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Großanlagenbau - Modularisierung und Standardisierung sollen die Kosten senken

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 29.07.2014


Wettbewerb nimmt zu

Die Anbieter von Großanlagen aus den Industrieländern bekommen zunehmend Konkurrenz aus Schwellenländern. Viele Jahrzehnte lang dominierten Unternehmen aus den USA, Japan und Westeuropa. In letzter Zeit kommen jedoch Wettbewerber insbesondere aus China und Südkorea stark auf. Der deutsche Großanlagenbau gerät infolge der Angebote aus Asien nun zunehmend unter Druck, die Kosten und Preise zu senken. Die Haupttrends hierbei heißen Modularisierung und Standardisierung. Wie im Automobilbau sollen gemeinsame Plattformen sowie standardisierte Module und Baugruppen für niedrigere Kosten sorgen. Die Höhe der durch modulares Engineering erreichbaren Kosteneinsparungen soll bei zehn Prozent liegen. Das Thema ist allerdings alles andere als neu. Schon seit Jahren wird in der Branche über modulare Anlagenbauten gesprochen, an der praktischen Umsetzung hapert es jedoch. (1), (4)


Kleine Einheiten und Module

Im Chemieanlagenbau ist man bei der Erstellung modularer Anlagenkonzepte schon relativ weit. Die Branche ist derzeit ohnehin von einer Art Goldgräberstimmung erfasst, Auslöser ist der Fracking-Boom in den USA. Fortschritte weist der Chemieanlagenbau auch beim Bau mobiler Kleinanlagen auf. Konzerne wie BASF, Evonik und Bayer haben Projekte mit den Bezeichnungen F3, Copiride oder Evotrainer aufgelegt, hinter denen die Entwicklung hoch flexibler Anlagen steckt, die noch dazu relativ billig hergestellt werden können.

Gebremst wird modulares Engineering jedoch auch im Chemieanlagenbau durch die unterschiedlichen Geschwindigkeiten zwei entscheidender Technologielieferanten. Da ist zum einen die Verfahrenstechnik, die für den Bau modularer Anlagen schon einige Beiträge leistet. Hinterher hinkt indessen die notwendige Automatisierung. Vor der Serienreife stehen die Anlagen jedoch auch aus der Sicht der Verfahrenstechnik noch lange nicht. (2), (3)





Fallbeispiele


Großanlagenbau: Schiefergas sorgt für Lichtblicke

2013 hat der deutsche Großanlagenbau bei den Aufträgen ein Plus von drei Prozent verzeichnet. Für das laufende Jahr indessen erwartet die Gesamtbranche bestenfalls ein Verharren auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Das Volumen der Auslandsaufträge lag bei 16,7 Milliarden Euro (2012: 16,6 Milliarden Euro). Zuwächse verzeichneten die Orders aus den USA und aus Westeuropa. Als besonders positiv vermerken die Anbieter, dass erstmals wieder Bestellungen auch aus den Pleitestaaten an der europäischen Peripherie eintrafen. Exemplarisch für die Erholung stehen die Lieferungen von metallurgischen Großanlagen nach Portugal und Griechenland. China und Indien zählten mit Bestellungen von je über einer Milliarde Euro weiter zu den Kernabsatzregionen der deutschen Großanlagenanbieter. Hingegen schwächelten die Absätze in Nordafrika, Südamerika, Osteuropa und im Nahen Osten.

Insgesamt sind in der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) 15 verschiedene Anlagenbau-Branchen versammelt, die naturgemäß ein uneinheitliches Bild abgeben. So profitiert die Energiewirtschaft vom Bau regenerativer Energieerzeugungsanlagen, während die Chemieanlagensparte verstärkt in die USA liefert. Die Anbieter von Hüttenwerken hingegen leiden weiter unter der verhaltenen Entwicklung des weltweiten Stahlsektors. (8)


Chemieanlagen: Asien und USA sind die aussichtsreichsten Märkte

Seit dem vergangenen Jahr erlebt die Nachfrage nach Chemieanlagen einen massiven Aufschwung. Die in der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB) des VDMA organisierten deutschen Anbieter berichteten für das vergangene Jahr gegenüber 2012 von einem Auftragsplus in der Höhe von 15 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro (2012: drei Milliarden Euro). Damit hat der deutsche Chemieanlagenbau 2013 das höchste Niveau seit 2008 erreicht. Profitiert haben die deutschen Unternehmen dabei insbesondere vom Fracking-Boom in Nordamerika. Alleine aus den USA erhielten deutsche Firmen 2013 Bestellungen über eine Milliarde Euro, nach 230 Millionen Euro im Jahr davor.

China war auch 2013 der größte Einzelmarkt für Chemieanlagen. Besonders hohen Bedarf hatte das Land an Kohlevergasungsanlagen. Diese werden allerdings zunehmend von chinesischen Anlagenbauern errichtet. Die Anlagenbauer aus dem Reich der Mitte treten mit Kampfpreisen an und verdrängen derzeit die eigentlichen Billigheimer aus Südkorea. Insgesamt gilt der deutsche Chemieanlagenbau gerade technologisch jedoch als sehr gut aufgestellt und wettbewerbsfähig. (5), (6)



Zahlen & Fakten




Weiterführende Literatur:

(1.) Kosten runter,aber wie? Mit modularem Engineering und standardisierten Baugruppen will der deutsche Großanlagenbau Kosten in den Griff bekommen und den Angriff der Asiaten abwehren.
aus PROCESS Nr. 006 vom 24.06.2014

(2.) Was bremst die modulare Anlage?
aus PROCESS Nr. 006 vom 24.06.2014

(3.) VDMA: Großanlagenbau setzt auf Modularisierung
aus MM Nr. 026 vom 23.06.2014

(4.) Zunehmende internationale Konkurrenz im Großanlagenbau
aus - CHEManager vom 18.06.2014, Heft 11/2014, Seite 24

(5.) Chemieanlagenbau: Auf zu neuen Ufern / Für Anlagenbauer bietet Europa ein schwieriges Umfeld, chancenreichste Märkte sind die USA und Asien
aus CITplus vom 04.06.2014, Heft 6/2014, Seite 18

(6.) Chemieanlagenbau: Auf zu neuen Ufern / Für Anlagenbauer bietet Europa ein schwieriges Umfeld, chancenreichste Märkte sind die USA und Asien
aus - CHEManager vom 27.03.2014, Heft 6/2014, Seite 12

(7.)Großanlagenbau / Druck zur Internationalisierung wächst
aus www.maschinenmarkt.de vom 25.03.2014

(8.) Großanlagenbau / Schiefergas sorgt für Lichtblicke
aus www.process.de vom 24.03.2014

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 29.07.2014
Dokument-ID: s_mas_20140729

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