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Konkurrenzkampf mit harten Bandagen - Bewegung im Markt für Paket- und Postdienste

TRANSPORT & LOGISTIK | GENIOS BranchenWissen Nr. 06/2006 vom 26.06.2006

Beitrag

Die Paketversender profitieren vom steigenden Warenverkehr durch Online-Bestellungen. Noch liegen deutliche Unterschiede zwischen DHL und den Wettbewerbern. Doch der Vorsprung verringert sich langsam. Im deutschen und internationalen Paket- und Postmarkt tobt ein harter Konkurrenzkampf.

Harte Bandagen im Paketmarkt

Die elektronische Korrespondenz per E-Mail und Datentransfer könnte den traditionellen Brief aus Papier und per Post zum Auslaufmodell werden lassen. Eine völlig gegensätzliche Entwicklung erlebt der Paketversand. Dank Ebay, Amazon und anderen Online-Shops ist der Versand von Waren per Paketdienst so populär wie nie zuvor. Das Sendungsvolumen der KEP (Kurier-, Express- und Paketdienste) wächst dabei um jährlich 4%. Im Vergleich hierzu ist der Briefmarkt nur 0,5% gewachsen. Der deutsche Markt ist bei den KEP oligopolistisch geprägt. So beherrschen sechs Unternehmen rund 75% des Marktes. An erster Stelle steht dabei mit 30% Marktanteil DHL, gefolgt von DPD mit 12% und UPS mit 10%. Den Rest teilen sich die Anbieter Hermes, GLS und TNT. Die Marktteilnehmer setzen momentan auf einen harten Preiswettbewerb. Noch hat DHL im Rennen die Nase vorn. Dabei ist das große Filialnetz von DHL ein klarer Wettbewerbsvorteil. In 12 000 Postfilialen und 600 Packstationen hat DHL den Kundenkontakt. Die Wettbewerber ziehen hier langsam nach. So richtet Hermes im Einzelhandel Paketshops ein und UPS ist mit 20% an Mail Boxes, etc. Deutschland beteiligt. Das Unternehmen richtet eine Service-Kette für Office-Dienste ein. (7)

Konkurrenten in den Startlöchern

Noch liegt ein deutlicher Abstand der Marktteilnehmer zur Position der Deutschen Post im Markt. Doch die Wettbewerber formieren sich mit ehrgeizigen Zielen auf dem Markt und damit gegen den Marktführer in Deutschland. TNT, derzeit mit 10 Milliarden Euro Umsatz, strebt den Aufbau in München und Berlin an. GLS beginnt mit dem Einstieg in das Luftfracht-Express-Geschäft der Deutschen Post Konkurrenz zu machen. Die britische Royal Mail Tochter wird die Standorte in Deutschland und Großbritannien über Nachtflüge miteinander verbinden. Die Tochter GLS-Air wird in diesem neuen Segment 25 Maschinen einsetzen. Eine weitere Linie ist nach Italien und Ungarn geplant, meldet das Unternehmen. Als Ziel sieht GLS eine Preisunterbietung zur Deutschen Post, UPS und FedEx in diesem Segment um bis zu ein Drittel. Um das Geschäft mit Kleinunternehmen zu verstärken, will GLS die Anzahl der Paketshops in den kommenden 2 Jahren von derzeit 4 100 auf rund 10 000 Standorte ausbauen. Alleine in Deutschland eröffnet GLS zurzeit rund 100 Annahme- und Abholstellen im Einzelhandel pro Monat. In den übrigen Ausbau der Versandnetze sieht das Unternehmen Investitionen im Bereich von 100 Millionen Euro vor. Ehrgeizige Projekte sind der Aufbau neuer Frachtzentren in Frankreich, Ungarn und Dänemark. Italien und Spanien sollen durch Firmenzukäufe abgedeckt werden. In Deutschland werden die Investitionen für Sortierdepots in Chemnitz, Koblenz, Essen und Forchheim eingesetzt. Mit einem Viertel des Marktes beginnt Hermes, die Otto Tochter, der Deutschen Post Anteile abzunehmen. Besonders interessant ist für Hermes der Markt für Paketsendungen von Unternehmen an Haushalte. Der mit 1,6 Milliarden Euro große Markt wird zu bereits 35% von Hermes bedient. Hermes plant hier einen weiteren Ausbau der Leistungen an kleinere Unternehmen. Seit Anfang 2006 bietet Hermes daher Unternehmen, die mehr als 1 000 Pakete pro Jahr versenden, die Versandlogistik an. Hierzu zählen die PowerSeller aus Ebay. Eine Expansion in Europa ist laut dem Unternehmen ebenfalls für dieses Jahr geplant. Im ersten Schritt sollen dabei die Pakettöchter von Otto in Frankreich und Großbritannien integriert werden. Damit werden dann 70% des Paketaufkommens abgedeckt. (3), (4), (6), (9), (11), (12)

