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Druckmaschinenbau - die Hoffnungen richten sich auf den Verpackungsmarkt

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 04 vom 24.04.2013


Hoffen auf die Schwellenländer

Die deutsche Druckmaschinenindustrie sendet vermehrt Signale, dass es mit der spätestens 2008 offenkundig gewordenen Krise langsam vorbei sein könnte. Die Hersteller haben die Umsätze im vergangenen Jahr um zehn Prozent erhöhen können, suchen aber immer noch nach neuen Geschäftsfeldern, mit denen sie endgültig auf den Erfolgspfad zurückkehren können. Das Hauptproblem ist das expandierende Online-Geschäft, das schon seit Jahren zu einem schrumpfenden Printmarkt in Europa führt. Wenig erfolgreich verlaufen überdies die Versuche der Druckmaschinenhersteller, im Digitaldruck Fuß zu fassen. So hat König & Bauer (KBA) auf der Fachmesse Drupa 2012 eine viel beachtete Inkjet-Maschine vorgestellt, von der nach Aussage des Unternehmens aber immer noch kein einziges Exemplar verkauft werden konnte.

Während der Digitaldruck den deutschen Herstellern somit augenscheinlich nicht aus der Patsche helfen kann, richten sich die Blicke hoffnungsfroh auf die Entwicklung in den Schwellenländern. Hier dominiert der Onlinemarkt noch lange nicht so stark wie in der westlichen Welt, weshalb die Nachfrage nach Druckmaschinen derzeit deutlich zunimmt. Dies gilt insbesondere für die Märkte in China und Indien. Auf dem Subkontinent hat die deutsche Druckmaschinenindustrie daher eine Qualitätsoffensive gestartet, während China auch heute schon zu einem der wichtigsten Abnehmer deutscher Drucktechnik herangewachsen ist. (1)


Verpackungsdruck als neues Standbein

Neue Hoffnungen auch für den europäischen Markt setzten die Druckmaschinenhersteller in den Verpackungsdruck. Hier sehen die Unternehmen bessere Wachstumschancen als beim Buch- oder Zeitungsdruck, da sie die für den Verpackungsdruck geforderte hohe Veredelungsqualität bieten können. Der technologische Vorsprung, den deutsche Druckmaschinen traditionell gegenüber Wettbewerbern in die Waagschale werfen können, kommt beim Druck von Verpackungen besonders zum Tragen und soll für bessere Absatzzahlen sorgen. Nachhaltigkeit verspricht das Engagement im Verpackungsdruck ebenfalls, denn die die Kundenansprache und den Absatz von Produkten stark bestimmenden Verpackungen können nicht durch Elektronik ersetzt werden. Bei KBA setzt man darum explizit auf Druckmaschinen für die Veredelung weicher Verpackungen wie Plastiktüten und Waschmittelbeutel.

Auch der weltweit führende Hersteller von Bogenoffset-Maschinen, die Heidelberger Druckmaschinen AG, ist zum Digitaldruck zurückgekehrt und verbucht hier mehr Enttäuschungen als Erfolge. Das Unternehmen vertreibt seit 2011 die Drucker seines Partners Ricoh, ist aber über den Verkauf von gerade einmal 200 Maschinen noch nicht hinausgekommen. Heideldruck will nun ebenfalls auf Verpackungsmaschinen setzen, doch ist über die genaue Strategie noch nichts bekannt. Das gleiche Ziel haben sich die beiden Nachfolgeunternehmen der aufgespalteten Manroland AG gesetzt. Weil sich hiermit quasi alle großen deutschen Hersteller auf den Verpackungsdruck stürzen, sind Experten allerdings skeptisch, ob ein derart aufgeteilter Wachstumsmarkt überhaupt Gewinne abwerfen kann. (2), (6), [Abb. 1]





Fallbeispiele


KBA meldet erfolgreiches Geschäftsjahr - und investiert in den Verpackungsdruck

Die von KBA für 2012 gemeldeten Zahlen sind zwar nur vorläufig, zeigen aber einen deutlich positiven Trend. Demnach hat das Unternehmen seinen Konzernumsatz um zehn Prozent auf annähernd 1,3 Milliarden Euro steigern können. Zudem wurde das operative Betriebsergebnis von 9,9 Millionen Euro im Vorjahr auf über 30 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Der Gewinn vor Steuern soll mit 3,3 Millionen Euro leicht über dem Vorjahreswert liegen. Damit verzeichnet KBA im vierten Jahr hintereinander einen positiven Jahresüberschuss auf Konzernebene.

Wie im vorherigen Monat bekannt geworden ist, will König & Bauer das italienische Verpackungsdruck-Unternehmen Flexotecnica übernehmen. Das bei Mailand beheimatete Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft des vorwiegend auf Verpackungs- und Publikationstiefdruckanlagen spezialisierten italienischen Unternehmens Officine Meccaniche G. Cerutti S.p.A. (OMGC) mit Hauptsitz in Casale Monferrato bei Turin. Mit der geplanten Mehrheitsbeteiligung will KBA seine bereits ausgebaute Marktposition im Kartonagendruck um ein weiteres Verpackungssegment erweitern. (4), (5)


Heideldruck kehrt in die schwarzen Zahlen zurück

Gute Nachrichten verbreitet auch die Heidelberger Druckmaschinen AG. Das Unternehmen konnte im vierten Quartal 2012 - das bei Heideldruck als drittes Quartal des Geschäftsjahres 2012/2013 geführt wird - einen Gewinn von 16 Millionen Euro erzielen. Im Vergleichsquartal des Vorjahres war hier noch ein sattes Minus von 14 Millionen Euro zu verzeichnen. Der Umsatz legte um neun Prozent auf 688 Millionen Euro zu. Gleichwohl hat der Weltmarktführer die Strukturkrise noch lange nicht gemeistert, wie ein Blick auf die Entwicklung zwischen Januar und September 2012 zeigt: Hier stehen 88 Millionen Euro minus zu Buche. Sehen lassen kann sich hingegen die Auftragsentwicklung. Seit der Drupa im Mai des vergangenen Jahres wuchsen die Orders um zwölf Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Im Geschäftsjahr 2013/14 will Heideldruck durch ein Programm Kosten in Höhe von rund 180 Millionen Euro einsparen.

Auch Heideldruck bemüht sich intensiv darum, auf dem verheißungsvollen Markt mit Verpackungsdruckmaschinen Fuß zu fassen. Erst kürzlich wurde hierfür die Schweizer OFS-Gruppe übernommen, ein Hersteller von Verbrauchsmaterialien für Druckereien. Heideldruck steigt damit zudem in das Geschäft mit Verbrauchsmaterialien wie Farben, Lacken und Chemikalien ein. (3), (7)


Manroland - Erfolge nach der Aufspaltung

Die Manroland AG ist nach der Insolvenz aufgespalten und von zwei verschiedenen Investoren übernommen worden. Bogenoffset und Rollendruck gehen seitdem in zwei Unternehmen neue Wege. Was bei der Aufspaltung noch niemand erwartet hat, sorgt jetzt in der Druckmaschinensparte für Aufmerksamkeit. Sowohl die jetzt unter der englischen Flagge der Langley-Gruppe firmierende Bogendrucksparte als auch der von der Lübecker Possehl-Gruppe übernommene Rollendruck zeigen sich unter den neuen Führungscrews erstaunlich erfolgreich. So hat Manroland Sheetfed im ersten Geschäftsjahr unter dem Langley-Dach einen Gewinn vor Steuern von 72,4 Millionen Euro erzielt. Nach Aussagen von Langley ist Manroland damit innerhalb kürzester Zeit von einem hohe Verluste schreibenden Konzern in ein alleine überlebensfähiges Unternehmen verwandelt worden.

Zufrieden zeigt sich auch die Possehl-Gruppe mit ihrer Neuerwerbung. Zwar blieb die neue Manroland Web-Systems mit Sitz in Augsburg 2012 mit einem Umsatz von rund 200 Millionen Euro deutlich hinter den Erwartungen zurück, was aber einkalkuliert worden sei. In diesem Jahr soll der Hersteller von Rollendruckmaschinen auf die Größe von rund 300 Millionen Euro Umsatz kommen. (8), (9)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Druckmarkt auf dem Rückzug - nur der Verpackungsdruck wächst

Quelle: KBA Entnommen aus: Börsen-Zeitung, 10.04.2013, Nr. 68, S. 10 (2)

Weiterführende Literatur:

(1.) Im Verpackungsmarkt liegen deutsche Druckmaschinenhersteller richtig
aus VDI NR. 06 VOM 08.02.2013 SEITE 16

(2.) Druckmaschinenbauer stecken fest / Suche nach neuen Ertragsquellen stockt - Alle setzen auf den wachsenden Verpackungsdruck
aus Börsen-Zeitung, 10.04.2013, Nummer 68, Seite 10

(3.) Schwarze Zahlen für Heidelberg
aus Deutscher Drucker Nr. 04 vom 21.02.2013 Seite 4

(4.) KBA will Flexotecnica übernehmen
aus Deutscher Drucker Nr. 05 vom 07.03.2013 Seite 8

(5.) Operatives Ergebnis deutlich im Plus
aus Deutscher Drucker Nr. 05 vom 07.03.2013 Seite 8

(6.) Eine Alternative zur Etikettierung?
aus Getränkeindustrie, Heft 02/2013, S. 32-33

(7.) Druck lass nach
aus Euro am Sonntag, 03.11.2012, Nr. 44, S. 20

(8.) Langley bringt Manroland auf Kurs
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2013, Nr. 76, S. 24

(9.) Possehl ist zufrieden mit Manroland
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2013, Nr. 31, S. 12

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 04 vom 24.04.2013
Dokument-ID: s_mas_20130424

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