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Cat-Bonds - Verbriefung von Versicherungsrisiken im Aufwind

VERSICHERUNGEN | GENIOS BranchenWissen Nr. 01/2006 vom 20.01.2006

Beitrag

Naturkatastrophen haben im Jahr 2005 sehr hohe Schäden verursacht und stellen die Versicherer vor neue Herausforderungen. Die Lösung lautet Alternative Risk Transfer, was bedeutet, dass die Versicherer u.a. vermehrt Risiken an die Finanzmärkte abtreten bspw. in Form von Cat-Bonds. (7)



Funktionsweise von Cat-Bonds

Schadenereignisse, wie der Hurrikan Katrina, bedeuten für Versicherungsunternehmen, dass hohe Entschädigungsforderungen auf einen Schlag anfallen. Die Versicherungen können solche Risikospitzen mittels Cat-Bonds (Katastrophen-Anleihen) an den Kapitalmarkt abgeben. (10)

Cat-Bonds sind Verbriefungen von Naturkatastrophenrisiken wie Erdbeben, Wirbel- oder Winterstürmen. Mit Hilfe von Cat-Bonds transferieren Versicherungsunternehmen, insbesondere Rückversicherungsunternehmen, diese Risiken an den Kapitalmarkt. Versichert werden nur solche Objekte und Regionen, die sich in stark bebauten und wohlhabenden Ländern befinden. Denn hier können Schadensfälle zu immensen Kosten führen, die kein Versicherungsunternehmen alleine tragen kann. (2), (9)

Die das Risiko abgebende Versicherung bezweckt damit, der potenziellen Schadenbelastung die Spitze zu nehmen und so ihre Kapazität zu erhöhen, weitere Risiken zu tragen. Die den Cat-Bonds emittierende Versicherung bezahlt dem Investor für die Übernahme des Risikos eine Prämie, den so genannten Kupon. Dessen prozentuale Höhe ist von vornherein festgelegt und ändert sich nicht. Im Schadensfall verliert der Investor stattdessen einen Teil oder sogar sein gesamtes eingesetztes Kapital. Maßgeblich dafür sind Kriterien, die vor der Emission des Bonds in den Anleihebedingungen festgelegt werden und sich etwa an Sturm- oder Erdbebenstärken oder einer bestimmten Schadenshöhe orientieren. Zusätzlich zum Kupon bekommt der Investor den Ertrag des Geldmarktes, der im Drei-Monats-Libor gemessen wird. Tritt während der Laufzeit, die meistens zwischen drei und fünf Jahren liegt, kein Schadensereignis auf, welches das investierte Kapital reduziert, erhält der Investor am Ende das gesamte eingezahlte Kapital zurück. (2), (4)

Mit der Verbriefung von Cat-Bonds vollziehen die Versicherungsgesellschaften nach, was die Banken seit längerem erfolgreich praktizieren. Sie verhalten sich als Risikospezialisten, die Risiken zwar beurteilen, doch nicht notwendigerweise übernehmen. Vielmehr geben sie die Risiken, etwa verpackt in Katastrophenanleihen, an Drittparteien wie Investoren weiter. (3)

Privatinvestoren haben erst beschränkten Zugang zu diesem Segment. Einzelpapiere sind für sie nicht erhältlich. (2)



Vorteile von Cat-Bonds für die Versicherer

Cat-Bonds sind Teil der Absicherungsmechanismen eines Versicherers. Derzeit setzen insbesondere die Rückversicherer zunehmend auf dieses alternative Finanzinstrument, weil die Kapazitäten auf dem traditionell genutzten Retrozessionsmarkt nach der schwersten Hurrikan-Saison aller Zeiten knapp und teuer sind. Mit Retrozession bezeichnet man die Weitergabe von Risiken von einem an einen anderen Rückversicherer. Darüber sichern sich Rückversicherer klassisch gegen Naturgefahren ab. Durch den verstärkten Einsatz von Cat-Bonds können die Versicherer ihr eigenes Risikomanagement verbessern. Außerdem ist die Emission von Katastrophenanleihen deutlich günstiger als die Unterlegung des kompletten Geschäfts mit Eigenkapital. (1), (7)



Vorteile von Cat-Bonds für die Investoren

Cat-Bonds weisen einige Vorteile auf, denn ihre Entwicklung korreliert in keiner Weise mit den Aktien-, Anleihe- und sogar den Hedge-Fonds-Märkten. Das bedeutet, dass sie sehr gut zur Diversifikation geeignet sind. Außerdem erhöht sich die Rendite bei steigenden Zinsen, ganz im Gegensatz zu gewöhnlichen Anleihen. Gerade in Märkten mit steigenden Zinsen sind Cat-Bonds deshalb besonders attraktiv. Die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Cat-Bonds ist wesentlich geringer als die meisten Investoren vermuten. Denn das für Investoren vielleicht wichtigste Detail besagt, dass nur Schäden versichert werden, die nicht von menschlicher Seite verursacht wurden, Terroranschläge sind damit ausgeschlossen. (2)



Fallbeispiele



Konrad Becker, Versicherungsanalyst bei Merck & Finck, und Andreas Schäfer, Versicherungsanalyst bei der WestLB, erwarten in nächster Zeit ein verstärktes Engagement der Versicherungsunternehmen auf dem Kapitalmarkt. Dabei setzen die Versicherer zunehmend auf alternative Instrumente wie Katastrophenbonds. (1)

Bei der Swiss Re wird derzeit lediglich ein kleiner Teil der Risiken über Cat-Bonds abgesichert. Der Anteil liegt im einstelligen Prozentbereich. Laut Aussage des Swiss-Re-Chefvolkswirts Thomas Hess, soll der Anteil in zehn Jahren über 30 Prozent betragen.

