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Musikindustrie - der deutsche Markt wächst wieder

MEDIEN & VERLAGE | GENIOS BranchenWissen Nr. 04 vom 29.04.2014


Deutscher Musikmarkt erstmals seit Jahren wieder im Plus

Die Musikindustrie befindet sich seit Ende der neunziger Jahre auf Talfahrt. In Deutschland, dem viertgrößten Musikmarkt der Welt, gingen fast 40 Prozent der Erlöse verloren. Doch inzwischen hat sich das Geschäft stabilisiert. Im vergangenen Jahr legte der Umsatz aus dem Verkauf physischer Tonträger und Downloads sowie den Einnahmen aus dem Musikstreaming um 1,2 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro zu. Die größten Zuwächse gab es mit 47,2 Prozent auf 29 Millionen Euro bei den Vinylschallplatten. Der digitale Vertrieb von Musik über Downloads und Streaming nahm um 11,7 Prozent auf 328 Millionen Euro zu. (1), (5), (8), [Abb. 1]


Japan drückt globalen Musikmarkt

Nach einem leichten Zuwachs 2012 ist der globale Musikmarkt 2013 wieder geschrumpft. Die Erlöse gingen um 3,9 Prozent auf 15,1 Milliarden Dollar (10,86 Milliarden Euro) zurück. Grund ist das schwache Ergebnis auf dem japanischen Markt. Ohne diesen hätte die Branche stagniert. Hoffnungsträger ist das digitale Geschäft, das um 4,3 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar wuchs. Grund ist die steigende Popularität von Aboangeboten wie Spotify oder Deezer. Sie verbuchten ein Umsatzplus von 51 Prozent auf gut 1,1 Milliarden Dollar. Zuletzt gab es weltweit 28 Millionen Nutzer solcher Streaming-Dienste. Insgesamt macht das Geschäft mit Downloads und Streaming 39 Prozent der weltweiten Umsätze aus. Auf physische Tonträger entfallen 51 Prozent. (2), (3)



Trends

Etwa jeder zehnte Deutsche hat schon einmal eines der verfügbaren legalen Streaming-Angebote genutzt. Dies geht aus einer Studie des Marktforschungsunternehmens Respondi hervor, die vom Bundesverband der Musikindustrie (BVMI) in Auftrag gegeben wurde. Vor allem bei den jüngeren Nutzern zwischen 25 und 49 Jahren ist das Streamen von Musik beliebt. Am meisten genutzt wird nach wie vor das Radio mit 81 Prozent, dann folgen mit 59 Prozent digitale Dateien wie MP3 und schließlich mit 52 Prozent CDs und Schallplatten. (4)

Einen weiteren Schub versprechen sich die Anbieter von Streaming-Diensten von der Automobilindustrie. Mit Hilfe des vernetzten Autos sollen die Dienste in den klassischen Hoheitsbereich des Radios vordringen, um auch den Mainstream als Zielgruppe zu erreichen. Beim Genfer Autosalon 2014 stellte Apple mit Carplay ein Bordsystem vor, welches dem Nutzer Zugriff auf ausgewählte Funktionen des iPhones bietet. Integriert ist neben Apples iTunes Radio auch Spotify. Laut Prognosen der Industrievereinigung der Mobilfunkanbieter GSMA werden 2015 schon 20 Prozent aller weltweit verkauften Autos mit solchen embedded connectivity solutions ausgestattet sein. (5)



Fallbeispiele

Die stärksten Wachstumsimpulse auf dem Musikmarkt gehen inzwischen von den Streaming-Diensten aus. In Deutschland gibt es derzeit etwa 20 Anbieter, die größten sind Spotify, Simfy, Napster und Deezer. Relativ neu sind Google Music und Ampaya von ProsiebenSat.1. Länger auf dem Markt ist Rdio, der von Skype finanziert wird. Auch die großen Internet-Firmen wollen nun auf dem Markt mitmischen: Nach Google soll auch Amazon vor der Einführung eines Musikstreaming-Dienstes stehen. Und Apple ist in den USA bereits mit einem kostenlosen iTunes Radio auf dem Markt. (4), (8)

