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Luftfracht - guter Start ins neue Jahr

TRANSPORT & LOGISTIK | GENIOS BranchenWissen Nr. 04 vom 27.04.2015


Gütertransport erreicht Rekordmarke

Im abgelaufenen Jahr sind in, von und nach Deutschland so viele Güter transportiert worden wie noch nie. Bewegt wurden etwa 4,5 Millionen Tonnen und damit 2,9 Prozent mehr als 2013. Hauptverkehrsträger blieb wie gewohnt die Straße, die überdies im Vergleich mit den anderen Verkehrsträgern die höchsten Zuwächse verzeichnete. Nach vorläufigen Berechnungen wuchs der LKW-Verkehr um 3,7 Prozent, die Seeschifffahrt legte um 2,4 Prozent zu, die Binnenschifffahrt erreichte ein Plus von 0,8 Prozent. Etwa in der Mitte der Zuwächse rangierte die Luftfracht, die um 1,9 Prozent mehr Güter transportierte als im Vorjahr. Damit darf für die Luftfracht von einer Trendwende gesprochen werden, denn in den Jahren 2013 und 2012 war die transportierte Menge jeweils gesunken. 2013 betrug das Minus 2,3 Prozent, 2012 waren es minus 4,7 Prozent. Noch etwas stärker als die innerdeutsche Luftfrachtmenge legte im letzten Jahr der Luftfrachtumschlag auf deutschen Flughäfen zu. Hier betrug der Zuwachs sogar 2,6 Prozent.

Rückgänge verzeichnete damit im Jahr 2014 alleine der Schienengüterverkehr. Gebeutelt von den Streiktagen der Lokführer-Gewerkschaft GDL sank die auf der Schiene transportierte Gütermenge um 2,3 Prozent. (1)


Luftfracht startet durch

Auch im laufenden Jahr sieht es für die Luftfracht gut aus. So war der Februar dieses Jahres der stärkste Monat seit langem. Gemeldet wurde ein Anstieg des Cargo-Aufkommens an deutschen Flughäfen von 4,3 Prozent auf 34 000 Tonnen. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres lag das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei 2,5 Prozent und damit ebenfalls höher als das durchschnittliche Gesamtwachstum 2014. Die Ausladungen stiegen dabei um 3,8 Prozent, die Einladungen legten um 1,3 Prozent zu.

Die sehr guten Zahlen zum Jahresbeginn wurden allerdings nicht auf den deutschen Großflughäfen erzielt. Sowohl Frankfurt/Main als auch Köln/Bonn verzeichneten zum Jahresanfang nur stagnierende Cargo-Umschläge. Deutliche Zuwächse gab es demgegenüber auf den Flughäfen München und Leipzig/Halle, die sogar zweistellig zulegten.

Die insgesamt ordentlichen Zuwächse im deutschen Luftfrachtverkehr korrespondieren mit den Aussichten für das globale Air-Cargo-Geschäft. Der internationale Dachverband der Fluggesellschaften Iata hat für den Februar eine weltweit um 11,7 Prozent angestiegene Transportleistung gemeldet. Für Januar und Februar zusammen betrug das Plus 7,5 Prozent. Der Aufschwung in der Luftfracht ist nach Angaben der Iata insbesondere eine Folge des Streiks der Hafenarbeiter an der Westküste der USA. Der lahmende Seeverkehr hat dazu geführt, dass japanische Autohersteller wie auch die Boulettenbraterei McDonald´s verstärkt auf Cargoflieger zurückgreifen. Infolge dieser Entwicklung ist die Transportleistung der Cargoflieger in der Asien-Pazifik-Region zum Jahreswechsel um satte 20,8 Prozent angestiegen.

Das größte Luftfrachtdrehkreuz weltweit ist auch in diesem Jahr der Flughafen Hongkong, gefolgt von Memphis in den USA. Auf dem dritten Platz liegt Shanghai. Größter deutscher Hub ist Frankfurt/Main auf Rang neun. (2), (3)


Lufthansa Cargo erzielt Gewinnsprung

Die Lufthansa hat im abgelaufenen Jahr 2014 einen operativen Gewinn von 954 Millionen Euro erzielt. Im Vergleich mit 2013 bedeutet dies ein Plus von 255 Millionen Euro. Alleine 100 Millionen Euro steuerte zu dem guten Ergebnis die Luftfrachttochter LH Cargo bei. 2013 hatte die Sparte nur 79 Millionen Euro erlöst. Für 2015 rechnet LH Cargo mit einem weiteren Ergebniszuwachs. Hierfür hat LH Cargo das Projekt eCargo gestartet, das die Digitalisierung aller wesentlichen Geschäftsprozesse zum Ziel hat.

