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Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen - neue Märkte sorgen für gute Perspektiven

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 04 vom 28.04.2015


Gesamtmaschinenbau freut sich über guten Jahresbeginn

Trotz eines schwächeren Auftragseingangs im Februar dieses Jahres ist der deutsche Maschinenbau erfolgreich in das neue Jahr gestartet. Zwischen Dezember 2014 und Februar 2015 stieg der Bestelleingang im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent. Dabei stagnierten die Inlandsaufträge, die Auslandsorders legten indessen um sechs Prozent zu. Am guten Jahresbeginn konnte auch der Februar nichts ändern, in dem die Aufträge um drei Prozent zurückgingen. Besonders augenfällig wurde hier eine temporäre Schwäche des Binnenmarkts. So sanken die Inlandsorders um sieben Prozent, während die Bestellungen aus dem Ausland auf dem gleichen Niveau verharrten wie im Februar 2014.

Insgesamt ist die Stimmung im deutschen Maschinenbau gut. Die Branche sieht sich bestens gerüstet, auch für neue Trends wie Industrie 4.0 oder die smarte Fabrik die passenden High-Tech-Maschinen bereitstellen zu können. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sieht die Unternehmen nach einem kürzlich veröffentlichten Statement in einer hervorragenden Position - trotz der zunehmenden Konkurrenz aus Asien. (1), (3)


Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen: ordentliches Jahr 2014

Die Teilbranche Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen gehört mit 60 500 Mitarbeitern und rund 300 im VDMA organisierten Unternehmen zu den fünf größten Fachzweigen des deutschen Maschinenbaus. Wie der Gesamtmaschinenbau sind auch die Hersteller von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen stark auf den Export fixiert, wobei die Exportquote hier sogar noch höher ausfällt. Während der Maschinenbau insgesamt 72 Prozent seiner Erzeugnisse in andere Länder exportiert, sind es bei den Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen sogar 87 Prozent. 2013 wurden von dem Fachzweig Maschinen und Anlagen im Gesamtwert von 12,4 Milliarden Euro hergestellt.

Einer Prognose des britischen Marktforschungsinstituts Euromonitor zufolge ist der weltweite Markt für Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen 2013 um 28 Prozent gewachsen. Gerade deutsche Hersteller können daher damit rechnen, dass sie von der weltweit ansteigenden Nachfrage auch weiterhin profitieren werden. Schon heute haben die deutschen Unternehmen global eine führende Rolle inne. Wichtigste Absatzregion ist Asien, gefolgt von den Ländern der Europäischen Union. Alleine für die Asien-Pazifik-Region prognostizieren US-amerikanische Marktforschungsunternehmen einen jährlich wachsenden Bedarf an Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen von über zehn Prozent.

Mit dem vergangenen Jahr ist die Teilbranche zufrieden. Beim Umsatz erreichten die Hersteller einen Zuwachs um vier Prozent, wobei die wichtigsten Wachstumsimpulse aus Lateinamerika und Afrika kamen. Rückgänge mussten die Hersteller von Nahrungsmittelmaschinen indessen beim Auftragseingang verzeichnen. So sanken die Bestellungen 2014 knapp unter die des Vorjahres. Die Bestellungen aus dem Ausland fielen gegenüber 2013 um vier Prozent, obwohl die Orders aus den Ländern des Euroraums um satte neun Prozent zulegten. Die Rückgänge in anderen Märkten konnte dies jedoch nicht ausgleichen. Besser sah es bei Verpackungsmaschinen aus. Sie verzeichneten bei den Bestellungen gegenüber 2013 ein Plus um gut vier Prozent. (2), (4)


Neue Märkte treten auf den Plan

Neben Asien und Europa spielen für den Fachzweig die Länder Afrikas und Lateinamerikas eine zunehmend wichtigere Rolle. So gehört Brasilien schon zu den Top-10 der Hauptabnehmerländer für deutsche Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen. Jede vierte in Brasilien aufgestellte Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschine stammt aus deutscher Produktion. Das Volumen der Ausfuhren nach Brasilien betrug 2013 217,6 Millionen Euro.

Ein bedeutender und zugleich wachsender Markt ist auch Russland - trotz der Handelssanktionen. 2014 stiegen die Ausfuhren der deutschen Hersteller nach Russland um fünf Prozent.

