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Europäische Versicherer - Brexit hat nur geringe Auswirkungen auf die Branche

VERSICHERUNGEN | GENIOS BranchenWissen Nr. 08 vom 18.08.2016


Versicherer steigern gebuchte Bruttobeiträge deutlich

Die zehn größten Versicherungsgruppen Europas haben 2015 ihre gebuchten Bruttobeiträge um fast acht Prozent auf über 480 Milliarden Euro gesteigert. In diesem Ranking liegt die Allianz in Europa hinter der französischen Axa nur auf Platz zwei. Berücksichtigt man jedoch den Gesamtumsatz, dann sind die Münchner mit rund 125 Milliarden Euro klarer Marktführer auf dem Kontinent. Zudem konnte die Allianz den höchsten Jahresgewinn erzielen. Deutliche Einbrüche beim Gewinn und der Schadenkostenquote musste hingegen die schweizerische Zurich hinnehmen. Alle großen Versicherer konnten ihre Bruttobeiträge steigern, den größten Zuwachs erzielte mit 23,8 Prozent die britische Prudential. Die spanische Mapfre kam hingegen nur auf 2,3 Prozent. (1), [Abb. 1]


Versicherungsbranche sieht sich von Brexit nur unterdurchschnittlich betroffen

Die Versicherer sehen sich vom Brexit, also dem Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU), weniger betroffen als andere Branchen. Gleichwohl wird der Finanzplatz London an Gewicht verlieren, was auch die Versicherer trifft. Die Allianz erwartet keine negativen Folgen des Brexit für ihre Kapitalanlagen. Die Talanx will ihr Geschäft in Großbritannien sogar ausbauen. Swiss Re findet es noch zu früh, um über Konsequenzen aus dem Brexit zu entscheiden. (2)


Gerüchte um Generali und Axa

Die italienische Generali, Europas drittgrößter Versicherungskonzern, könnte unter französische Kontrolle geraten. Gerüchten zufolge ist Europas Nummer zwei, der französische Axa-Konzern, an Generali interessiert. Eine zentrale Rolle spielt dabei der französische Finanzier Vincent Bolloré. Dieser hat als Präsident des Medienkonzerns Vivendi bereits kräftig in Italien investiert. Zudem zählt er mit 7,9 Prozent Anteilen zu den größten Aktionären der italienischen Investmentbank Mediobanca, die wiederum 13 Prozent an Generali hält und dort das Sagen hat. Bolloré sitzt außerdem im Aufsichtsrat der Axa, die seit geraumer Zeit ein Auge auf Generali geworfen hat. Sollten die beiden Unternehmen fusionieren, würde Europas größter Versicherungskonzern entstehen und die Münchner Allianz-Gruppe auf Platz zwei verdrängen. (3)





Fallbeispiele

Der französische Versicherungskonzern Axa hat im ersten Halbjahr 2016 das Nettoergebnis um vier Prozent auf 3,2 Milliarden Euro gesteigert. Die Beitragseinnahmen gingen um 0,5 Prozent auf 54 Milliarden Euro zurück. Großereignisse wie Überschwemmungen in Frankreich und Stürme in Deutschland den Versicherungskonzern rund 100 Millionen Euro gekostet. Dank des Verkaufs von zwei Gebäuden in New York konnte Axa die durch Naturkatastrophen verursachten Kosten kompensieren. Der Verkauf der beiden Immobilien spülte 626 Millionen Euro in die Kassen. Zudem hat der neue Konzernchef Thomas Buberl seine Strategie "Ambition 2020" vorgestellt. In drei Bereichen soll die Axa künftig besonders wachsen: bei Versicherungslösungen für Unternehmen, bei den Typen von Lebensversicherungen, die einen geringen Kapitaleinsatz erfordern, und in Asien. (4), (5)

Der britische Versicherer Prudential hat 2015 seinen operativen Gewinn um 22 Prozent auf vier Milliarden Pfund (rund 5,2 Milliarden Euro) gesteigert. Wegen des überraschend guten Ergebnisses stellte Prudential eine Sonderdividende von zehn Pence je Aktie in Aussicht. Der Konzern profitiert vor allem auf seinem Heimatmarkt, aber auch in Asien und den USA von einer höheren Nachfrage nach Lebensversicherungen. Prudential-Chef Mike Wells sagte, das Ergebnis sei gerade angesichts der Unsicherheit in Politik und Gesamtwirtschaft erfreulich. (7)

Auf dem spanischen Versicherungsmarkt hat sich die VidaCaixa 2015 zum neuen Marktführer emporgeschwungen. Das Prämienvolumen nahm um satte 29,8 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro zu. Der Marktanteil beträgt nun 12,6 Prozent. VidaCaixa ist ausschließlich in der Lebensversicherung aktiv. Die Gesellschaft gehört zur CaixaBank, einer der führenden Bankengruppen des Landes. Bei dem bisherigen Marktführer Mapfre schrumpften die Einnahmen auf dem Heimatmarkt um 11,7 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Der Marktanteil sank damit auf 11,3 Prozent. Allerdings bleibt die Mapfre mit ihrem weltweiten Beitragsaufkommen von 22,3 Milliarden Euro weiterhin die mit Abstand größte Versicherungsgruppe aus Spanien. (9)

Bei der Vienna Insurance Group (VIG) ist der Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr 2016 um 20 Prozent auf rund 200 Millionen Euro gesunken. Für das Gesamtjahr 2016 wurde die Prognose eines Vorsteuergewinns von bis zu 400 Millionen Euro bekräftigt. Der größte Versicherungskonzern Österreichs übernimmt zudem den Lebensversicherer AXA Rumänien, womit die Vienna Insurance Group ihre Marktführerschaft in Rumänien festigt. In Österreich selbst ist der Versicherungsmarkt im ersten Quartal 2016 um 3,77 Prozent auf rund 5,2 Milliarden Euro geschrumpft. Grund war ein deutlicher Rückgang der Prämieneinnahmen in der Lebensversicherung um 13,23 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. (6), (10)

Die Zurich Versicherungsgruppe soll sich wieder besser im Markt positionieren. Dafür will der neue Vorstandsvorsitzende Mario Greco die bestehende dreistufige Matrixorganisation durch eine einfachere Struktur ersetzen. Ziel ist es, bis Ende 2018 mehr als eine Milliarde Dollar einzusparen. Neu geschaffen wird zudem die Position eines Chief Operating Officer, der sowohl für IT als auch für das operative Geschäft zuständig ist. Dem fünftgrößten europäischen Versicherungskonzern machten zuletzt hohe Schadenzahlungen, Altlasten und Restrukturierungskosten zu schaffen. Die Verwaltungsräte fordern schon lange eine bessere Performance im Kerngeschäft sowie mehr Wachstum und Innovation. (8)

Gemäß einer aktuellen Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens EY steht der Versicherungsbranche in der Schweiz insgesamt eine schmerzhafte Konsolidierung bevor. In einigen Linien stagniert das Prämienvolumen, bei Feuer- und Sachversicherungen sowie bei Unfallversicherungen sind die Einnahmen rückläufig. (11)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Größte europäische Versicherer nach gebuchten Bruttobeiträgen
VersichererLand2015*Veränderung in %
AxaFrankreich91,96,6
AllianzDeutschland76,73,8
GeneraliItalien74,25,3
PrudentialGroßbritannien50,623,8
ZurichSchweiz43,911,2
TalanxDeutschland31,89,7
CNP AssurancesFrankreich31,32,6
Credit AgricoleFrankreich30,43,4
AvivaGroßbritannien30,312,2
MapfreSpanien22,32,3
Gesamt 483,57,8

*in Milliarden Euro Quelle: Mapfre Entnommen aus: VersicherungsJournal.de, Ausgabe vom 05.08.2016 (1)

Weiterführende Literatur:

(1.) Die größten (Nicht-Leben-) Versicherer - Wie sich 2015 die Beitragseinnahmen und Gewinne der größten europäischen Versicherer entwickelt und wie sich die deutschen Branchengrößen geschlagen haben, zeigt eine aktuelle Untersuchung.
aus VersicherungsJournal.de, Ausgabe vom 05.08.2016:

(2.) Die Folgen des Brexit - Versicherer sehen sich "nicht so stark" betroffen - Verband warnt aber vor "Schockstarre"
aus Börsen-Zeitung vom 25.06.2016, Nr. 120, S. 4

(3.) Franzosen spitzen auf Generali - Axa-Konzern als möglicher Übernehmer im Gespräch
aus "Der Standard" vom 10.08.2016 Seite: 17

(4.) Naturkatastrophen bremsen Axa aus - Ergebnis in der Gebäude- und Sachsparte gibt nach
aus Börsen-Zeitung vom 04.08.2016, Nr. 148, S. 2

(5.) Buberl gibt Axa eine Perspektive - Der künftige Chef des französischen Versicherers stellt die Leitlinien bis 2020 vor.
aus Handelsblatt Nr. 118 vom 22.06.2016 Seite 038

(6.) VIENNA INSURANCE GROUP kauft AXA-Gesellschaft in Rumänien
aus OTS-ORIGINALTEXT vom 04.08.2016, 08:48:37

(7.) Prudential - Britischer Versicherer zahlt Sonderdividende
aus Handelsblatt online vom 09.03.2016

(8.) Zurich Versicherung - Mario soll's richten
aus Handelsblatt online vom 13.06.2016

(9.) Neuer Branchenprimus in Spanien - Bancassurance-Versicherer VidaCaixa überholt Mapfre beim Prämienvolumen mit 30-prozentigem Wachstumsschub
aus Versicherungswirtschaft, 02.05.2016, 71. Jg., Nr. 05, S. 45

(10.) Österreichs Versicherungsmarkt schrumpft
aus VersicherungsJournal.at, Ausgabe vom 22.07.2016

(11.) VERSICHERUNGSMARKT SCHWEIZ - Untergehen, überleben oder aufsteigen
aus Schweizer Versicherung, 01.07.2016, Nr. 7, S. 14 - 15

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 08 vom 18.08.2016
Dokument-ID: s_ver_20160818

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