Eine Sonderrolle auf dem globalen Musikmarkt spielt Japan. Nach den USA ist dies der zweitgrößte Markt weltweit. Rund ein Fünftel der weltweiten Musikerlöse werden dort erwirtschaftet, der CD-Anteil ist mit rund 80 Prozent noch recht hoch. Den durch das Internet ausgelösten Wandel bekommt Japan erst jetzt zu spüren. Entsprechend brach dort der Umsatz im vergangenen Jahr um 16,7 Prozent ein, was letztlich auch den globalen Musikmarkt ins Minus zog. (2)

Zwar ist in den vergangenen Jahren das Geschäft mit den Tonträgern geschrumpft, bei den Konzertveranstaltern ist jedoch eine aufwärts gerichtete Entwicklung zu beobachten. Dies zeigt das Beispiel CTS Eventim. Die Bremer haben 2013 erneut Rekordzahlen vorgelegt. Der Umsatz kletterte um 21 Prozent auf 628 Millionen Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern um 13 Prozent auf 111 Millionen Euro. Eventim ist Europas Marktführer im Ticketing und mehrheitlich an den wichtigsten Konzertveranstaltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt. Weiteres Wachstum verspricht sich das Unternehmen vom Online-Geschäft und von der weiteren Internationalisierung. (6)

Der Musikkonzern Universal Music hat 2013 erstmals mehr Musik über Download- und Streamingplattformen verkauft als über herkömmliche Tonträger. Der Anteil des digitalen Geschäfts ist von 44 Prozent auf 51 Prozent gestiegen. Grund war die steigende Zahl von Abokunden und Kunden von Streamingdiensten. Insgesamt ist der Umsatz aber nahezu konstant geblieben. Berücksichtigt man allerdings den Kauf des Rivalen EMI, dann stiegen die Erlöse um 7,5 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Größte Umsatzbringer waren Künstler wie Eminem, Katy Perry, Lady Gaga, Drake und die Indie-Gruppe Imagine Dragons. Universal gehört neben Sony Music und Warner Music zu den großen Musikkonzernen weltweit. (7)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Umsatz im deutschen Musikmarkt
in Mrd. EuroGesamtumsatzUmsatz mit physischen Tonträgern
20031,811,81
20041,751,74
20051,751,72
20061,711,62
20071,651,57
20081,621,48
20091,581,40
20101,491,29
20111,481,24
20121,441,14
20131,451,12

Quelle: Bundesverband Musikindustrie Entnommen aus: Genios Statistiken (9)

Weiterführende Literatur:

(1.) Deutscher Musikmarkt erstmals wieder gewachsen
aus Berliner Zeitung vom 07.03.2014

(2.) Trendwende in der Musikbranche - Internet-Abonnements lassen erstmals seit 2001 Umsätze steigen
aus Hamburger Abendblatt, 19.03.2014, Nr. 66, S. 28

(3.) Minus 3,9 Prozent: Japan drückt den Musikmarkt
aus WirtschaftsBlatt, 19.03.2014, Nr. 4563, S. 12

(4.) Auf die Ohren - Musikstreaming: Großes Angebot
aus Neue Osnabrücker Zeitung - Ausgabe Stadt, 26.04.2014

(5.) Unter Strom setzen - Neue Musikdienste erobern den Markt - und das Auto. Aber die Werbevermarktung steht noch am Anfang
aus Horizont 12, Heft 12 vom 20.03.2014 Seite 034

(6.) Eventim - Der König der Tickets
aus Focus Money, 12.03.2014; Ausgabe: 12; Seite: 56

(7.) Universal: Mehr Musik via Download und Streaming verkauft - Runterladen statt im Laden
aus Leipziger Volkszeitung, 01.03.2014, S. 4

(8.) Hier spielt die Musik - Streaming-Dienste sind die Gewinner des Marktes. Doch die CD ist in Deutschland noch lange nicht tot
aus Welt kompakt Nr. 47 vom 07.03.2014 Seite 26

(9.)Umsatz auf dem Musikmarkt 2003-2012
aus Genios Statistiken vom 13.11.2013

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 04 vom 29.04.2014
Dokument-ID: s_med_20140429

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