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Drehscheibe zwischen Ost und West - die Logistik in Ostdeutschland holt auf

TRANSPORT & LOGISTIK | GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 29.07.2014


Logistikwachstum in Ostdeutschland

Die Technische Hochschule Wildau hat im Auftrag der Bundesregierung eine Studie über die Entwicklung der Logistikwirtschaft in den fünf östlichen Bundesländern erstellt. Demnach hat sich die Logistik in Ostdeutschland zu einer prosperierenden Wachstumsbranche entwickelt. Etwa ein Fünftel des gesamtdeutschen Güterumschlags entfällt auf die neuen Bundesländer, das waren im Jahr 2011 rund 1,4 Milliarden Tonnen. Deutschland insgesamt kommt auf einen Güterumschlag von knapp sieben Milliarden Tonnen. Der Anteil der hochwertigen Güter am Gesamtumschlag beträgt 16 Prozent. Etwa 570 000 Menschen arbeiten in der ostdeutschen Logistik, fast genauso viele wie in der Bauwirtschaft und im öffentlichen Dienst. (1)


Steigende Umsätze

Auch beim Umsatz hat die ostdeutsche Logistikwirtschaft in den letzten Jahren stark zugelegt. Zwischen 2001 und 2011 betrug das Umsatzwachstum rund 33 Prozent und lag 2011 bei fünf Milliarden Euro. Schwerpunktregionen in der ostdeutschen Logistik sind die Ostseehäfen, das Berliner Umland und insbesondere der Flughafen Leipzig-Halle. Insgesamt befinden sich sechs von zehn Top-Güterverkehrszentren Deutschlands im Osten. Der Flughafen Leipzig-Halle ist beim Umschlag von Luftfracht zur Nummer zwei hinter dem Frankfurter Flughafen aufgestiegen, was insbesondere auf den Ausbau des Express-Hubs der Deutschen Post DHL zurückgeht. Darüber hinaus haben sich etliche Logistikfirmen im Umfeld des Flughafens angesiedelt. Den Unternehmen kommen dabei die noch immer niedrigen Preise für Logistikimmobilien in Sachsen zugute. 2013 wurden an dem Airport 887101 Tonnen Fracht umgeschlagen, die gegenüber 2012 ein Plus von 2,7 Prozent bedeuteten. (1)


Gute Stimmung bei den Anbietern

Auch die Stimmung ist bei den ostdeutschen Logistikanbietern ausnehmend gut. Zwei Drittel der befragten Unternehmen erwarten für die nächsten Jahre ein kontinuierliches Wachstum. Ein Plus für die Perspektiven der ostdeutschen Logistik ist die hervorragende Infrastruktur. Fast alle Straßen sind neu und darum in bestem Zustand. Zudem haben nur die wenigsten Brücken eine Lastbeschränkung.

Die ostdeutschen Transporteure und Logistikanbieter profitieren von der zunehmenden Automobilproduktion in ihren Regionen. So lässt beispielsweise Porsche in Leipzig mittlerweile die Modellreihen Panamera, Cayenne und Macan bauen; Schenker betreibt für BMW ein Teileexportzentrum für den Außenhandel nach China. Vor allem in Thüringen, aber auch in Teilen Sachsens und Sachsen-Anhalts hat die 1990 begonnene Re-Industrialisierung mittlerweile zu einigen Ergebnissen geführt, die sich positiv auf die Transportleistung auswirken. Rund 20 bis 25 Prozent beträgt der Anteil des verarbeitenden Gewerbes in diesen drei Bundesländern.

Aussichtsreiche Perspektiven eröffnen sich für die ostdeutsche Logistik durch ihre vorteilhafte geostrategische Lage. Die fünf Bundesländer stellen eine Drehscheibe sowohl für den Handel zwischen Nord und Süd, als auch zwischen Ost und West dar. Befördert wird die positive Entwicklung auch von der Hochschullandschaft. Vielzählige Forschungsstellen an Universitäten und in der Privatwirtschaft sorgen dafür, dass die Logistikkompetenz beständig steigt. Das breite Hochschulangebot an logistiknahen Fächern sichert zudem den Nachschub an qualifizierten Nachwuchskräften. (1), (2), (3)





Fallbeispiele


Investitionen in die Anbindungen ans Hinterland

Ein neues Millionenprogramm des Bundes soll die Anbindung der deutschen Seehäfen an Nord- und Ostsee an das Hinterland verbessern. Rund 300 Millionen Euro stehen bereit, investiert werden soll bis 2020 in die Schienennetze und in die Beseitigung von Flaschenhälsen. Insbesondere auf den Gleisen, die zu den Häfen führen, kommt es derzeit oft zu Staus und Verzögerungen. Da die Umschläge an den deutschen Seehäfen darüber hinaus bis 2030 Prognosen zufolge um 74 Prozent zulegen werden, wird die Hinterland-Anbindung immer mehr zum Hemmschuh für einen reibungslosen Güterverkehr. Von der Maßnahme wird Mecklenburg-Vorpommern natürlicherweise besonders profitieren, denn hier liegen die großen Ostseehäfen der neuen Bundesländer. Investitionsbedarf sieht Mecklenburg-Vorpommern insbesondere beim längst überfälligen Ausbau der Küstenstrecke zwischen Lübeck, Bad Kleinen, Rostock und Stralsund.

