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Die Mechatroniker - Wanderer zwischen den Disziplinen

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 08 vom 26.08.2011


Mechatroniker schließen die Lücke

Zu den Megatrends in den Ingenieurswissenschaften gehört die zunehmende Bedeutung der Mechatronik. Der interdisziplinäre Teilbereich des Maschinenbaus umfasst die Felder Mechanik, Elektronik und Informatik. Mechatroniker haben die Aufgabe, die drei Bereiche bei ihren Modellen gleichermaßen zu berücksichtigen und sie zu einem System zu vernetzen. Damit schließt die Mechatronik eine Lücke, die durch das seit den 1980ern einsetzende Auseinanderdriften der Disziplinen Elektrotechnik und Maschinenbau gerissen wurde. Auch der von der Leibniz-Universität Hannover angebotene Studiengang Energietechnik ist solch ein interdisziplinärer Studiengang, der eigentlich unterschiedene Forschungsfelder in sich vereint. (1)


Im Dienste der Effizienz

Die teurer werdende Energie stellt die deutschen Hersteller schon seit langen vor die Aufgabe, besonders effiziente Maschinen zu konstruieren. Dies gelingt in vielen Bereichen durch den Einsatz von Elektronik, etwa indem kleine Elektromotoren in die Maschinen eingesetzt werden. Dieser vermehrte Einsatz elektronischer Segmente im klassischen Maschinenbau ist eines der wichtigsten Betätigungsfelder für Mechatroniker. Sie sind aufgrund ihrer Ausbildung in der Lage, schon im Entwurf einer neuen Konstruktion elektronische Bauteile in das System hineinzunehmen. Diese integrierende Arbeitsweise ist ein völliger Gegensatz zu der Praxis, eine fertige Maschine klassischer Bauart erst nachträglich mit elektronischen Segmenten zu ergänzen. So verbinden Mechatroniker mechanische und elektronische Bauteile zu einem systemischen Ganzen, in dem die Vernetzung der unterschiedlichen Bauteile für höchstmögliche Energieeffizienz sorgt. (1)


Wachsende Zahl von Einsatzgebieten

Bisher kommen Mechatroniker immer noch insbesondere in der Produktionstechnik und in der Automobiltechnik zum Einsatz. Neue Arbeitsfelder, die sich derzeit geradezu rasant entwickeln, sind die mechatronische Medizintechnik und die medizinische Gerätetechnik. Großen Einfluss erwarten Experten auch auf die Handhabungstechnik. So sei es zu erwarten, dass pneumatische Systeme mithilfe der Mechatronik zunehmend auf elektrische Antriebe umgestellt werden. Der Mechatronik kommt so eine Schlüsselfunktion bei der Entwicklung noch effizienterer Maschinen zu. (2)


Beste Aussichten auf dem Arbeitsmarkt

Mechatronik-Studiengänge werden von deutschen Universitäten noch nicht lange angeboten. Das Fach gilt als anspruchsvoll und schwierig, eröffnet erfolgreichen Absolventen allerdings freie Wahlmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Experten berichten, dass sich Mechatroniker derzeit aussuchen können, ob sie in einem mittelständischen oder in einem großen Unternehmen arbeiten möchten. Der Automobilhersteller Audi beispielsweise beschäftigt derzeit 1 100 Ingenieure der Mechatronik, und die Tendenz zeigt bei der Zahl der Einstellungen nach oben. (3), (4), (8)





Fallbeispiele


Internationales Forum Mechatronik

Die zunehmende Bedeutung der Mechatronik zeigt sich auch an der wachsenden Zahl von Fachkonferenzen. Als ein besonders wichtiger Treffpunkt für Mechatroniker gilt das Internationale Forum Mechatronik, das in diesem Jahr erstmals im oberbayerischen Cham stattfindet. Initiator der Konferenz ist der Cluster Mechatronik & Automation e.V., der die Veranstaltung gemeinsam dem Kompetenz-Netzwerk mech@tronik in Ostbayern organisiert und leitet. Auf dem Forum werden aktuelle Forschungsergebnisse, Produktinnovationen und Anwendungsbeispiele aus der Industrie präsentiert. (5)


