GENIOS BranchenWissen > MASCHINEN- UND ANLAGENBAU
Logo GENIOS BranchenWissen

Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen - leichte Abkühlung nach dem Rekordjahr 2018

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 29.07.2019


Deutscher Maschinenbau trotzt der globalen Abkühlung

Trotz abkühlender Konjunktur in Deutschland und auf den Weltmärkten haben die deutschen Maschinenhersteller im ersten Quartal dieses Jahres 2,1 Prozent mehr Maschinen exportiert als im Vorjahreszeitraum. Das Exportvolumen stieg damit von 42,9 Milliarden Euro auf 43,8 Milliarden Euro. Besonders gut entwickelten sich die Ausfuhren in den wichtigsten Einzelmarkt des deutschen Maschinenbaus, in die USA. Das im Vergleich mit dem Vorjahresquartal erreichte Plus betrug hier 10,4 Prozent. Deutlich schwächer zeigte sich die Nachfrage auf dem früheren Wachstumsmarkt China: Ins Reich der Mitte wurden nur 0,4 Prozent mehr Maschinen geliefert. Vergleichsweise gut steht es um die Exporte in die Länder der Europäischen Union, die um 3,5 Prozent mehr deutsche Maschinen orderten. Erfreuliche Zuwächse gab es beim Export nach Frankreich (plus 9,6 Prozent), Schweden (plus 10,4 Prozent) und Ungarn (plus 11,9 Prozent).

Trotz des insgesamt zufriedenstellend verlaufenen ersten Quartals bleibt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagebau (VDMA) für das Gesamtjahr skeptisch. Erst kürzlich hat der Verband die Produktionsprognose für 2019 von zuvor plus zwei Prozent auf nur noch ein Prozent zurückgenommen. Hauptgrund für die zurückhaltende Prognose sind die weiter schwelenden Handelskonflikte zwischen den USA und dem Rest der Welt.

2018 hatte der deutsche Maschinenbau allerdings wieder Rekordwerte erreicht. Die Umsätze stiegen im vergangenen Jahr um 1,3 Prozent auf 232,5 Milliarden Euro, die Produktion legte um 2,1 Prozent zu. Ganz zufrieden war die erfolgsverwöhnte Branche freilich auch damit nicht, denn der VDMA hatte ein Produktionsplus von sogar fünf Prozent prognostiziert. (1), (2)


Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenbau hängen die Gesamtbranche ab

Noch besser haben die Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenhersteller das Jahr 2018 abgeschlossen. So stieg die Produktion um satte acht Prozent, das Volumen erreichte damit einen neuen Höchstwert. Zugleich bedeutet der Zuwachs die höchste Steigerung innerhalb des laufenden Jahrzehnts. Das Produktionsvolumen lag damit bei 15,2 Milliarden Euro.

Die hohe Steigerungsrate betraf die beiden Teilsparten gleichermaßen. So wuchs der Verpackungsmaschinenbau 2018 um genau acht Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. Das stärkste Wachstum legte der Bereich Sonstige Verpackungsmaschinen hin, der um zwölf Prozent zulegte. Der Bau von Getränkeverpackungsmaschinen wuchs allerdings nur um ein Prozent.

Bei den Nahrungsmittelmaschinenherstellern profitierten die Anbieter von Bäckereimaschinen besonders stark vom Boom, hier lag der Zuwachs bei neun Prozent. Bei den Fleischverarbeitungsmaschinen stieg die Produktion um 7,6 Prozent, Getränkeherstellungsmaschinen kamen auf plus sieben Prozent.

Sehr erfreulich entwickelte sich auch der Export, der im vergangenen Jahr über neun Milliarden Euro erreichte und gegenüber 2017 damit um 6,1 Prozent anstieg. Wichtigste Absatzregion der beiden Teilbranchen des deutschen Maschinenbaus ist die Europäische Union, in deren Länder um neun Prozent mehr Güter geliefert wurden als im Jahr davor.

