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Outdoor-Kleidung - Deutschland wandert und walkt, der Mittelstand profitiert

TEXTIL | GENIOS BranchenWissen Nr. 11/2007 vom 21.11.2007

Beitrag

Hardware und Software gibt es in der IT-Branche, in der Textil-Branche verkaufen sich Hardshells und Softshells. Das Geschäft mit Outdoor-Kleidung und Ausrüstung läuft sehr gut.



Optimismus in der Outdoor-Branche

Der Outdoor-Markt als Teilbereich des Sportmarktes konnte 2006 um gut 3 Prozent auf 1,66 Milliarden Euro zulegen. Die Branche ist optimistisch. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Reise- und Freizeitportals Yabadu unter Outdoor-Experten. Demzufolge glauben 69 Prozent der Outdoor-Händler, dass sich die wirtschaftliche Situation gegenüber 2006 verbessert hat. 76 Prozent erwarten eine weitere Verbesserung. 79 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit Umsatzzuwächsen. Mit 69 Prozent sieht es beim Gewinn ähnlich positiv aus. 55 Prozent wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr Mitarbeiter einstellen. (1)



Stöcke, Stiefel, Rucksack und Jacke vom Mittelständler

Bergwandern und Nordic Walking sind in - und für viele ohne das Klicken ihrer Stöcke heute undenkbar. Mittelständische Firmen sind in diesem Markt tonangebend.
So verkauft die schwäbische Firma Leki seit einiger Zeit mehr Leki-Produkte im Sommer als im Winter. Experten schätzen, dass derzeit weltweit etwa zwei Millionen Paar Wanderstöcke pro Jahr verkauft werden. Das sind doppelt so viele wie vor zehn Jahren.
Meindl, klassischer und traditionsreicher Anbieter für Wanderstiefel, ist so gut im Geschäft wie nie zuvor. Rund 60 Millionen Euro Umsatz erzielt die Firma mittlerweile mit bequemen, atmungsaktiven Modellen für Wanderer, schweren Stiefeln für Gletschertouren, extra-warmen Lederschuhen für Waldarbeiter und Freizeitschuhen.
Ohne Rucksack marschiert kaum einer ins Gebirge. Deuter, der Mittelständler aus dem Raum Augsburg, zählt inzwischen zu den erfolgreichsten Herstellern von Sport-Rucksäcken und erzielt inzwischen einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr konnte er um 15 Prozent zulegen. Für jeden Bedarf und Geschmack bietet er das Passende: das leichte, Schnickschnack-lose Modell für den Bergsteiger, das komfortable Modell mit Belüftung am Rücken, integriertem Regenschutz und zusätzlichen Fächern für den Wanderer, Rucksäcke speziell für Frauen, die dem Körperbau der Käuferinnen besser entsprechen sollen.
Salewa bietet unter anderem Outdoor-Jacken aus bis zu fünf verschiedenen Stoffen und ist mit einem Umsatz von 137 Millionen Euro einer der größten Anbieter von Outdoor-Bekleidung weltweit. (2)



Kaufmotivation durch Superfunktion

Wer draußen unterwegs ist, trägt längst Funktionsunterwäsche, Fleece-Sweater und sogenannte Hard-Shells, die vor Wind und Wetter schützen (z.B. Hightech-Regenjacken). In vielen Kleiderschränken hängen Daunen-, Fleece- und Multifunktionsjacken. Für spezielle Anforderungen gibt es auch spezielle Kleidung wie beispielsweise Seeleute-Arbeitskleidung, Segel- und Expeditionsausrüstung.
Die Branche arbeitet immer weiter daran, ihren Kunden mit kreativen Neuerungen etwas noch Besseres anziehen zu können. Beim Joggen trägt der umsichtige Läufer Reflektorkleidung, sogar fotolumineszente Leuchtgarne können in die Kleidung eingewebt sein. Wissenschaftler der Universität von Manchester haben nun sogar Kleidung aus einem speziellen selbstleuchtenden Garn hergestellt. (3) Es gibt natürlich wasserdichte, atmungsaktive Kleidung, man findet 2 in 1"-Jacken und wasserdichte Reißverschlüsse. Wers umweltbewusst will, kann auch recycelte Materialien und ökologisch angebaute Baumwolle erwerben.
Ein neuer Trend sind so genannte Softshells tragbar beim Spazierengehen genauso gut wie beim Klettern. Sie werden beschrieben als atmungsaktive, winddichte Jacken, deren Außenhaut Wasser abweisend und zudem robust genug ist, um Kletterpartien im Fels ohne Schaden zu überstehen. Sie haben ein Innenfutter zur Isolierung, darunter trägt man direkt Funktionsunterwäsche oder maximal einen dünnen Fleece-Sweater. Es gibt sie beispielsweise von Mammut, Mountain Hardware, The North Face, Columbia und Schoeller. (4)
Und auch für die Zeit nach dem Tragen ist gesorgt: Siemens bietet eine Waschmaschine mit Imprägniervorgang speziell für Outdoor-Kleidung an. (5)