Neues Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik

In Saarbrücken hat das Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (ZeMA) kürzlich die Arbeit aufgenommen. Das ZeMA fungiert als Schnittstelle zwischen der Universität des Saarlandes, der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) sowie der saarländischen Wirtschaft. In dem Zentrum sollen die Kompetenzen der beiden Hochschulen gebündelt werden, zudem gibt es eine anwendungsorientierte Forschung. Besonders engagiert ist das ZeMA in den drei Schwerpunktfeldern Fluidmechatronik, Fertigungsprozess-Automatisierung und Mikromechatronik. Das Leitprojekt FluidSens hat bereits eine ergänzende Förderung durch das Bundesforschungsministerium erhalten, was als erster Erfolg des neuen Zentrums gilt. Ein weiteres Leitprojekt trägt den Namen INTEGRATiF und zielt darauf ab, mit Hilfe von Signalverarbeitung eine qualitätssichernde Rückkopplung zum Bearbeitungsergebnis herzustellen. Mit dieser neuartigen Online-Regelung sollen Fertigungsprozesse wie etwa Lasermaterialbearbeitung, Clinch-Kleben oder Mikrostrukturieren optimal beherrscht, Produktionskosten gesenkt und die Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden. (6)


Mechatronik-Standort Linz

Zu einem Zentrum der Produktion mechatronischer Maschinen hat sich die Gegend um das oberösterreichische Linz entwickelt. Hergestellt werden hier gefühlvolle Roboter, Radar-Abstandssensoren, lagerlose Motoren und vieles andere. Keimzelle für die innovativen Ideen ist die dortige Universität. Oberösterreich meldet auch infolge mechatronischer Fortentwicklung mit Abstand die meisten Patente in Österreich an. Zum Mechatronik-Standort wurde die Region insbesondere durch die Schaffung eines Mechatronik-Clusters, an dem sich 20 Partner beteiligten. Heute umfasst das Netzwerk 323 Mitglieder, darunter 39 Forschungsinstitute. (7)


Siemens gründet Kompetenzzentrum

Auch Siemens ist dem Lockruf aus Linz erlegen und hat dort zum 1. August dieses Jahres ein globales Kompetenzzentrum für Mechatronik gegründet. Rund 60 neue Mitarbeiter werden hier die Arbeit aufnehmen. (10)


Komplettsysteme von JAT

Die Jenaer Antriebstechnik (JAT) bietet mechatronische Komplettsysteme an, mit denen die Kunden den Aufbau ihres Maschinenparks modularisieren und damit vereinfachen können. Schon die Bezeichnungen der einzelnen Produkte machen allerdings klar, dass die Mechatronik ein Fall für Spezialisten ist: Angeboten werden so genannte Präzisions-Linearachsen, XY-Tische, Gantry-Systeme und CFK-Auslegerachsen& . (9)



Zahlen & Fakten



Beliebter Studiengang

Die hohe Attraktivität von Mechatronikern auf dem Arbeitsmarkt schlägt sich immer mehr auf die Zahl der Studierenden nieder. Zwischen den Wintersemestern 2001/2002 und 2009/2010 stiegen die Studentenzahlen von 1 000 auf rund 12 500 an. 2009 schlossen 1 700 junge Mechatroniker das Studium erfolgreich ab. Überdies ist Mechatronik seit zehn Jahren nicht mehr nur ein akademischer Abschluss, sondern ein Ausbildungsberuf für die Montage und Wartung komplexer Maschinen. (3), (4), (8)



Weiterführende Literatur:

(1.) Orchester der Mechatronik / Harmonisches Zusammenspiel der Technologien ist die Grundlage für die Energieeffizienz
aus Der Konstrukteur, Heft 07-08/2011, S. 30

(2.) Druck durch Energieeffizienz und Medizintechnik
aus VDI NR. 26-27 VOM 01.07.2011 SEITE 25

(3.) Baumeister für intelligente Geräte lernen ihr Handwerk an den Hochschulen
aus VDI NR. 26-27 VOM 01.07.2011 SEITE 27

(4.) Elektrotechnik und Mechatronik boomen
aus VDI NR. 26-27 VOM 01.07.2011 SEITE 25

(5.) Forum Mechatronik / Geballtes Knowhow und die F & E-Trends von morgen
aus www.elektrotechnik.de vom 25.07.2011

(6.) Neues "Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik" / Anwendungsorientierte Wissenschaft für die Wirtschaft
aus Markt & Technik, Heft 28/2011, S. 3

(7.) Oberösterreichisches Mechatronik-Cluster vernetzt 323 Firmen und Institute / Die Mechatronik hat eine Heimat: Linz
aus Industrieanzeiger, Heft 14, 2011, S. 20

(8.) Sieben neue Studiengänge in Chemnitz
aus Industrieanzeiger, Heft 14, 2011, S. 20

(9.) Mechatronik im Draht
aus Industrieanzeiger, Heft 14, 2011, S. 20

(10.) Siemens VAI gründete Mechatronik-Kompetenzzentrum in Linz
aus APA-JOURNAL Engineering vom 19.08.2011

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 08 vom 26.08.2011
Dokument-ID: s_mas_20110826

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