Unter den asiatischen Abnehmern deutscher Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen nimmt derzeit die Bedeutung Indonesiens stark zu. Der Lieferanteil deutscher Hersteller lag 2013 zwischen zehn Prozent (Nahrungsmittelmaschinen) und sogar 25 Prozent (Verpackungsmaschinen). Indonesien muss rund 90 Prozent seiner benötigten Maschinen importieren, wichtigster Technologielieferant ist schon traditionell Deutschland. (2), (4)





Fallbeispiele


Neue Trends auf der Anuga Foodtec

Vor wenigen Wochen hatten deutsche und internationale Hersteller Gelegenheit, ihre Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen auf der Kölner Messe Anuga Foodtec vorzuführen. Ein Hauptthema an den Messeständen war die Lebensmittelsicherheit. Um die steigenden Anforderungen der Kunden an Hygiene, Lagerfähigkeit und nicht zuletzt das appetitliche Aussehen der verpackten Nahrungsmittel zu erfüllen, kommt in den Maschinen immer mehr Automatisierungs- und Messtechnik zum Einsatz. Dieser Trend spiegelte sich auch in Köln wider, wo fast 200 der über 1 500 Aussteller Lösungen aus dem Bereich Automatisierung präsentierten. Schon beim Verpacken von Nahrungsmittel ist eine endlose Zahl von Parametern zu kontrollieren: etwa das Gewicht in der Endverpackung, die Temperatur im Sterilisierprozess, Durchflussmengen oder PH-Werte. Ebenfalls ganz oben auf der Agenda steht der Energieverbrauch der Maschinen. (5)


Wilhelm Rasch GmbH & Co. KG ist Weltmarktführer bei Schokohasen

Und nicht nur dort: Das Familienunternehmen in Köln-Bickendorf verpackt mit seinen Maschinen Schokofiguren und Pralinen aller Art. Die technische Herausforderung liegt hier, anders als bei der vergleichsweise simplen Schokoladentafel, in der Aufgabe, zerbrechliche Hohlfiguren einzuwickeln, ohne sie zu beschädigen - und dies mit enormem Tempo. Neun von zehn in Deutschland zu Ostern verkaufte Schokohasen wurden mit einer Rasch-Maschine verpackt. Schätzungsweise sind weltweit derzeit über 1 000 Temperier- und Verpackungsmaschinen der Wilhelm Rasch GmbH & Co. KG im Einsatz. (6)



Zahlen & Fakten


Nach Schätzungen des VDMA ist der weltweite Maschinenabsatz 2014 um fünf Prozent auf eine neue Rekordmarke von 2 330 Milliarden Euro gestiegen. Größter Maschinenanbieter ist China mit einem Umsatz von 826 Milliarden Euro, gefolgt von den USA (324 Milliarden Euro), Deutschland (249 Milliarden Euro) und Japan (222 Milliarden Euro). Alleine 2014 stieg die chinesische Maschinenproduktion um acht Prozent. Damit hat das Reich der Mitte jetzt einen Weltmarktanteil von 35 Prozent. Deutschland ist der einzige europäische Maschinenproduzent, der seinen Umsatz gegenüber dem letzten Rekordjahr 2008 nennenswert steigern konnte. Der Anteil Deutschlands am weltweiten Maschinenmarkt beträgt seit drei Jahren konstant knapp elf Prozent. (1)

Weiterführende Literatur:

(1.) VDMA: Deutschland Nr. 3 im Weltmaschinenbau
aus www.maschinenmarkt.de vom 09.04.2015

(2.) Deutsche Hersteller von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen profitieren von weltweiter Nachfrage
aus BfAI - Märkte im Ausland

(3.) Klimawechsel / Aktuelle Lage und Ausblick der Industrie-Branchen
aus Fluid, 2014, S. 28

(4.) Gut aufgestellt / Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen: Zahlen, Daten, Fakten
aus INSPECT vom 18.06.2014, Heft 3/2014, Seite 14

(5.) Waschen, schneiden, legen
aus INSPECT vom 18.06.2014, Heft 3/2014, Seite 14

(6.) So wird der süße Hase ins Staniol gesteckt
aus Aachener Zeitung

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 04 vom 28.04.2015
Dokument-ID: s_mas_20150428

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