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Pelze - Der Markt wächst trotz eines schwierigen Umfeldes

TEXTIL | GENIOS BranchenWissen Nr. 09 vom 01.09.2014


Vor allem China trägt das weltweite Wachstum des Pelzmarktes

Laut einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft PwC Italy, die im Auftrag des Pelzverbandes International Fur Federation (IFF) durchgeführt wurde, belief sich 2012/13 der Gesamtumsatz des internationalen Pelzsektors auf rund 43 Milliarden US-Dollar. Mit Aufzucht und Produktion wurde ein Umsatz von 7,8 Milliarden US-Dollar generiert, der Handel mit Pelz und Pelzbekleidung erlöste rund 36 Milliarden US-Dollar. Laut Studie sind in der Industrie rund eine Million Menschen beschäftigt. China ist der weltweit größte Pelzproduzent. Für das Land meldete das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA für 2010 einen Bestand von 70 Millionen Tieren, darunter 30 Millionen Nerze, 25 Millionen Füchse und 15 Millionen Marderhunde. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. In Europa gelten Russland, Dänemark, Griechenland und Finnland traditionell als wichtige Pelzproduzenten. (1),(2)

Abweichende Zahlen hat die International Fur Trade Federation (IFTF) veröffentlicht. In der Saison 2011/12 erhöhte sich laut der Organisation der weltweite Umsatz mit Pelzprodukten auf 15,6 Milliarden US-Dollar. Damit ist der Pelzhandel seit 2001 um rund 70 Prozent gewachsen. Grund für das Plus ist laut IFTF unter anderem der stark wachsende Absatzmarkt in Asien. Dort wurden im entsprechenden Zeitraum mit 5,6 Milliarden US-Dollar 35 Prozent der globalen Pelzverkäufe getätigt. Damit haben sich die Verkäufe in der Region in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht. Wie bereits erwähnt, spielt vor allem China eine wichtige Rolle, hier wird ein Viertel der weltweiten Umsätze generiert. Aber auch in Europa ist Pelz gefragt. Der Kontinent ist mit 4,4 Milliarden US-Dollar und damit 28 Prozent der weltweiten Verkäufe ein bedeutender Markt für Pelzprodukte. Eurasien, dazu werden Russland, Türkei und Kasachstan gezählt, steht für 4,3 Milliarden Dollar oder 27,5 Prozent des Weltumsatzes. Die Umsätze in Nord- und Südamerika beliefen sich auf 1,2 Milliarden US-Dollar, dies entspricht sieben Prozent des Weltumsatzes.

Auch in Deutschland hat der Einsatz von Pelz im Luxussegment zugenommen. Nach zuletzt verfügbaren Zahlen des Deutschen Pelzinstituts betrug 2011 das Umsatzvolumen 1,065 Milliarden Euro, nach 1,029 Milliarden Euro im Jahr zuvor. (3), (4), (5), [Abb. 1]


Produzenten und Händler reagieren sensible auf Kritik an Pelzprodukten

Tierschutzorganisationen wie Peta, Animals Liberty oder Vier Pfoten tragen mit ihren Aktionen zu einer Emotionalisierung der Debatte um die Pelzindustrie bei. Sie veröffentlichen beispielsweise Bilder, die die Grausamkeit der Aufzucht und Tötung der Tiere zeigen, die als lebende Lieferanten für die Pelze dienen.

Sie gehen aggressiv gegen Produzenten oder Händler vor, die Pelze für ihre Kollektionen verwenden oder entsprechende Produkte verkaufen. Doch oft erweisen sich die Vorwürfe als falsch. So hatte Animals Liberty Tom Tailor vorgeworfen, Mützen mit Katzenfell zu verkaufen. Erst die Untersuchung im Labor brachte Entwarnung, allerdings nur teilweise. Demnach handelt es sich dabei nicht um das Fell einer Katze, sondern eines Marderhundes. Gegen geltendes Recht wurde laut Tom Tailor damit nicht verstoßen, da es sich beim Marderhund um eine Wildtierart handelt, die nicht unter das EU-Handelsverbot fällt. Die Tom Tailor Group schließt nach eigenen Angaben den Einsatz von Echtpelz aus. Sämtliche Materialien, und damit auch die eingesetzten Kunstfelle, würden in regelmäßigen Stichproben in Laboren untersucht. Ebenfalls am Pranger stand die Drogeriemarkt-Kette Müller. Auch hier behauptete Animals Liberty, dass an einer Wollmütze angebrachte Kunstfell stamme von einer Hauskatze. Letztlich handelte es sich um Kaninchenfell.

