Hohe Vorleistungen für die Zukunftsfelder E-Mobilität und autonomes Fahren lasten auf den Margen. Bei BMW ist die Umsatzrendite im ersten Halbjahr 2018 auf 9,2 von zuvor 9,8 Prozent abgesackt, bei Mercedes auf 8,7 von zuvor 9,5 Prozent. Bei Audi verharrte sie bei 8,9 Prozent. Ferner droht ein möglicher Handelskonflikt mit den USA, der vorerst aber abgewendet scheint. Und nicht zuletzt sind die Premium-Hersteller in den Diesel-Skandal verstrickt. Für zusätzliche Kosten sorgt hier die Umstellung auf das neue Abgas- und Verbrauchsprüfverfahren WLTP. Negativer Höhepunkt war aber bislang die Festnahme von Audi-Vorstandschef Rupert Stadler Mitte Juni. (1), (4), (10)



Trends

Die deutschen Premium-Hersteller bauen ihr Engagement in China aus. Die Investitionen zielen vor allem auf die Zukunftsfelder der Automobilwirtschaft wie autonomes Fahren und Elektromobilität. So will BMW mit dem chinesischen Google-Konkurrenten Baidu Projekte für autonomes Fahren ausloten. Zudem haben die Münchner mit dem chinesischen Autobauer Great Wall ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um einen neuen Elektro-Mini zu bauen. Ferner verabredete Audi mit dem chinesischen Technologiekonzern Huawei eine Kooperation, um das automatisierte Fahren und die Vernetzung von Diensten rund ums Auto weiterzuentwickeln. Und Daimler hat kürzlich die Erlaubnis erhalten, autonom fahrende Autos künftig auf öffentlichen Straßen in Peking zu testen. Dabei arbeiten auch die Schwaben mit Baidu zusammen. (6), (7)

Eine Folge des Dieselskandals ist das neue Abgas- und Verbrauchsprüfverfahren WLTP. Jeder Neuwagen, der vom 1. September an verkauft wird, muss nach diesem Verfahren vermessen werden. Bei Daimler und Audi kam es in dieser Hinsicht zu erheblichen Verzögerungen. Die Rückstände verursachen erhebliche Kosten. Daimler gab deswegen zuletzt eine Gewinnwarnung ab. Bei BMW ist die Umstellung hingegen "weitgehend abgeschlossen". Lediglich bei drei Modellvarianten gibt es Nachholbedarf. (3), (10)

Die Drohung von US-Präsident Donald Trump, hohe Zölle auf importierte Autos zu erheben, würde auch die deutschen Hersteller in Mitleidenschaft ziehen. Insbesondere Audi wäre betroffen, während BMW und Daimler die Mehrkosten aufgrund ihrer US-Werke abfedern könnten. Inzwischen hat sich im Handelskonflikt der USA mit der Europäischen Union (EU) die Lage aber wieder etwas entspannt. (11)



Fallbeispiele

Bei BMW sind im ersten Halbjahr 2018 sowohl Umsatz als auch Gewinn geschrumpft. Die Erlöse gingen um vier Prozent auf 47,7 Milliarden Euro zurück, der Vorsteuergewinn um 3,3 Prozent auf gut sechs Milliarden Euro. Der Absatz nahm dagegen um zwei Prozent auf 1,24 Millionen Fahrzeuge zu, bei der Kernmarke BMW waren es ebenfalls zwei Prozent auf 1,06 Millionen Pkw. Grund für den Rückgang von Umsatz und Gewinn waren hohe Vorleistungen für Elektrofahrzeuge und fürs autonome Fahren. Hinzu kommen Belastungen von der Währungsseite infolge des starken Euro sowie Mehraufwendungen aufgrund gekletterter Rohstoffpreise. Allerdings will BMW weiter sein Jahresergebnisziel erreichen. Dafür soll in der zweiten Jahreshälfte der Absatz neuer, renditestarker Modelle sorgen. (2), [Abb. 1]

Bei Daimler ist der Umsatz im ersten Halbjahr 2018 um 0,8 Prozent auf 80,5 Milliarden Euro gestiegen. Das Konzernergebnis schrumpfte dagegen um knapp 20 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Der Absatz legte bei der Kernmarke Mercedes Benz zwar um 3,9 Prozent auf 1,19 Millionen Autos zu, beim Umsatz gab es hingegen ein Minus von 1,1 Prozent auf 45,6 Milliarden Euro. Daimler hat ein schwieriges zweites Quartal hinter sich, in dem das operative Ergebnis wegen zahlreicher Sondereffekte deutlich stärker gesunken ist als erwartet. Inzwischen hat Daimler die Jahresprognose gesenkt und die chinesischen Zölle auf Autos aus den USA und die Kosten durch die Umstellung auf den neuen Prüf- und Zertifizierungszyklus WLTP als Gründe angegeben. Weitere Kostentreiber waren der Rückruf von Diesel-Fahrzeugen, negative Wechselkurseffekte und höhere Rohstoffpreise. Darüber hinaus haben Vorstand und Aufsichtsrat den Umbau des Konzerns in drei rechtlich selbständige Aktiengesellschaften unter dem Dach einer gemeinsamen Holding beschlossen. (3), (5), [Abb. 2]

Bei Audi sind 2018 die Halbjahreszahlen besser ausgefallen als erwartet. Der Absatz stieg um 4,5 Prozent auf fast 950 000 Fahrzeuge, der Umsatz um 3,9 Prozent auf 31,2 Milliarden Euro und der Gewinn um drei Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite verharrte bei 8,9 Prozent. Der Audi-Vorstand hält an seiner Jahresprognose fest, wonach die Auslieferungen das Niveau von 2017 (1,5 Millionen) erreichen und der Vorjahresumsatz von 60,1 Milliarden Euro leicht übertroffen werden soll. Auch bei Audi steht im zweiten Halbjahr eine Modell-Offensive an. (1), (8)

Audi wurde von der Dieselaffäre besonders stark getroffen. Negativer Höhepunkt war die Festnahme von Vorstandschef Rupert Stadler Mitte Juni. Seither sitzt Rupert Stadler in der Justizvollzugsanstalt Augsburg in Untersuchungshaft. Die Justiz wirft Stadler eine Mitschuld im VW-Abgasskandal vor, der in weiten Teilen auch einer von Audi ist. Vertriebsvorstand Bram Schot ist als Übergangskandidat auf den Posten des Vorstandschefs gerückt. (4)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: BMW - Konzernzahlen im 1. Halbjahr nach IFRS
in Mill. Euro20182017
Absatz (Mill. Stück)1,2431,221
Umsatz47.71749.691
- Autosparte41.51842.166
Ebit5.4795.753
- Autosparte3.8004.121
Finanzergebnis559485
Vorsteuerergebnis6.0386.238
Nettoergebnis4.3834.491
Freier Cash flow*1.9442.035

* Autosparte Quelle: Unternehmen Entnommen aus: Börsen-Zeitung vom 03.08.2018, Nr. 147, S. 9 (2)
Abbildung 2: Daimler - Konzernzahlen im 1. Halbjahr nach IFRS
in Mill. Euro20182017
Umsatz80.50079.800
- Cars45.60046.100
Ebit6.0007.500
- Cars4.0004.400
Ergebnis vor Steuern5.8007.300
Konzernergebnis4.2005.200
Freier Cash flow1.8003.000

Quelle: Unternehmen Entnommen aus: Börsen-Zeitung vom 27.07.2018, Nr. 142, S. 9 (3)

Weiterführende Literatur:

(1.) Audi liegt bei Rendite vorn - Trotz des Führungschaos überholt der Autobauer erstmals wieder den Rivalen Mercedes bei der Gewinnspanne.
aus Handelsblatt Nr. 149 vom 06.08.2018 Seite 021

(2.) Hohe Vorleistungen drücken BMW - Nach Gewinnrückgang will Konzern im zweiten Halbjahr mit neuen renditestarken Automodellen aufholen
aus Börsen-Zeitung vom 03.08.2018, Nr. 147, S. 9

(3.) Quartalsgewinn von Daimler bricht ein - Sonderfaktoren belasten Umsatz und Ergebnis - Absatzziel in Pkw-Sparte nach unten korrigiert
aus Börsen-Zeitung vom 27.07.2018, Nr. 142, S. 9

(4.) Audi-Chef Stadler bleibt im Gefängnis
aus Münchner Merkur Ausgabe Münchner Zeitung vom 14.08.2018 Seite 7

(5.) Daimler baut sich um
aus Süddeutsche Zeitung, 27.07.2018, Ausgabe München, Bayern, Deutschland, S. 15

(6.) Auto-Bündnis mit Fernost - BMW, VW, Audi und Daimler kooperieren mit chinesischen Konzernen Peking verspricht Datenaustausch
aus Schwäbische Zeitung Leutkirch vom 11.07.2018 Seite 8

(7.) BMW plant strategisches Bündnis mit Baidu
aus Handelsblatt Nr. 131 vom 11.07.2018 Seite 018

(8.) Audi: Es geht auch ohne den Chef - Ingolstädter Autohersteller legt bei Absatz, Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr zu
aus Landshuter Zeitung vom 04.08.2018 Seite 7

(9.) Nachfrage nach deutschen Oberklasse-Autos wächst weiter
aus Berliner Zeitung vom 21.07.2018 Seite AB20

(10.) Umstellung auf WLTP - Deutsche Premiumautos werden als Schluckspechte entlarvt
aus WirtschaftsWoche online 13.06.2018 um 18:22:00 Uhr

(11.) US-Autozölle - Autobauern droht spürbare Belastung - Von den deutschen Herstellern ist Audi am stärksten betroffen - BMW und Daimler können Zusatzkosten mit Werken vor Ort abfedern
aus Börsen-Zeitung vom 25.05.2018, Nr. 98, S. 13

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 08 vom 31.08.2018
Dokument-ID: s_aut_20180831

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