Bastion Briefmonopol der Deutschen Post bröckelt

Das Briefmonopol der Deutschen Post soll 2008 fallen. Die Bundesregierung hat dies unabhängig von der Entwicklung in den anderen europäischen Staaten nochmals betont. Im Gegensatz zu Großbritannien und den Niederlanden ist von den Franzosen mit einem Veto zu rechnen. Die Deutsche Post hatte nachfolgend mit einer Verzögerung des deutschen Engagements gerechnet und muss sich nun einem weiteren Wettbewerb stellen. Die privaten Briefdienste Pin Group und TNT Post wollen dabei der Deutschen Post Marktanteile abjagen. Die beiden Wettbewerber streben für 2010 einen Umsatz von 1 Milliarde Euro in diesem Geschäftssegment gemeinsam an. Zurzeit kommen die rund 1 000 kleinen Briefdienste auf einen Marktanteil von 7% bei 700 Millionen Euro Umsatz. Dabei kommen die Hauptwettbewerber Pin und TNT Post gemeinsam auf einen Umsatz von derzeit zwischen 100 und 150 Millionen Euro. (1), (8)

Offensive der Post auf dem Paketmarkt

Die Deutsche Post blickt auf schwierige Jahre zurück und startet nun den Gegenangriff auf dem Paketmarkt. Die angekündigten Maßnahmen bündeln sich in weiteren Preissenkungen, einer Optimierung des Produktsortiments und einer Serie von Produktinnovationen. Das Ziel der Deutschen Post ist klar formuliert: Die Position als Marktführer soll gehalten und zudem ausgebaut werden. Zur Erreichung dieser Ziele hat die Deutsche Post zahlreiche Netze und Unternehmen in Europa übernommen. Die Eingliederung in das eigene Netz hat das Geschäft der Deutschen Post deutlich gebremst. Nun zeigt die Entwicklung nach Bekunden der Unternehmensleitung nach oben. Genau nach Plan läuft hier das eine Milliarde starke Investitionsprogramm zum Ausbau des Engagements in Europa. Die Zahl der Kundenkontaktpunkte konnte von 15 000 auf 20 000 Stellen erweitert werden. In 11 Ländern konnten neue Terminals errichtet werden. (2), (13)

Internationaler Markt als Heilsbringer

Der KEP Markt wird zukünftig durch eine wachsende Internationalisierung geprägt. Die Dienstleister müssen hier der Kundennachfrage nach nationalen aber auch internationalen Versandmöglichkeiten nachkommen. Die Deutsche Post geht mit großen Erwartungen in das Überseegeschäft. China steht dabei auf der Top-Liste beim Engagement des gelben Riesen. Die Post will in Asien hochwertige Zusatzdienste für den Brief und Dokumentenversand anbieten und hat bereits mit der japanischen Yamato-Gruppe ein Kooperationsabkommen vereinbart. Dort ist das Unternehmen mit einem Umsatz von 7,9 Milliarden Euro nach der japanischen Staatspost die Nummer Zwei. Impulse sind durch bevorstehende Liberalisierung und Privatisierung der Staatspost ab 2007 zu erwarten. Neben Asien schaut die Post in die USA. Der dortige Markt mit 30 Milliarden Euro Volumen ist bereits durch die Deutsche Post auf Platz Zwei hinter der U.S. Staatspost besetzt. Bereits ab 2008 rechnet das Unternehmen mit dem Überschreiten der 1 Milliarden Dollar Umsatzhöhe.

Für den lokalen und europäischen Markt ist neben dem Preis die Zuverlässigkeit von Bedeutung, gerade im Industriesektor . Hier ist die Straße als Transportmittel für die Kurier- Express- und Paketdienste klar im Vorteil. Der Transport per Schiene wird dabei keine Rolle spielen, da zu langsam. Größere Entfernungen werden per Flugzeug zurückgelegt, da gerade die Bahn beim Schienentransport zu unflexibel und als nicht termintreu gilt. Wesentlicher Erfolgsfaktor der Marktteilnehmer wird eine niedrige Kostenstruktur sein. Durch das Ansteigen der Transportpreise, bedingt durch Treibstofferhöhungen und Mautgebühren, ist mit einem hohen Automatisierungsgrad und einer Routenoptimierung durch IT-Technologien zu rechnen. Eine weitere Kostensenkung kann durch Outsourcing an Transportunternehmen erreicht werden. (5), (7), (10)



Fallbeispiele



Preisoffensive bei Paketen
Ab Mai 2006 hat die Post für Päckchen bis zu 2 Kilo den Preis von 4,30 auf 3,90 Euro gesenkt. Die Post folgt damit der Preisvorgabe von Hermes. Eine weitere Preissenkung für schwere Pakete soll folgen. Die Preissenkungen beeindrucken Hermes nur wenig. Der Paketversender bietet im Gegensatz zur Post eine Sendungsverfolgung und einen versicherten Versand an. (9)