Ob sich das rasante Wachstum 2019 wiederholen wird, ist indessen fraglich. Die deutschen Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenhersteller waren mit einem starken Auftragsüberhang in das Jahr 2018 gegangen, den es so in diesem Jahr nicht gibt. Ein Wachstum in der Größenordnung von 2018 wird daher nicht erwartet, wohl aber eine weitere Zunahme. Prognostiziert sind derzeit plus zwei Prozent. (3)





Fallbeispiele


Lebensmittelsicherheit bleibt Hauptthema

Neben den technischen Raffinessen, mit denen auch die Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen heute ausgerüstet sind, bleiben Hygiene und Lebensmittelsicherheit doch die wichtigsten Herausforderungen an die Hersteller. Neuartige technische Lösungen für die Produktion und Verpackung von Lebensmitteln haben darum auch in diesem Jahr hohe Konjunktur, wie die Frankfurter Weltleitmesse der Fleischwirtschaft IFFA auch in diesem Jahr gezeigt hat. Mit neuen Hygiene-Lösungen reagieren die Maschinenanbieter insbesondere auf die jedes Jahr zunehmende Zahl von Lebensmittelrückrufen.

Größtes Hygienerisiko bei der maschinellen Verarbeitung von Fleisch ist allerdings immer noch der Mensch selbst, denn die meisten Verunreinigungen gehen auf den direkten Kontakt zwischen Mensch und Nahrungsmittel zurück. Vollautomatisierte Abläufe bei der Produktion wie Verpackung sind darum ein Hauptziel bei der Entwicklung neuer Maschinen, das Fachwort hierzu heißt Hygienic Design. (7), (8)


Fleischverarbeitungsmaschinen profitieren von starker Binnennachfrage

Mit einem Produktionsplus von 7,6 Prozent gehörten die Produzenten von Fleischverarbeitungsmaschinen im vergangenen Jahr zu den Wachstumstreibern der Teilbranche. Die Zuwächse gingen insbesondere auf eine starke Binnennachfrage zurück, während sich das Exportgeschäft eher stabil entwickelte. Der Anteil der deutschen Hersteller am Weltmarkt liegt bei 29 Prozent; das Gesamtproduktionsvolumen der hiesigen Anbieter erreichte 2018 nach vorläufigen Berechnungen 1,2 Milliarden Euro. (9)



Zahlen & Fakten


Der deutsche Verpackungsmaschinenbau hat alleine im März dieses Jahres (ohne Getränkeverpackungsmaschinen) einen Auftragsanstieg von vier Prozent verzeichnet. Die Bestellungen aus dem Inland stiegen um 16 Prozent, die Auslandsorders verzeichneten ein Plus von drei Prozent. Am insgesamt eher verhaltenen Ergebnis des ersten Quartals, das für die Verpackungsmaschinenhersteller mit einem Bestell-Minus von einem Prozent endete, änderte der gut verlaufene März allerdings nichts.

Die Nahrungsmittelmaschinenhersteller verzeichneten im März 2019 ein Orderplus von sechs Prozent im Vergleich mit dem Vorjahresmonat. Insgesamt verlief das erste Quartal aber auch hier unbefriedigend. So lag der Bestelleingang wegen sehr schwacher Zahlen im Januar und Februar um 21 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Allerdings scheint es seitdem besser weiterzugehen: Im April freute sich die Nahrungsmittelmaschinenbranche über einen Bestellzuwachs von zwölf Prozent. (4), (5), (6)



Weiterführende Literatur:

(1.) Dunkle Wolken im Maschinenbau
aus IEE - Industrie Engineering Effizienz, Heft 5/2019, S. 14

(2.) Gedämpfte Erwartungen im Maschinenbau / Der VDMA senkt die Produktionsprognose von 2 auf 1 % aufgrund der Verunsicherung auf den Weltmärkten
aus Produktion, Heft 7/2019, S. 4

(3.) Verpackungsmaschinen mit Rekordjahr
aus neue verpackung, Heft 7/2019, S. 6 - 9

(4.)Verpackungsmaschinen: Inland mit starken Plus im Q1/19
aus neue-verpackung.de vom 20.05.2019

(5.)Bestelleingang zieht wieder an
aus IEE - Industrie Engineering Effizienz Nr. 6/2019, Seite 12

(6.)VDMA: Nachfrage aus den Euro-Partnerländern schwach
aus neue-verpackung.de vom 14.06.2019

(7.) Immun gegen Keime und Bakterien
aus dei - die ernährungsindustrie, Heft 4, 2019, S. 40

(8.) Der Mensch ist das größte Risiko
aus afz journal April 2019 vom 30.04.2019 Seite 008

(9.) Die Maschinenhersteller sind auf Kurs
aus LVT Lebensmittel Industrie vom 26.04.2019, Heft 4/2019, Seite 18

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 29.07.2019
Dokument-ID: s_mas_20190729

Alle Rechte vorbehalten. © GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH