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Logistik-Vorstände in Dax-Unternehmen - Logistik wird Top-Führungsaufgabe

TRANSPORT & LOGISTIK | GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 28.07.2015


Logistik wird Vorstandsressort

Transport und Logistik waren für produzierende Unternehmen schon immer wichtige Themen, jedoch nur selten wichtig genug, um ihnen einen eigenen Vorstand zu geben. Das ändert sich gerade. Immer mehr Firmen erheben die Logistik zu einem Vorstandsressort, bei den Dax-30-Unternehmen sind es bereits 16 Logistik-Vorstände. Hintergrund der Aufwertung ist laut Bundesvereinigung Logistik (BVL) die sich durchsetzende Erkenntnis, dass die Logistik in einer strategischen Unternehmensführung zu den Top-Themen gehören muss. Ihre Bedeutung liegt heute darin, dass sich die Logistik auf Qualität und Kosten der Endprodukte auswirkt und somit zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden ist. In acht der von der BVL untersuchten Unternehmen hat der CEO einen Logistikhintergrund, in sechs Firmen gibt es bereits einen CLO (Chief Logistics Officer). Herangezogen wurden die 110 Unternehmen des HDax (also alle Firmen aus Dax, MDax und TecDax) sowie die 50 größten Familienunternehmen.

Logistik ist mittlerweile auch in der Industrie und in Handelsunternehmen stark verankert. Weniger groß ist ihre Bedeutung indessen im Management von Banken und Versicherungen. Gleichwohl liegt die Verantwortung für das Supply Chain Management bei 33 der 150 herangezogenen Unternehmen in den Händen eines ausgewählten Managers, der sonst keine anderen Aufgaben hat. (1)


Experten sehen Logistik auf dem Vormarsch

Die Studie der BVL zeigt nach Ansicht von Fachleuten deutlich, dass das Thema Supply Chain Management als wichtiges Element zur Gestaltung globalisierter Wertschöpfungsketten bei vielen deutschen Unternehmen endlich angekommen ist. Zudem zeigt die Untersuchung, dass eine Logistikkarriere mittlerweile auch ein Sprungbrett nach ganz oben sein kann.

Gleichzeitig wird deutlich, wie groß der Nachholbedarf noch immer ist, die Logistik im Denken auch der Management-Boards zu verankern. So ist bei vier Fünftel der in Augenschein genommenen Unternehmen von einer fokussierten Handhabung der Logistik noch immer nicht viel zu sehen. Damit hat die Bundesvereinigung Logistik - die sich explizit die stärkere Verankerung von Logistikkompetenz in den Führungsriegen großer Unternehmen zum Ziel gesetzt hat - ganz offenkundig noch viel Arbeit vor sich. (2)





Fallbeispiele


Was Logistikmanager können müssen

Auf einem Experten-Forum des Fachmagazins Verkehrsrundschau sollte geklärt werden, was die Unternehmen von ihren Logistikmanagern erwarten - gegenwärtig und zukünftig. Die hohe Vielfalt der Logistikbranche macht es jedoch nicht einfach, ein einheitliches Anforderungsprofil für den Jung-Logistiker aufzustellen. Darüber hinaus führt gerade in der Logistik eine enorm hohe Zahl möglicher Wege zum Ziel. Alleine 352 Treffer zeigt der Hochschulkompass, wenn man dort Logistik als Stichwort eingibt. Das wundert jedoch nicht: Zum Logistiker kann auch der Wirtschaftsingenieur werden, ebenso natürlich der Betriebswirt, aber auch Informatiker oder der Mitarbeiter ohne Studienabschluss.

Der Logistikexperte Prof. Martin Göbl von der Hochschule Kempten sieht für die Arbeit in der Logistik denn auch insbesondere den Generalisten geeignet, also solche Mitarbeiter, die bereits auf vielen verschiedenen Feldern Erfahrungen gesammelt haben. Besonders gefragt sind nach Meinung des Experten Logistik-Interessierte mit Kenntnissen in Betriebswirtschaft, Informationstechnik, Elektrotechnik und in logistischen Prozessen selbst.

Auf dem Forum gaben erfolgreiche Firmen zudem Einblick in ihren eigenen Umgang mit dem Thema Logistik. So legt der Automobilhersteller BMW bei seinen Logistikmitarbeitern auch Wert auf Kenntnisse in Elektrotechnik und IT. Genauso wichtig sind die heute so oft beschriebenen Soft Skills, also die menschlichen Talente. (3), (4)


Warten auf die CeMAT 2016

Erst im nächsten Jahr wird in Hannover die CeMAT stattfinden, doch wirft die Weltleitmesse für Intralogistik und Supply Chain Management schon heute ihre Schatten voraus. Erwartet werden 1 000 Aussteller. Gerechnet wird insbesondere mit Installationen, die den Besuchern vor Augen führen, wie Logistikprozesse künftig digitalisiert und vernetzt gesteuert werden können. Dementsprechend ist das Leitthema gewählt, das im nächsten Jahr Smart Supply Solutions heißen wird. Damit zeigt die Logistik auf, dass das Thema Industrie 4.0 auch hier angekommen ist. Ein weiterer Megatrend ist die Kostenreduktion. Die Aussteller werden zeigen, wie Prozesse vereinfacht und Kosten gesenkt werden können. (5), (7)



Zahlen & Fakten



Der begehrteste Job in der deutschen Logistikwirtschaft&

& könnte der Posten von Oliver Bronder sein. Er ist seit dem 1. April dieses Jahres Logistikleiter beim Sportwagenhersteller Porsche - dem nun schon seit Jahren profitabelsten Autobauer der Welt. In den letzten Monaten hatte der Wirtschaftsingenieur insbesondere damit zu tun, das Projekt 918 Spyder zu begleiten. Der Supersportwagen für 770 000 Euro und mit 887 PS wurde in den vergangenen 21 Monaten im Werk Stuttgart-Zuffenhausen in Manufakturbauweise hergestellt. Die Anforderungen an Logistik und Arbeitsorganisation sind dabei enorm, alleine weil der Ausstoß des Supersportlers einem völlig anderen Takt folgt als beispielsweise die Fertigstellung der Serienwagen wie Macan oder Boxster. Schwierig ist die Aufgabe auch deshalb, weil Porsche heute - wie fast jedes Großunternehmen - auf Lagerhaltung verzichtet und Just-in-Time produziert. So muss der oberste Porsche-Logistiker gewährleisten, dass rund 1 000 Zulieferer zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Bauteile anliefern. Die Porschelogistik steuert dabei nicht weniger als satte 40 000 Bauteile, die punktgenau in den Werken Stuttgart und Leipzig verteilt werden müssen. - Das sind zusammen 280 LKW, die die beiden Porschewerke täglich anfahren. (6)



Weiterführende Literatur:

(1.) Ein Fall für den Vorstand / BVL-Benchmark: Logistik ist Top-Führungsaufgabe der Manager
aus DVZ, Nr. 58 vom 21.07.2015

(2.) Erster Etappensieg für die Logistikmanager
aus DVZ, Nr. 58 vom 21.07.2015

(3.) Aus Szenarien Strategien entwickeln / Future Manager Enno Däneke analysiert Zukunftstrends und hilft Unternehmen, Entscheidungen zu treffen
aus DVZ, Nr. BTLO vom 05.05.2015

(4.) Gesucht: Wollmilchsau mit Soft Skills / Was erwarten Unternehmen von den Logistikmanagern von morgen? Diese Frage beantworteten Experten auf dem Karriere-Forum der VerkehrsRundschau.
aus Verkehrs Rundschau, Heft 22/2015, S. 24-25

(5.) Logistik 4.0 im Fokus
aus LOGISTIK HEUTE, Heft 07-08/2015, S. 50-51

(6.)Logistikmanager für Traumwagen / Oliver Bronder sorgt bei Porsche dafür, dass alles zur rechten Zeit am rechten Platz ist
aus DVZ Deutsche Logistik-Zeitung Nr. 55 vom 10.07.2015

(7.) Cemat 2016 / Logistik wird digital und vernetzt
aus www.maschinenmarkt.de vom 22.06.2015

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 28.07.2015
Dokument-ID: s_tra_20150728

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