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Buchhandel - der Markt stagniert seit gut zehn Jahren

MEDIEN & VERLAGE | GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 28.07.2017


Umsatz im deutschen Buchhandel wieder leicht gestiegen

Im deutschen Buchhandel ist der Umsatz 2016 um ein Prozent auf 9,28 Milliarden Euro gestiegen. Auf den stationären Buchhandel entfielen davon 4,39 Milliarden Euro. Damit erwirbt fast die Hälfte aller Menschen ihre Lektüre vor Ort in einer Buchhandlung. Der Internetbuchhandel spielt mit einem Marktanteil von rund 18 Prozent nur eine untergeordnete Rolle. Der Markt für elektronische Bücher (E-Books) stagniert bei einem Anteil von 4,5 Prozent. Zudem kamen im vergangenen Jahr so wenige Bücher wie seit zehn Jahren nicht mehr auf den Markt. Die Zahl der Neuerscheinungen sank um fünf Prozent auf 72 820. Insgesamt bewegt sich der Branchenumsatz seit Jahren konstant über der Marke von neun Milliarden Euro. (1), (2), (3), [Abb. 1]


Fachbuchhandlungen sehen sich in ihrer Existenz bedroht

Die Bundesregierung will über ein neues Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz Studenten den Zugang zu Lehr- und Lernmedien erleichtern. So sollen künftig bis zu 15 Prozent eines Buches ohne Rücksprache mit dem Autor oder Verlag digitalisiert, heruntergeladen und ausgedruckt werden dürfen. Dafür ist zwar eine Pauschalabgeltung vorgesehen, dennoch fürchten die etwa 600 überwiegend mittelständischen Fach- und Wissenschaftsverlage um ihre Existenz. Seit 2003 ist der Umsatz mit Lehrbüchern um 30 Prozent gesunken, während die Zahl der Studenten im selben Zeitraum um 30 Prozent gestiegen ist. Fachbuchhandlungen sehen sich von dieser Entwicklung in ihrer Existenz bedroht. (3)



Trends

Früher waren es Apple mit seinem iPhone oder iPad, Google mit seiner digitalen Bibliothek oder der Online-Händler Amazon, die dem Buchhandel das Wasser abgraben sollten. Dann galt der digitale Wandel mit elektronischen Lesegeräten als Bedrohung. Zwar verliert der stationäre Buchhandel Marktanteile, doch der Branchenumsatz entwickelt sich erstaunlich robust. Seit über zehn Jahren liegt er über der Marke von neun Milliarden Euro. (1)

Problematisch für den stationären Buchhandel ist die sinkende Kundenfrequenz in den Innenstädten. Allein im Dezember 2016 kamen gut fünf Prozent weniger Besucher in die Städte als ein Jahr zuvor, obwohl es wegen der Lage der Feiertage zwei Verkaufstage mehr gab. Der dadurch hervorgerufene Umsatzrückgang lässt sich auch durch ein Online-Angebot nur teilweise ausgleichen. Denn viele Kunden, die nicht in die Innenstadt kommen, sind für den stationären Buchhandel verloren. Dabei handelt es sich zum einen um die Spontankäufer und zum anderen um jene Kunden, die im Internet dann bei dem US-Händler Amazon landen. Auf dem Online-Buchmarkt hat dieser einen Marktanteil von bis zu 70 Prozent. (3)

Die Zahl der Buchkäufer ist 2016 insgesamt um 6,9 Prozent auf 30,8 Millionen zurückgegangen. Demgegenüber nahm die Kaufintensität zu. Die Kunden erwarben durchschnittlich 12,2 Bücher pro Jahr, 2015 waren es 11,5. Zudem stiegen die Ausgaben für Bücher pro Käufer um 9,4 Prozent auf 134,29 Euro, der durchschnittlich pro Buch bezahlte Preis erhöhte sich um 2,6 Prozent. (2)