Nach Steuern sah es für den Gesamtkonzern 2014 indessen anders aus. So blieben unter dem Strich nur 55 Millionen Euro übrig, nach 313 Millionen Euro im Vorjahr. Für das laufende Jahr hat die Lufthansa daher große Pläne. Anvisiert ist ein Vorsteuergewinn von 1,5 Milliarden Euro - die im Vergleich mit 2014 einen Zuwachs um über 50 Prozent bedeuten würden. (4)





Fallbeispiele


Lateinamerika bleibt schwieriger Luftfracht-Markt

Frischwaren aus Süd- und Mittelamerika sind in deutschen Supermärkten schon lange eine Selbstverständlichkeit. Transportiert werden Avocados, Mangos oder blühende Pflanzen von Aircargo-Unternehmen wie der deutschen LH Cargo, Lan oder IAG. Für die Transporter ist Südamerika ein wichtiger, wenn auch schwieriger Markt. Da das Transportgeschehen abhängig vom Wetter und von Ernten ist, wird den Cargofliegern einige Flexibilität abverlangt. Eine oft beklagte Bremse für das auf Schnelligkeit ausgerichtete Aircargo-Geschäft ist zudem die südamerikanische Bürokratie. Trotzdem baut Lufthansa Cargo auf sein lateinamerikanisches Standbein und fliegt seit einigen Jahren auch die peruanische Hauptstadt Lima an. Auf dem Rückflug nach Frankfurt werden Zwischenstopps in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito und in Puerto Rico eingelegt. (6)


Luftfracht-Boom in Österreich

Unser südliches Nachbarland verzeichnete im vergangenen Jahr einen Boom bei der Luftfracht. In den ersten drei Quartalen 2014 stieg die transportierte Menge jeweils zwischen zehn und 15 Prozent. Seit dem Jahresbeginn 2015 verflacht die Wachstumskurve allerdings wieder. (7)


Klage gegen Luftfrachtunternehmen weitet sich aus

Der bereits anhängigen Klage der Deutschen Bahn gegen internationale Luftfrachtgesellschaften - darunter LH Cargo - haben sich unlängst weitere namhafte Unternehmen angeschlossen. Auch BMW und Bosch sehen sich durch die aufgedeckten Preisabsprachen unter den Cargofliegern geschädigt und verlangen Schadensersatz. Seit Ende letzten Jahres prozessiert die Deutsche Bahn gegen die Luftfrachtunternehmen und pocht alleine auf eine Ausgleichszahlung in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Die beklagten Unternehmen sind die Air Canada, British Airways, Cargolux, Cathay Pacific, Deutsche Lufthansa, Japan Airlines, LAN, Quantas, SAS und Singapore Airlines. Aufgeflogen sind die Preisabsprachen bereits 2006. Damals hatte sich die Lufthansa nach einer Sammelklage in den USA mit den Klägern geeinigt und eine Buße von 66,3 Millionen Euro bezahlt. Von den derzeit eingeklagten 1,8 Milliarden Euro entfallen nach Angaben der Bahn rund 20 Prozent alleine auf die Lufthansa. (8)



Zahlen & Fakten



Gute Perspektiven für die Luftfracht

Nach Schätzungen des internationalen Luftfahrtverbandes Iata wird das internationale Luftfrachtaufkommen in den nächsten fünf Jahren um 4,1 Prozent jährlich zulegen.

2014 wurden Waren im Wert von 6,8 Billionen Dollar mit dem Flugzeug transportiert. Dies waren 35 Prozent des Wertes des gesamten Welthandels.

Besonders aussichtsreich sind die Perspektiven für die Luftfracht in den USA, in China und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Den drei Regionen wird eine Zunahme des Frachtaufkommens von jeweils einer Million Tonnen prognostiziert. (5)



Weiterführende Literatur:

(1.) 2015: Ein rundum gutes Jahr?
aus Verkehrs Rundschau, Heft 12/2015, S. 20-24

(2.) Luftfracht startet gut ins neue Jahr / Aircargo- Quartalsüberblick: Branche profitiert vom Hafenstreik an der US-Westküste
aus DVZ, Nr. 15 vom 20.02.2015

(3.) Luftfrachtmarkt zieht wieder an / Deutliches Plus im Februar / Asien-Pazifik- und Golf-Carrier profitieren am meisten
aus DVZ, Nr. 28 vom 08.04.2015

(4.) Lufthansa verbessert Betriebsgewinn / Auch die Cargotochter schneidet gut ab
aus DVZ, Nr. 21 vom 13.03.2015

(5.)Gute Aussichten für die Luftfracht
aus Verkehrs Rundschau Nr. 44/2014, Seite 12

(6.) Schwieriger Aircargo-Markt Südamerika / Ungleichgewicht der Ein- und Ausfuhrmengen sowie große Entfernungen machen den Luftfracht-Carriern zu schaffen
aus DVZ, Nr. 27 vom 02.04.2015

(7.) Luftfracht-Boom hält weiter an
aus APA-JOURNAL Touristik vom 24.03.2015

(8.) Weitere Klagen in der Luftfracht
aus Handelsblatt Nr. 022 vom 02.02.2015 Seite 016

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 04 vom 27.04.2015
Dokument-ID: s_tra_20150427

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