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Ostdeutscher Maschinenbau verharrt in der Nische - nur die Auslastung ist hoch

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 10 vom 24.10.2013


Maschinenbau legt Verschnaufpause ein

Der deutsche Maschinenbau wird die Wachstumsdynamik der vorherigen Jahre 2013 nicht erreichen. Die Volkswirte des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) prognostizieren für das laufende Jahr einen Produktionswert von 195 Milliarden Euro, der damit auf dem gleichen Niveau liegen wird wie 2012. Zwischen Januar und August dieses Jahres fiel die Produktion im Vorjahresvergleich um 3,3 Prozent. Hoffnungsfroh stimmt die Maschinenbauer die anziehende Konjunktur in den Hauptexportmärkten China und USA. Der Dachverband geht davon aus, dass die Branche im nächsten Jahr wieder Wachstumszahlen präsentieren kann. (1), (6)


Ostdeutscher Maschinenbau ist gut ausgelastet

Der ostdeutsche Maschinenbau kann für sich verbuchen, trotz der aktuellen Seitwärtsbewegung bei der Produktion nach wie vor gut ausgelastet zu sein. Die Unternehmen waren im dritten Quartal 2013 zu 89 Prozent ausgelastet, was eigentlich schon etwas zu viel des Guten ist. Gefestigt zeigt sich überdies die Auftragsreichweite, die bei durchschnittlich 4,6 Monaten liegt. Positiv stellt sich auch die Ertragslage der Unternehmen da. So agierten von Juli bis September 82,4 Prozent der ostdeutschen Maschinenhersteller in der Gewinnzone, im zweiten Quartal waren es 77,7 Prozent gewesen. Die Aussichten sind darum durchaus optimistisch. 86 Prozent der Firmen erwarten für das vierte Quartal eine gleichbleibende oder sogar anziehende Geschäftsentwicklung. (1)


Große Unterschiede zwischen Ost und West

Schon die Art der erhobenen Geschäftszahlen zeigt, dass sich der ostdeutsche Maschinenbau kaum mit der Entwicklung bei den westdeutschen Herstellern vergleichen lässt. Offenkundig werden die Unterschiede auch beim wichtigsten Schaufenster des Maschinenbaus, der Hannover-Messe. Sie wird praktisch von allen großen und kleineren westdeutschen Herstellern zur Eigenpräsentation genutzt, während von den ostdeutschen Anbietern hier fast nichts zu sehen ist. Fachleute sehen in dem fehlenden Willen zur Eigenvermarktung eines der großen Problemfelder des ostdeutschen Maschinenbaus. Die Unternehmen zeigen sich zwar gerne auf regionalen Messen - wie etwa der Intec in Leipzig - vermeiden aber den Auftritt auf der ganz großen Bühne. Damit kommen die ostdeutschen Firmen jedoch oft an die Grenzen der Expansion, denn die Hauptmärkte für den deutschen Maschinenbau befinden sich nicht in Deutschland, auch nicht mehr in Frankreich, sondern seit einiger Zeit in China und in den USA. Durch die Konzentration ihrer Geschäftstätigkeit auf die eigene Region bleiben die ostdeutschen Unternehmen von den wichtigsten Wachstumsmärkten abgeschnitten.

Die starke Fokussierung auf den Heimatmarkt kommt jedoch nicht von ungefähr. Sie ist nicht zuletzt die Folge davon, dass ostdeutsche Maschinenhersteller oft nur über kleine Belegschaften verfügen. So gelten Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern schon als überdurchschnittlich groß. Da passt es ins Bild, dass die Zahl der Betriebe mit über 50 Mitarbeitern stetig abnimmt, zuletzt von über 500 auf jetzt nur noch 461. Die überwiegende Zahl der Unternehmen hat hingegen weniger als zehn Mitarbeiter, was die Möglichkeiten zur internationalen Vermarktung stark einschränkt. Die eigentliche Stärke des deutschen Maschinenbaus, seine mittelständische Prägung und die daraus resultierende Fähigkeit zur Flexibilität, trifft auf Ostdeutschland damit nicht zu, weil es sich bei den Unternehmen im Grunde um Kleinsthersteller handelt. Nennenswerte Größe haben auch über 20 Jahre nach der Wende immer noch nur Tochterunternehmen großer westdeutscher Konzerne. Originär ostdeutsche Maschinenhersteller sind demgegenüber immer noch dünn gesät.

Gleichwohl konnte der ostdeutsche Maschinenbau in den letzten Jahren respektable Zahlen vorweisen. So hat sich die Zahl der Beschäftigten zwischen 2001 und 2012 von rund 66 000 auf gut 77 000 erhöht, der Jahresumsatz stieg im gleichen Zeitraum von 8,6 Milliarden Euro auf knapp 15 Milliarden Euro. Auch die Exportquote stieg - trotz des Verharrens in der eigenen Nische - von 36,4 auf 50,6 Prozent. Vom Gesamtdurchschnitt der deutschen Maschinenexporte, die rund 80 Prozent der Produktion ausmachen, sind die ostdeutschen Hersteller damit jedoch weit entfernt. Auch die Zahl der Beschäftigten nimmt sich im Vergleich mit dem Gesamtmaschinenbau bescheiden aus, denn insgesamt arbeiten in der Branche heute fast eine Million Menschen.