Die Vorfälle zeigen auch deutlich, dass die Unternehmen ihre Lieferketten nicht im Griff haben. Produzenten und deren Zulieferer werden nicht ausreichend kontrolliert. Zwar wird mit engmaschigen Verträgen versucht, die Wertschöpfung transparent zu gestalten. Doch labortechnische Auswertungen jeder einzelnen Lieferung, die ausschließen sollen, dass der Kunstpelz nicht doch Echtfell ist, übersteigen den zumutbaren Aufwand für Unternehmen. Eine Ausdehnung der stichprobenartigen Kontrollen ist dennoch offenbar nötig. Auch Tom Tailor will, nachdem es an die Öffentlichkeit gezerrt wurde, den Materialeinsatz innerhalb der Produktionskette künftig intensiver kontrollieren.

Wegen der hoch emotional geführten Debatte um die Grausamkeiten in der Pelzindustrie sind Marken gezwungen, sich beim Thema Pelz klar zu positionieren. Denn Tierschutz gewinnt als Teil der Nachhaltigkeit, die vielen Verbrauchern wichtig ist, an Bedeutung. Die Initiative Fur Free Retailer von Vier Pfoten etwa kennzeichnet Unternehmen, die sich zum Verzicht auf Pelz für Bekleidung oder sonstigen Produkten verpflichtet haben. Bisher haben sich international rund 300 Player angeschlossen, Tendenz steigend. Dazu gehören H&M, C&A, Asos, Tchibo, S.Oliver, Schöffel, Ernsting´s family, der spanische Modemulti Inditex und die Otto Group. Die Otto Group ist erst Anfang 2014 dem internationalen Fur-Free-Retailer-Programm beigetreten. Die Gruppe hat nach eigenen Angaben bereits seit Längerem keine Pelzartikel mehr im Sortiment. Die Tochter, die Otto-Einzelgesellschaft, hatte bereits 1991 alle Echtpelze aus dem Sortiment genommen und ist schon seit Januar 2013 Mitglied von Fur Free Retailer. Nun hat der gesamte Konzern nachgezogen. Sogar der Lebensmitteleinzelhandel kann sich dem Druck auf dem Pelzhandel nicht entziehen. Im Sommer 2014 ist auch Kaufland dem Fur-Free-Retailer-Programm beigetreten. Zwar verkauft das Unternehmen keine teuren Pelze. Doch mit dem Beitritt soll bereits im Vorfeld ausgeschlossen werden, dass möglicherweise Bekleidung mit teilweisem Pelzbesatz angeboten wird.

Die Arbeit der Tierschutzorganisationen hört nicht beim Tierfell auf. So verzichten viele Outdoor-Hersteller beispielsweise auf die Verwendung der Daunen von Tieren, die lebend gerupft werden oder aus Gänsestopfleberproduktionen stammen. Darunter sind unter anderem Schöffel und Mammut. Produzenten, die für Schöffel Daunenprodukte herstellen, beziehen diese nach Unternehmensangaben nur von zertifizierten Zulieferern. (1), (6), (7)


Fake Fur wird zur Alternative für Echtpelze

Da Pelz in weiten Teilen der Bevölkerung geächtet ist, suchen die Produzenten nach Alternativen. Ein Ersatz ist Fake Fur, für den kein Tier sterben muss. Die Kunst- oder Webpelze bestehen in der Regel aus Baumwolle, Polyester und Polyacryl-Fasern. Dennoch sieht er genauso stylisch aus wie Echtpelz und hält warm. Hinzu kommt, dass er nur einen Bruchteil des Naturproduktes kostet. Ein Bespiel ist das so genannte Kanecaron, dass von Kaneka Fibres produziert wird. Aus der modifizierten Acrylfaser können Nerz-, Biber- oder Fuchs-Imitatpelze gestrickt werden, die mit ihrer Feinheit, Dichtheit und ihrem Glanz täuschend echt aussehen und sich angenehm anfühlen. Mitsui ist der weltweit operierende Vertriebspartner, der auch in Deutschland das Produkt voranbringen will.

