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In der Exportfalle - die hohe Ausfuhrquote färbt die Bilanzen des Maschinenbaus purpurrot

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 02/2009 vom 28.02.2009

Beitrag

Auch die einbrechenden Aufträge haben dem Maschinenbau seine Zuversicht nicht nehmen können. Man ist davon überzeugt, von der nach der Krise einsetzenden Wirtschaftserholung stärker als andere zu profitieren.


Gute Bilanz und schwache Perspektiven

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat für das Jahr 2008 insgesamt eine positive Bilanz gezogen. Trotz des sich im vierten Quartal abzeichnenden Auftragseinbruchs haben die deutschen Maschinenbauer ein gutes Jahr hingelegt: Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 205 Milliarden Euro, der Export legte ebenfalls um acht Prozent auf 147 Milliarden Euro zu. Mit dem anhaltenden Boom der Branche ist es jetzt aber erst einmal vorbei. Für 2009 prognostiziert der VDMA einen Produktionsrückgang um sieben Prozent. Auch Entlassungen werden erwartet, etwa in einer Größenordnung von 25 000 Mitarbeitern. (1), (2), (6)


Hohes Auftragsminus im vierten Quartal

Besonders deutlich wird die harte Landung der deutschen Vorzeigebranche am Auftragseingang. Dieser lag im Dezember um 40 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, womit das vierte Quartal das schwächste Ergebnis seit 1958 erbrachte. Das für 2009 prognostizierte Produktionsminus von sieben Prozent würde den höchsten Rückgang seit 1993 bedeuten. Allerdings hat der VDMA die Vorläufigkeit seiner Prognose besonders betont: Sollte die Finanz- und Wirtschaftskrise noch in diesem Jahr wieder abklingen, könnte das Jahresergebnis auch besser ausfallen. (1), (2), (6)


Sparten sind unterschiedlich betroffen

Die Vielfalt des Maschinenbaus macht es indessen schwer, ein einheitliches Bild zu zeichnen. So haben einzelne Sparten wie erneuerbare Energien sowie Gas- und Dampfturbinen auch 2009 alle Chancen, wiederum Wachstumszahlen zu erreichen. Mit großen Problemen hingegen kämpfen die Druck- und Textilmaschinenhersteller. (1), (2)


In der Export-Falle

Infolge ihrer starken Exportorientierung ist die deutsche Wirtschaft von den Einbrüchen auf den weltweiten Märkten besonders betroffen. Schon im Dezember gingen die Ausfuhren im Vergleich mit dem Vorjahresmonat insgesamt um 7,7 Prozent zurück. Im November lag das Minus mit 12,2 Prozent sogar noch höher.

Innerhalb der deutschen Wirtschaft sind die Maschinenbauer besonders stark vom Export abhängig, was ihnen derzeit das Leben besonders schwer macht. Gut 80 Prozent der deutschen Maschinen werden ins Ausland geliefert. Der pessimistische Ausblick des VDMA auf die für 2009 zu erwartenden Produktionszahlen ist daher begründet. Der Außenhandelsverband BGA erwartet einen Einbruch der deutschen Exporte insgesamt um bis zu acht Prozent. (3), (5)


USA bereiten Sorgen

In den vergangenen Jahren hat sich der deutsche Maschinenbau zu einer Art Ausrüster für Schwellenländer entwickelt. Aufschließende Länder wie China, Indien oder auch die Opec-Staaten haben sich für die Industrialisierung ihrer Wirtschaft insbesondere mit deutschen Erzeugnissen eingedeckt. Nun sind diese Länder zwar auch von der weltweiten Wirtschaftskrise betroffen, haben ihre Nachfrage nach deutschen Maschinen aber weitgehend aufrechterhalten. Sorgen bereiten der Branche hingegen die USA. Das Land ist traditionell der größte Abnehmer deutscher Maschinen, hat aber schon 2007 weniger Produkte geordert als im Vorjahr. Dieser Negativtrend hielt auch im vergangenen Jahr an. Da die USA besonders stark unter der Finanz- und Wirtschaftskrise leiden, ist davon auszugehen, dass die Maschinenbestellungen aus Übersee noch weiter zurückgehen werden. (1)