Markengeschäft und Markenpiraterie

Die bekanntesten Marken sind Goretex, Sympatex und Jack Wolfskin. [Abb.1] Doch es gibt viele, viele mehr, zum Beispiel Haglöfs, Helly Hansen, Craft, ArcTeryx, Engström, Patagonia, Mammut, Columbia, Vaude, Schöffel, Odlo, Gaastra, Lands End, Camel Active, Fjällräven. Auch Adidas ist im Geschäft. Für jeden Geschmack und für jeden Geldbeutel ist etwas zu finden.
Die bekannten Markten Jansport, Eastpak, The North Face, Vans, Reef, Napapijri und Eagle Creek gehören zu dem weltgrößten Bekleidungsunternehmen VF Corporation. Dessen Outdoor-Sparte machte 2006 1,87 Milliarden Dollar Umsatz und hatte damit einen Anteil von 30 Prozent am Gesamtumsatz des Unternehmens; sie erwirtschaftete einen Betriebsgewinn von 299 Millionen Dollar. (6), (7)

Auch dieses Textilsegment hat natürlich mit Markenpiraterie zu kämpfen. Die Markenhersteller kämpfen gegen Fälschungen und Produktpiraterie. Oft vor Gericht und sogar mit Erfolg. So hat jetzt The North Face eine Entschädigung wegen Markenpiraterie in China zugesprochen bekommen. Das US-Unternehmen erhält von der Pekinger Firma Xiushui Schadensersatz, weil Xiushui Plagiate von The North Face auf dem Seidenmarkt in der chinesischen Hauptstadt verkauft hatte.



Fallbeispiele



Kundenorientierung: Der Hamburger Outdoorspezialist Globetrotter hat sich für seine Kunden etwas Spezielles einfallen lassen. Er verkauft nicht nur Steigbügel und Drei-Lagen-Jacken, sondern bietet mit Kletterwand und Kältekammer auch Möglichkeiten zum Ausprobieren.

Expansion: Eine der größten und am schnellsten wachsenden Outdoor-Marken der Welt ist Salewa. Sie machte im vergangenen Jahr mit 1 400 Mitarbeitern 132 Millionen Euro Umsatz. Momentan baut der Firmenchef, der Südtiroler Heiner Oberrauch, das Geschäft von Salewa in Asien (Korea, Taiwan) und Osteuropa (Polen) kräftig aus. Direkt neben der Brenner-Autobahn im Süden von Bozen entsteht die neue Firmenzentrale das höchste Gebäude Südtirols mit einer spektakulären, skulpturähnlichen Architektur. (8)

Rückzug: Das US-Footwear- und Outdoor-Unternehmen The Timberland Company wird die meisten seiner regulären Fachgeschäfte in den USA und Läden in Asien sowie Europa schließen. Timberland verzeichnete 2006 einen Umsatz von 1,57 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 101 Millionen Dollar. (9)

Zahlen & Fakten

Abbildung 1: Top 12 Outdoor-Markentextilien nach Markenbekanntheit 2006



Quelle: Geo Imagery 6

Entnommen aus: Gruner und Jahr Branchenbild, Sport und Outdoor

Weiterführende Literatur:

(1.) O.V., yabadu reiseforum GmbH, Outdoor-Branche boomt, 30.10.2007
aus Lebensmittel Zeitung 41 vom 12.10.2007 Seite 012

(2.) Buchenau, Martin-W. / Hofer, Joachim, Laufsteg Alpen, Handelsblatt Nr. 200, 17.10.07, S. 12
aus Handelsblatt Nr. 200 vom 17.10.07 Seite 12

(3.) Heinemann, Pia, Selbstleuchtendes Garn für sichere Kleider, DIE WELT, 02.11.2007, Nr. 256, S. 31
aus DIE WELT, 02.11.2007, Nr. 256, S. 31

(4.) Rooijen, Laurens van, In 85 Prozent aller Fälle fürs Abenteuer im Freien gerüstet, Neue Zürcher Zeitung 25.10.2007, Nr. 248, S. 65
aus Neue Zürcher Zeitung 25.10.2007, Nr. 248, S. 65

(5.) O.V., In die Waschmaschine statt in die chemische Reinigung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2007, Nr. 252, S. T6
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2007, Nr. 252, S. T6

(6.) Howe, Ulrike, VF: Wachstum auf sechs Säulen, TextilWirtschaft 44, 01.11.2007, S. 034
aus TextilWirtschaft 44 vom 01.11.2007 Seite 034

(7.) O.V., Enthüllungsstory. Kaum wird es draußen ungemütlich, bombardiert einen die Outdoor- Industrie mit neuen Funktionsjacken. Doch welches Label ist eigentlich für wen geeignet? Ein Leitfaden durch den Markendschungel, STERN Nr. 45
aus STERN Nr. 45

(8.) Hofer, Joachim, Hansdampf aus Südtirol, HANDELSBLATT online, 15.10.2007
aus HANDELSBLATT online 15.10.2007 06:00:00

(9.) Howe, Ulrike, Timberland strukturiert um, TextilWirtschaft 44, 01.11.2007, S. 053
aus TextilWirtschaft 44 vom 01.11.2007 Seite 053

A.Schneider

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 11/2007 vom 21.11.2007
Dokument-ID: s_tex_20071121

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