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Luftfracht - das Ende des Booms kündigt sich an

TRANSPORT & LOGISTIK | GENIOS BranchenWissen Nr. 03 vom 25.03.2019


Getrübte Aussichten für 2019

Die deutsche Logistikbranche wächst weiter verlässlich und hat ihre Umsätze 2018 im Vergleich mit dem Vorjahr nach vorläufigen Berechnungen von 267 Milliarden Euro auf 274 Milliarden Euro gesteigert. Das Umsatzplus liegt damit bei 2,6 Prozent. Damit ist die Logistik wieder einmal stärker gewachsen ist als die deutsche Gesamtwirtschaft, die 2018 nur um 1,5 Prozent zulegte. Erneut gewachsen ist auch der Güterverkehr. Hier beträgt die Zunahme gegenüber 2017 2,8 Prozent, wovon der Straßengüterverkehr - mit plus 2,2 Prozent - wie gewohnt am stärksten profitierte. Die Seeverkehre legten um 1,1 Prozent zu, die Schiene verzeichnete ein mageres Plus von 0,7 Prozent. Die Binnenschifffahrt wuchs nach bisherigen Berechnungen etwas stärker als die Schiene.

Derzeit ist die Stimmung bei Logistikern und Transporteuren allerdings getrübt. Die zurückgehende Konjunktur in Deutschland und weltweit schlägt langsam an und sorgt dafür, dass die Branche die eigenen Aussichten so verhalten bewertet wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Zahl der Unternehmen, die ihre aktuelle Situation als gut bewerten, hat sich laut einer Marktumfrage halbiert. (1)


Deutsche Luftfracht erlebt schwachen Jahresanfang

Besonders deutlich schlägt sich die weltweite Konjunkturabkühlung auf die Luftfracht nieder. Auf dem ganzen Globus sinkt die Frachtmenge, insbesondere im Transport nach Asien. Alleine von deutschen Flughäfen ging im Januar 8,7 Prozent weniger Fracht in die Luft als im Vorjahresmonat. Weltweit ist die transportierte Luftfracht laut den Daten eines niederländischen Analysehauses um zwei Prozent gesunken. Die Länder Westeuropas kommen zusammen auf ein Minus von 5,5 Prozent. Mit Ausnahme des Oktobers 2018 verzeichnet die deutsche Luftfracht schon seit Sommer vorigen Jahres eine rückläufige Frachtentwicklung. Den stärksten Einbruch erleiden dabei die Luftfrachtlieferungen in den asiatisch-pazifischen Raum. Hier gingen die Volumina um 14,5 Prozent zurück.

Auf die größten deutschen Flughäfen verteilt sich die schrumpfende Luftfracht uneinheitlich. Frankfurt/Main verzeichnete im Januar ein Cargo-Minus von 3,1 Prozent, der Flughafen Köln/Bonn meldete sogar minus 4,5 Prozent. Lediglich Leipzig/Halle legte ein wenig zu, nämlich um 0,9 Prozent. (2), (6)


IATA prognostiziert Wachstumsverlangsamung

Für das Gesamtjahr 2019 sieht es derzeit danach aus, dass die globale Luftfracht zwar langsamer wächst, aber nicht schrumpft. Laut dem internationalen Branchenverband IATA wird die globale Luftfracht-Verkehrsleistung 2019 um zwei Prozent wachsen. Die verlangsamte Entwicklung wird auch durch diese IATA-Prognose deutlich, denn der Verband war noch im Dezember für die globale Luftfracht von einem Zuwachs um 3,7 Prozent ausgegangen. Damit geht in diesem Jahr ein zweijähriger Boom zu Ende, von dem auch der deutsche Marktführer Lufthansa Cargo stark profitiert hat. (3)





Fallbeispiele


Lufthansa-Cargo erwartet Ende des Booms

Lufthansa Cargo hat seine Erlöse im vergangenen Jahr um stattliche sieben Prozent auf 2,7 Milliarden Euro steigern können. Das operative Ergebnis lag bei 372 Millionen Euro und damit zwei Prozent über dem Vorjahreswert. 2018 war für LH Cargo damit das zweitbeste Jahr seiner Geschichte. Gleichwohl war schon am Jahresende zu erkennen, dass der Boom zu Ende geht. Erstmals seit zwei Jahren musste auch die Cargo-Tochter der Lufthansa wieder schrumpfende Umsätze in die Bücher nehmen. Verantwortlich für die Rückgänge macht die Lufthansa auch die Unsicherheit infolge der Hängepartie um den Brexit. Gleichzeitig sieht die Airline im EU-Austritt Großbritanniens auch eine Chance. Sollte es nämlich zu chaotischen Verhältnissen bei der Zollabwicklung an den Häfen kommen, könnte die Lufthansa hier einspringen. (4)