Exportfinanzierung nicht überall gesichert

Wenige Probleme bereitet dem Maschinenbau die Versorgung mit Kapital durch den Kreditsektor. Wie der VDMA mitgeteilt hat, könne von einer Kreditklemme derzeit nicht die Rede sein. Dennoch hat eine Umfrage ergeben, dass 19 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten mit der Exportfinanzierung haben. 30 Prozent der Firmen gehen darum davon aus, dass Hermesbürgschaften für die Absicherung der Ausfuhren künftig noch wichtiger werden.

Bis zu einem gewissen Grade sind die Unternehmen von Fremdfinanzierungen heute allerdings unabhängiger als früher, da sie ihre Eigenkapitalausstattung in den letzten Jahren stark ausgebaut haben. Auch jetzt noch befindet sich die Eigenkapitalquote bei den Maschinenbauern mit 34 Prozent auf Rekordniveau. (4)


Stahlindustrie leidet mit

Die wichtigsten Abnehmer von Stahlprodukten sind der Maschinenbau und die Automobilindustrie. Somit ist es kein Wunder, dass die Stahlerzeuger derzeit in einem formidablen Stimmungstief stecken. Bei einigen Produkten fiel die Nachfrage in den vergangenen Monaten um bis zu 80 Prozent, während sich der Auftragseingang für alle Stahlsorten seit dem vierten Quartal halbierte. Solange sich die Situation der deutschen Autohersteller, der Maschinenbauer und der Bauindustrie nicht gravierend verbessert, müssen die Stahlhersteller ebenfalls mit weiter sinkenden Produktionszahlen rechnen. (1)



Fallbeispiele

Werkzeugmaschinenbau rechnet mit zweistelligem Produktionsrückgang

Das Herzstück des deutschen Maschinenbaus, der Werkzeugmaschinenbau, stellt sich für dieses Jahr auf einen Produktionsrückgang um 15 Prozent ein. Über die Schätzung des VDMA, der für die Gesamtbranche eine Produktionsminderung von etwa sieben Prozent befürchtet, geht der erwartete Rückgang bei den Werkzeugbauern damit deutlich hinaus. Der Grund dafür ist die besonders stark ausgeprägte Abhängigkeit der Sparte von der Automobilindustrie und vom Export. Schon im Oktober gingen die Werkzeugmaschinenorders um 42 Prozent zurück. Für die Monate August bis Oktober 2008 ergab sich damit ein Minus von 23 Prozent.

Exorbitante Rückgänge hat denn auch die Gildemeister AG gemeldet. So seien die Aufträge im vierten Quartal 2008 gegenüber dem Vorjahresquartal um 37 Prozent eingebrochen. Für die ersten drei Monate dieses Jahres erwartet das Unternehmen dennoch ein Umsatzergebnis, das nur wenig unter dem des vergangenen Jahres liegt.

Auch der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf in Ditzingen bekommt die Wirtschaftskrise zu spüren. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2008/2009, das am 1. Juli begann, sanken die Aufträge um 20 Prozent. Gerechnet wird nun mit einem deutlichen Rückgang der Umsätze. Als erste Maßnahme hat das Unternehmen die Arbeitszeit verkürzt, Kurzarbeit im eigentlichen Sinne stehe aber noch nicht zur Debatte. Die Trumpf GmbH ist der weltweit größte Hersteller von Werkzeugmaschinen. Die Gildemeister AG liegt auf dem dritten Platz. (7), (10), (11)

Landtechnik weltweit gefragt

Zu den besonders exportabhängigen Sparten des Maschinenbaus zählt auch die Landtechnik. Die rund 150 deutschen Hersteller von Traktoren, Mähdreschern und anderen Erntegeräten verkaufen drei Viertel ihrer Produktion jenseits der Grenzen. Auch die Landtechnik verzeichnet seit dem vierten Quartal 2008 deutliche Auftragsrückgänge, lässt sich hiervon jedoch was für den gesamten Maschinenbau gilt nicht bange machen. Die Sparte baut darauf, dass die vorhandenen Ackerflächen immer mehr Menschen ernähren müssen, wofür ihre Ackergeräte die passende Technologie bieten. Deutsche Erntemaschinen gelten als die Besten der Welt, weshalb die Anbieter für 2009 einen Produktionsrückgang um vergleichsweise moderate vier Prozent voraussehen. (9)

Zahlen & Fakten

Aktienexperten spekulieren auf Exporterholung

Trotz der einbrechenden Auftragseingänge haben sich die 16 Werte des Industrial Machinery Index in den zurückliegenden drei Monaten gut entwickelt. Mit einem Plus von 4,5 Prozent stellte der Subindex für Maschinenbauunternehmen die Entwicklung des DAX, der 0,1 Prozent verlor, locker in den Schatten. Zudem attestieren Börsenexperten weiteres Kurspotenzial: Die Exportorientierung der Maschinenbauer werde dazu führen, dass die Unternehmen von der weltwirtschaftlichen Erholung überproportional profitieren. (8)

Weiterführende Literatur:

(1.) Granzow, Axel / Gillmann, Wolfgang / Münchrath, Mark C. / Murphy, Martin / Grass, Siegfried, Auf Eis gelegt, Handelsblatt online, 17.02.2009
aus HANDELSBLATT online 17.02.2009 16:40:48

(2.) O.V., Maschinenbau kämpft mit Auftragseinbruch, 2009 wird ein Produktionsminus von 7 Prozent erwartet / Protektionismus bereitet Sorgen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2009, Nr. 35, S. 11
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2009, Nr. 35, S. 11

(3.) O.V., Export vor größtem Einbruch seit 1949, netzeitung.de, 17.02.2009
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2009, Nr. 35, S. 11

(4.) O.V., Keine allgemeine Kreditklemme im Maschinenbau, Börsenzeitung, 12.02.2009, Nr. 29, S. 11
aus Börsen-Zeitung, 12.02.2009, Nummer 29, Seite 11

(5.) Unterreiner, Viktoria, Flaute trifft Deutschlands Exporteure hart, Geschäft mit dem Ausland eingebrochen - Rückgang im Dezember um 7,7 Prozent - Kaum schnelle Besserung, Die Welt, 10.02.2009, Nr. 34, S. 10
aus DIE WELT, 10.02.2009, Nr. 34, S. 10

(6.) Gillmann, Wolfgang, Der Wachstumsmotor stottert, Maschinenbau rechnet für 2009 mit Einbruch - Deutschlands Paradebranche fürchtet Verlust von 25 000 Stellen, Handelsblatt, 11.02.2009, Nr. 29, S. 11
aus Handelsblatt Nr. 029 vom 11.02.09 Seite 11

(7.) O.V., Werkzeugmaschinenbau rutscht ab, Hersteller rechnen für nächstes Jahr mit Rückgang der Produktion um 15 Prozent, Börsenzeitung, 11.12.2008, Nr. 240, S. 11
aus Börsen-Zeitung, 11.12.2008, Nummer 240, Seite 11

(8.) Driesch, Franz von den, Halbe Kraft voraus - Die Maschinenbauer leiden unter der Wirtschaftskrise, Financial Times Deutschland, 23.02.2009, S. 21
aus Financial Times Deutschland vom 23.02.2009, Seite 21

(9.) O.V., Zuversicht für Landtechnik, Hersteller von Erntefahrzeugen rechnen mit nur leichtem Umsatzminus / Kritik an russischen Schutzzäunen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2009, Nr. 26, S. 17
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2009, Nr. 26, S. 17

(10.) O.V., Die Krise trifft Gildemeister hart, Weniger Aufträge für den Werkzeugmaschinenbauer, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2009, Nr. 37, S. 17
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2009, Nr. 37, S. 17

(11.) O.V., Trumpf reduziert die Arbeitszeit, Stuttgarter Zeitung, 06.02.2009, S. 13
aus Stuttgarter Zeitung, 06.02.2009, S. 13

R.Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 02/2009 vom 28.02.2009
Dokument-ID: s_mas_20090228

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