DHL transportiert für Obi
Für die Baumarkt-Kette Obi übernimmt DHL die nationale Stückgut Logistik. Der im Mai 2006 in Kraft getretene Vertrag sichert DHL pro Jahr eine Transportmenge von 60 000 Tonnen zu. DHL sieht in diesem Geschäft weitere Möglichkeiten durch die Verzahnung von Luft- und Seefracht. Auf diese Weise kann die gesamte Lieferkette zwischen Hersteller und Baumarkt angeboten werden. (2)

Direktmarketing Konzept der Deutschen Post in Asien
Die für 360 Millionen Euro durch die Deutsche Post erworbene Williams-Lea-Gruppe übernimmt die Direktmarketing Aktivitäten des deutschen Konzerns in Asien. Das britische Unternehmen, spezialisiert auf Mehrwertdienste im Briefgeschäft, arbeitet unter anderem in Singapur, Hongkong, Schanghai, Peking, Sydney und Melbourne. Geplant sind Aktivitäten in China über einen Brückenkopf in Singapur. Das Konzept sieht die gesamte Palette nicht monopolgeschützter Dienste für Unternehmen vor. Diese reicht vom Poststellen-Management über Druck, Kuvertierung bis hin zum Direktmarketing. Für die schwierig zu bedienenden Märkte in Asien setzt die Post auf regionale Partner. Mit dem Engagement in Asien folgt die Post der Entwicklung der Druckindustrie, die immer mehr Produktionsleistungen in kostengünstigere asiatische Staaten verlagert. (5)

Zahlen & Fakten

Abbildung 1: Logistik-Partner deutscher Internet-Shops



Basis: Händler bei guenstiger.de

Stand: Oktober 2005

Quelle: guenstiger.de und Internethandel

Entnommen aus: eMarket Nr. 22 vom 14.11.2005 Seite 006 (14)

Weiterführende Literatur:

(1.) O.V., Briefmonopol fällt Anfang 2008, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2006, Nr. 115, S. 14
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2006, Nr. 115, S. 14

(2.) O.V., Deutsche Post beginnt Offensive auf dem Paketmarkt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2006, Nr. 105, S. 18
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2006, Nr. 105, S. 18

(3.) O.V., Der Gegenspieler, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2006, Nr. 89, S. 17
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2006, Nr. 89, S. 17

(4.) O.V., Paketdienst GLS fordert Post heraus, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2006, Nr. 79, S. 20
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2006, Nr. 79, S. 20

(5.) O.V., Die Deutsche Post hegt große Erwartungen in Übersee, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2006, Nr. 83, S. 18
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2006, Nr. 83, S. 18

(6.) O.V., Hermes schnappt Post Marktanteile weg, FTD vom 15.03.2006
aus FTD vom 15.03.2006

(7.) Galinowski, Jana, Hauen und Stechen um die Pakete, Handelsblatt Nr. 100 vom 24.05.06 Seite b06
aus Handelsblatt Nr. 100 vom 24.05.06 Seite b06

(8.) Granzow, Axel, Private Dienstleister drängen in Briefmarkt, Handelsblatt Nr. 085 vom 03.05.06 Seite 23
aus Handelsblatt Nr. 085 vom 03.05.06 Seite 23

(9.) O.V., Preissenkung der Post lässt Hermes kalt, Handelsblatt Nr. 071 vom 10.04.06 Seite 22
aus Handelsblatt Nr. 071 vom 10.04.06 Seite 22

(10.) Bastian, Nicole, Yamato - Die quirligen Postpartner aus Japan, HANDELSBLATT online 20060407 14:00:00
aus Handelsblatt Nr. 071 vom 10.04.06 Seite 22

(11.) Nicolai, Birger, Nicolai, Paketdienst GLS greift Post und UPS an, DIE WELT, 03.04.2006, Nr. 79, S. 13
aus DIE WELT, 03.04.2006, Nr. 79, S. 13

(12.) O.V., TNT nimmt im Postvertrieb München und Berlin ins Visier, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2006, Nr. 74, S. 19
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2006, Nr. 74, S. 19

(13.) Nicolai, Birger, Post baut Paketgeschäft in Deutschland um, DIE WELT, 22.03.2006, Nr. 69, S. 13
aus DIE WELT, 22.03.2006, Nr. 69, S. 13

(14.) O.V., Service mangelhaft, Logistik Paketversender müssen an ihrem Service arbeiten, ergab eine Umfrage von guenstiger.de unter seinen Web-Händler. Die Preise hingegen dürfen bleiben wie sie sind, eMarket Nr. 22 vom 14.11.2005 Seite 006
aus <e>Market Nr. 22 vom 14.11.2005 Seite 006

M.Klems

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 06/2006 vom 26.06.2006
Dokument-ID: s_tra_20060626

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