Die Modehersteller nutzen Fake Fur bereits vielfach für ihre Produkte. So hat das spanische Unternehmen Buff Urban zum ersten Mal ein Modell komplett aus Fake Fur vorgestellt. Bei Comma, einem Anbieter von Damenmode und Accessoires, gehörte im vergangenen Winter ein Fake-Fur-Kragen für 39 Euro zu den Topsellern. (8), (9)





Fallbeispiele


Parajumpers verarbeitet nur noch zertifizierte Pelze

Das italienische Jackenlabel Parajumpers setzt seit Ende 2013 ausschließlich auf zertifizierte Pelze aus nachhaltiger Herkunft. Der Modeanbieter aus dem Veneto verarbeitet seitdem lediglich zwei Arten von Pelzen, und zwar finnischen Finnracoon in der DOB und kanadischen Kojote für die HAKA-Linie.

Die Pelze stammen nach Angaben von Parajumpers von zertifizierten Farmen, die geltende EU-Vorschriften übertreffen und sich durch eine artgerechte Tierhaltung sowie transparente Produktion auszeichnen. Sie erfüllen auch strenge Umwelt- und Transportbedingungen. (10)


Oh! by Kopenhagen Fur wird auch in Deutschland vertrieben

Oh! by Kopenhagen Fur verwendet Pelz für ungewöhnliche Modekreationen. Das dänische Pelzhaus produziert Shirts mit Pelz-Applikationen, Jogginghosen mit Pelz-Galonstreifen oder ein Seiden-Sweat mit Swakara-Einsatz in der Schulter.

Der Schwerpunkt der rund 60-teiligen Kollektion liegt allerdings auf Accessoires wie kleinen Handytaschen in pinkfarbenem Nerz, pastellfarbenen Krägen oder Taschen mit kleinen applizierten Pelzblüten. Die Kollektion gibt es in Dänemark seit knapp zwei Jahren. In Deutschland wird die Linie neu über die Düsseldorfer Aco Modeagentur vertrieben. Ein Handschuh mit Swakara-Einsatz kostet im Laden um 350 Euro. (11)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Asien wächst am stärksten

Entnommen aus: textilwirtschaft.de vom 14.06.2013, (4), Homepage Pelzinstitut, (5)

Weiterführende Literatur:

(1.) Das Tier an Dir
aus TextilWirtschaft 08 vom 20.02.2014 Seite 020 bis 023

(2.) Milliarden mit Pelzen
aus TextilWirtschaft 15 vom 10.04.2014 Seite 043

(3.) Vier Pfoten nimmt Premium-Anbieter ins Visier
aus TextilWirtschaft 10 vom 07.03.2013 Seite 039

(4.) Pelz: Kräftiger Umsatzschub
aus www.textilwirtschaft.de vom 14.06.2013

(5.) Weltweiter Umsatz im Pelzhandel auf Rekordhöhe bei wachsender Nachfrage
aus www.textilwirtschaft.de vom 14.06.2013

(6.) Kaufland wird pelzfrei
aus www.textilwirtschaft.de vom 04.08.2014

(7.) Otto Group ist jetzt Fur Free Retailer
aus www.textilwirtschaft.de vom 27.03.2014

(8.) Auf Kuschelkurs
aus TextilWirtschaft 05 vom 30.01.2014 Seite 128

(9.) Faires Fell
aus TextilWirtschaft 39 vom 26.09.2013 Seite 073

(10.) Parajumpers setzt auf zertifizierte Pelze
aus www.textilwirtschaft.de vom 12.12.2013

(11.) Oh! by Kopenhagen Fur
aus TextilWirtschaft Labels to Watch 02 vom 24.07.2014 Seite 028

Markus Hofstetter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 09 vom 01.09.2014
Dokument-ID: s_tex_20140901

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