GENIOS BranchenWissen > TEXTIL
Logo GENIOS BranchenWissen

Curated Shopping - vereint die Vorteile von zwei Welten

TEXTIL | GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 06.07.2015


Wenige Nutzer, aber großes Potenzial

Seit Jahren kaufen immer mehr deutsche Verbraucher Mode und Textilien im Internet. Doch was sind die Gründe für den wachsenden Erfolgs des Onlinegeschäfts? Eine Antwort auf die Frage gibt eine Studie der Marktforscher von Konzept&Markt. Demnach ist der bequeme Einkauf von zu Hause aus für genau die Hälfte der Modekäufer der wichtigste Vorteil des Onlineshoppings. Als weitere Vorzüge nennen 47 Prozent der Befragten die große Auswahl und 45 Prozent schätzen die Lieferung nach Hause. Es folgen günstige Preise mit 42 Prozent auf Platz vier. Die Möglichkeit rund um die Uhr einkaufen zu können schätzen ebenfalls 42 Prozent der Befragten. Auf den weiteren Plätzen folgen gute Vergleichsmöglichkeiten mit 23 Prozent und der einfache Umtausch in Onlineshops mit 21 Prozent.

Eine Überraschung ist, dass den befragten Onlinemodekäufern Beratung im stationären Handel nicht so wichtig ist. Nur 15 Prozent von ihnen schätzen diese, wenn sie Stores besuchen. Doch Curated Shopping scheint bei Interneteinkäufern besser anzukommen. Denn der Konjunkturindex Shopper (S-Kix) des E-Commerce-Centers Köln (ECC) kommt zu dem Ergebnis, dass sich jeder fünfte Internetnutzer vorstellen kann, mithilfe eines persönlichen Beraters Mode im Internet einzukaufen. Damit bietet sich ein großes Potenzial für Curated Shopping, denn bisher haben nur 3,6 Prozent der Online-Shopper den Service schon einmal genutzt. (1), (2)
Lücke zwischen Onlineshop und stationärem Geschäft geschlossen

Eine wichtige Zielgruppe von Curated Shopping sind so genannte Smart Natives. Darunter versteht man Menschen im Alter von 20 bis 25 Jahren, die täglich online sind und ihr Smartphone intensiv nutzen. Laut der ECC Studie Digital geboren: So ticken Smart Natives bieten Beratungskonzepte wie Curated Shopping großes Potenzial für den Onlinehandel. Denn jeder vierte Smart Native ist sich nicht sicher, im Onlinehandel den richtigen Artikel gekauft zu haben. Eine Ursache ist die Informationsvielfalt im Internet, die eine richtige Bewertung von Produkten schwer macht. Curated Shopping schließt dieses schwarze Loch, da eine Brücke zwischen dem anonymen Onlineshopping und einer persönlichen Beratung im stationären Geschäft geschlagen wird. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Internetkäufer das richtige Outfit gekauft hat, wird durch das betreute Einkaufen größer.

Doch worin sehen Kunden die Vorteile von betreutem Onlineshopping? Für 52,2 Prozent besteht laut S-Kix der größte Vorzug von Curated Shopping darin, dass sie Neues ausprobieren können. Auf Platz zwei der Vorteile liegt die Zeitersparnis mit 39,5 Prozent. Auf den weiteren Plätzen folgen Beratungsaspekte mit 29,3 Prozent und Überraschungseffekte mit 27,7 Prozent. (1), (3), [Abb. 1]
Geschäftsmodelle der Anbieter im Vergleich

Derzeit gibt es nur wenige Curated-Shopping-Anbieter auf dem deutschen Markt. Diese lassen sich grob anhand der Zielgruppe unterscheiden, für welche sie aktiv sind: Männer oder Frauen. Auf Männer haben sich die beiden Curated-Shopping-Pioniere Modomoto und Outfittery spezialisiert. Beide gingen in etwa zeitgleich Ende 2011 beziehungsweise Anfang 2012 an den Start. Seitdem sollen sie ihre Umsätze jedes Jahr mindestens verdoppelt haben. Das gleiche Segment bearbeiten 8Select, das Anfang 2013 gegründet wurde, und der P&C-Düsseldorf-Ableger FashionID, der mit seinem Service unter der Rubrik Stilbox im April 2015 online ging. Frauen sind die Zielgruppe von Kisura und 3compliments, ersterer ging 2013 an den Start, letzterer 2014. Frauen gelten als die schwierige Zielgruppe, da weibliche Käufer in Sachen Mode als weitgehend beratungsresistent gelten. Zalando ist das einzige Unternehmen, das sich mit den Zalon genannten Curated-Shopping-Service sowohl an Frauen als auch an Männer wendet. Offiziell ging Zalon, ein Kunstwort aus Zalando und dem französischen Wort Salon (Großer Saal), im Mai dieses Jahres an den Start. Betreiber des Services ist die 100prozentige Zalando-Tochter Fashion Entrepreneurs GmbH.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist das Anstellungsverhältnis der so genannten Stylisten, die die persönlichen Outfits der Kunden zusammenstellen. Outfittery, Modomoto und Kisura arbeiten ausschließlich mit festangestellten Beratern. Bei Zalon dagegen arbeiten nur zehn Prozent der rund 100 Stylisten in fester Anstellung, der Rest ist freiberuflich für das Unternehmen tätig. Das ergibt insofern Sinn, da diese über ganz Deutschland verteilt sind, um regionale Vorlieben der Kunden zu berücksichtigen. Bei den Kundenberatern von Zalon, die regelmäßig geschult werden, handelt es in der Regel um erfahrende Modeverkäufer, Designer oder Modestudenten. Diese werden auf der Zalon-Seite in Wort und Bild vorgestellt, so dass die Kunden leichter den für sie passenden Stylisten auswählen können. Für 8Select und FashionID gibt es dazu keine Informationen.

