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Maschinenbau tritt auf der Stelle - kein Wachstum in Aussicht

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 10 vom 28.10.2015


Trübe Aussichten

Der Dachverband des deutschen Maschinenbaus Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) hatte für das laufende Geschäftsjahr 2015 eigentlich eine Wachstumsprognose von zwei Prozent abgegeben, die aber im Sommer kassiert wurde. Der Maschinenbau erwartet nunmehr eine Produktion, die bestenfalls auf dem Niveau des Vorjahres liegen wird. Das gilt auch für 2016: Der VDMA glaubt nicht daran, dass sich die Situation für die deutschen Hersteller im nächsten Jahr anders darstellen wird. Stattdessen rechnen die Maschinenhersteller damit, dass sich auch über 2015 hinaus kein nennenswertes Wachstum wird erreichen lassen.

Die Gründe für das prognostizierte Null-Wachstum sind die schwächelnde Konjunktur Chinas und die durch politische Krisen in Syrien und der Ukraine eingetrübte Stimmung. Signale der Hoffnung kommen nur vom US-Markt; dort ist der Trend der Reindustrialisierung ungebrochen, was dem deutschen Maschinenbau zugutekommt. Darüber hinaus scheint sich der Investitionsstau in der Europäischen Union langsam etwas aufzulösen, wovon die Investitionsgüterindustrie irgendwann profitieren könnte. Auch sind die Unternehmen immer noch zu über 84 Prozent ausgelastet. Insgesamt sind die kleinen Hoffnungsschimmer jedoch nicht stark genug, um dem Maschinenbau Wachstumszahlen zu verschaffen. Der VDMA geht davon aus, dass die stagnierende Produktion im Maschinenbau in den nächsten Jahren anhalten wird. (1), (2)


Deutscher Service genießt guten Ruf

Trotz des fehlenden Wachstums gibt es auch gute Nachrichten für den deutschen Maschinenbau. Die Unternehmen haben weltweit einen tadellosen Ruf, insbesondere hinsichtlich des technischen Niveaus. Darüber hinaus hat sich erst kürzlich gezeigt, wie gut auch der Service der deutschen Anbieter global wahrgenommen wird. Einer Studie zufolge wird der Service deutscher Maschinenhersteller weltweit als der beste angesehen. Hartnäckigster Verfolger in diesem Ranking ist Japan, das ebenfalls über eine hohe Servicequalität im Maschinenbau verfügt. Der Service von Unternehmen aus den USA und aus Italien indessen rangiert am unteren Ende der Bewertung. (2), (3)





Fallbeispiele


Forschung und Entwicklung ziehen nach China

China hat in den letzten Jahren als Produktionsstandort für Maschinen enorme Wachstumssprünge erreicht, ist von der Wettbewerbsfähigkeit der Standorte Deutschland und USA aber immer noch weit entfernt. Gleichwohl verlagern immer mehr deutsche Maschinenhersteller Forschung und Entwicklung (F+E) ins Reich der Mitte. Dahinter steht die Überlegung, besser auf die chinesischen Kundenwünsche zugeschnittene Maschinen herzustellen, was sich durch größere Nähe zum Exportmarkt am besten erreichen lässt. Gemäß einer aktuellen Studie planen 13 Prozent der deutschen Maschinenbauer den Aufbau neuer Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsabteilungen in China. In Deutschland wollen nur neun Prozent der Betriebe ihre F+E-Kapazitäten ausbauen. Derzeit forscht und entwickelt bereits ein Drittel der 6 000 deutschen Maschinenbaufirmen auch im Ausland. (4)


VW-Skandal bereitet Sorgen

Die deutschen Maschinenbauunternehmen befürchten, dass die Betrügereien von Volkswagen auch das Image ihrer eigenen Branche beschädigen könnten. Die Spitze des VDMA hat bereits angekündigt, alles dafür zu tun, um den Glanz von Made in Germany zu stützen und zu erhalten. Bisher, so der VDMA, sind noch keine Auswirkungen auf den Maschinenbau erkennbar. (5)


Deutscher Maschinenbau-Preis 2015

Gerhard Sturm und Dr. Manfred Wittenstein haben den deutschen Maschinenbaupreis 2015 erhalten. Sturm ist Gründer des Unternehmens EBM-Papst, das Elektromotoren und Ventilatoren herstellt und dabei insbesondere in ökologischer Hinsicht neue Maßstäbe setzt. EBM-Papst ist innerhalb von fünf Jahrzehnten von einem Kleinunternehmen mit 35 Mitarbeitern zu einem weltweiten Markt- und Technologieführer herangewachsen. Heute beschäftigt das Unternehmen 12 000 Mitarbeiter.