2018: Weniger Luftfracht am Frankfurter Flughafen

Der Frankfurter Flughafen hat mit einem Luftfracht-Minus von 3,1 Prozent einen schwachen Januar erlebt, allerdings kündigte sich der Rückgang schon im vergangenen Jahr an. 2018 sank das Frachtaufkommen auf Deutschlands größtem Flughafen im Vergleich mit dem Vorjahr um 0,7 Prozent auf 2,2 Millionen Tonnen. Da LH Cargo zur gleichen Zeit Zuwächse verbuchte, erstaunt das Ergebnis. Und in der Tat waren es nicht die Luftfrachtkonjunktur selbst, die den Rückgang bewirkte, sondern Probleme mit dem Abfertigungs-Unternehmen Frankfurt Cargo Services (FCS). Diese haben dazu geführt, dass einige Frachtströme an Frankfurt vorbeigeleitet werden mussten. Das größte Minus verzeichnete die Fraport AG bei den Frachtmengen mit anderen europäischen Ländern. Diese sanken im Vorjahresvergleich um 16 Prozent. (5)


Berlin: Bei der Luftfracht noch ohne Hauptstadtstatus

Das Luftfrachtaufkommen auf den Berliner Flughäfen ist mit 90 000 Tonnen jährlich (in Frankfurt sind es 2,2 Millionen Tonnen) überaus gering. Andere europäische Hauptstädte wie Paris, London oder Amsterdam verzeichnen Jahresmengen ebenfalls bei etwa zwei Millionen Tonnen und hängen die deutsche Hauptstadt damit locker ab. Die Gründe für das schwach ausgebildete Cargo-Geschäft liegen zum einen darin, dass die Lufthansa ihre Luftfracht bevorzugt über den Frankfurter Flughafen abwickelt. Zum anderen spielt die endlose Geschichte um den immer noch nicht fertig gestellten Flughafen Berlin-Brandenburg eine Hauptrolle. Daran ändert es auch nichts, dass das Cargo-Center des Pannenflughafens 2013 pünktlich eröffnet werden konnte und seitdem seiner Bestimmung nachgeht. Kühne und Nagel sowie DB Schenker sind bereits aus ihren Niederlassungen am alten Flughafen Tegel ausgezogen und arbeiten am neuen Flughafen. (8)



Zahlen & Fakten


Die Logistiksparte der Lufthansa - die im Wesentlichen aus LH Cargo besteht - hat 2018 rund 8,4 Milliarden Frachttonnenkilometer verkauft. Das ist ein Prozent mehr als im Vorjahr. Die stärksten Zuwächse gab es im Geschäft nach Asien/Pazifik und in die USA. Die Erträge pro Frachttonnenkilometer stiegen um knapp sieben Prozent auf 28,5 Cent. Trotz der aktuell getrübten Aussichten will LH Cargo in diesem Jahr seine Flotte vergrößern. Bereits im Februar wurde eine neue Boeing 777F in Dienst gestellt, eine weitere soll im Frühjahr kommen. Nicht gut zu sprechen ist LH Cargo auf das am Flughafen Frankfurt geltende Nachflugverbot. Nach Angaben der Unternehmensleitung gehen hierdurch jährlich Erlöse in einer Höhe von 40 Millionen Euro verloren. (7)

Auch der Lufthansa-Konzern insgesamt hat 2018 hervorragend abgeschnitten. Der operative Gewinn lag mit 2,8 Milliarden Euro zwar um vier Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Da 2017 aber das beste Jahr in der Geschichte der Lufthansa war, ist das Jahresergebnis 2018 nun das zweitbeste in der Chronik der deutschen Vorzeige-Airline. Trotz etwas niedrigeren Ergebnisses hatte 2018 eine Umsatzsteigerung gebracht, nämlich um sechs Prozent auf 35,8 Milliarden Euro. (9), (10)



Weiterführende Literatur:

(1.) Die Risiken nehmen zu
aus Verkehrs Rundschau, Heft 1/02/2019, S. 16-18

(2.) Die deutsche Luftfracht erlebt einen schlimmen Jahresanfang
aus DVZ Online vom 04.03.2019

(3.) Protektionismus bremst Wachstum der Luftfracht
aus Börsen-Zeitung vom 13.03.2019, Nr. 50, S. 9

(4.) Lufthansa-Cargo-Chef sieht Ende des Luftfracht-Booms
aus Handelsblatt online vom 18.03.2019

(5.) Weniger Luftfracht über Frankfurt
aus DVZ Deutsche Verkehrs-Zeitung, Heft 3/2019, S. 12

(6.) Deutsche Luftfracht kommt glimpflich davon
aus DVZ Deutsche Verkehrs-Zeitung, Heft 11/2019, S. 1

(7.)Die fetten Jahre sind vorbei
aus DVZ Verkehrs-Zeitung Nr. 12/2019, Seite 11

(8.) Hauptstadt ohne Hub
aus DVZ Online vom 03.12.2018

(9.)Teures Kerosin drückt Lufthansa-Gewinn
aus manager magazin online vom 14.03.2019

(10.)Franzosen verbessert, IAG ist Margen- King, der Kranich tritt auf der Stelle
aus T.A.I. Tourismuswirtschaft Austria & International Nr. 2352/2019 vom 22.03.2019, Seite 8

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 03 vom 25.03.2019
Dokument-ID: s_tra_20190325

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