Fallbeispiele

Das Medienhaus Weltbild ist nach der Übernahme durch die Unternehmensgruppe Droege wieder auf Wachstumskurs. Im Geschäftsjahr 2016/17 (30. Juni) stieg der Umsatz um fünf Prozent auf 425 Millionen Euro. Damit wurde das angestrebte Umsatzziel von 450 Millionen Euro nicht erreicht. Aber im Versand-, und hier vor allem im Online-Handel, legte Weltbild ordentlich zu. Die Marke buecher.de wuchs um zehn Prozent. Weltbild ist mit den Marken Weltbild, Jokers (modernes Antiquariat), Kidoh (Kleinkindbedarf), Tolino (elektronische Bücher) und buecher.de am Markt. Zudem gehören zum Unternehmen Aktivitäten in Österreich und der Schweiz. Droege hatte nach der Insolvenz von Weltbild zunächst 60 und dann weitere zehn Prozent übernommen. Inzwischen hat man sich Weltbild komplett einverleibt. (4)

Trotz rückläufiger Frequenz und der Konkurrenz aus dem Internet setzt die Buchhandelskette Osiander weiter auf Wachstum. Das Familienunternehmen ist vor allem in Südwestdeutschland aktiv. Das Filialnetz wird nun durch die Übernahme von vier Herwig-Buchgeschäften in Göppingen, Heidenheim, Aalen und Schwäbisch Gmünd vergrößert, hinzu kommt eine Filiale in Bad Kreuznach. Ende des Jahres dürfte Osiander damit bei 45 Geschäften stehen. 2014 waren es 30. Langfristig zielt die Kette auf 60 bis 70 Filialen. Osiander sieht seine Zukunft in regionaler Dominanz. In fast allen Städten, in denen Osiander Filialen hat, ist das Unternehmen Marktführer. (5)

Die Buchhandelskette Hugendubel setzt künftig auf kleinere Filialen und will sich vor allem auf Regionen konzentrieren, in denen sie bereits vertreten ist. So werden in München, wo das Unternehmen seinen Ursprung hat, zwei neue Filialen eröffnet, am Marienplatz und auf der Theresienhöhe. Damit hat Hugendubel in München Ende 2018 neun Filialen. In Göttingen wird Hugendubel im kommenden Jahr zwei Geschäfte schließen, in Bochum den Mietvertrag auslaufen lassen, in Kassel ist dies bereits geschehen. Die Filialen sollen künftig nicht mehr nur Buchhandlungen sein, bei Hugendubel spricht man jetzt von "Begegnungsstätten". Die Filialen sollen insgesamt kleiner werden. (7)

In Konstanz hat die Stadtverwaltung dem örtlichen Buchhandel einen pro Jahr bis zu 170 000 Euro schweren Auftrag entzogen. Künftig kauft die Stadt Bücher, Fachzeitschriften und Loseblattsammlungen mit aktualisierten Gesetzestexten außerhalb der Stadt ein. Die Buchhändler reagierten enttäuscht und verärgert. Der Bezug von Fachbüchern und Zeitschriften für die Stadtverwaltung ist noch nicht einmal der wichtigste Auftrag, den das Rathaus in diesem Bereich zu vergeben hat. Für rund 350 000 Euro pro Jahr kauft die Stadt Schulbücher, die die Schüler kostenfrei ausleihen können. Auch diese Bücher wurden über Jahrzehnte vom örtlichen Buchhandel bezogen. (6)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Buchhandelsumsatz 2005 - 2016
JahrGesamtumsatz*
20059,16
20069,26
20079,58
20089,61
20099,69
20109,7
20119,6
20129,52
20139,54
20149,32
20159,2
20169,28

* Angaben in Milliarden Euro Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels eigene Recherchen

Weiterführende Literatur:

(1.) Der Medien-Kommissar. Kein Grund zum Jammern für die Buchbranche
aus Handelsblatt online vom 12.06.2017

(2.) Jeden Monat ein Buch
aus Süddeutsche Zeitung, 09.06.2017, Ausgabe München, Bayern, Deutschland, S. 20

(3.) Den Fachverlagen geht es an den Kragen
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2017, Nr. 132, S. 26

(4.) Das Weltbild für die zweite Lebenshälfte
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2017, Nr. 140, S. 20

(5.) Osiander investiert wie noch nie
aus Immobilien Zeitung 24 vom 16.06.2017 Seite 012

(6.) Konstanz kündigt lokalen Buchhändlern
aus Südkurier Überlingen vom 22.06.2017, Seite 24

(7.) Hugendubel setzt auf kleinere Filialen
aus SZ Regionalausgabe - München West, 28.02.2017, S. R3

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 07 vom 28.07.2017
Dokument-ID: s_med_20170728

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