Dr. Manfred Wittenstein erhält den Preis insbesondere für die hohe Innovationskultur der Wittenstein AG, deren Aufsichtsrat er leitet. (6)



Zahlen & Fakten


Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer sind gut in die zweite Jahreshälfte gestartet. So lagen die Bestellungen im Juli dieses Jahres um 18 Prozent höher als im Juli 2014. Besonders kräftig legten die Inlandsorders zu. Sie stiegen im Juli um 43 Prozent, während aus dem Ausland um fünf Prozent mehr Aufträge hereinkamen.

Auch im aussagekräftigeren Drei-Monats-Vergleich stehen die deutschen Maschinenhersteller gut da. Die Unternehmen verbuchten wischen Mai und Juli im Vorjahresvergleich ein Auftragsplus von vier Prozent. Hier stand einem Plus von 16 Prozent bei den inländischen Aufträgen ein Minus von zwei Prozent bei Auslandsbestellungen gegenüber.

Für die ersten sieben Monate dieses Jahres verzeichnet die Branche bei den Bestellungen ein kleines Gesamtplus von zwei Prozent. Das erscheint auskömmlich, ist aber nicht genug, um die noch zu Anfang des Jahres vom VDMA ausgegebene Prognose von zwei Prozent bei Produktion und Umsätzen zu erreichen.

Zwischen Januar und Juli 2015 hat der deutsche Maschinenbau Produkte im Wert von 9,4 Milliarden Euro nach China exportiert. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet dies einen Rückgang um 4,6 Prozent.

Schon im August war es mit der im Juli erlebten Auftragsschwemme wieder vorbei. Hier lagen die Bestellungen real sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das Ergebnis setzt sich zusammen aus minus 17 Prozent bei den Inlandsorders und minus einem Prozent bei den Auslandsbestellungen.

Im aussagekräftigeren Drei-Monats-Vergleich verbuchten die Maschinenbauer zwischen Juni und August unter dem Strich einen Orderzuwachs von zwei Prozent. Aus dem Inland gab es hier ein Plus von zehn Prozent, das Ausland steuerte minus zwei Prozent zum Gesamtergebnis bei.

Seine Rolle als einer der wichtigsten industriellen Arbeitgeber in Deutschland hat der Maschinen- und Anlagenbau trotz durchwachsener Auftragszahlen beibehalten. So arbeiteten im Juli 1,008 Millionen Menschen im Maschinenbau, 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Laut einer Studie des VDMA beschäftigen sich bereits 60 Prozent der deutschen Maschinenbaufirmen mit dem Thema Industrie 4.0, rund ein Drittel davon sogar intensiv.

Die deutschen Maschinenbauunternehmen verfügen über eine Eigenkapitalquote von durchschnittlich 30 Prozent und dürfen damit als finanziell gut abgesichert gelten. (7)



Weiterführende Literatur:

(1.) Bleierne Zeiten / Der deutsche Maschinenbau rechnet mit Jahren ohne Wachstum
aus Süddeutsche Zeitung, 14.10.2015, Ausgabe Bayern, Deutschland, S. 22

(2.) Maschinenbau im Tief / Lange Gesichter auf dem Verbandsgipfel in Berlin
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2015, Nr. 238, S. 18

(3.) VDMA: Deutscher Maschinenbau bietet den weltweit besten Service
aus ZulieferMarkt, Heft 07/2015, S. 8

(4.) Deutschland und USA bleiben Benchmark / Maschinenbau verlagert Entwicklungskapazitäten nach Fernost - China holt als Produktionsstandort auf
aus mav maschinen anlagen verfahren, Heft 10, 2015, S. 20

(5.) VW-Skandal beschäftigt den Maschinenbau / Die Branche fordert schnelle Aufklärung. Bei ausländischen Kunden überwiegt bisher die Schadenfreude.
aus Stuttgarter Zeitung - Stadtausgabe, 14.10.2015, S. 11

(6.) Deutscher Maschinenbau-Preis 2015 für Gerhard Sturm und Dr. Manfred Wittenstein
aus news aktuell vom 14.10.2015

(7.)VDMA: 18 Prozent mehr Orders im Juli / Heißer Sommer im Maschinenbau
aus mav maschinen anlagen verfahren Nr. 10/2015, Seite 16

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 10 vom 28.10.2015
Dokument-ID: s_mas_20151028

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