Experten raten den ostdeutschen Betrieben, stärker auf Kooperationen und Vernetzung zu setzen, um auf diese Weise an Größe zuzulegen und so in die Lage zu kommen, sich auch auf den weltweiten Märkten zu präsentieren. Neben dem Hang zur Eigenbrötlerei ist es allerdings das fehlende Fachpersonal, das es dem ostdeutschen Maschinenbau schwer macht, aus sich heraus zu treten. Zwar verfügen auch die fünf östlichen Bundesländer über sehr gute Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Es bleibt jedoch das Problem, dass der Hochschulnachwuchs nach der Beendigung des Studiums immer noch bevorzugt in die alten Bundesländer abwandert. Die ostdeutsche Industrie müsste sich daher stärker um den Nachwuchs bemühen. Beispiele aus Westdeutschland, in denen weniger strukturierte Regionen durch gezielte Nachwuchsarbeit zu Produktionsschwerpunkten wurden - wie zum Beispiel das Ostallgäu beim Verpackungsmaschinenbau - könnten hierfür als Vorbilder dienen. (2)



Trends


Maschinenhersteller sollen sich breiter aufstellen

China ist für den deutschen Maschinenbau der wichtigste Exportmarkt. Damit dies so bleibt, schlägt der VDMA seinen Mitgliedern allerdings eine neue Strategie vor. Statt nur hochpreisige High-Tech-Produkte anzubieten, sollten sich die deutschen Hersteller künftig auch auf Maschinen aus dem mittleren Segment konzentrieren. Die Unternehmen würden hierdurch breiter aufgestellt und weniger anfällig für den Fall, dass sich Hochtechnologie irgendwann nicht mehr so in China verkaufen lässt, wie es bisher der Fall ist. Nach Ansicht des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim wird das mittlere Maschinensegment in China künftig die stärkste Wachstumsdynamik aufweisen und dadurch zum größten Teilsegment des chinesischen Gesamtmarktes werden. Um sich auch im mittleren Segment zu etablieren, empfiehlt der VDMA den Unternehmen, stärker auf Kooperationen vor Ort zu setzen. (4)



Fallbeispiele


Studie des VDMA Ost

Eine von der ostdeutschen Abteilung des VDMA in Auftrag gegebene Studie hat wichtige Zukunftstrends für die Hersteller in den fünf neuen Bundesländern ermittelt. Eine sich aus dem Befund ergebende Hauptaufgabe für Ostdeutschland ist es, dem Fachkräftemangel durch gezielte Nachwuchsarbeit entgegenzuwirken. Auch neue Berufsbilder werden den Maschinenbau der Zukunft prägen, wie beispielsweise der Produktionstechnologe. (3)


Effektive Löhne immer noch nicht auf Westniveau

Der Unterschied zwischen den Tariflöhnen Ost und West beträgt nur noch drei Prozent, wie eine aktuelle Untersuchung ergeben hat. Da nicht alle Unternehmen nach Tarif bezahlen, ist der Unterschied in Wahrheit jedoch viel größer. So erhalten ostdeutsche Angestellte effektiv nur 83 Prozent der Westlöhne. Dies liegt auch daran, dass der Anteil der Arbeitnehmer in Hochlohnbranchen - wie etwa der Automobilindustrie - im Westen immer noch ungleich höher ist. (5)



Zahlen & Fakten


Der deutsche Maschinenbau wird im laufenden Jahr stagnieren, will aber 2014 wieder deutlich zulegen. Der VDMA prognostiziert für das kommende Jahr ein Wachstum bei Produktion und Umsätzen von drei Prozent. Auch das laufende Jahr hat allerdings manchen Rekord hervorgebracht, so etwa bei der Beschäftigung. Im Juli dieses Jahres arbeiteten 984 000 Menschen im Maschinenbau, das sind elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Tiefststand der Beschäftigung der letzten drei Jahre lag im Mai 2010, als der Maschinenbau nur 901 000 Beschäftigte zählte. Sehen lassen kann sich auch die Entwicklung in den letzten Jahren. So stieg die deutsche Maschinenproduktion zwischen 2010 und 2012 um 24 Prozent. (6)

Weiterführende Literatur:

(1.) VDMA: Ostdeutscher Maschinenbau erlebt Aufschwung
aus www.maschinenmarkt.de vom 15.10.2013

(2.) Der Maschinenbau in Ostdeutschland blüht im Verborgenen
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.04.2013, Nr. 96, S. 15

(3.) Fachkräfte für die Produktion von morgen heute ausbilden
aus MM Nr. 020 vom 13.05.2013

(4.) China muss Heimatmarkt werden
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2013, Nr. 195, S. 16

(5.) Tariflöhne im Osten erreichen fast Westniveau
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2013, Nr. 229, S. 11

(6.) VDMA: Maschinenbauer wollen 2014 um 3 % wachsen
aus www.maschinenmarkt.de vom 17.10.2013

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 10 vom 24.10.2013
Dokument-ID: s_mas_20131024

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