Die Münchener Rückversicherung hat im November 2005 einen Cat-Bonds über EUR 110 Millionen ausgegeben. Damit werden Windsturmrisiken Englands, Frankreichs, Deutschlands, Belgiens und der Niederlande an den Kapitalmarkt transferiert. (1)

Die Hannover Rückversicherung plant in den kommenden Wochen eine Verbriefung von Katastrophenrisiken in Höhe von $ 500 Millionen. (5)

Zahlen & Fakten

Lag das ausstehende Vermögen aller Cat-Bonds Anfang des Jahres 2005 noch bei $ 4,1 Milliarden, betrug es Ende 2005 schon rund $ 5,2 Milliarden. (2)



Gemessen am Weltversicherungsmarkt von $ 3 244 Milliarden nimmt der Cat-Bonds-Markt eine Nischenstellung ein. Es mangelt jedoch nicht an der Nachfrage, eher am Angebot. Diese Lücke könnten künftig Verbriefungen von Massenrisiken bspw. aus Lebens- und Kfz-Versicherungsbeständen füllen. Die Swiss Re hat im Jahr 2005 bereits damit begonnen und die Axa-Versicherung will nachziehen. (8)



In der fünfzehnjährigen Geschichte der Cat-Bonds ist der erste Ausfall absehbar. Aufgrund von Hurrikan "Katrina" werden die Investoren von Kamp Re, einer Zweckgesellschaft mit Rückversicherungsschäden von Zurich Financial Services (ZFS) in der Bilanz, voraussichtlich einen Verlust von $ 190 Millionen erleiden. Die Bedingungen des betroffenen Bonds sind einfach: Im Gegenzug für deutlich über dem Markt liegende Zinsen stimmten die Investoren zu, dass ihr eingesetztes Kapital verloren ist, wenn ZFS für einen Sturm- oder Erdbebenschaden mehr als $ 1 Milliarde zahlen muss. (3), (6)

Weiterführende Literatur:

(1.) Dohmen, Caspar, Versicherer sammeln Kapital, Handelsblatt Nr. 232, 30.11.2005, S. 24
aus Handelsblatt Nr. 232 vom 30.11.05 Seite 24

(2.) Diekmann, Martin, Wenn der Sturm den Gewinn verhagelt, Mit Katastrophen-Bonds wtten Anleger drauf, dass ein Schaden nicht eintritt, Financial Times Deutschland, 30.09.2005, S. BE14
aus Financial Times Deutschland vom 30.09.2005, Seite BE14

(3.) O.V., Handel mit Wind und Wetter, Hedge-Funds treten neuerdings als „Rückversicherer“ auf, Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2005, Nr. 273, S. 31
aus Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2005, Nr. 273, S. 31

(4.) Roos, Christoph, Anlegen mit Cat-Bonds: Investor übernimmt die Rolle der Versicherung, Finanz und Wirtschaft, 19.11.2005, S. 13
aus Finanz und Wirtschaft, Seite 13

(5.) Fromme, Herbert, Hannover Rück verbrieft Risiken, Unternehmen hält an Naturkatastrophendeckung fest FTD-Interview mit Vorstandschef Zeller, Financial Times Deutschland, 05.12.2005, S. 17
aus Financial Times Deutschland vom 05.12.2005, Seite 17

(6.) Fromme, Herbert, Besitzer von Katastrophenbonds droht Totalverlust, Hurrikan-Serie dürfte erstmals zu Anleihe-Ausfall führen, Financial Times Deutschland, 03.11.2005, S. 17
aus Financial Times Deutschland vom 03.11.2005, Seite 17

(7.) Wicki, Bruno / Hubli, Ivo, ART ist ein zukunftsträchtiger Markt für Hedge funds, Transfer von Versicherungsrisiken an den Kapitalmarkt, Finanz und Wirtschaft, 05.11.2005, S. 104
aus Finanz und Wirtschaft, Seite 104

(8.) Luttmer, Nina, Verbriefung reizt institutionelle Anleger, Gesellschaftliche Deckungsgeber sichern ihre Risiken über den Kapitalmarkt ab Swiss Re und Hannover Rück sind Branchenvorreiter, Financial Times Deutschland, 25.10.2005, S. BE4
aus Financial Times Deutschland vom 25.10.2005, Seite BE4

(9.) Diekmann, Martin, Wetten gegen die Katastrophe, Cat-Bond-Fonds übernehmen Risiken der Versicherer, Financial Times Deutschland, 05.09.2005, S. 26
aus Financial Times Deutschland vom 05.09.2005, Seite 26

(10.) O.V., Mit „Katastrophen-Bonds“ gegen Grossrisiken, Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2005, Nr. 205, S. 31
aus Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2005, Nr. 205, S. 31

A.Kaindl

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 01/2006 vom 20.01.2006
Dokument-ID: s_ver_20060120

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