In Rostock und Wismar steht überdies die Vertiefung der Hafenzufahrten ganz oben auf der Agenda. Dies wird nötig, da nur größere Schiffe in der Lage sind, trotz dem ab 2015 geltenden Schwefellimit kostendeckend zu transportieren. (4)


Deutsche Post DHL erweitert Hauptumschlagbasis

DHL ist am Airport Leipzig-Halle schon jetzt der wichtigste Frachtdienstleister, erweitert seinen Hub jetzt aber nochmals. Geplant ist eine neue Sortierhalle mit einer Fläche von 40 000 Quadratmetern, neue Zufahrtsstraßen und Außenanlagen sollen ebenfalls kommen. Insgesamt will die Logistiktochter der Deutschen Post 150 Millionen Euro in die Erweiterung investieren. Bisher belaufen sich die Aufwendungen von DHL in das Luftfrachtdrehkreuz Leipzig-Halle auf 510 Millionen Euro. 400 neue Arbeitsplätze sollen durch die Maßnahme entstehen, 3 500 Mitarbeiter sind es bisher. (6)


Logistiker besonders gefragt

Das Bundesland Brandenburg verzeichnet derzeit die niedrigste Arbeitslosenrate seit 1991. Etwa 128 000 Menschen suchen derzeit Arbeit, das sind rund 8 600 weniger als im März dieses Jahres. Die Arbeitslosenquote beträgt damit 9,6 Prozent. Gleichzeitig sind viele offene Stellen zu verzeichnen. Besonders gefragt sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit Logistik-Fachkräfte, Fahrzeugführer und Maschinenbauer. (5)



Zahlen & Fakten


In Ostdeutschland werden 86 Prozent der Güter durch LKW transportiert. Der Anteil der Straße an der Gesamtbeförderung liegt damit etwas höher als im Bundesdurchschnitt. Zweitwichtigster Verkehrsträger ist die Schiene mit einem Anteil von 10,1 Prozent (Bundesdurchschnitt: 8,8 Prozent). Vergleichsweise niedrig fällt der Güterumschlag an den ostdeutschen Binnenhäfen aus. Hier werden jährlich gerade einmal 15 Millionen Tonnen umgeschlagen, in Deutschland insgesamt sind es 257 Millionen Tonnen. Der gewaltige Abstand ist insbesondere eine Folge der herausgehobenen Stellung des Rheins für die Binnenschifffahrt. Darüber hinaus gibt es bei der Schiffbarmachung etlicher Wasserstraßen in Ostdeutschland immer noch Nachholbedarf.

Der größte Seehafen in Ostdeutschland ist Rostock, das im deutschlandweiten Vergleich hinter Hamburg, Bremerhaven, Wilhelmshaven und Lübeck den fünften Platz einnimmt. Hier werden rund 17 Millionen Tonnen jährlich an Fracht umgeschlagen. Mit großem Abstand folgen die ostdeutschen Ostseehäfen Wismar, Sassnitz, Stralsund und Vierow. (1), (2), (3)



Weiterführende Literatur:

(1.) Logistik in Ostdeutschland wächst / Studie: Schwerpunktregionen sind das Berliner Umland, Halle-Leipzig und die Ostseehäfen
aus DVZ, Nr. 54 vom 08.07.2014

(2.) Logistik als Wachstumsfaktor / Laut einer Studie der Technischen Hochschule Wildau hat sich die Logistikwirtschaft in den neuen Bundesländern sehr gut entwickelt
aus Verkehrs Rundschau, Heft 26/2014, S. 12

(3.) Unterschätzte Branche des Ostens
aus Sächsische Zeitung vom 17.06.2014 Seite 19

(4.) Schnelle Güterzüge an die Küste / Bund legt 300-Millionen-Bauprogramm auf
aus Schweriner Volkszeitung vom 10.05.2014, S. 17

(5.) Logistiker und Metallbauer sind besonders gefragt
aus Der Prignitzer vom 02.05.2014, S. 15

(6.) Am Flughafen Leipzig/Halle haben die Bauarbeiten für die Erweiterung des DHL-Hubs begonnen
aus KEP-Nachrichten Nr. 21 vom 22. Mai 2014

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 29.07.2014
Dokument-ID: s_tra_20140729

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