Unterschiede gibt es auch bei der Präsentation der vom Kunden ausgewählten Produkte. Zalon, 8Select und FashionID zeigen die Outfits vor dem Versand im Kundenkonto. So können sich die Kunden die Ware noch einmal in Ruhe betrachten, bevor sie die Bestellung ausführen. Ziel ist es, die Retouren-Quote gering zu halten. Modomoto und Outfittery dagegen wollen einen Überraschungseffekt nutzen und schicken den Kunden die Ware direkt zu. Diese Strategie hat jedoch einen hohen Preis, da die Retouren-Quote der beiden Anbieter über dem Branchenschnitt von 50 Prozent liegen soll.

Die Anbieter unterscheiden sich auch in Bezug auf Sonderaktionen. Bei Outfittery und Modomoto gibt es keine Sales-Aktionen. In den Angeboten von FashionID und Zalon dagegen finden sich die Rabatte aus ihrem normalen Onlineangebot beziehungsweise der Angebote des Mutterunternehmens wieder. 3compliments bietet seinen Kunden die Rabatte von Partnershops an. Für Sonderangebote arbeitet 8Select mit der Second-Hand-Plattform Buddy&Selly zusammen.

Allein gemeinsam ist, dass vor dem ersten Kontakt mit dem Stilberater ein Fragebogen ausgefüllt werden muss. Bei Zalon enthält dieser Fragen wie zum Beispiel, wo der Kunde sonst einkauft und zu welchem Anlass ein Outfit gesucht wird. Bei FashionID geht es beispielsweise darum, ob man auf der Suche nach einem Business- oder Freizeit-Look ist, welche Marken gerne getragen werden, wie alt sie sich fühlen und wie viel Budget sie im Schnitt jeweils für T-Shirts, Hosen, Pullis und Schuhe ausgeben. Daneben gibt es Fragen nach Größen, Gewicht und Statur, typischen Passformproblemen bei verschiedenen Produktgruppen sowie dem bevorzugten T-Shirt-Ausschnitt. (4), (5), (6), (7)




Fallbeispiele


Outfittery: eröffnet Concept-Store am Flughafen

Outfittery hat einen Concept-Store am Hamburger Flughafen eröffnet. Der 15 Quadratmeter große Laden befindet sich im Sicherheitsbereich. Doch in dem Laden kann nichts gekauft werden. Die Absicht des Unternehmens ist es, Männern die Möglichkeit zu bieten, sich in der Zeit bis zum Abflug von Styling-Experten passende Outfits zusammenstellen zu lassen. Die Ware wird dann per Post nach Hause oder zur Arbeitsstelle geschickt. Der Service steht täglich von 7 bis 21 Uhr zur Verfügung. (8)

Modomoto: expandiert in die Schweiz

Modomoto will nach Österreich nun auch in der Schweiz aktiv werden. Grundlagen für einen Erfolg sollen hierbei kostenlose Lieferungen und Retouren, einer Auswahl von rund 50 Marken und ein einfacher Service sein.

Als ein Problem könnte sich jedoch erweisen, dass die Schweizer Webadresse Modomoto.ch bereits von einem Motorrad-Blog verwendet wird. Deswegen müssen Schweizer Kunden die .com-Domain anwählen. (9)


Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Öfter mal was Neues

Entnommen aus: www.textilwirtschaft.de, 15.05.2015, (1)

Weiterführende Literatur:

(1.) Interesse an wächst Curated Shopping
aus www.textilwirtschaft.de vom 15.05.2015

(2.) Bequemer Einkauf ist wichtiger als der Preis
aus TextilWirtschaft 45 vom 06.11.2014 Seite 037

(3.) Großes Potenzial für Curated Shopping
aus www.textilwirtschaft.de vom 05.06.2015

(4.) Betreutes Einkaufen
aus TextilWirtschaft 18 vom 30.04.2015 Seite 030 bis 031

(5.) Curated Shopping: Zalando startet Zalon
aus www.textilwirtschaft.de vom 12.05.2015

(6.) Zalando übernimmt Entwickler-Team von Txtr
aus www.textilwirtschaft.de vom 13.03.2015

(7.) P&C startet mit Curated Shopping
aus www.textilwirtschaft.de vom 17.04.2015

(8.) Outfittery eröffnet Concept-Store in Hamburg
aus www.textilwirtschaft.de vom 23.06.2014

(9.) Schweizer Start für Modomoto
aus Handelszeitung Nr. 26 vom 25.06.2015 Seite 8

Markus Hofstetter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 06.07.2015
Dokument-ID: s_tex_20150706

Alle Rechte vorbehalten. © GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH